Pro & ContraDeko in der Kita: Weniger ist mehr - oder doch nicht?

Selbst gestaltete Kunstwerke, kräftige Farben oder saisonale Akzente prägen viele Gruppenräume. Wie die Jüngsten diese wahrnehmen, hängt auch von ihren Bedürfnissen und dem jeweiligen Raumkonzept ab.

© Florian Nütten

Eine einladende Atmosphäre schaffen

Eine gut durchdachte Dekoration im Gruppenraum schafft eine warme und einladende Umgebung, in der sich Kinder sicher und geborgen fühlen. Ausgewählte Farben, Formen und kindgerechte Motive regen die Sinne an und fördern die Wahrnehmung sowie die Kreativität der Jüngsten. Gleichzeitig bietet eine ansprechende Raumgestaltung Orientierung im Alltag, indem sie bestimmte Bereiche wie die Leseecke, den Bau- oder Kreativbereich visuell klar voneinander abgrenzt. Die Dekoration kann zudem Bildungsinhalte, bspw. zu Jahreszeiten, Zahlen, Buchstaben oder Naturmaterialien aufgreifen und so das spielerische Lernen unterstützen. Besonders wertvoll ist es, wenn die Kinder aktiv in die Gestaltung der Gruppenräume einbezogen werden. Eigene Kunstwerke oder Projekte der Jüngsten können neutral präsentiert werden, ohne eine Reizüberflutung zu verursachen. Dies steigert das Selbstwertgefühl der Jungen und Mädchen und ihre Identifikation mit dem Raum.
Eine gemütliche und harmonische Atmosphäre entsteht zudem durch Materialien wie Lichterketten, die eine warme Beleuchtung ermöglichen. Das vermittelt Geborgenheit, was insbesondere für jüngere Kinder wichtig ist, um sich im Raum emotional sicher zu fühlen. Wenn die Jüngsten ihren Gruppenraum als schön und einladend erleben, halten sie sich dort auch gerne auf, gehen achtsamer mit den Spielmaterialien um und entwickeln ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl. Eine liebevoll gestaltete Umgebung kann sich insgesamt positiv auf das Wohlbefinden, die Entwicklung und das soziale Miteinander der Kinder auswirken und fördert so eine harmonische Atmosphäre in der Einrichtung.

Keine Angst vor freien Flächen

Schneemänner ausschneiden, Osterhasen kleben … Und alle müssen ran an den Basteltisch! Im Ergebnis hängen 25 fast identische Objekte an den Wänden oder baumeln von der Decke. Die Interessen und Sichtweisen der Kinder spiegeln sich darin jedoch nicht wider. Daher ist weder die Herstellung solcher Werke noch ihr Einsatz zur Verschönerung des Raums sinnvoll. Dekoration, die keinen weiteren Zweck erfüllt, ist in der Kita überflüssig. Warum?

  • Die Motive bremsen die kindliche Fantasie i.d.R. aus und machen die Vorstellungen der Erwachsenen zur Norm. Oft finden sich vermenschlichte Darstellungen von Tieren und Gegenständen: lachende Sonnen, bekleidete Bären, Autos mit Augen usw.
  • Dekogegenständen fehlt meist der logische Bezug zur Funktion des Raums. Sie lenken ab und erschweren die Orientierung. Besonders jüngere und neurodivergente Kinder leiden unter den vielen zusätzlichen Reizen, die von ihnen ausgehen. Klare Räume mit erkennbarer Aussage wirken dagegen beruhigend.

Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Wände frei bleiben müssen und auf den Regalen nichts stehen darf. Aktuelle Ausstellungen mit individuellen Werken der Jüngsten (auf Kinderhöhe) laden sie dazu ein, das eigene Tun zu reflektieren und darüber ins Gespräch zu kommen. Fotos, die Abläufe und Ordnung erklären, sind kein Dekorationselement; genauso wenig wie Tischschmuck, der aus einem leeren Tisch einen gemütlichen Ort macht und die Aufmerksamkeit auf seine Mitte lenkt.
Und: Keine Angst vor freien Wandflächen! In einer passenden Farbe gestrichen, wirken sie nicht kahl, sondern geben dem Raum Halt.

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