Es gibt Tage in der Kita, da läuft nichts nach Plan. Die Stifte sind stumpf, die Batterien des elektrischen Anspitzers sind leer, die Socken von Paula sind nass und der Wechselwäschevorrat wieder geplündert. In solchen Momenten könnte man verzweifeln. Oder einfach kurz lächeln. Nicht das aufgesetzte „Ich-bin-so-gelassen“-Lächeln, sondern dieses echte, das sagt: Wir schaffen das schon irgendwie. Denn genau da beginnt sie, die Macht der kleinen Gesten.
Eine Hand, die kurz über den Rücken streicht, wenn Tränen fließen. Ein Nicken, das dem zitternden Joel auf dem Klettergerüst sagt: „Ich sehe dich, du schaffst das.“ Ein stilles Dabeibleiben, wenn ein Kind wütend ist, weil der Turm zum dritten Mal eingestürzt ist. Das sind die winzigen Augenblicke, die Beziehungen aufbauen, ganz ohne Beobachtungsbogen, Lerngeschichtendruck oder anstehendes Elterngespräch.
Kinder spüren sie sofort. Sie merken, wenn wir wirklich da sind. Nicht beim Multitasking, nicht halb beim Papiertücher-Auffüllen oder Fotos-Aufkleben, sondern ganz präsent. Und plötzlich wirkt Magie: Das Kind beruhigt sich, die Gruppe atmet auf und der Tag hat wieder Richtung. Aber vor allem man selbst.
Und auch bei uns Erwachsenen wirken diese kleinen Gesten wie stille Superkräfte. Eine Kollegin, die unauffällig den lauten Thorge übernimmt, weil sie zugehört hat, als die Kollegin von ihrer schlaflosen Nacht erzählt hat. Oder die Kollegin, die freitags Brötchen für alle mitbringt. Ein schlichtes „Ich mach das schnell für dich“ und man denkt: Okay, vielleicht ist die Menschheit doch noch zu retten.
Solche Momente erscheinen in keiner Auswertung, ich wüsste auch nicht, wo ich das auf meiner Checkliste finden soll. Niemand schreibt in den Jahresbericht: „ Heute dreimal empathisch reagiert und zweimal rechtzeitig genickt.“ Aber vielleicht sollte man genau das tun. Denn am Ende sind es nicht nur die großen Strategien, die Kita-Arbeit tragen, sondern diese leisen Zeichen von Menschlichkeit, die keiner messen kann, aber alle spüren. Ohne die auch die großen Strategien vermutlich nur sehr dürftig vorankämen. Unsichtbar, unbürokratisch und unbezahlbar. Und unverzichtbar Wer genau hinsieht, merkt, dass sie ständig passieren. Zwischen Matschhose und Morgenkreis. Zwischen Tränen und Lachen. Zwischen Menschen, die einfach ihr Bestes geben. Jeden Tag. Vielleicht braucht es ja gar keine Superkräfte, um den Kita-Alltag zu meistern. Nur große und kleine Menschen, die heimlich welche haben und sie täglich verschenken.