Körper und GesundheitVon Kopf bis Fuß durch den Körper reisen

Was der Körper alles kann, nehmen Kinder vor allem über Bewegung und ihre Sinne wahr. Wie er aufgebaut ist und wie sie sich in ihrer Haut wohlfühlen können, ist Thema unserer neuen Reihe zum Bildungsbereich „Körper und Gesundheit“.

Eine Illustration zeigt den menschlichen Körper mit eingezeichneten Organen wie Gehirn, Herz, Lunge und Magen, die jeweils beschriftet sind.
© Look_Studio/ shutterstock.com

Der Körper ist das erste Erfahrungsfeld eines Kindes. Er ist Werkzeug, Ausdrucksmittel und Quelle von Wohlbefinden. Bereits im Kita-Alter entwickeln Kinder ein grundlegendes Bewusstsein für ihren Körper. Sie lernen ihre Grenzen kennen und entdecken, was ihnen guttut. Dabei entstehen auch erste Vorstellungen von Gesundheit und vom Körper, die eng mit ihrer alltäglichen Umwelt verbunden sind.
In dieser Reihe wird thematisiert, wie pädagogische Fachkräfte Kinder bei der Entwicklung eines positiven Körperbewusstseins und gesundheitskompetenten Verhaltens unterstützen können. Die Kita ist ein ideales Setting, um spielerisch gesundheitsförderliche Routinen zu verankern und Kinder früh für ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit zu sensibilisieren.

Ein positives Körpergefühl entwickeln

Ein wichtiger Punkt bei der Entwicklung eines gesundheitskompetenten Verhaltens ist die Ausbildung eines positiven Körperbewusstseins. Wer seinen Körper mag, ihm vertraut und ihn wertschätzt, wird auch pfleglich und verantwortungsbewusst mit ihm umgehen. Ein positives Körperbild gilt zudem als personaler Schutzfaktor, der bei der Bewältigung anstehender Entwicklungsaufgaben im Kindes- und Jugendalter helfen kann und gegen schädigende Einflüsse resilient macht. Für die aktive Erkundung der Umwelt spielt die Motorik eine wichtige Rolle. Bewegungen ermöglichen Kindern, ihre Umwelt zu „be-greifen“, auf sie einzuwirken und Kenntnisse über sich selbst, ihre Fähigkeiten und ihren Körper zu erlangen. Je motorisch aktiver und mobiler ein Kind ist, umso größer wird seine Reichweite und desto umfangreicher wird sein Erfahrungsgewinn sein. Kombiniert man die Bewegungsförderung mit einer spielerischen Schulung aller Sinne (Tasten, Fühlen, Riechen, Sehen, Hören, Schmecken), können die ankommenden Reize besser erfasst werden. Diese sensomotorische Entwicklung ist in den ersten Lebensjahren besonders ausgeprägt.

Bewegungsgedächtnis und Körperpraxis

Einfache Körperbewegungen, wie einen Ball rollen, über eine Linie balancieren oder über eine Pfütze hüpfen, bilden das Grundgerüst. Durch häufige Wiederholungen werden diese Bewegungen verinnerlicht und damit im Bewegungsgedächtnis gespeichert. Diese gespeicherten Bewegungssequenzen sind später jederzeit abrufbar. Je mehr Bewegungsabläufe im Bewegungsgedächtnis gespeichert sind, desto vielseitiger und ausgeglichener ist die Körperpraxis. Eine gute Körperpraxis bedeutet, dass ein Kind seinen Körper situationsangepasst einschätzen und einsetzen kann und dessen Fähigkeiten und Leistungsmöglichkeiten kennt. Dies gibt dem Kind Sicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper und ermutigt es, neue Bewegungsformen auszuprobieren.

Den eigenen Körper wahrnehmen

Der Aufbau des sensorischen Bereichs verläuft in einer ähnlichen Entwicklungskaskade. Kinder nehmen ihre belebte und unbelebte Umwelt mit allen Sinnen wahr. Die dabei gemachten Erfahrungen werden ebenfalls im Gehirn verarbeitet, sortiert und mit bereits erlebten Empfindungen kombiniert und gespeichert. Auf diese Weise nehmen Kinder auch ihren Körper wahr: seine Erscheinungsform, seine Funktionsfähigkeit, seine Bedürfnisse, seine Stärken und Schwächen.
Das Kind lernt, sich an seinem Körper zu orientieren (Orientierung in einem Raum oder in einer Gruppe), außen und innen zu unterscheiden (Spüren der Extremitäten, ohne sie zur Kontrolle bewegen zu müssen) und Grenzen wahrzunehmen (Abschätzen von Distanzen oder Abgrenzungen im sozialen Umfeld).
Je umfangreicher die Erfahrungen mit dem eigenen Körper sind, desto vielfältiger wird das Bild vom eigenen Körper sein. Auf Basis dieser Körperwahrnehmungen entwickelt sich schließlich ein subjektives Körpergefühl, und zwar durch einen Abgleich mit den Reaktionen von anderen Sozialpartner:innen auf die eigene Körperform oder Leistungsfähigkeit. Diese Gefühle, die ein Kind gegenüber seinem Körper empfindet, können, je nach erlebten Erfahrungen, positiv oder negativ sein und müssen auch nicht zwangsläufig der Realität entsprechen.

Körperkenntnis und Körperfunktion

In diesem Konstrukt bedingen sich sensorische und motorische Fähigkeiten gegenseitig, denn ohne Bewegung ist ein Zugewinn an Wahrnehmungserfahrungen kaum möglich – genauso wenig wie Bewegung ohne Sinnesleistungen. Diese Bewegungs- und Sinneserfahrungen bilden auch die Basis für die Vorstellungen von Kindern über den inneren Aufbau ihres Körpers und dessen Funktionsweise.
Im Rahmen einer Studie zum Körperbewusstsein haben wir 3- bis 7-jährige Kinder zu ihren Körpervorstellungen befragt und sie gebeten, alles, was in ihnen drin ist, in eine Schemafigur einzuzeichnen.1 Bereits die Jüngeren trafen beim Ausmalen ihrer Umrissfigur eine bevorzugte Farbwahl, in der Regel Orange-, Rot- oder Brauntöne, die der Farbe des Bluts ähnelten. Mit zunehmendem Alter wurden dann die Organe eingezeichnet, die über unterschiedliche Sinne und meist in Kombination mit Bewegung wahrgenommen werden können:

  • Knochen: Man kann sie beim Abtasten oder bei einem Sturz fühlen.
  • Blutgefäße: Man kann sie durch die Haut schimmern sehen.
  • Herz: Man kann es fühlen oder klopfen hören, etwa beim Rennen.
  • Blut: Man kann es sehen, wenn es nach einer Verletzung aus der Wunde austritt.
  • Nahrungsaufnahme: Man nimmt wahr, dass Essen im Körper verschwindet und dort verbleibt.
  • Ausscheidungsvorgang: Man nimmt wahr, dass feste und flüssige Bestandteile den Körper verlassen.

Die Vorstellungen vom inneren Aufbau des Körpers entwickeln sich also nicht durch eine gezielte kognitive Wissensvermittlung, sondern vor allem durch vielfältige motorische und sensorische Erfahrungen. Kinder benötigen daher umfangreiche Möglichkeiten, ihren Körper in unterschiedlichen Situationen bewusst wahrzunehmen, beispielsweise ruhig atmend auf dem Sofa sitzend oder hechelnd nach einem Spurt. Auch der spielerische Umgang mit dem eigenen Körper und dem anderer, wie beispielsweise das Hören des Herzschlags der Mama mit dem Ohr oder das Ertasten der Rippen eines Freundes, sind wichtige Erfahrungen, die Kinder in ihre gedanklichen Vorstellungen integrieren.

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