Kleopatra weiß genau, wie sie den römischen Feldherrn Mark Anton beeindrucken kann. Wie schon zuvor bei Julius Cäsar setzt die ägyptische Königin auf überwältigende Inszenierung: Sie empfängt Mark Anton 41 v. Chr. auf einer prachtvollen Galeere. Diese Schiffe sind schwimmende Paläste, Symbole der Macht und Schauplätze einer Liebe, die schließlich zum Untergang beider Protagonisten und zum Ende des Ptolemäischen Reiches führt.
Bislang nur aus antiken Texten und Darstellungen bekannt
Genau solch ein Schiff haben nun Taucher um Franck Goddio vom Europäischen Institut für Unterwasserarchäologie (IEASM) vor der Küste Alexandrias in Ägypten entdeckt. Erstmals lässt sich damit ein Bootstyp archäologisch fassen, der bislang nur aus antiken Texten und Darstellungen bekannt ist. Das Wrack liegt im versunkenen Portus Magnus (Großen Hafen). Der Rumpf war rund 35 Meter lang und ungewöhnlich breit gebaut, um genug Platz für einen zentralen Pavillon zu bieten. Griechische Inschriften auf dem Kielbalken werden auf das frühe 1. Jahrhundert n. Chr. datiert, wenige Jahrzehnte nach Kleopatras Selbstmord 30 v. Chr. – eine Übergangsphase, in der Alexandria politisch bereits Rom unterstand, aber noch von ptolemäischen Traditionen geprägt war.
Mehr als schwimmende Partyorte
Antike Autoren wie Strabon beschreiben solche Thalamegoi als luxuriöse Kabinenboote, auf denen die Elite sich präsentierte. Doch waren sie mehr als schwimmende Partyorte. Ihre Nähe zu Heiligtümern deutet darauf hin, dass sie auch bei religiösen Prozessionen zum Einsatz kamen. Der Fundort des Wracks, nur wenige Meter vom Isis-Tempel entfernt, stützt diese Annahme. Hier berührt der archäologische Befund die große Geschichte. Kleopatra nutzte solche Schiffe zur Selbstdarstellung. Politische Allianz, private Beziehung und öffentlicher Auftritt ließen sich in Alexandria kaum trennen.
Das nun entdeckte Wrack solch eines schwimmenden Palasts.
© Christoph Gerigk/Franck Goddio/Hilti Foundation