Fun FactsBierernst? Nicht an der Moldau

Von böhmischen Dörfern und anderen Dingen, die es so nur im Westteil Tschechiens geben kann.

Haus vor einem blauen Himmel
© Istock

Böhmische Dörfer
Wenn man sich so gar nicht auskennt, sind es redensartlich »böhmische Dörfer«, von denen das Gegenüber spricht. Aber weshalb ausgerechnet böhmische? Dieses Sprichwort geht auf die Zeit der Habsburgermonarchie zurück: Während in den Außengebieten Böhmens Deutsch gesprochen wurde, hatten Orte im Kernland zumeist tschechische Namen. Diese schienen Reisenden oft wie Kauderwelsch: Mariánské Lázne? Zu Deutsch: Marienbad. Böhmische Dörfer eben. In Tschechien selbst spricht man übrigens von »spanischen Dörfern«, wenn man nicht versteht, worum es geht.  

 

Böhmische Erfindungen
Jeden Tag benutzen wir Erfindungen, die ihren Ursprung in Böhmen haben. So verdanken wir es dem Fabrikanten Jacob Christoph Rad, dass Zucker seit 1843 in praktischer Würfelform erhältlich ist, und dem Chemiker Otto Wichterle, dass Kontaktlinsen seit 1961 weich sind. Der erste Blitzableiter, die sogenannte Wettermaschine von Prokop Diviš im Jahr 1754, kommt aber nicht so gut an: Da abergläubische Bauern ihn für eine Dürre verantwortlich machen, zerstören sie eines Nachts die Konstruktion. Erfolgreicher sind da der Druckknopf und der Begriff »Roboter«.

Löffel mit mehreren Würfeln Zucker darauf
© Istock

 

Böhmische Knödel
Nicht rund, sondern länglich sind die berühmten »Houskový knedlík« — die böhmischen Knödel. Und diese sind nicht einfach irgendeine Beilage, sondern die Mehlspeise schlechthin in Tschechien. Ob mit Füllung oder ohne, süß oder salzig. In Prag gibt es sogar ein Lokal, das sich auf Knödel in allen Varianten spezialisiert hat: Das Bistro »Knedlin« bietet Knödel-Fusion — mit Mozartkugel- oder Garnelen­füllung. Bis 2025 fuhr auch noch zwischen Berlin, Dresden und Prag der sogenannte Knödel-Express mit tschechischer Kulinarik im Speisewagen. Dieser soll nun modernisiert werden.

Teller mit Knödel
© Wikimedia

Böhmisches Kristallglas
Im Lichtschein wirkt es so rein und klar wie Kristall. Mit dieser Eigenschaft hat es das böhmische Kristallglas sogar in Form von Kronleuchtern in das Schloss von Versailles geschafft. Das Geheimnis? Kalk und Pottasche lassen das Glas aus dieser Region besonders klar werden. Seit dem 16. Jahrhundert wird in Böhmen auf diese Weise Glas hergestellt — neben Kronleuchtern und bunten Trinkgefäßen auch Glasperlen für Schmuck. Anfang des 19. Jahrhunderts wirbt die nordböhmische Stadt Gablonz selbstbewusst mit dem Slogan: »Gablonz schmückt die Frauen der Welt.«

Kristallglas in Rot mit weißer Bemalung
© istock

 

Böhmisches Bier 
Bayerisches Bier aus Böhmen? Aus dem 10. Jahrhundert ist überliefert, dass böhmischer Hopfen nach Bayern importiert wurde. Seit dem Jahr 993 wird in Prag selbst gebraut. Lang ist dementsprechend die Tradition, die das Bier zum Nationalgetränk Tschechiens macht. Das war nicht immer konfliktfrei: König Wenzel II. erteilte das Braurecht zunächst nur Bürgern und Klöstern. Nach einem Aufschrei des Adels wurde es dann 1517 mit dem St.-Wenzels-Vertrag zum Recht eines jeden Ritters, selbst zu brauen. Ob aus Budweis oder Pilsen – tschechisches Bier ist heute weltberühmt.

 

Bier
© Istock

 

Böhmischer Humor
Wohl nichts steht so sehr für den Humor der Böhmen wie »Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk«. Jaroslav Hašek verarbeitet in dem Schelmenroman aus den 1920ern seine eigene Zeit in der österreichisch-ungarischen Armee. Die Figur Josef Schwejk dient ebenfalls im kaiserlichen und königlichen (k. u. k.) Militär. Die Pointe ist oft, dass Schwejk durch stumpfen Gehorsam die Sinnlosigkeit militärischer Befehle offenlegt und durch scheinbare Einfalt den Kopf aus der Schlinge zieht. So macht er sich auf typisch böhmische, subtile Weise über die Obrigkeit lustig.

 

Ein gemalter Soldat Schwejk
© Wikimedia

 

 

 

 

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