Es ist ein riskantes Unterfangen. Noch nie zuvor hat es ein internationales Bündnis gewagt, hochrangige Vertreter einer Regierung vor Gericht zu stellen. Wie schwer es nach Hitlers Tod und dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 überhaupt war, dass sich die vier Siegermächte USA, Großbritannien, Sowjetunion und Frankreich auf einen Prozess einigen – statt sofortige Exekutionen durchzuführen –, zeigt der Polit-Thriller »Nürnberg« eindrücklich.
Ein Spiel um Macht und Manipulation
Als die Entscheidung für ein Verfahren gefallen ist, erhält Psychiater Dr. Kelley (gespielt von Rami Malek) den Auftrag, alle Angeklagten auf ihre Prozessfähigkeit hin zu untersuchen. Darunter ist Hermann Göring (brillant: Russell Crowe). Es folgt ein Spiel um Macht und Manipulation, die Suche nach Schuld und Verantwortung, Moral und Menschlichkeit. Stets schwingen quälende Fragen mit: Was sind das für Menschen, die solche Gräueltaten begangen, befohlen oder ausgeführt haben? Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Und: Kann es wieder passieren? Der historisch weitgehend akkurate Film basiert auf dem Buch »Der Nazi und der Psychiater« von Jack El-Hai aus dem Jahr 2013. Eine der Gänsehaut-Szenen: Als im Gerichtssaal minutenlang Originalaufnahmen aus den KZs eingespielt werden und Leichenberge mit Baggern weggeschoben werden.
Bluestone Entertainment/Walden Media 2026, Regie: James Vanderbilt, 148 Min., ab 7. Mai im Kino
Filmtrailer: