Es ist ein bequemes Heiligenbild: Franziskus alias Franz von Assisi, der heitere Heilige und Gaukler Gottes. Doch der Sohn eines Tuchhändles ist ein christlicher Fundamentalist. Als junger Dandy träumt er von der glamourösen Welt des Rittertums, dann der wundersame Wandel: Franziskus legt seine kostbaren Gewänder ab und kleidet sich in eine schlichte Kutte. Barfuß und besitzlos sucht er die Nachfolge Christi. Er umarmt Leprakranke, predigt den Vögeln und lobpreist die Schönheit der göttlichen Schöpfung. Sein Vorbild ist ansteckend, und schon bald findet er Mitläufer auf seinem steinigen Weg.
So viel Radikalität im Glauben riecht nach Ketzerei. Doch Papst Innozenz III. erkennt das enorme Potenzial der jungen Gemeinschaft, die sich der Kurie unterordnen will. Während Franziskus im Orient predigt, gründen seine Weggefährten einen katholischen Mönchsorden. Die Reaktion des Heiligen auf die brave Etabliertheit: Resignation und erneute Weltflucht.
2013 wird Jorge Mario Bergoglio zum Pontifex gekürt. Der Jesuit aus Argentinien wählt den Papstnamen Franziskus. Der Name ist Programm. In der Enzyklika »Laudato Si'« (Gelobt seist du) fordert er eine Bewahrung der Schöpfung, Klimaschutz und die Abkehr vom materialistischen Gewinnstreben. Die Botschaft des Mannes aus Assisi ist zu seinem 800. Todestag aktueller denn je!
Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier
Chefredakteur