10/2026, S. , Editorial, Lesedauer: ca. 1 Minuten / 0 Kommentare
wann genau endet die Antike und beginnt das Mittelalter? Auf diese Frage gibt es gefühlt so viele Antworten wie Experten. Hier eine kleine Auswahl: im Jahr 395 (Teilung des Römischen Reichs), 476 (Ende des weströmischen Kaisertums), 529 (erstes abendländisches Kloster unter Benedikt), 568 (Ende der Völkerwanderung) oder 632 (Beginn der islamischen Expansion).
Die meisten dieser Datierungen fallen in die teils chaotische Phase, der wir dieses Heft widmen: der Völkerwanderungszeit von 375 bis 568. Denn dieser Zeitraum von knapp 200 Jahren markiert einen echten Zivilisationsbruch: Danach sind die großen Städte Europas weitgehend verlassen, Straßen, Brücken und Prachtbauwerke verfallen. Eine neue Gesellschaft wird sich aus den Trümmern der alten entwickeln.
Wie die Bevölkerung diesen oftmals traumatischen Zeitenwechsel erlebte, können Sie in diesem Heft im Beitrag ab Seite 18 lesen. Es gab dabei keinen plötzlichen Umschlag von Ordnung zu Chaos, eher einen Übergang, der bisweilen so schleichend verlief, dass die Zeitgenossen ihn zunächst gar nicht bemerkten. Ein bestimmtes Jahr als Trennlinie zwischen Antike und Mittelalter festzulegen, ergibt daher aus meiner Sicht wenig Sinn. Ich bevorzuge die Jahresangabe 500: Die runde Zahl impliziert eine gewisse Unschärfe – und sie ist leicht zu merken, zumal der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit auf 1500 gelegt werden kann.
Ihr
Dr. Christian Pantle, Chefredakteur
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