D er Himmel über Mitteleuropa öffnet sich im Juli 1342. Rhein und Main werden zu reißenden Strömen. Die Fluten bringen Tod, Verwüstung und eine schwere Hungersnot. Die Katastrophe erhält ihren Namen nach Maria Magdalena, deren Gedenktag auf den 22. Juli fällt. Weitere Hochwasser heißen Lichtmess-, Jakobs- oder Bartholomäusflut.
16 bedeutende Hochwasser in Europa
Lange galt die Magdalenenflut als isoliertes »Jahrtausendereignis«. Doch ein internationales Forscherteam, darunter der Umwelthistoriker Martin Bauch vom Leibniz-Institut in Leipzig, wertete mehr als 1000 Einträge aus Chroniken, Briefen und Urkunden aus: Zwischen Ende 1341 und Herbst 1343 ereigneten sich 16 bedeutende Hochwasser in Europa. Vier erreichten eine Größenordnung, die statistisch nur alle 500 bis 1000 Jahre auftreten soll.
Schon im Februar 1342 zerstört das Lichtmesshochwasser zwei Drittel der Prager Judithbrücke. Die Magdalenenflut bildet den verheerenden Höhepunkt, 1343 folgen weitere Extremereignisse. Wiederholter Regen trifft auf durchnässte Böden und Orte, die sich nicht erholt haben.
Mögliche Ursachen: Vulkanausbrüche und ein Rückgang des arktischen Meereises
Als Ursachen vermuten die Forscher Vulkanausbrüche und den mehrjährigen Rückgang des arktischen Meereises. Beides könnte Luftströmungen verändert und lang anhaltende Regenlagen begünstigt haben. Bewiesen ist der Zusammenhang nicht. 1342 ist das Jahr mit den meisten dokumentierten schweren Hochwassern Europas in den vergangenen 700 Jahren; 1343 liegt an dritter Stelle. Die Serie ereignet sich lange vor der menschengemachten Erderwärmung, relativiert den heutigen Klimawandel aber keineswegs. Ihre Lehre: Auf eine angebliche Jahrhundertflut kann bereits wenige Monate später die nächste folgen.