Es klingt wie das Drehbuch für einen Film, ist aber real: Sandi Toksvig, in Großbritannien eine bekannte TV-Moderatorin und Archäologin, reist für ihre neue Doku-Serie herum und berichtet von Ausgrabungen. Gleich bei den Dreharbeiten zur ersten Folge stößt ihr Team im südwestenglischen Dorset auf einen neuen Fund: Auf einem eisenzeitlichen Friedhof liegt das rund 2000 Jahre alte Skelett eines weiblichen Teenagers, achtlos in eine Grube geworfen, das Gesicht in den Boden gedrückt.
Verletzungen deuten auf massive Schläge hin
Schnell wird klar: Die junge Frau starb keines natürlichen Todes. Verletzungen an Armen und Oberkörper deuten auf massive Schläge hin, die Haltung der Gliedmaßen auf gefesselte Hände. Grabbeigaben fehlen vollkommen – ein Bruch mit den üblichen Bestattungsritualen der keltischen Durotriges. Und der Fall ist kein isolierter. Bereits 2010 und 2024 fanden Forscher in derselben Siedlung zwei ähnlich bestattete junge Frauen. Gewalt, Demütigung, fehlende Beigaben – sind das Morde? Für die Archäologen weist der Befund auf rituelle Tötungen hin.
Frauen besaßen Land, wurden aber auch Gewaltopfer
Für zusätzliche Spannung sorgt eine jüngst veröffentlichte genetische Studie: Die Durotriges waren offenbar matrilinear organisiert. Frauen besaßen Land, Männer zogen zu ihnen – und dennoch traf die Gewalt gerade junge Frauen. Wahrscheinlich hatten die Opfer einen niedrigen Status, waren Fremde oder Dienerinnen, die harte körperliche Arbeit verrichten mussten. Archäologen suchen nun nach Erklärungen für diese widersprüchliche Praxis. Sicher scheint nur eines: Die keltische Welt vor 2000 Jahren war weit komplexer und auch dunkler als bisher angenommen.
Eine wertvolle Grabbeigabe der keltischen Durotriges: verzierter Spiegel aus Kupferlegierung, 25 – 53 n. Chr.
© University of Bournemouth