Es ist ein Fund, der Fragen hinterlässt. Archäologen haben im süditalienischen Pontecagnano 34 Gräber aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. freigelegt, darunter 15 Kindergräber. Zwei fielen besonders auf, wie das italienische Kulturministerium mitteilt: In ihnen lagen Jungen im Alter von fünf bis zehn Jahren, beide waren mit breiten Bronzegürteln dekoriert. Das Symbol samnitischer Elite-Krieger ist normalerweise nur Erwachsenen vorbehalten.
Einer der beiden Jungen, die mit dem Bronzegürtel eines Kriegers beerdigt wurden.
© Soprintendenza Archeologia Belle Arti e Paesaggio di Salerno e Avellino
Alles deutet auf eine stark hierarchische Gesellschaft hin
Pontecagnano gilt seit den 1960er-Jahren als Mekka für Archäologen. Die Nekropole hat bereits über 10 000 Gräber geliefert, von Villanovanern über Etrusker bis zu den Samniten. Deren Gräber bilden Familiencluster, bestehend aus einfachen Erdgruben oder teuren Sarkophagen aus den Gesteinsarten Travertin und Tuffstein mit wertvollen Beigaben. Alles deutet auf eine stark hierarchische Gesellschaft hin. Die Samniten kämpften erbittert gegen Rom in drei Kriegen zwischen 343 und 290 v. Chr. Ihre Guerillataktik in den Bergen machte sie zu gefürchteten Gegnern. Selbst nach der Niederlage rebellierten sie weiter und wurden erst 82 v. Chr. endgültig unterworfen.
Forscher spekulieren über die Gründe
Die zentrale Frage bleibt: Warum begrub man Kinder wie Krieger? Forscher spekulieren über hohen Familienstatus, rituelle Vorbereitung auf das Jenseits oder frühe Einbindung in Clan-Traditionen. Zukünftige DNA-Analysen sollen mehr enthüllen. Vorerst bleiben althergebrachte Vorstellungen von antiker Kindheit auf den Kopf gestellt.