Wie gelingt echte Inklusion in Kitas? Diese Frage gewinnt in Deutschland angesichts wachsender Vielfalt und struktureller Herausforderungen aktuell zusätzliche Dringlichkeit. Zwar werden in etwa 41 Prozent aller Kitas Kinder betreut, die Eingliederungshilfe erhalten (siehe Statista) – doch gleichzeitig sind pädagogische Fachkräfte vielerorts noch nicht ausreichend auf die spezifischen Bedürfnisse neurodivergenter Kinder vorbereitet, was Betroffene und ihre Familien vor Hürden stellt. Die Hamburgerin Jenny Elisa Pabst untersuchte im Rahmen ihrer Masterarbeit an der IU Internationalen Hochschule, wie Hamburger Kitaleitungen die Diversitätskompetenzen ihrer Teams im Hinblick auf die Inklusion autistischer Kinder fördern. Pabst erhält für diese Arbeit den IU Diversity Award 2025. Diese Auszeichnung wird zweimal jährlich von der IU vergeben und würdigt herausragende Abschlussarbeiten, die sich wissenschaftlich fundiert und praxisnah mit Vielfalt, Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe auseinandersetzen. „Mit ihrer Arbeit leistet Jenny Elisa Pabst einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung inklusiver Praxis in der frühkindlichen Bildung. Ihre Ergebnisse verdeutlichen, welche Schlüsselrolle Leitungskräfte im Hinblick auf das Thema Inklusion einnehmen und wie sie dazu beitragen können. Ihre Arbeit verbindet fachliche Tiefe mit großer Professionalität und Empathie“, begründet Ariane Weber, Mitarbeiterin im Gleichstellungsbüro der IU Internationalen Hochschule und Projektleiterin des IU Diversity Awards, die Entscheidung der Jury.
Inklusive Kitas brauchen starke Leitung
Im Zentrum der prämierten Masterarbeit von Jenny Elisa Pabst steht die Frage, wie Leitungskräfte in Kindertageseinrichtungen gezielt die Diversitätskompetenzen ihrer Mitarbeitenden fördern können, um eine inklusive und diskriminierungssensible Praxis zu ermöglichen. Der Fokus liegt dabei auf der Inklusion autistischer Kinder, die im Kita-Alltag nach wie vor mit strukturellen Barrieren sowie mit normativen und teilweise diskriminierenden Vorstellungen von „Behinderung“ und „Autismus“ konfrontiert sind. Die Ergebnisse der Masterarbeit zeigen deutlich: Kita-Leitungen nehmen eine Schlüsselrolle ein. Sie wirken als Multiplikator:innen zwischen Kind, Team, Träger und Familie und können maßgeblich zu einer inklusiven Organisationskultur beitragen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Deutschland weiterhin erheblichen Nachholbedarf bei der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat – insbesondere im Bereich Barrierefreiheit und struktureller Unterstützung. Dennoch beobachtet Pabst eine positive Entwicklung: „Das gesellschaftliche Verständnis für Autismus und Neurodiversität wächst spürbar.“
Wissenschaft, Praxis und persönliche Perspektive
Die Motivation für die Thesis ist bei Jenny Elisa Pabst über mehrere Jahre gewachsen. Bereits während ihres Bachelorstudiums in Sozialer Arbeit arbeitete sie kontinuierlich in pädagogischen Settings mit neurodivergenten Kindern, absolvierte Praktika und engagierte sich in universitären Forschungsprojekten zur Chancengleichheit von Kita-Kindern. Dieses Engagement setzte sie anschließend selbst als Leitungskraft in einer inklusiven Kita fort. Aktuell arbeitet Pabst in der Kita-Trägerberatung der Hamburger BSFB (Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung) und berät Kita-Träger sowie Kindertageseinrichtungen, auch zu den Themen Inklusion und Autismus. Ihre empirische Untersuchung basiert unter anderem auf Interviews mit Kita-Leitungen, die trotz hoher Motivation häufig durch begrenzte zeitliche, personelle und finanzielle Ressourcen in ihrer Arbeit eingeschränkt sind. Diese fehlenden Ressourcen können letztlich zu Barrieren in der Betreuung autistischer Kinder in Kitas führen und ihren Zugang zum Betreuungsangebot einschränken. Eine besondere Tiefe erhält die Arbeit durch ihre eigene neurodivergente Perspektive, die reflektiert und professionell in die Forschung einbezogen wird. „Das Besondere an dieser Arbeit ist die konsequente Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit beruflicher Praxis“, so Pabst. „Mein Ziel ist es, dass Forschung nicht im Regal steht, sondern ganz konkret Kinder, Familien, Fachkräfte und Träger unterstützt.“ Pabst hat im Rahmen ihrer Masterarbeit mit Kita-Leitungen aus sechs von sieben Hamburger Bezirken zusammengearbeitet, die sie beruflich nicht betreut. Die gewonnenen Erkenntnisse wird sie gezielt in ihrem Berufsbereich teilen sowie in der Beratungspraxis einsetzen, damit möglichst viele Hamburger Kitas, Kinder und Familien davon profitieren.
Per Studium zur Selbstverwirklichung
Jenny Elisa Pabst stammt aus einem Nicht-Akademiker-Haushalt und ist daher besonders stolz auf ihren Masterabschluss in „Pädagogik, Bildungsberatung und Leitung“, den sie unter anderem mithilfe eines Deutschlandstipendiums finanzieren konnte. Das Fernstudium an der IU gab ihr maximale Flexibilität, um Beruf, Familie und Studium miteinander zu vereinen. Dank moderner digitaler Lehre sowie Zusatzangeboten zur Aneignung von Zukunftskompetenzen, gilt sie heute zudem als „KI-Expertin“ in ihrem Team. „Ein besonderer Dank gilt meiner Studiengangsleitung Karin Thiel. Der fachliche Austausch mit ihr sowie mit zahlreichen anderen Lehrenden und Mitstudierenden half mir ungemein bei meinem erfolgreichen Abschluss“, so Pabst. Für die Zukunft schließt sie eine Promotion nicht aus, möchte aber vor allem im Berufsfeld bleiben und aktiv an der Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung mitwirken.
Über den IU Diversity Award
Die IU Internationale Hochschule verleiht den IU Diversity Award seit 2018 zweimal pro Jahr. Die Jury des IU Diversity Awards besteht aus einem zehnköpfigen Team von Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Fachabteilungen. Studierende der IU haben die Möglichkeit, ihre Bachelor- oder Masterarbeit einzureichen. Im Jahr 2025 erhielt neben Jenny Elisa Pabst auch die Bochumerin Alina Klein die Auszeichnung für ihre Arbeit zum besseren Umgang mit queeren Geflüchteten in Deutschland. Der IU Diversity Award möchte einen Beitrag dazu leisten, die öffentliche Wahrnehmung für das Forschungsfeld Diversität zu erhöhen und ist mit einer Prämie in Höhe von 500 Euro dotiert. Weitere Informationen zu Gleichstellung und Diversität an der IU unter: https://www.iu.de/hochschule/diversity-und-gleichstellung/
Über die IU Internationale Hochschule
Mit über 130.000 Studierenden ist die IU Internationale Hochschule (IU) die größte Hochschule in Deutschland. Die private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung mit Hauptsitz in Erfurt nahm im Jahr 2000 ihren Betrieb auf und ist heute in 37 deutschen Städten vertreten. Studierende aus über 160 Nationen gestalten ihr Studium ganz nach ihren Bedürfnissen: ob praxisintegriertes duales Studium, flexibles Fernstudium oder individuelles myStudium, das Online-Selbststudium und Campusleben kombiniert. Die IU möchte Menschen weltweit Zugang zu personalisierter Bildung ermöglichen für ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben. In mehr als 200 Studienprogrammen im Bachelor-, Master- und MBA-Bereich vermittelt die IU Studierenden zukunftsrelevante Schlüsselkompetenzen. Eine digital gestützte Lernumgebung sowie der Einsatz von KI-Lösungen verhelfen den Studierenden zu optimalen Lernergebnissen und -erlebnissen. Als eine der weltweit ersten Hochschulen hat die IU einen eigenen, KI-gestützten Lernbuddy „Syntea“ entwickelt und im Einsatz. Die IU kooperiert mit über 15.000 Unternehmen und unterstützt sie bei der akademischen Ausbildung von Fachkräften. Zu den Partnern gehören unter anderem Motel One, Vodafone, die AWO und die Deutsche Bahn. Weitere Informationen unter: iu.de
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