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Transkript
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Intro
Hallo und herzlich willkommen zu heute im Kindergarten, dem Podcast von Kindergarten heute. Hier erwarten euch kleine und große pädagogische Happen. Perfekt zu genießen auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause. Ich bin Karen, Redakteurin beim Fachmagazin Kindergarten heute und mir gegenüber sitzt Patrick, Erzieher im Ü3-Bereich. Wir wollen mit euch über all das sprechen, was die Fachwelt, die pädagogische Praxis, die Redaktion und natürlich uns selbst bewegen.
Karen
Hallo zusammen. Herzlich willkommen zu einer besonderen Folge von heute im Kindergarten. Die nehmen wir nämlich extra auf für den Kita-Online-Kongress. Deswegen ein Hallo an unsere ganzen Teilnehmenden des Kita-Online-Kongress. Schön, dass ihr uns zuhört. Und natürlich Hallo an Patrick.
Patrick
Hallo.
Karen
Der ist nämlich auch da für euch, so wie immer, wie man uns kennt, falls ihr uns noch nicht kennt. ganz kurz ich bin Karen Kindheitspädagogin Medienpädagogin und Redakteurin bei Kindergarten heute und Patrick hier neben mir ist
Patrick
bin Erzieher
Karen
ist Erzieher ne das ist der Mann vom Fach hier der Mann in der Praxis.
Patrick
So sieht's aus so sieht's aus seit 12 13 Jahren mittlerweile im Geschäft und happier than ever.
Karen
Oh das ist toll ich auch ich auch und deswegen sind wir hier für euch ihr regulären Hörer:innen ihr wisst es ja alle. Aber noch mal zur Auffrischung, falls ihr es vergessen habt, nach den, ich glaube, ich weiß nicht, wie viel Folgen haben wir jetzt, 15 oder so, wenn ihr die hier dann hört, also es ist verrückt, wir wachsen auch, also bitte alle Neuen, die zuhören, folgt uns, teilt unseren Podcast und ja, schreibt uns auch gerne, was ihr vielleicht noch hören wollt, was ihr vielleicht nach dieser Folge dann denkt, ach, ist ja toll, da hör ich öfter mal rein und will vielleicht auch mal noch ein paar andere Sachen wissen von Karen und Patrick.
Patrick
Schön, dass ihr da seid. Danke fürs Zuhören.
Karen
Und ich würde sagen, wir machen heute mal einen bisschen anderen Einstieg. Also wir wollen uns heute dem Thema widmen: Herausfordernde Verhaltensweisen von Kindern. Das ist immer so schön benannt, ne? Aber was steckt eigentlich so dahinter? Was ist daran herausfordernd? Was fordert uns heraus am Verhalten der Kinder, also uns als Fachkräfte? Und wie können wir vielleicht auch damit umgehen? Darüber wollen wir heute so ein bisschen sprechen. Das ist der pädagogische Happen für heute, Patrick. Und um uns so ein bisschen darauf einzulassen, würde ich dir gerne ein Fallbeispiel kurz vorlesen und dann machen wir weiter, gell?
Patrick
Ja gerne.
Sound
Der pädagogische Happen.
Karen
Stell dir vor, Patrick, du kommst morgens in den Gruppenraum und sofort schlägt dir ein Stimmengewirr entgegen. Bausteine klappern, Kinder rufen durcheinander. In der Mitte steht Lukas, vier Jahre alt, die Hände noch voller Bauklötze, die er gerade vom Boden aufheben möchte, während er ein anderes Kind wegstößt. Sein Spiel sollte eigentlich schon beendet sein, doch Lukas ist noch mittendrin. Sein Gesicht zeigt Ärger, seine Bewegungen sind hektisch, seine Stimme laut und fordernd. Deine Kollegin steht daneben und blickt dich fassungslos an. Am Rand des Raumes bemerkst du Mila, ebenfalls vier. Sie ist ganz still, kaum sichtbar zwischen zwei Tischen, beobachtet das Geschehen mit zurückhaltendem Blick. Sie rührt sich kaum, sagt nichts, lässt die anderen einfach gewähren. Es ist fast, als ob sie sich hinter einer unsichtbaren Wand versteckt. Mila stört nicht, wirkt es. Sie fällt kaum auf. Jetzt lass ich es mal wirken, Patrick, und frag dich natürlich, na, ich habe dich direkt angesprochen in dem Fallbeispiel, was hat das mit dir gemacht gerade, was würdest du so Ja, was würdest du machen als Fachkraft, wenn dir das plötzlich diese zwei Situationen ja fast gleichzeitig in diesem Moment, wir können sie natürlich auch separat voneinander besprechen, passieren.
Patrick
Es ist halt eine ziemlich klassische Situation, wie sie jeden Tag in hunderttausenden Kitas so eben passiert, dass manche Kinder eben sehr starkes, sichtbares Verhalten zeigen und andere Kinder sich eher in sich selbst hineinkehren und was ja auch erstmal ein auffälliges Verhalten ist, wenn ein Kind sich sehr zurücknimmt, ja, unbeteiligt ist, ja, einfach untergeht irgendwie in der Masse und man sich immer denkt: Ach Mensch, wie heißt sie denn im Fallbeispiel Mila? Ach, die Mila, das ist so ein nettes, liebes Kind, stört nicht, ist halt auch da. Und das ist beides sehr besonders und beides braucht eben pädagogische Fachkräfte, die vernünftig auch darauf einwirken können. Also zum einen eben dem Jungen hier zu helfen, sich zu regulieren. und zum anderen dem Mädchen helfen eben eine Stimme zu geben und gesehen zu werden bzw. ja in in ins aktive Spiel mit reinzuholen in die ja genau.
Karen
Und bei beiden schauen was dahinter steckt ne also warum gibt es diese Verhaltensweisen, die du ja genau die wir ja oft auch als auffällig betiteln weil sie uns eben auffallen und du da will ich doch direkt mal ein Zitat mit einbringen was ich extra für heute vorbereitet habe Und zwar ist es aus einem „Kindergarten heute“-Text, den unter anderem Professor Dr. Fröhlich-Gildhoff mitgeschrieben hat und der sagt: „Was auffällig ist, hängt mit unseren Vorstellungen von Normalität zusammen.“ Also Werte und Normen werden für soziale Gruppen definiert. Wer sich also anders verhält, wie zum Beispiel Mila jetzt in dem Beispiel, die halt in der Ecke sitzt und sich gar nicht beteiligt am Spiel, wer sich anders verhält, fällt auf. Und noch dazu: „Es ist nicht das Kind, was eine Auffälligkeit zeigt, sondern in der Interaktion wird das Verhalten zur Herausforderung“, also in der Interaktion mit Kindern beispielsweise oder auch mit uns Fachkräften, wird es eine Herausforderung für alle Beteiligten damit umzugehen.
Patrick
Ja, ich glaube man hat in jeder Kita-Einrichtung, in jeder Gruppe hat man Kinder, die ein bisschen mehr auffallen als andere. Kinder, die emotionaler sind, Kinder, die lauter sind, die öfters irgendwelche Sachen kaputt machen und zerstören und so, ne. Also das sind ja alles Verhaltensweisen, die man kennt und schon hier und da gesehen hat und ich glaub, das ist wirklich ja mit so eine der Königsdisziplinen, den Kindern eben die Möglichkeit zu geben, sich damit auch auseinanderzusetzen und sie nicht in die Ecke zu stellen und sagen, nee, du störst schon wieder, du bist schon wieder zu laut, du bist schon wieder, es nervt, ich kann nicht mehr, also ne, das sind ja, Leider habe ich das auch immer wieder gesehen und festgestellt in Kitas, dass Kinder dann oft so niedergebügelt werden. Und das finde ich eben sehr, sehr traurig, weil sie haben ihre eigenen Entwicklungsaufgaben, sie haben ihre eigenen Erlebnisse, die sie quasi dahin geführt haben oder einfach erst mal den Charakter, den sie erst mal so haben. Und unsere Aufgabe ist es ja, dass die Kinder in einem Gruppengefüge, wir sind eine Gemeinschaftseinrichtung, wenn einer oder eine alles zerstört, was andere irgendwie aufbauen, dann wird es schwer sein, für das Kind in der Gesellschaft erst mal anzukommen. Und genau von dem her ist das ja gerade der Ansatz, den wir in der Kita haben und geben, dass wir den Kindern helfen, sich damit auseinanderzusetzen und ihnen da die Hand reichen und andere Möglichkeiten, Strukturen vielleicht aufzeigen können, damit sie sich besser regulieren lernen bzw. gar nicht erst hochfahren. Und das ist wirklich super, super sensibel, weil oftmals passt es nicht in den Alltag rein. Oftmals passieren zigtausend Situationen auf einmal und dann flippt das Kind aus. Und du denkst dir als Fachkraft so, nicht jetzt
Karen
Nicht schon wieder.
Patrick
ich kann gerade nicht. Das passiert aber wie es passiert und dafür kann das Kind nichts. Und manchmal, ja, weiß ich nicht, ist da glaube ich eine große Überforderung, Frustration da bei pädagogischen Fachkräften, die dann nicht richtig wissen, wie sie eben damit umzugehen haben. Und genauso beeindruckend finde ich das ganz, ganz oft, wenn ich zum Beispiel auch bei uns im Haus die Integrationsfachkräfte, Inklusionsfachkräfte, Entschuldigung, ja,
Karen
Direkt korrigiert.
Patrick
Es ist mir direkt aufgefallen, die so, so nah und so eng an diesen Kindern auch dran sind. Und ihnen ganz andere Möglichkeiten zeigen, mit diesen Situationen umzugehen, auf die ich manchmal auch nicht richtig komme. Also das finde ich ganz, ganz berührend, genau.
Karen
Ja, und das ist total wichtig, dass wir extra Personen haben in der Kita, also die Inklusionsfachkräfte, die da ja auch noch mal ein extra Auge drauf werfen können, weil es eben im Kita-Alltag, wie du sagst, schwierig sein kann, da wirklich in den Situationen dann auf das Kind alleine nur zu schauen, also bzw. wenn was passiert, wenn jetzt, du hast gerade gesagt, ja klar, wenn ein Kind plötzlich ausflippt, wir können ja auch gleich noch mal sammeln, was es denn für herausfordernde Verhaltensweisen gibt. Genau, natürlich ist dann der Fokus auf diesem Kind, aber gleichzeitig muss man ja auf die ganze Kindergruppe schauen. So, ja genau, wie geht dann alles weiter? Und Kinder Also eigentlich alle Kinder, wenn sie in die Kita kommen, müssen sich halt in irgendein System, also ich sag jetzt irgend so ein System einfügen, was vielleicht Erwachsene sich überlegt haben. Und deswegen sind wir Erwachsene ja auch dafür da, dass die Kinder sich da einfügen können und möchten die da gerne begleiten. Und Kinder, die uns eben auffallen und uns da noch herausfordern, müssen vielleicht noch mal anders
Patrick
Begleitet werden.
Karen
Anders begleitet werden, genau. Da müssen wir eben anders drauf schauen. Ich glaube, darum geht es. Und auch mal unsere Normen und Werte vielleicht hinterfragen, wie wir sie halt kennen.
Patrick
Ja, es sind eben ganz andere Bedürfnisse, die eben da dahinter stehen, beziehungsweise eigentlich ja haben alle Kinder das Bedürfnis, gesehen zu werden, sich beteiligen zu können und Anteil zu nehmen so am Alltag. Und genau, die Bedürfnisse sind, denke ich, überall gleich. Manche Kinder haben da eben einfach nur größere Probleme und Schwierigkeiten, weil ihr Verhalten von anderen eben nicht akzeptiert wird. So, also es ist nicht akzeptiert bei den anderen, dass ich schreie. Es ist nicht akzeptiert, dass ich jemanden gehauen habe. Es ist nicht akzeptiert, dass ich
Karen
Beiße
Patrick
beiße. So, ne? Das sind alles Situationen, wo die Kinder merken, nee, ich will doch eigentlich nur Kontakt aufnehmen. Ich will doch einfach nur einen Freund haben. Ich möchte auch irgendwie mit jemandem nur spielen und versucht sich eben durch das Verhalten, dass es gelernt hat oder dass es mitbekommen hat, dass es erstmal ausprobiert vielleicht auch irgendwie anzukommen, genau.
Karen
Ja. Und wenn dieses Verhalten eben auffällt, dann ist es unsere Rolle, damit umzugehen, ne? Kinder, die uns herausfordern durch ihr Verhalten, fallen besonders auf. Und deswegen ist es ja aber, deswegen habe ich auch dieses Beispiel, dieses Mädchen jetzt in dem Fall, kann natürlich auch ein Junge sein, das total zurückhaltend ist und quasi ja nicht auffällt durch Schreien, durch Lärm, durch irgendwie durch Lautstärke, was glaub ich im Normalfall einfach erst mal natürlich stärker auffällt, sondern halt ruhig ist und eben auf stille Kinder müssen wir genauso ein Auge haben und manchmal vielleicht sogar noch mehr drauf achten, weil die halt oft mitlaufen, ne?
Patrick
Genau, und es auch zu gefährlichen Situationen kommen kann. Also eine Kitagruppe ist ja auch eine kleine Form der Gesellschaft, die sich da zeigt, und Kinder, die wir haben teilweise auch Kinder in der Kita erlebt, selber, die eben eine Form von selektiven Mutismus haben, die also wirklich wenig bis gar nichts reden und sagen und sich in einer Situation, wo sie selbst sich in Gefahr befinden, weil ein anderes Kind sich auf sie drauf setzt, so zum Beispiel, oder an den Haaren zieht oder weiß ich nicht, sie ja nur festhält, eben sich nicht äußern kann. Und genau da muss man eben sehr, sehr, sehr nah dran sein und blickig dafür sein, wie sind gerade die Kinder drauf, wie sind die sensibilisiert, auch dahingehend, dass es eben eine besondere Form von Schutz einfach auch braucht. Also das ist nichts, was sich das Kind ausgesucht hat. Es ist so, wie es ist. Und wir wollen, dass das Kind Anteil nehmen kann an unserem Gruppenalltag und frei und geschützt sein kann, wie jedes andere Kind eben auch. Und da gilt es eben auch manchmal Dynamiken bei Kindern, die erstmal nicht auffällig sind, die aber auffällig werden, wenn sie zum Beispiel dann so ein Kind drangsalieren. Also das ist so so vielschichtig dieses Thema und hat eben einfach ganz viel mit Kinderschutz auch so zu tun. Also wie schütze ich die Kinder vor sich selbst, vor anderen Kindern, vor Erwachsenen? Das ist so so so wichtig und gerade wenn eben ein Kind das total ja ausrastet erstmal und körperlich wird und andere angreift so, wie habe ich als pädagogische Fachkraft die Sicherheit, damit umzugehen? Also darf ich das Kind festhalten, so in dem, wenn es versucht, mich zu hauen oder zu beißen? Wie gehe ich damit um? Ich glaube, da sind ganz viele Personen auch erst mal damit überfordert, was ich absolut nachvollziehen kann. Und genauso is es eben bei Kindern, die eben sich wenig beteiligen bzw. still sind. Ganz zurückgezogen ist es genauso. Wie komme ich daran? Wie kann ich da einen Draht finden?
Karen
Da steckt ganz viel drin, Patrick, ich will in ganz viele Sachen reingehen. Als erstes habe ich gedacht, weil du über stille Kinder gesprochen hast, um das eben auch zu sehen, du hast gerade auch selektiven Mutismus angesprochen, müssen wir uns, glaube ich, auch wieder noch mal, ich komme noch mal zurück, zur Gesellschaft, freimachen von diesem, das Kind ist halt einfach nur schüchtern, die redet halt nicht so viel, ja, und das wird dann schon und geht schon irgendwie so - kann halt mehr dahinter stecken. Deswegen, klar, schüchterne Kinder sind nicht immer still. Also man kann auch schüchtern sein und erst mal beobachten und dann trotzdem voll aufgehen in der Gemeinschaft. Und weil du gerade natürlich auch so die rechtliche Lage angesprochen hast, ich glaube auch, da herrscht ganz viel Unsicherheit. Was tue ich in Situationen, wenn sich so die Körperlichkeit des Kindes oder das auffallende Verhalten so gegen die Fachkraft richtet? Also da, das habe ich tatsächlich schon erlebt, in ner Einrichtung im Kleinkindbereich, da war ein Kind, was tatsächlich, was ich auch eingewöhnt habe, was auch in der Eingewöhnung schon, ja, was ich total auffällig fand, weil ich es nicht kannte, noch nicht. Und das Kind hat sehr viel geschrien, das war glaube ich schon zweieinhalb, also recht spät für eine Krippeneingewöhnung und hat aber ganz viel Ruhe, also hat super viel ruhige Räume eigentlich gebraucht und war glaube ich mit diesen Kindergruppen überfordert und es gab dann, als es dann eingewöhnt war, es hat lange gedauert, gab es einmal eine Situation beim Essen. Damals haben die Kinder sich quasi die Münder selber abgeputzt nach dem Essen und wir hatten auch einen Spiegel. Also schön partizipativ, selbst entscheiden, wann bin ich sauber, wie fühlt sich das an und so. Und ich habe ihm den Lappen gereicht und habe gesagt, hier schau mal dein Gesicht an, magst du dich ein bisschen abwaschen? Und ich glaube jetzt aus heutiger Sicht, glaube ich, dass ich ihm zu nah war. Aber ich Also ich glaube, es war ein normaler Abstand, aber in dem Moment war es, glaube ich, dem Kind zu nah und er hat mich angeschaut und hat mir einfach so mit der flachen Hand, also nicht mit der Faust, einfach ins Gesicht geschlagen. Und wir waren eben sehr nah, weil ich eben gekniet habe neben ihm. Und ich war komplett überrascht, ich war schockiert. Also klar, das war einfach ein Angriff so direkt aus der Nähe. Ich habe damit nicht gerechnet. Es war auch das erste Mal und ich war kurz so frozen, ne? und bin dann weg und habe dann gesagt, oh, das hat mir jetzt aber wehgetan, das kannst du nicht machen, du darfst mich nicht schlagen. Und habe dann zu einer Kollegin direkt gesagt, hey, kannst du bitte, kannst du bitte übernehmen, ich muss raus. Also mir kamen dann auch direkt die Tränen. Also ich merke auch voll, wie das gerade so mich berührt. Und ich bin froh, dass ich in dem Moment quasi dem Kind zurückgemeldet habe, hey, das ist nicht in Ordnung, was du gemacht hast, weil es ist auch nicht in Ordnung. Es hat mir wehgetan. Ich bin dann raus eben und habe aber später noch mal mit ihm gesprochen oder versucht, er hat das nicht so richtig aufgenommen und ich habe dann auf jeden Fall auch gemerkt, dass er mich dann auch gemieden hat. Also ich glaube, es hat auch voll viel mit ihm gemacht. Ja, und tatsächlich war in diesem, wir kommen nämlich jetzt zu dem oder so ein bisschen Überleitung zur Neurodivergenz. Wir haben dann, glaube ich, auch so immer mit unserer Supervisorin gesprochen und auch dann Kontakt mit den Eltern natürlich immer wieder aufgenommen. Und weil wir so ein bisschen so einen Autismus-Verdacht hatten. Genau, aber das war auf jeden Fall eine krasse Erfahrung und so viel nämlich zum: Wie darf ich mich verhalten? Natürlich darf ich in Momenten nicht irgendwie, ich darf jetzt nicht irgendwie selber handgreiflich werden. Ich darf aber, wenn ein Kind mich stark verletzt oder sich selbst, darf ich es natürlich irgendwie kurz festhalten. Nichts Schlimmeres passiert. Wir haben da auf jeden Fall auch Rechtsbeiträge dazu natürlich da gibt es findet man ja auch ganz viel dazu, aber es ist ganz sensibel, weil klar es ist dann eine Beziehungssache, weil es ist ja immer eine Beziehungssache ne zwischen den Kindern dann oder zwischen Kind und Fachkraft wenn irgendwie was anders ist als man es erwartet oder als man kennt ne also und dann quasi auffällig und einen herausfordert.
Patrick
Ja was mir da ein bisschen dazu einfällt ist dass es oft auch darum geht innerhalb dieser Beziehung für die Kinder auch ein Stück weit zu klären, bist du noch für mich da, magst du mich noch, auch wenn ich Verhalten zeige, also auch wenn ich schreie, auch wenn ich handgreiflich werde, auch wenn ich gerade einen ganz dollen Anfall habe, so dann ist es, das hab ich schon so oft erlebt, also auch in der Eingewöhnung, wo ein Kind wahnsinnig laut geschrien hat, also das ging über Tage so und ich hab das dann irgendwie mit übernommen von einer von einer Kollegin, die ist dann in Mutterschaftsurlaub gegangen und war dann irgendwie weg und ich hatte mir dann irgendwie auch so Ohrstöpsel ins Ohr gemacht, so und hab das quasi ein Stück weit ausgehalten, so und hab eben körperliche Nähe signalisiert, war mit dabei und es war dieser Moment, wo ich das quasi ausgehalten habe, ihr Verhalten, wo sie danach total zur Ruhe gekommen ist, wirklich und das einfach die Eingewöhnung war. Also ich glaube jetzt nicht, dass ich sie in dem Moment gebrochen habe, so ne, also ich hab sie jetzt nicht stundenlang schreien lassen, so ist es jetzt nicht, aber sie hat da ein ganz, ganz großes Thema einfach mit diesem Verlust, mit diesem Abschied gehabt und das war so der Moment, wo sie gemerkt hat, da ist jemand für mich da, da kann ich ja so sein, wie ich erstmal bin und ankommen und das, wie gesagt, war das letzte Mal, dass das Kind so laut war. Und ich mein, der hat hier und da immer mal wieder ein bisschen Temperament auch gehabt, ist noch mal eine andere Geschichte gewesen. Aber das war so dieser, dieser Anknüpfungspunkt der Beziehung zu dem Kind, das auszuhalten, dieses Verhalten. Und das merke ich auch bei anderen Kindern, die eben auffälliges Verhalten zeigen, dass die genauso, wenn nicht sogar noch ein bisschen mehr körperliche Nähe auch brauchen und eine Beziehung, eine Bindungsarbeit da einfach super, super wichtig ist, weil sie einfach einen gewissen Halt brauchen. So, und das merke ich immer wieder, je besser die Beziehung und die Bindung ist, umso weniger wird auch das auffällige Verhalten in dem Sinne, ne, also indem sie besser und besser ankommen und einfach wissen, wo kann ich andocken, wer, wer setzt mich in den Rahmen, ein Stück weit, ne, also ich mein, ich hab auch schon mal Fäuste abgekriegt, so, ne, und dann da auch immer so die Hände festgehalten und gesagt, du haust mich nicht, du haust mich nicht, ich möchte das nicht, so, und dann ist es halt immer so ein Spiel mit Nähe und Distanz. Einfach ne. Also, ich möchte kein Kind fixieren müssen. Das geht ne. Es geht völlig über meine pädagogische Grundhaltung, aber manchmal brauchen die Kinder es, dass sie in gewisser Art und Weise. festgehalten werden so, weißt du wie ich meine.
Karen
Also umarmt eher dann genau oder in die Richtung also wenn sie das möchten natürlich, wenn sie wirklich so in die Umarmung möchten.
Patrick
Habe ich eben auch bei einem anderen Kind das dann irgendwie versucht handgreiflich zu werden in so einer Situation, ich dann irgendwie kurz an den Händen festhalte und dann sage nee du bleibst jetzt erstmal hier, brauchst du eine Umarmung, was brauchst du gerade so und wir dann immer so ein bisschen austarieren, was er gerade braucht in diesem Moment - mal ist es dann wirklich eine Umarmung also dass er mich auch wirklich fest umarmt
Karen
dass er dich dann ganz spüren muss
Patrick
genau oder so in anderen Momenten drückt er dann meine Hand ganz fest und dann sage ich drück drück fester ne drück fester, lass es einmal richtig raus, du kannst mich hier kannst du mich drücken, ich erlaube dir das und man dann merkt, okay, zwei, dreimal drückt er richtig dolle und dann lässt er los und dann lässt er sich fallen. Also dann weiß er, okay, ich möchte jetzt auf diesem Schoß sitzen bleiben, das ist in Ordnung. Oder genau, möchte die Umarmung einfach noch weiter genießen. Und genau, manchmal sind sie einfach so auf einem emotionalen Level, dass sie so eine kleine Einordnung wieder brauchen. Und das merke ich immer wieder und es funktioniert aber wirklich nur, wenn die Bindung da ist so ansonsten ist es total traumatisierend einfach auch fürs Kind wenn es von einer wildfremden Person dann irgendwie erstmal festgehalten wird oder so ne also.
Karen
Na klar das ist dann auf jeden Fall auch übergriffig das
Patrick
Absolut absolut
Karen
Da muss man auch die Körpersprache gut lesen ja ja und das natürlich wissen. ich muss auch gerade denken, weil du es gesagt hast mit dem Drücken das finde ich voll schön, weil ich musste gerade auch an so wieso Stressbälle und so ne gibt es ja alles also klar offensichtlich braucht dieses Kind oder viele Kinder dann auch so eine körperliche Regulierung, die sie aber irgendwie anders selber einfach nicht finden können und die zeigt sich dann halt, indem sie halt was werfen, schlagen, schreien, also irgendwie muss was raus, ne, und in dem du, das find ich ein ganz schönes Beispiel, halt ja, sagst, hey, ich bin auch da, ich helfe dir dabei, quasi signalisierst, kann sich das Kind dann auch regulieren und versteht dann vielleicht auch, ah, das brauch ich dann in solchen Situationen, vielleicht, dann geh ich vielleicht, direkt rüber hier in die Kuschelecke und drück ganz fest den Hund, der da liegt oder weiß ich nicht und komm dann wieder zurück.
Patrick
Da gibt's ja auch so viele Ansätze. vor zwei drei Tagen oder so hat mich meine Inklusionsfachkraft aus einer anderen Etage, da hatten wir uns im Garten kurz so zusammengestellt, da hat sie mir so ein magnetisches Fidget
Karen
So n Fidget Toy ahja
Patrick
Fidget Toy irgendwie in die Hand gedrückt ja genau und dann hat sie den Kind so 2 3 Bällchen irgendwie gegeben. Ich habe so 2 3 Bällchen gehabt, so ein bisschen zum Auszuprobieren. Und da habe ich selber auch gemerkt, was das auch für einen Einfluss haben kann. Und das ist jetzt nichts, wo du jetzt mit einer krassen Kraft irgendwie rangehen musst, weil das habe ich auch gelesen bzw. weiß ich, dass wenn du ein Kind immer abreagieren lässt und es muss immer irgendwie dann lauter und doller und schlimmer und irgendwie irgendwo dagegen hauen oder sowas, dass es eher auch eine Form von Aggressivität fördert. Also dass es dann quasi einfach die Strategie ist, das aber noch mal umzulenken und einen anderen Reiz, taktilen Reiz einfach auch zu geben, kann da eben auch super helfen, um gar nicht erst in diesen Modus reinzukommen. So und genau von dem her finde ich es super wichtig, sich da auch mit verschiedenen Ansätzen einfach auch auseinanderzusetzen und da bin ich super dankbar, dass sie bei uns arbeitet und mir auch immer wieder Hinweise geben kann und so einen schönen Blick da einfach auch drauf hat. Das ist ganz, ganz besonders und also Hut ab vor allen pädagogischen Fachkräften, die sich mit dem Thema Inklusion auseinandersetzen, für alle, die eben schwierige Situationen auch in den Kitas erleben und genau eben nicht anfangen zu schreien und zu sagen, nee, hör jetzt auf, das nervt, sondern zum Kind gehen und gucken, was steckt dahinter, wie kann ich dir helfen, was brauchst du gerade, damit du zur Ruhe kommst, so und eben selber ruhig dabei bleiben, ohne zu schreien, so. Denn wir sind diejenigen, die eben Vorbild auch sind in solchen Situationen, wenn die Kinder merken, ja, da werde ich auch nur angeschrien.
Karen
Ja, dann machen sie halt selber weiter und natürlich gleichzeitig, weil du grad gesagt hast, ja, ruhig bleiben und auch als Fachkraft in sich rein spüren und merken, OK, aber ich kann jetzt nicht ruhig bleiben in dieser Situation, ich mach jetzt ein Cut, da gibt es noch meine Kollegen sind da, also ne, im besten Fall, aber die sind jemand ist immer da. Und dann dem Kind sagen, ich muss jetzt mal kurz raus. Oder vielleicht auch gar nichts sagen. Aber in der Situation, die ich geschildert habe, habe ich auch gesagt, ich muss jetzt mal kurz rausgehen, weil ich habe gemerkt, ich kann das jetzt nicht. Also ich hätte niemals geschrien, aber ich war ja, ich war überfordert. Das war, glaube ich, auch die erste Situation, die ich jemals so hatte. Genau. Und ich bin eigentlich auch stolz auf mich, wie ich das gelöst habe und wie wir im Team dann auch damit umgegangen sind, weil es ging um das Kind, weil das hat das Verhalten gezeigt. Und das ist wichtig, dass es nicht ausgeschlossen wird, sondern ich bin extra, ich hab mich quasi ausgeschlossen aus der Situation, weil ich gemerkt hab, da pass ich jetzt grad nicht mehr rein.
Patrick
Ja, und es ist auch die größte Qualität in einem Team, auch das abstimmen zu können miteinander. Also nicht zu sagen, ja, ist die jetzt überfordert mit dem Kind, warum, hä, was rennt die jetzt raus, was soll das jetzt so, sondern das ernst zu nehmen, zu sagen, hey, wenn du gerade an dem Punkt bist, wo es zu viel wird, wo du merkst, hey, es geht gerade nicht, das macht was mit dir, dann sag Bescheid, geh kurz raus, ich übernehme die Situation, dafür sind wir ja alle Fachkräfte, dass wir nicht einen Kampf auf Biegen und Brechen ja versuchen irgendwie zu lösen und durchzusetzen und dabei letztendlich das Kind nur gebrochen wird in einer gewissen Art und Weise und du da das auch nicht mehr kitten kannst so, das fände ich eben genau schwierig.
Karen
Ja ja total wichtig genau da sind wir wieder beim Kinderschutz also natürlich mit Kindern geht es immer um Kinderschutz, aber gerade eben in solchen Situationen, wenn uns Verhalten herausfordert, dann steht der Kinderschutz an erster Stelle oder beziehungsweise der Personenschutz, weil wir müssen ja auch sagen, es ist mir jetzt zu viel, aber ich mache es auch fürs Kind.
Patrick
Selbstschutz vor Fremdschutz ist ja auch immer so eine kleine Devise. Wie gesagt, aber manchmal brauchen Kinder das ja auch einfach, dass man das ein Stück weit aushält, so. Ja, ich hatte am Anfang meiner Ausbildung, das war glaube ich mein allererstes Praktikum, wo ich eben auch mit Menschen mit Behinderung gearbeitet habe. Das waren starke körperliche Beeinträchtigungen, aber auch wirklich starke Verhaltensauffälligkeiten. Da war ich in den zwei krassesten Gruppen so. Und da habe ich gelernt, wozu Menschen fähig sind. So, also wenn dann irgendwie mit Kacke, die ganze Toilette irgendwie voll vollgeschmiert wurde, die Wände, Decke und im Boden alles, ne, war glaube ich meine erste Woche, wo ich gearbeitet hatte. Und ja, wenn du, wenn du siehst, wie sich dann eben Menschen aus dem Stand vom Kopf, ne, mit dem Kopf auf den Boden knallen wollen, so und du kannst da irgendwie nicht richtig damit umgehen. Also das sind irgendwie Situationen, die ich erlebt habe, so genau, wo ich auch massiv überfordert war, so und aber auch als Praktikant, das war das erste Praktikum, auch nicht die Hauptverantwortung hatte. Und da hatte ich wirklich Menschen, die mir ein Vorbild waren, also die mir gezeigt haben, wie man mit diesen Situationen umgeht. Also Kollegin hat dann oder meine Anleitung hat auch gesagt, ja Patrick, bleib mal du erst mal im Gruppenraum, schau, dass da erst mal alles soweit in Ordnung ist. Ich kümmere mich kurz um die Situation und das braucht wirklich eine hohe Sensibilität und ein gute Vorbilder und die hatte ich in diesen in diesen ersten Jahren, muss ich wirklich sagen, und das hat mir wirklich auch geholfen auch jetzt mit schwierigen Situationen mit Kindern einfach umzugehen und.
Karen
Kann ich mir vorstellen.
Patrick
Ja das ist echt krass, was menschliches Verhalten so mit sich bringen kann, und es braucht wirklich gut geschultes Personal, Methoden, Ideen und eine Grundhaltung vor allen Dingen einfach bestmöglich damit umzugehen. Perfekt kannst du es nie machen. Du kannst nie allen irgendwie gerecht werden, aber ja, es kommt manchmal auf ganz, ganz kleine, feine Momente drauf an und gerade mit Kindern, die erstmal einen herausfordern, merke ich ganz oft, ist die Bindung und Beziehung am Ende, wenn sie dann irgendwie gehen, auch mit am stärksten.
Karen
Wenn man viel erlebt hat auch und weil man sich vertrauen konnte wahrscheinlich am Ende dann.
Patrick
Ja, absolut. Also das sind auch die Momente, die mich auch selber immer total berühren, wenn ich merke, dass 'n Kind gerade bei solchen auffälligen Verhaltensweisen, die mehr und mehr abbauen oder in Situationen geworfen werden, wo sie plötzlich wieder ganz anders reagieren, eher normaler, ne, also was heißt normal, aber angepasster reagieren und selbst gelernt haben, sich besser regulieren zu können. Das find ich immer so, so berührend.
Karen
Ja, ich meine, das stärkt einen, was man gemeinsam erlebt, stärkt einen und das ist auch in der Beziehung zu Kindern in der Kita so und das bringt einem dann, wenn man gemeinsam was geschafft hat, wie jetzt zum Beispiel eine Eingewöhnung gemeinsam, ne, das schaffen ja dann auch Fachkraft und Kind plus Elternteil, das ja auch mit dazu beiträgt, dann gemeinsam und im besten Fall ist es dann die Grundlage für eine gute Beziehung und eben auch Schwierigkeiten machen sowas.
Patrick
Und um die Kinder, die eben ein bisschen stiller, ein bisschen ruhiger sind, nicht ganz so aus den Augen zu verlieren, auch nicht.
Karen
True
Patrick
Oh, ne?
Karen
Literally. Nehmen wir sie doch jetzt mal in den Blick.
Patrick
Nehmen wir sie mal ein bisschen mehr in den Blick, würde ich mir denken. Genau, weil es eben nicht so oft auffällt oder bzw. man sich denkt, ach Mensch, nee, die kann ja noch kommen heute, ist ja überhaupt gar kein Problem, die stört ja nicht.
Karen
Und ja, die meldet sich dann schon.
Patrick
Ja, wenn sie was braucht, wird sie sich schon melden. Genau, da muss man wirklich sehr, sehr, sehr nah dran sein. Gerade bei dem Fall, wie ich es eben auch beschrieben hatte, mit dem selektiven Mutismus, ist es wichtig, wirklich zu überlegen, hey, wie kann ich das Kind gut rein integrieren und eine Gruppensituation mit allen Kindern auf einmal ist vielleicht auch erstmal überfordernd so, aber es gibt immer so ein paar kleine Bindungspersonen, die sie irgendwie haben und da ist es super wichtig, da reinzugehen und die einzelnen Freundschaften, die sie ja schon quasi ein bisschen geschlossen haben, weil sie einfach aufeinander reagieren und agieren, dass man die auch gut stärkt und die Bindung auch fördert und die dann eben extra in kleinere Situationen noch mal reinnimmt und dann sagt Hey, wir machen heute mal einen Kreis eher mit fünf Kindern statt jetzt mit 25 oder 30, dass man die Gruppensituation und Stärke einfach auch ein bisschen anpasst auf das Kind und eben auch wirklich praktisch Angebote gestaltet. Also das merke ich ganz oft, dass Kinder, die jetzt nicht so, ja, die nicht so viel reden oder eher stiller sind, dass die vielleicht eher taktile Reize brauchen und sich wünschen. Also sei es jetzt Händewaschen. Also auch das ist irgendwie eine Situation, die immer wieder auftaucht, dass gerade das Kind, das ich eben auch aus der Gruppensituation beschrieben habe, ist super gerne im Badezimmer, wäscht sich die Hände, macht sie auch gerne mal von Kopf bis Fuß nass, was dann auch wieder schwierig ist, weil es auch sehr schnell friert. Aber da ist eine eine Idee ein Gefühl ein Bedürfnis da so und das kann man ja unterstützen, da kann man eben die Freundin mit dazu holen und dann kann man einfach ein bisschen planschen im Badezimmer und dann kann man sagen, hey planscht wie ihr wollt, ist in Ordnung, danach machen wir alles wieder sauber, das kriegen wir irgendwie schon alles hin und den Raum eben auch zu geben und ich fand das auch noch mal eine ganz ganz klasse Methode von unserer Inklusionsbeauftragten so im Haus, die eben auch da noch mal einen gesonderten Blick auf das Kind hat. Die haben nämlich so eine Art Eisverkauf gemacht. Das war im Sommer. Da haben die Kinder, die wurden erstmal sensibilisiert, Kreis dazu gemacht, noch mal, was ist eigentlich selektiver Mutismus, warum redet sie eigentlich nicht? Das ist so ein bisschen eher ins Blickfeld der Gruppe eben gerückt worden.
Karen
Ach toll, ja.
Patrick
Genau. Und dann war die Aufgabe der Kinder, dass sie ohne ein Wort zu sagen, sich ein Eis bestellen. Also die hatten dann Vanilleeis, sie hatten Erdbeereis, sie hatten ne diese Schokoladensprinkel
Karen
Diese Sprinkels.
Patrick
genau ein bisschen, ja also Smarties oder sowas, ganz viele verschiedene Sorten und Sachen und dann mussten sie sich eben selber was aussuchen und derjenigen, die eben das Eis austeilt und es war dann eben auch das das Kind mit dem selektiven Mutismus, dass das dann weiß, okay was brauche ich eigentlich, was möchte ich eigentlich auch haben so und das fand ich auch ein ganz ganz spannenden Moment, weil die Kinder dann noch mal einen Perspektivwechsel auch mitgenommen haben, so okay wenn ich nicht reden kann, wie kann ich mich verständigen, was kann ich irgendwie machen und wie kann ich das irgendwie zeigen und.
Karen
Und wie werde ich dann auch angenommen ne nämlich ja ich werde trotzdem bemerkt und.
Patrick
Ja absolut
Karen
wenn die anderen drauf achten
Patrick
und da hat man wirklich gemerkt, was für eine große große Freude da war auch eben bei dem bei dem einen Kind, dass es das Gefühl hatte, dass die anderen das wahrnehmen, dass sie das sehen, dass sie es auf ihre Art und Weise kommunizieren, so wie sie eben auch kommuniziert so und das fand ich super, super berührend und schön und genau fand es ein ganz, ganz, ganz wichtigen Moment fürs Kind und da hat man auch wirklich gemerkt in der Zeit danach, dass das auch so Früchte getragen hat, so dass das Kind selbstbewusster geworden ist, dass es mehr auch angefangen hat, selbst zu reden, also dass dann mehr und mehr Wörter gekommen sind und jetzt heute, ja, also ich mein, sie redet jetzt nicht wie ein Wasserfall, aber mehr und mehr und sie spricht mit ihren Freundinnen, sie kann Namen benennen, sie kann sagen, hey, komm her, ich brauch dich hier oder ich, ne, ja, nein, also sie kann ganz, ganz viele Sachen jetzt mehr sagen und eben nur, weil man sie stark gemacht hat, weil man ihr das Gefühl gegeben hat, dass es in Ordnung so ist, wie sie ist.
Karen
Und weil sie gesehen wurde, so ne. und dann die Sicherheit hatte. Das ist ein richtig schönes Beispiel. Also was heißt Beispiel, das ist ja tatsächlich passiert, also es ist richtig schön, so was du berichtest. Ich musst auch gerade dran denken, weil du am Anfang von dem Händewaschen und natürlich irgendwie anderen Reizen, also in dem Fall ja ein taktiler Reiz, und ich musste auch noch mal dran denken, so visuelle Reize, also gerade ein Kind, was irgendwie eher still ist, was sich vielleicht eine einzige Person aussucht, mit der es überhaupt interagieren möchte, Und ich habe das schon erlebt, dass Kinder dann gerne irgendwie sich dazu gesetzt haben. Also in einer Einrichtung haben wir immer die Wäsche zusammengelegt, und zwar immer gegen Ende. Also quasi die Waschlappen, die man irgendwie zum Gesicht abwaschen oder so benutzt. Und das habe ich dann ganz gerne gemacht, wenn weniger Kinder im Raum waren. Und ja, so manche Kinder haben sich dann quasi nur in solchen Situationen dazu gesetzt, um einfach irgendwie was zu tun zu haben. So diese Tätigkeit, einfach irgendwie was zusammenlegen oder auch die Waschmaschine anschauen. Einfach Ruhe, es ist dann ein ruhiger Raum. Und dann einfach mit dabei sein, wenn man jetzt gerade sich ein bisschen um die Wäsche kümmert. Und dann einfach da mit dabei zu sein, um auch da trotzdem die Beziehung zu stärken und halt aber irgendwie so andere Reize zu haben. Da musste ich jetzt gerade auch noch mal an das Kind denken, von dem ich ganz am Anfang berichtet habe. Der saß auch wirklich super gerne, also der hat diese Ruhe gebracht und saß vor der Waschmaschine und hat das angeguckt und hat so dieses und hat auch selber das danach gespielt und war immer ganz nah am Boden und ich muss jetzt auch gerade noch mal an das Fallbeispiel denken, ganz am Anfang, wo offensichtlich ein Kind aus dem Spiel gerissen wurde. Da muss man sich natürlich auch überlegen, wie ist überhaupt der Alltag gestaltet, dass Kinder dann vielleicht, also kann man den Alltag umgestalten, dass vielleicht die gar nicht so selber herausgefordert sind von diesen Übergängen und dann halt bestimmte Verhaltensweisen zeigen, wie schreien und rum Spielzeug rumschmeißen, sondern einfach versucht, ruhige Übergänge oder einfach längere Spielphasen zu schaffen für eben die Kinder, die das brauchen, die einfach diese Ruhe so genießen. Und quasi, wenn wir jetzt auch wieder an neurodivergente Kinder denken, die vielleicht auch ADHS haben, die dann in so einem krassen Hyperfokus sind oder glaube ich auch autistische Kinder, die sich so da rein verlieren können. Genau, wie können wir unseren Alltag auch so schaffen, dass Kinder da gut klarkommen.
Patrick
Ja, also das ist super, super speziell einfach und ich habe auch ein anderes Kind noch bei mir in der Gruppe gerade, das auch immer wieder so ein bisschen Phasen hat, also wo dann Zettel an der Kleidung stören zum Beispiel oder die Art und Weise, wie die Handschuhe angezogen wurden, schwierig sind oder es gerade nicht spüren kann, dass die Hose nicht in den Socken drin steckt oder ja, also und das eben auch immer ganz unabhängig davon, welche Temperaturen gerade herrschen, wie es irgendwie drauf ist, wie die Tagesform ist, wo es auch immer wieder ein bisschen anders ist und ich da auch wirklich meine Schwierigkeiten hatte, erst mal damit umzugehen, weil ich nicht wusste, was ist es denn jetzt eigentlich, also ne, und wenn man eben ja da auch den Rahmen gibt und sagt, ja, ich kann verstehen, dass du gerade total ärgerlich bist, ne, irgendwas ist, was dich stört, ne, aber ich weiß nicht was, also du kannst hilf mir bitte, dass ich dir helfen kann. Also sag mir, wie ich es machen soll oder sag mir, was du brauchst. Und oft fällt es eben Kindern gerade in den im Alter zwischen drei und sechs noch nicht so leicht, irgendwie wirklich benennen zu können, was es jetzt wirklich ist. Aber ich weiß, das stört mich was. Und das ist gerade auch so ein Weg, den wir da miteinander gefunden haben, eben gut damit umzugehen. Mittlerweile sagt er eben auch oft so, ja, ich weiß, das stört mich jetzt, aber es ist okay. das ist jetzt so, ne und auch dieses Abwägen zum Beispiel, ne, ich geh jetzt raus in den Garten, mich stört es irgendwie, dass ich, ne, was da jetzt irgendwie an den Füßen unten dran ist oder wie die Hose da irgendwie drin steckt, aber da kann man irgendwie nichts richtig ändern, weil das sind nun mal die Kleidungsstücke, die ich jetzt irgendwie dabei habe, ohne die würde ich frieren, ansonsten schwitz ich.
Karen
Ja, sonst oder ich muss halt drin bleiben, weil sonst.
Patrick
Genau, genau. Und das ist so ein so ein ganz ganz besonderer Aushandlungsprozess, den ich auch immer wieder mit dem Kind habe und es gibt, es gab wirklich Momente, wo es auch mit dem Elternteil bei der Abholsituation auch dann das Kind so überreizt war und nicht mehr richtig wusste, wie es damit umgehen sollte, geschrien hat, Schwierigkeiten hatte, eben angepasst zu sein.
Karen
Ja, und darum geht es nämlich, im Rahmen zu sein.
Patrick
Genau.
Karen
Den andere vorgeben.
Patrick
Das sind echt Situationen, die einem wirklich viel abverlangen, weil man es dem Kind gut machen möchte. Und auch die, die Eltern, wir pädagogischen Fachkräfte, ne, die Kinder, dass wir wollen, dass es gut ist, dass es funktioniert. Genau, von dem her tut mir jetzt manchmal schon sehr weh, wenn ich merke, ein Kind kann es noch nicht äußern, ne, so. Und gerade da setzt ja dann die Aufgabe von uns Fachkräften an, die Kinder dabei zu unterstützen und sie langsam dahin zu führen, dass sie mehr und mehr über sich selber Bescheid wissen, sich selbst besser kennenlernen und besser mit ihren eigenen Gefühlen und Emotionslagen umgehen können. Und da merke ich einfach immer, immer wieder, dass es ein Prozess ist und dass es besser wird, je mehr man sich damit auseinandersetzt und je mehr man dem Kind eben den Raum gibt, sich damit auseinanderzusetzen und die Beziehung einfach auch aufbaut. Also das ist existenziell.
Karen
Ja, das stimmt genau und eben das ist genau wichtig, einfach signalisieren, ich bin da, ich kann vielleicht gerade nicht verstehen, was was los ist mit dir, aber ich bin da und möchte das, ich möchte es verstehen, du kannst es mir sagen, wir versuchen es irgendwie rauszufinden und wir schaffen das gemeinsam. Genau so diese, weil natürlich ist es für ein Kind total schlimm, wenn gerade der Erwachsene, der doch sonst immer alles sagt und weiß und irgendwie hilft, einem nicht sagen kann, was denn das Problem ist und deswegen auch keine Hilfe anbieten kann, außer eben da zu sein. Ja, also am Ende geht es natürlich immer wieder um die Bindung und Vertrauen schaffen. Und dann können wir hoffentlich besser damit umgehen.
Patrick
Ja. die Kinder können nichts für ihr Verhalten, aber wir drauf, wie wir reagieren.
Karen
Voll. Und ich meine, manchmal ist es ja auch so, wir Erwachsene, wir sind irgendwann haben wir ja auch verstanden, wie irgendwas funktioniert und Kinder wissen es noch nicht, vielleicht auch aus gutem Grund, weil manche Dinge haben vielleicht auch gar keinen Grund, die irgendwie in einem System funktionieren. Mensch, ich habe das Gefühl, es war ne richtig deepe Folge, ich war zwischendrin auch so voll, wow, es ist heute nicht hier witzige Beispiele aus, was heute so passiert ist im Kindergarten, aber ganz viele Beispiele, die in verschiedenen Kitas passiert sind, schon passiert sind, die ihr vielleicht da draußen auch kennt. Und ja, wir hoffen, dass das einfach so unsere Erfahrungen ein bisschen geholfen haben, vor allem Patricks Praxiserfahrungen. Also ich finde es immer sehr bereichernd natürlich, wenn du hier mit dabei bist und mich auch ein bisschen erhellst, erleuchtest.
Patrick
Dankeschön.
Karen
Ja, und dann würde ich nämlich sagen, dass wir uns verabschieden für heute und hört gerne rein beim nächsten Mal. Und dann sage ich Tschüss.
Patrick
Tschüss, macht's gut.
Outro
Das war's für heute. Wir freuen uns auch über eure Erlebnisse aus der Praxis. Schreibt mir gerne an karen.sachse@herder.de. Die aktuelle Ausgabe von kindergarten heute findet ihr online auf kindergarten-heute.de Bis zum nächsten Mal bei heute im Kindergarten.