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Transkript
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Intro
Ja, ich finde es auch immer super schön Experten einfach auch zu hören. Und Expertinnen. Hallo und herzlich willkommen zu heute im Kindergarten, dem Podcast von Kindergarten heute. Mit Karen. Und Patrick. Die zweite Staffel. Wir wollen mit euch über all das sprechen, was die Fachwelt, die pädagogische Praxis, die Redaktion und natürlich uns selbst bewegen.
Heute zu Gast: Sarah Westermann und Julia de Juan
Karen
Also schön, dass ihr 2 da seid. Ich bin Karen und Patrick. Genau, und wir wollen heute über euren Beitrag sprechen, den ihr im Kindergarten heute geschrieben habt und aber vor allem natürlich über euch und euren eure Arbeit und das Thema partizipativer Gewaltschutz in Kitas. Ich hab vorhin gedacht, das ist voll das Mörderwort Wort eigentlich, so muss man so ein bisschen sezieren.
Julia de Juan
Wenn man es so oft sagt, dann gewöhnt man sich ganz gut dran.
Karen
Ah ja, ja, ist wahrscheinlich, stimmt, ist wahrscheinlich bei euch so. Genau, Wenn ihr möchtet, könnt ihr euch gerne mal noch vorstellen, Julia und Sarah, dass auch unsere Hörerinnen da noch bisschen was ja zu hören bekommen, was ihr so, was ihr so macht, was ihr vielleicht für Qualifikationen habt und was euch auch so dazu gebracht habt.
Sarah Westermann
Ja, erstmal danke für die Einladung. Wir haben uns sehr gefreut. Wir durften ja schon den Artikel schreiben für Kindergarten heute und dass wir jetzt beim Podcast dabei sein können, freut uns natürlich sehr. Ich würd sagen, ich starte mal. Mein Name ist Sarah Westermann. Ich bin eine von zwei geschäftsführenden Personen von der Firma Genau. Das steht für Gewaltschutz nachhaltig ausrichten und ich glaube, das sagt schon sehr viel über unsere Arbeit aus. Also für uns ist das Hauptthema institutioneller Gewaltschutz, also wir gehen in soziale Einrichtungen, von Krippe über Kita, Schule, Eingliederungshilfe, alles was der soziale Markt so hergibt und dürfen sowohl mit der Zielgruppe als auch mit Fachkräften und Angehörigen an dem Thema Gewaltschutz und das beinhaltet natürlich Prävention und Intervention. Arbeiten, wir beraten Fälle. Ich bin von Haus aus gelernte Erzieherin, also das Thema Kita ist mir nicht fremd. Ich habe danach Soziale Arbeit studiert, bin psychosoziale Beraterin, Fachkraft für tiergestützte Intervention und auch Fachkraft für opfergerechte Täterinnenarbeit. Das heißt, wir bieten seit letztem Jahr die Arbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf an, die sexuell übergriffiges Verhalten zeigen oder dafür ein Risiko haben. Und wir sitzen mit unserer Firma in Osnabrück in Niedersachsen und sind aber ganz deutschlandweit unterwegs und seit diesem Jahr dürfen wir auch in die Schweiz. Da haben wir auch Anfragen, das freut uns natürlich sehr, dass das Thema auch ein bisschen großflächiger für uns gedacht werden darf.
Karen
Schön, danke.
Julia de Juan
Ja, dann mach ich mal weiter. Sarah hat jetzt natürlich schon sehr, sehr viel verraten. Jetzt hab ich überlegt, was kann ich denn noch ergänzen? Vielleicht erst mal zu mir. Julia De Juan ist mein Name und ich bin von Haus aus Sozialpädagogin, Diplom-Pädagogin und auch Kinderschutzfachkraft. Und ich hab tatsächlich bisher einen ganz großen Teil meiner Berufstätigkeit in der Eingliederungshilfe gearbeitet. Das heißt, ich hatte viel zu tun mit Kindern, mit Jugendlichen, mit Unterstützungsbedarf, die natürlich auch immer so besondere Herausforderungen haben, wenn es drum geht, dass wir sie gut einbeziehen können, verständlich einbeziehen können und war aber immer was, was mir auch sehr am Herzen liegt, das Thema Partizipation. Zum einen natürlich, weil das so so ganz viel mit der Selbstwirksamkeit macht der Menschen, mit denen man arbeitet. Und dann, als ich zum Thema institutioneller Gewaltschutz gekommen bin, war für mich noch mal so eine besondere Dimension von Partizipation, dass sie einfach so in diesem Macht und Abhängigkeitsverhältnis, das wir in der sozialen Arbeit immer haben, einfach das Mittel ist, um so ein bisschen einen Ausgleich herzustellen und Macht auf Seiten der Fachkräfte zugunsten der Zielgruppe zu reduzieren. Und das geht uns beiden so, das ist ein absolutes Herzensthema und ja, da sind wir ganz glücklich, dass wir dazu jetzt auch in ganz unterschiedlichen Bereichen und Kontexten arbeiten dürfen.
Karen
Toll, ja, das ist voll schön. Ich war auch richtig. Also, also wir in der Redaktion waren allgemein begeistert. Ich glaube, ihr hattet mit meiner Kollegin Susanne Weiss Kontakt und ich finde, man hat das auch im Beitrag voll durch, es hat ist voll durchgeklungen, so dass es so euer Herzensthema ist. Deswegen ist es richtig schön, dass wir jetzt auch gemeinsam drüber sprechen können. Genau, aber um mal rein zu starten, genau, partizipativer Gewaltschutz, so wie würdet ihr das ganz knapp erklären, weil ich ja vorhin meinte, ach das ist so ein großer Begriff.
Sarah Westermann
Das ist auch ein großes Projekt, muss man sagen. Also wenn man sich so Gewaltschutz anguckt, gibt es da ja die rechtliche Verpflichtung im SGB VIII, dass Einrichtungen der Kinder und Jugendhilfe ein Schutzkonzept, ein Gewaltschutzkonzept vorhalten müssen und In den Anfängen haben wir gemerkt, dass viel auf der Ebene der Fachkräfte gearbeitet wurde. Also Fachkräfte haben sich überlegt: Wie können wir Kinder schützen? Was für Angebote gestalten wir und was macht eigentlich Sinn zu dem Thema? Und mittlerweile merken wir, es wird immer mehr Thema: Wie können wir eigentlich auch Kinder und auch Angehörige mit einbeziehen? Und das ist unser großer Schwerpunkt, dass wir sagen: Gewaltschutz kann nur funktionieren, wenn alle daran beteiligt sind. Also wenn Bausteine gemeinsam erarbeitet werden, dazu hatten wir ja auch zwei Beispiele in dem Artikel geschrieben, einmal die partizipative Verhältnisampeln, also Regeln für das Personal zum Thema Nähe und Distanz, ist so ein Thema, das kann man total gut zusammen mit Kindern erarbeiten, ohne dass sich Fachkräfte alleine Gedanken machen müssen, sondern wirklich die Kinder als Expertinnen in eigener Sache zu betrachten. Und das ist auch einfach eine schöne Arbeit, wenn wir partizipative Prozesse begleiten dürfen, merken wir auch, wie sehr das dann im Alltag auch lebt, weil alle Bescheid wissen, alle setzen sich mit dem Thema auseinander. Kinder stellen Fragen, Kinder kritisieren vielleicht auch, wenn Absprachen nicht eingehalten werden und für die Fachkräfte sehr wertvoll einfach auch die Meinung von Kindern zu hören aus diesem ganzen Themenspektrum, was sind Beschwerden, was ist Sexualpädagogik, wie wollen wir eigentlich zusammen hier den Alltag gestalten, was verstehen wir unter Nähe und Distanz. Also es ist einfach ein sehr vielschichtiger, aber auch großer Prozess.
Julia de Juan
Und ich würde noch eine Sache ergänzen, weil bisher haben wir ja vor allem auch gesagt, dass das für uns so ein Herzensthema ist und dass wir das so wichtig finden, wenn es um das Thema Macht und Abhängigkeit geht, es so ein bisschen auszugleichen. Und das begegnet uns aber auch tatsächlich noch viel in Einrichtungen, dass noch gar nicht so richtig klar ist, das ist auch kein Nice to have, das Thema Partizipation, sondern wir haben da ganz klare rechtliche Grundlagen und rechtliche Verpflichtungen, ob das jetzt die U.N. Kinderrechtskonvention ist, ob das entsprechende Paragraphen im SGB 8 sind, das ist keine freiwillige Aufgabe, sondern das ist was, wozu wir wirklich verpflichtet sind.
Patrick
Ja, das lässt sich ja immer sehr unterschiedlich ausgestalten, wie eben Konzepte erarbeitet werden und gerade vor einigen Jahren kam das ja dann auf einmal, dass ja Gewaltschutzkonzepte das sexualpädagogisches Konzept, Beschwerdemanagement, das ist jetzt irgendwie alles implementiert werden soll ins ins Kitakonzept und ich glaube schon, dass da viele dann relativ schnell sich gedacht haben, ja das müssen wir jetzt alles irgendwie schnell machen, haben da schnell schnell überlegt im Team, wie sie das jetzt irgendwie ausgestalten wollen und jetzt beginnt es glaube ich noch mal mehr zu sehen, O. K., was wird davon jetzt eigentlich gelebt, wie kann man die Kinder da mit einbeziehen und wirklich das in die Haltung mit mit reinzunehmen oder die Haltung als Grundsatz letztendlich zu nehmen, wie wie das Thema eben bearbeitet wird und es ist super, dass ihr daran arbeitet und genau da die die Teams auf den richtigen Weg auch letztendlich bringt, weil es ist so wichtig, die Kinder da mit ins Boot zu holen und mit ihnen drüber zu sprechen, O. K., in welchem Rahmen ist es jetzt wichtig für euch, wo fühlt ihr euch unsicher oder wie können wir euch da unterstützen, wo wollt ihr mitbestimmen, ne, das ist ja oftmals so, Thema gewesen, wo man irgendwie sich denkt, na ja, was was wollen wir für ein neues Gerät im Garten haben, ne, also so ein bisschen Basic, was wollen wir haben und weniger auf O. K., was ist im Alltag wichtig so und genau von dem her findet ihr das super spannend, dass ihr dem Thema so viel Raum gebt und das bearbeitet.
Sarah Westermann
Ja, man kann es ja wirklich auch nachholen, das ist ja das Schöne, ne, wir erleben ganz viele Einrichtungen, die sagen, boah, da kam auf einmal eine Frist, wir sollten ein Schutzkonzept einreichen, daran gekoppelt war unsere Betriebserlaubnis und wir hatten eine Person, die hatte gerade Zeit oder die Leitung hat das verantwortlich gemacht und dann wurde ein Schutzkonzept irgendwie in einer Kleingruppe oder alleine geschrieben und jetzt das nachzuholen, das partizipativ noch mal zu erarbeiten, schließt sich ja überhaupt nicht aus.
Julia de Juan
Und auch da ist das Thema Partizipation von Kindern. Also, wenn man es im eigentlichen Sinne versteht, nicht nur ich beteilige, ich gebe die Möglichkeit, meine Meinung zu äußern, sondern ich gebe wirklich Entscheidungsmacht. Es geht ja wirklich um dieses Mitbestimmen, Einfluss nehmen auf Entscheidungen. Mehr Haltungsarbeit geht auf Seiten der Fachkräfte eigentlich nicht, wenn man das so angeht, weil das an das erleben wir über alle Bausteine hinweg. Wenn Kinder da mitbestimmen können, dann bedeutet das ganz viel noch mal Auseinandersetzung auf Seiten der Fachkräfte mit Dingen, die man bisher einfach so ein bisschen vielleicht auch routiniert, selbstverständlich gemacht hat. Das stellt einfach noch mal einiges in Frage und eine ganz wichtige, ein ganz wichtiges Gegenüber für das, was bisher vielleicht eher so im Alltag als selbstverständlich gesehen wurde.
Karen
Habt ihr da noch Beispiele, was also genau, wo es bei Fachkräften dann vielleicht haken könnte oder so Widerstände gibt?
Sarah Westermann
Ja, alles wo es nicht sicher ist, wo es vielleicht auch um Gesundheitsaspekte geht. Und ich finde den Ansatz zu sagen, wir besprechen uns einfach mal im Team, wie es um Unterhaltung dazu und fragen dann die Kinder, ist ja auch vollkommen in Ordnung. Also erstmal da Fachkräfteebene zu sagen, worauf können wir uns eigentlich einlassen und worauf nicht, weil auf beiden Seiten ist das ja auch ein Lernprozess. Partizipation heißt ja nicht, man kommt in eine Einrichtung und sagt, so liebe Kinder, ihr dürft jetzt alles selber entscheiden. Und dann läuft das, sondern alle müssen sich daran gewöhnen und trotzdem braucht es ja Fachkräfte, die auch einen Rahmen bilden und ihren Schutzauftrag wahrnehmen. Was wir häufig diskutieren, sind so Themen wie Kosenamen, weil wir ja durchaus auch Kinder haben, die sich freuen, wenn man sie Schätzchen, Mäuschen oder so nennt. Und das Thema Pflege ist auch noch mal so ein Punkt, was ist eigentlich, wenn ein Kind Unterstützung braucht, wenn es Windeln trägt und dann aber sagt, ich möchte jetzt gerade von dir nicht gepflegt werden, wie viel Raum kann man da einem Kind geben für die eigene Entscheidung und wann ist es auch gesundheitlich notwendig zu sagen, wir pflegen jetzt aber, das da gibt es manchmal unterschiedliche Ansichten von den Kindern und auch von den Erwachsenen.
Julia de Juan
Jan, weil du jetzt gerade gefragt hast, so nach Widerständen oder was vielleicht auch Sorge macht, Was wir, was wir oft erleben, ist tatsächlich so dieses einmal genauer hingucken. Wir haben eine Vorstellung davon, was für das Kind gut ist, oder wir glauben zu wissen, was gut für das Kind ist. Und dann von dem Gegenüber zu hören, ich seh das vielleicht ganz anders und nur weil du glaubst, du weißt, was gut ist, heißt es noch lange nicht, dass das für mich gut ist. Das ist natürlich schon auch Konfrontation mit mit einer Perspektive, die herausfordernd sein kann. weil ja auch dieses, ich weiß, was gut für dich ist, hat ja eine eine sehr, sehr gute Absicht und dann wird aber diese gute Absicht ja so ein bisschen in Frage gestellt und an dem Punkt drauf zu kommen zu sagen, OK, ich nehm das jetzt einfach mal wirklich ernst und schau mal, wie wie kann ich das vielleicht auch in eine andere Richtung lenken, damit ich mein Gegenüber wirklich mit seiner Perspektive respektiere, das ist, glaub ich, schon eine Herausforderung und dann Und das ist jetzt nicht nur das Thema Partizipation, sondern Gewaltschutz. Generell würde ich sagen, ist immer eine Hürde, so ein bisschen die die Angst davor, die Wahrheit zu sagen bei uns Fachkräften. Also, dass wir die Befürchtung haben, wenn wir über das Thema Gewalt sprechen, dass das bei Kindern so ein ja ein Vertrauensbruch in die sichere Welt bedeutet. Wenn wir Kindern sagen, es kann sein, dass Menschen, die euch sehr, sehr nah sind, die ihr lieb habt, auch Dinge tun, die nicht gut sind, dass da so ein bisschen die Befürchtung und die Sorge besteht, dass man dadurch eher Schaden anrichtet, als dass man was Sinnvolles macht. Und genau diese Wahrheit braucht es aber. Und das ist glaube ich auch was, wo wir häufig merken, dass das eine Hürde darstellt.
Sarah Westermann
Und wir vergleichen das halt mit dem Straßenverkehr. Also wir warnen Kinder ja auch vor dem Straßenverkehr. Achtung, wenn du an der Straße stehst, musst du nach links und rechts gucken. Wir achten mit darauf, dass du sicher bist, aber du darfst auch nach rechts und links gucken, weil hier ist einfach eine Gefahr. Und genauso kann man das im Gewaltschutz auch sehen. Guck im Leben nach links und rechts, wir schützen dich, aber manchmal gehen uns vielleicht auch Sachen verloren und da ist wichtig, dass du mit uns zusammen hinguckst und uns sagst, wenn da doch eine Gefahr kommt. Und das heißt natürlich nicht, dass Kinder selber verantwortlich sind für ihren Schutz, aber ihr ihnen zu sagen, hey, da ist eine Gefahr und wir müssen nach links und rechts gucken, macht ganz viel Sinn und Kinder gehen ja trotzdem über die Straße. Also so viel Angst macht man ihnen dann gar nicht und wir haben da sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht. Natürlich kindgerecht, angepasst an die Entwicklung, aber Kinder auch aufzuklären, dass nicht alle Erwachsenen es gut mit ihnen meinen, ist auch nur fair denen gegenüber, um auch die zu schützen, die dann glauben, Erwachsene machen immer das Richtige und gar nicht in Frage stellen, ob das jetzt OK ist oder nicht.
Julia de Juan
Ja, und wenn ich noch eine Sache ergänzen darf, die mir jetzt gerade noch reingefallen ist, was wir, was wir eben auch oft haben, ist dieses Thema Kontrollverlust. Wenn wir jetzt wirklich sagen, so, ihr dürft mitbestimmen und entscheiden, dann geben wir ja was aus der Hand, was bisher so auf unserer Seite das sichere Gut war, was ja auch Verlässlichkeit, Orientierung und so weiter bedeutet, und da geben wir Kontrolle ab und wissen noch gar nicht, wie wird sich das auswirken? Ein Thema, das häufig wirklich sehr, sehr kontrovers diskutiert wird, ist ist die Buddelhose. Also bis zu welchem, bis zu welcher Gradzahl muss die Buddelhose jetzt angezogen werden und das Kind darf eben nicht entscheiden, wird die angezogen oder nicht. Und das ist ja dann auch wieder so die Abwägung zwischen, ich hab vielleicht dann wirklich gesundheitsrelevante Aspekte, wo ich diese Schutzfunktion wahrnehmen muss und bis zu welchem Punkt dürfen Kinder aber auch die Erfahrung machen. hui, ohne Jacke und Matchose wird es jetzt aber schon ganz schön kalt und ja, da von dieser gewohnten Kontrolle loszulassen, das ist glaube ich auch wirklich nicht so einfach.
Patrick
Ja, ja, mir fällt da eben auch so ein bisschen auf, dass es oder dass Kinder ja darauf angewiesen sind, wie die Haltung der jeweiligen Fachkraft auch ist, ne. Und wenn ich so drüber nachdenke, wie sich meine Haltung eben so aufgebaut hat, das ging über Vorbilder, die positiv oder negativ waren. Also während ich eben in der Ausbildung war, im Praktikum oder dann in meinen ersten Arbeitsstellen, wo ich dann festgestellt habe, nee, so möchte ich nicht arbeiten und das sind Erzieherinnen oder Erzieher, so kann ich es mir vorstellen und ebenso dieses eigene, ja, diese eigenen Werte und Normen, die man eben so hat und mitbringt und das erarbeitet sich ja dann so mit der Zeit und. damals, als ich die Ausbildung gemacht hatte, gab es diese ganzen Schutzkonzepte noch nicht, ne, also da wurde eher so ein bisschen Mathematik und was weiß ich nicht alles irgendwie in den Konzepten dann drin steht. Und das hat sich ja erst in den letzten Jahren so richtig aufgebaut und jetzt ebenso dieses Grundgerüst zu haben und mehr über dieses Thema zu sprechen, mehr zu reflektieren und mehr zu überlegen, O. K., wie erarbeiten wir das weiter Stück für Stück, finde ich super wichtig, weil es dann weniger eine Abhängigkeit von der einzelnen Fachkraft ist. sondern mehr ein gemeinsamer Konsens entsteht, wie wir unsere Haltung in der Kita leben und worauf die Kinder sich dann eben verlassen können. So und wenn sie eben dann selbst Dinge mitbestimmen können und sich die Konzeption dann eben nach den Kindern ausrichtet, so dann genau steckt da eben ganz ganz viel Potenzial drin, eine Umgebung zu schaffen, die für die Kinder sicher ist und genau weitestgehend gewaltfrei. Also das ist ja einfach super super wichtig. ja so, da musste ich nur gerade über drüber nachdenken, so also was waren meine Vorbilder, wie habe ich mich entwickelt, wie habe ich irgendwie Dinge damals getan, die nicht in Ordnung waren jetzt aus der Sicht für heute, ne und ich denke, da haben wir alle als pädagogische Fachkräfte mal in die in die Schüssel gegriffen und falsch reagiert, so und genau das war aber durch Reflexion, durch gemeinsamen Austausch, durch Vorbilder hat sich das erst so erarbeitet und umso wichtiger ist es, das Thema eben dass es eben auch wirklich gesetzlich verankert worden ist, dass wir das, ja, dass wir das zu zu erarbeiten haben, damit Kinder eben nicht darauf, ja, hilflos angewiesen sind und es in den einen Kitas so oder so läuft. Also klar, jede Kita arbeitet für sich selbst ein Konzept, aber grundsätzlich hat sich da, glaube ich, in den letzten Jahren schon sehr, sehr viel getan.
Sarah Westermann
Ja, ja, und deswegen finden wir halt auch die partizipative Erarbeitung so wichtig, damit Kinder einfach auch wissen, was ist von Fachkräften eigentlich O. K. und was auch nicht. Weil wenn wir uns TäterInnen Strategien angucken, setzen die natürlich genau da an, dass sie behaupten, das machen alle, das ist ganz normal, dein Bauchgefühl stimmt nicht, ich will dir doch nur was Gutes tun und wenn Kinder aufgeklärt sind und wissen: Hey, darüber darf ich selber entscheiden und ich darf nein sagen. Ich muss nicht nein sagen, aber ich darf nein sagen und ich kann einordnen was hier in der Einrichtung okay ist und was tatsächlich für alle gleich ist und wo sich vielleicht jemand auch eine erwachsene Person nicht an die Regeln hält, ist auch ein ganz klarer Teil von Prävention, von Aufklärung und von Schutz.
Julia de Juan
Und ich ergänz vielleicht noch kurz, weil Sarah jetzt gerade sagte, dann darf ein Kind oder weiß, ich darf Nein sagen und nicht ich muss Nein sagen, falls das vielleicht noch mal so ein ein Aspekt oder eine Frage, warum denn nicht sagen müssen, das ist natürlich auch eine riesen Herausforderung, das ist was, was wir von ganz vielen Kindern hören, die wir zum Beispiel fragen, wie viel Nähe darf denn eigentlich sein, wann ist denn Körperkontakt OK, dass die ja genau wissen, vieles passiert aus einer guten Absicht und gut gemeint und dazu nein zu sagen, das ist echt richtig, richtig schwer, das ist eine riesen Herausforderung und wenn ich sage, du musst immer in solchen Situationen nein sagen, heißt es ja, wenn du es, wenn ich es nicht schaffe, dann bin ich ja selber schuld, wenn es passiert, weil ich war nicht stark genug, um Nein zu sagen. Deshalb dieses Nein sagen dürfen ist ein Punkt, der uns dann auch immer noch mal ganz, ganz besonders wichtig ist, das hervorzuheben.
Karen
Stimmt, das ist auch voll schön, weil klar, Kinder wollen eigentlich gefallen, ne, vor allem Menschen, die die sie eigentlich lieb haben und doch meistens ist es ja so, auch in der Kita mit den Fachkräften. Dadurch ist es schwierig und ich hab gerade auch noch gedacht, weil du das gerade noch mal gesagt hast, Sarah, in ja, wenn Täter quasi was forcieren, oder Täterinnen was forcieren, dann fällt es Kindern vielleicht auch schwer, eben nein zu sagen oder das überhaupt zu verstehen. Und ich glaube, dieses Thema ist auch oft so, oder ich hatte das in der Vergangenheit so so wahrgenommen, klar, wenn man über Gewaltschutz spricht, dann ist es, oh mein Gott, und dann kommt jemand, der vielleicht jetzt was mit einem Kind macht, irgendwie misshandelt, wie auch immer. Aber es geht ja vor allem auch um kleine Dinge und deswegen ist es ja, glaube ich, so wichtig, ne. Also, sowieso Partizipation zu leben, aber auch den Kindern zu zeigen: 'Hey, ihr dürft eben mitentscheiden, was mit euch passiert.' Und wenn es jetzt nur drum geht, ob ihr irgendwie bei der Begrüßung umarmt werden oder die Person umarmen möchtet oder irgendwie einfach nur Hallo sagen oder Hand Hand klatschen oder sowas, damit eben in großen, also in wirklich gefährlichen Situationen, genau das da ist, dieses Wissen. Ich darf es aber selbst entscheiden und da ist irgendwas, stimmt irgendwas nicht.
Sarah Westermann
Und das ist ja ein super Geschenk, was wir alle haben in unserem Job, dass wir das so früh schon begleiten dürfen und Kinder schon so früh stärken dürfen in kleinen alltäglichen Dingen, die aber dann auch was Großes bedeuten, auch für das weitere Leben. Und das ist doch eigentlich wundervoll und wie schön, dass wir uns damit in unserer Arbeitszeit beschäftigen dürfen und das nicht irgendwie im Sande verläuft, sondern dass uns allen die Verantwortung auch gesetzlich noch mal vor Augen geführt wird und da auch noch mal der Fokus drauf gelegt wird, dass es wichtig ist, dass Kinder Entscheidungen selber treffen dürfen über ihren eigenen Körper.
Patrick
Ja, ja, ja, das finde ich super, super wichtig, weil gerade bei so Abgabe Situationen, so was ich eben so oft gesehen hatte, so in meiner beruflichen Laufbahn, dass dann Kinder irgendwie aus dem Arm rausgezogen worden sind, so dass sie ja, es muss jetzt schnell gehen, als habt ihr mal nicht so, also so in die Richtung, das hatte ich, hatte ich früher öfters erlebt, das ist mittlerweile so ein fabelhafter Aushandlungsprozess mit den Kindern auch, ne, also wie willst du dich verabschieden, was brauchst du heute noch, ne, und dann darf das Kind manchmal irgendwie auch so, na ja, ich möchte noch fünfmal von meiner Mama gedrückt werden, dann drücken die noch fünfmal, du darfst die Mama zur Tür bringen oder den Papa, du darfst rausschubsen oder nicht, du darfst am Fenster noch mal winken, ne, und das ist für jedes Kind total individuell und das braucht eben Zeit auf ja in diesen in diesen Transitionen auch dem Kind und dieser Situation einfach auch diesen Raum zu geben und das ist einfach super wichtig als pädagogische Fachkräfte so diesen Raum eben anzubieten und das aber auch wirklich im Konzept festzuhalten, dass das letztendlich die pädagogische Arbeit ist und nicht so komm jetzt schnell her, wir machen jetzt den Morgenkreis, du musst da jetzt dich mit hinsetzen, so sondern einfach in diesen Aushandlungsprozess gehen, das ist unsere Aufgabe letztendlich die Kinder da ja. zu behüten, so in ihren eigenen Bedürfnissen.
Julia de Juan
Und ich find es auch deshalb noch mal so wichtig, dass du das so so klar sagst, weil das die große Schwierigkeit ist, ja irgendwann funktioniert der andere nicht so gute Weg, ja doch auch irgendwann irgendwie zwar nicht gut, aber es funktioniert, wenn ein Kind immer wieder diese Erfahrung macht, dann ist natürlich auch einfach das Risiko, dass dann doch irgendwann eine Kapitulation eintritt und das Kind einfach mitmacht, weil es gewohnt ist, es wird dann sowieso mein Bedürfnis nicht gesehen oder übergangen. Da hatten wir auch schon Situationen, wo wir dachten, Mensch, da ging es um einen kleinen Jungen im Autismus Spektrum, dem das einfach sehr, sehr schwer fiel, Kleidung nicht bis zum Fußgelenk zu haben und dann aber immer wieder so diese Aushandlung war Turnraum und dann ist da warm und dann wird da getöbert, ist doch viel besser mit einer kurzen Hose und klar, wenn man den 10 mal jetzt überredet bis zwingend eine kurze Hose zu tragen, wird er wahrscheinlich auch wissen, OK, wenn ich da in den Turnraum möchte, muss ich eben diese kurze Hose tragen, ist aber natürlich dann nicht sehr zielführend beziehungsweise einfach auch überhaupt nicht in Ordnung.
Karen
Mhm, ich hab mich, ich komm noch mal auf was was von vorhin zurück, da hab ich mich nämlich kurz gefragt, am Beispiel Kosename, Ja, wie ist das so, wenn ihr, wenn ihr dann in der Kita seid und die Fachkräfte begleitet?
Sarah Westermann
Also wir starten ja grundsätzlich erst mal mit Aufklärung, bevor wir Regeln überlegen, also dass wir Fachkräfte darüber aufklären, was ist eigentlich Macht und Abhängigkeit, was sind Täter:innen Strategien, wir gucken uns auch Zahlen, Daten, Fakten an, weil wir immer noch gesellschaftlich glauben, dass Thema Gewalt in Einrichtungen gar nicht mehr existiert oder dass es in der Einrichtung, wo wir sind, nicht existiert, das ist gerne, weil es ja auch ein unangenehmes Thema ist, das so ein bisschen von sich weggeschoben wird, was ich auch total gut nachvollziehen kann und das machen wir mit Kindern auch, also erstmal zu besprechen, hey warum brauchen wir eigentlich Regeln für Nähe und Distanz und warum gucken wir uns eigentlich das Verhalten der Fachkräfte an und wir arbeiten dann immer in getrennten Gruppen bevor wir Regeln erarbeiten. Julia hat meistens die Zielgruppe mit in der Erarbeitung und ich die Fachkraft und dann gucken wir erstmal in getrennten Gruppen, Was sind denn Regeln, die euch wichtig sind und wie verhaltet ihr euch aktuell? Und bei den Kindern wird dann nachgefragt, wie nehmt ihr denn die Fachkräfte wahr, was findet ihr eigentlich gut und was findet ihr nicht gut? Und es ist total spannend, dass die Kinder natürlich unterschiedlich gerne, wir bleiben jetzt mal bei dem Beispiel Kosenamen, mit Mäuschen, Schätzchen oder mit dem Vornamen angesprochen werden, was die aber alle auch im kam ist, wenn ich Mäuschen genannt werde, ist das vielleicht für die anderen doof und das ist ja gar nicht gerecht oder auch, dass dann endlich mal so ist, mich hat das noch nie jemand gefragt, aber eigentlich möchte ich lieber mit meinem Namen angesprochen werden, weil Mäuschen ist vielleicht auch was Kleines oder was auch immer und dann gibt es vielleicht einzelne Kinder die sagen ich finde das aber richtig richtig schön so genannt zu werden und dann zu überlegen okay was macht denn noch ein schönes Gefühl, also worüber freust du dich denn? Ja, dass ich direkt angesprochen werde, OK, geht das nicht auch mit dem Vornamen, also da wirklich mal zu diskutieren und dann gemeinsam drauf zu gucken, dann kommen die beiden Gruppen nämlich zusammen und stimmen über die Regeln ab, wie soll sich das Fachpersonal verhalten und dann auch im Konsens abzustimmen und wir sind immer sehr beeindruckt, wie Kinder so die ganze Gruppe immer im Blick haben und nicht nur ihre individuellen Bedürfnisse, sondern die nehmen schon wahr, dass das für andere vielleicht blöd sein kann und.
Julia de Juan
Meistens ist auch eine sehr, sehr hilfreiche Frage, wie leicht ist es denn für dich zu sagen, ich möchte nicht Mäuschen genannt werden, wenn du mit Mäuschen angesprochen wirst und dann kommt ganz schnell, oh, das ist aber schwer und da sind wir dann genau wieder an an diesem Punkt, wie schwer das ist, so gut gemeinten Dingen nein zu sagen oder auch die Frage, wie wäre das denn umgekehrt, wenn ihr zu den Erzieherinnenmäuschen sagt, wie ging das denn den Erzieherinnen wohl damit? Also auch so ein bisschen noch mal den Spieß umzudrehen und erstaunlicherweise, wenn man dann auch sagt, wir müssen ja eine Lösung finden, die für alle gut ist, dann ist in der Regel die Bereitschaft sehr, sehr hoch zu sagen, ja, dann muss es was sein, was wirklich für alle passt, auch wenn bei Einzelnen, die das vielleicht schön finden, man dann überlegen muss, an welchem Ort kannst du das vielleicht haben und es ist aber dann vielleicht nicht unbedingt in der Kita.
Patrick
Ja, ja, da gibt es ganz viele unterschiedliche Haltungen auch eben dazu zu Kosenamen. Also was ich jetzt oft erlebt habe ist, dass man wirklich konsequent gesagt hat, bei uns in der Kita gibt es keine Kosenamen so in dem Sinne und das dann eher das so Aushaltungsprozesse sind, weil es aus der Familie schon so kommt, dass das Kind irgendwie Maxi statt Maximilian genannt wird zum Beispiel oder einfach so in die Richtung. Und das merk ich, wenn jetzt ein neues Kind in die Kita kommt, frag ich das schon auch immer ab, so ja, wie möchtest du denn genannt werden, also wie sollen wir, wie sollen wir dich nennen, ne. Und dann gibt es halt noch so eine Gagmomente, also weiß ich nicht, wenn dann die Vorschülerinnen dann so langsam die Kita verlassen und ich dann so sage, ach meine kleinen Babys, so. Also das ist so eine andere Richtung, dann auch noch mal, wo sie halt, wir sind doch keine Babys, also ne, wo es dann eher mal so ein Gag ist, ne. Aber es ist halt schon. wichtig, wenn Kind täglich angesprochen wird, dass es so angesprochen wird, wie es auch angesprochen werden möchte. Und das genau ist ein ganz zentraler Punkt.
Julia de Juan
Und auch zu thematisieren, die Kita ist nicht die Familie, in der Familie sind andere Dinge oder passieren andere Dinge als das in der Kita der Fall ist. Die Erzieherin hat auch eine andere Beziehung zu mir als die Mama oder der Papa beispielsweise. Und unser Problem ist oft, dass so ein bisschen missverstanden wird, dass Kinderschutz, Gewaltschutz bedeutet, jetzt dürfen wir nichts mehr, jetzt dürfen wir nicht mehr Nähe durch Worte, jetzt dürfen wir nicht mehr Nähe durch Körperkontakt. Und wenn das so verstanden wird, ist es natürlich einfach überhaupt nicht richtig verstanden, weil darum geht es gar nicht, sondern es geht natürlich darum, welche Möglichkeit haben wir durch die Art, wie wir Nähe und Distanz gestalten, die Kinder sensibel zu machen und zu stärken für Situationen, in denen eben genau das ausgenutzt wird. Und ja, da eben einfach durch sämtlichen Alltagssituationen gucken, wo kann ich immer wieder die Entscheidung bei meinem Gegenüber lassen, beim Kind lassen, wie möchtest du angesprochen werden, wie möchtest du getröstet werden, ist es für dich in Ordnung, du bist gestürzt, du hast dir wehgetan, soll ich dich vielleicht einmal in den Arm nehmen? Immer wieder die Entscheidung beim Gegenüber zu lassen und dann ist mir total wichtig und richtig.
Sarah Westermann
Es hört sich immer komplizierter an, als es dann in der Praxis auch wirklich ist. Ich glaube, das ist eine Übungssache, sich immer rückzufinden, versichern, weil gerade Körperkontakt ist was, was wir so automatisiert machen, also mal irgendwie über den Rücken streicheln, über den Kopf streicheln, in den Arm nehmen, auf den Schoß nehmen und sich da einfach mal zu reflektieren und zu sagen: Okay, was wäre denn, wenn ich vorher einfach nachfrage? Dann ist möglicherweise die Situation trotzdem, dass das Kind bei mir auf den Schoß krabbelt, aber ich habe dem Kind die Option gegeben auch zu sagen, ich möchte das nicht und nicht erst wenn die Situation passiert ist. und dafür ist es einfach immens wichtig, dass wir uns immer wieder über Täter:innen Strategien unterhalten und den sogenannten Grooming Prozess, weil wenn ich den Prozess verstanden habe ist ganz klar warum bestimmte Dinge diskutiert werden müssen und auch da noch mal den Unterschied, es macht natürlich einen Unterschied ob ich einen großen Namen benutze oder eine Abkürzung, also einen Spitznamen, also Maximilian der gerne genannt wird ist natürlich ganz anderes Thema als Maximilian, der immer kleine Raupe genannt wird und da sich auch darüber im Klaren zu werden und Nähe kann ich auch ohne Kosenamen erzeugen und ich kann auch anders zeigen, ich bin für dich da und da einfach mal drüber auch im Team zu diskutieren, auch mit den Kindern mal drüber zu sprechen, was sind eigentlich Vorteile von so einem Namen, wenn wir jetzt bei diesem Thema bleiben, was sind Nachteile, Das ist ja auch total schön, sich dann mal so intensiv auch mit diesen kleinen alltäglichen Situationen auseinanderzusetzen und das bietet uns jetzt gerade das Schutzkonzept und auch das find ich super, weil es uns die Möglichkeit bietet, wirklich mal über solche Dinge zu sprechen, die vielleicht sonst automatisiert ablaufen.
Patrick
Ja, und ich merk auch ganz oft, dass gerade solche Aushandlungsprozesse ja Bindung ermöglichen, ja auch erst mal ne, ich hatte vor kurzem auch so ein Moment, ich Kannte ich das Kind noch nicht. Das war relativ frisch bei uns auf der auf der Etage und ist eben abgegeben worden. Hat es ein bisschen schwer gehabt. Ich war aber die einzige Fachkraft, die zu dem Zeitpunkt da war, ne? Und dann genau, hab ich eben auch offen der Mama und dem Kind gegenüber gesagt, kenne ich noch nicht so richtig, weiß jetzt gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Wie möchtest du da am besten jetzt reinkommen? Soll ich dich auf den Arm nehmen? Wollen wir zusammen zur Tür gehen, ne? Und dann hat sie eben auch bewusst nein gesagt. so ich möchte nicht auf den Arm von dir genommen werden deshalb habe ich genau dann eben akzeptiert und dann haben wir überlegt okay was können wir sonst machen könnte ich an der Hand nehmen du kannst alleine reinlaufen ne also hab haben wir das so ein bisschen aufgeschlüsselt und sagt nee ich möchte alleine ans Fenster gehen so und dann ist die da auch losgestapft und hat gewunken und da habe ich gemerkt dass in dem Moment ganz viel bei ihr auch passiert ist und als dann die Mama weg war so 10 Minuten später dann kam sie auch neben mich so wir haben ein Buch vorgelesen ne ein bisschen Nähe dann gehabt und jetzt mittlerweile sitzt sie auch hier bei mir auf dem Schoß, wenn sie das, wenn sie das Bedürfnis hat, ne. Also da merke ich eben gerade in diesen Momenten, wo man die Kinder respektiert und akzeptiert in ihren eigenen Bedürfnissen, so merken sie, O. K., hört mir zu, nimmt mich ernst und da kann ich hingehen, da kann ich mein Vertrauen schenken und das erlebe ich eben immer, immer wieder, wenn man selber ja die Grenzen und und Bedürfnisse der Kinder ernst nimmt und wahrnimmt, und dann öffnen sie sich auch so und dann baut sich dadurch eben Beziehung und Bindung auf und genau das ist ganz, ganz wichtiger Moment einfach.
Karen
Und dann kann ich auch wieder mal eine Grenze ziehen, wenn ich eben merke, ah jetzt ist mir gerade zu viel oder so, weil sie ja vorher, wenn sie jetzt bei dem Beispiel dann gemerkt hat, O. K., für Patrick ist es in Ordnung. Also es, ja, es ist echt ein richtig schönes Beispiel.
Outro
Karen abgeholt. Den zweiten Teil des Interviews hört ihr in der nächsten Folge. Das war's für heute. Wir freuen uns auch über eure Erlebnisse aus der Praxis. Schreibt mir gerne an karen.sachse@herder.de. Die aktuelle Ausgabe von kindergarten heute findet ihr online auf kindergarten-heute.de Bis zum nächsten Mal bei heute im Kindergarten.