Ende Januar 1943 vergleicht Reichsmarschall Hermann Göring die Niederlage der 6. Armee bei Stalingrad mit dem Untergang der Nibelungen am Hofe des Hunnenkönigs Etzel. Im Gegensatz zu Märchen kann man Mythen politisch instrumentalisieren.
In seiner Studie »Germania« beleuchtet der Mediävist Arnulf Krause die Rezeptionsgeschichte unserer Mythen. Erstaunlicherweise entfalten viele der Überlieferungen erst im 19. Jahrhundert ihr Potenzial, als in den Tagen Napoleons die Deutschen nach einer nationalen Identität suchen: Der romanisierte Arminius wandelt sich zum urdeutschen Hermann der Cherusker.
Den Höhepunkt erreicht der Mythenmissbrauch im »Dritten Reich«, als man in den germanischen Überlieferungen eine Bestätigung der Rassenlehre finden wollte. Krauses Fazit: Mythen sind keine politischen Argumente.