»Odysseus war eher ein muskelbepackter Türsteher-Typ« als ein strahlender Held, »aber dabei sehr intelligent«, erzählte der Althistoriker Raimund Schulz vergangenen Monat im Interview mit G/GESCHICHTE (Heft 8/2026). »Und er wusste, wie man betrügt und sich durchschlägt.« In diesem Heft knüpfen wir an das Thema an, blicken jedoch nicht auf die Person des Odysseus, sondern auf seine Reise – und auf die der Argonauten, die ebenfalls sagenhafte Abenteuer an fernen Küsten erlebten und wohl als Vorlage für die Odyssee dienten.
Beide Mythen führen kreuz und quer durch das Mittelmeer, die Argonautensage auch ins Schwarze Meer und sogar die Donau hinauf, einem so fernen wie exotischen Fluss. Was fremd ist, hängt eben immer von der Perspektive ab. Die Erzählungen spiegeln die Erlebnisse der frühen griechischen Kolonisten wider, die sich bis nach Spanien und zur Krim vorwagten.
Eine Kolonialmacht im modernen Sinn waren die Griechen dabei nicht. Im Gegensatz etwa zum Britischen Empire des Viktorianischen Zeitalters besaßen sie keine zentral gesteuerte Militärmacht, und sie eroberten auch nicht großflächig Land. Ihre Kolonisation war vielmehr eine Art Graswurzelbewegung: Kleine Gruppen gründeten zunächst kleine Siedlungen, die ihr eigenes Ding machten. Das klingt unspektakulär – brachte aber spektakuläre Ergebnisse. Lassen Sie sich in diesem Heft entführen in eine Welt der Mythen und des Aufbruchs.
Ihr
Dr. Christian Pantle, Chefredakteur