Hadrianswall, nördlichste Grenze des römischen Imperiums im 2. Jahrhundert n. Chr.: Ein Legionär steht im peitschenden Regen Wache – doch sein schlimmster Feind sind nicht die Pikten, die im schottischen Nebel lauern, sondern Parasiten im eigenen Darm. Neue Analysen aus dem einstigen dortigen Kastell Vindolanda zeigen: Das vermeintlich unbesiegbare Heer wurde systematisch von Würmern zermürbt. Vindolanda ist heute berühmt für seine Schreibtafeln aus Holz und Tausende Lederschuhe, die im moorigen Boden die Jahrhunderte überdauerten. Doch Forscher der Universitäten Cambridge und Oxford interessierten sich für ein weniger appetitliches Erbe: die Abwasserkanäle.
Spulwürmer und Peitschenwürmer
In den Sedimenten des neun Meter langen Hauptgrabens der antiken Latrinen stießen sie auf eine alarmierende Konzentration von Parasiten-Eiern. In fast jeder vierten Probe fanden sich Spulwürmer, die bis zu 30 Zentimeter lang werden können, und etwa fünf Zentimeter lange Peitschenwürmer. Besonders brisant: Erstmals wurde für diese Zeit in Britannien der Einzeller Giardia duodenalis nachgewiesen, der die quälende Lamblien-Ruhr, auch Giardiasis genannt, auslöst.
Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Gewichtsverlust
Trotz Badekomplex und Latrinen waren in den Kastellen Wasser und Nahrung mit Fäkalien kontaminiert. Im Sommer lösten Giardiasis-Ausbrüche Masseninfektionen aus: Wochenlanger Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit und Gewichtsverlust entzogen den Soldaten Nährstoffe und machten sie kampfunfähig. Römische Ärzte kannten Würmer zwar, waren dagegen jedoch fast machtlos. Und Vindolanda war kein Einzelfall; auch in Lagern in Österreich und den Niederlanden litten Soldaten unter den unsichtbaren Feinden.
Hier wimmelte es von Parasiten. Die Überreste der Latrinen des römischen Kastells Vindolanda, heute an der Grenze zu Schottland.
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