»Nach Canossa gehen wir nicht«, postuliert Otto von Bismarck 1872 in einer Rede vor dem Reichstag. Es sind die Tage des sogenannten Kulturkampfes mit der katholischen Kirche und Papst Pius IX. Der Gang nach Canossa avanciert damit zum Inbegriff der Demütigung eines deutschen Herrschers durch den Papst. Doch nicht wenige Historiker sehen in Canossa einen klugen Schachzug Heinrichs IV., der innenpolitisch angeschlagen ist. Durch seine brillante Inszenierung der Bußfertigkeit zwingt er Papst Gregor VII. dazu, den Kirchenbann aufzuheben.
Der Konflikt zwischen Kurie und Krone überschattet das Jahrhundert der Salier. Seit 962 genossen die Päpste dank eines kaiserlichen Privilegs Schutz vor Invasoren und der Willkür des römischen Stadtadels. In der Frage, wer die Bischöfe in ihr Amt einsetzen darf (Investiturstreit), kommt es unter Heinrich IV. zum tiefen Zerwürfnis mit dem Papst.
Selbstbewusst formuliert Gregor VII. in seinem »Dictatus Papae«, dass der Papst den Kaiser absetzen kann. 1302 wird sich Papst Bonifatius VIII. erneut über alle Fürsten der Erde stellen. Kurz darauf stürmen Schergen des französischen Königs seinen Palast und misshandeln den Pontifex. Der Schutz der römisch-deutschen Kaiser war da schon lange verspielt.
Ihr, Euer
Dr. Klaus Hillingmeier, Chefredakteur