Im Gespräch mit Anke Buschmann: Wenn Kinder spät sprechen - Sprachentwicklung begleiten

Warum sprechen manche Kinder später als andere – und wann sollten Fachkräfte aufmerksam werden? Karen und Patrick sprechen mit Prof. Dr. Anke Buschmann über Sprachentwicklung, Late Talker und alltagsintegrierte Sprachförderung. Wie kann die Sprechfreude am Laufen gehalten werden, welche Mini-Momente im Kita-Alltag sind förderlich? Eine wichtige Erkenntnis aus dem Gespräch: Kinder lernen vor allem im Dialog und an ihren eigenen Themen Sprache.

Anke Buschmann im Interview: Wenn Kinder spät sprechen - Sprachentwicklung begleiten

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Transkript

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Intro

Ja, ich finde es auch immer super schön Experten einfach auch zu hören. Und Expertinnen.

Hallo und herzlich willkommen zu heute im Kindergarten, dem Podcast von "Kindergarten heute". Hier erwarten euch kleine und große pädagogische Happen. Perfekt zu genießen auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause.

Karen

Ja, hallo zusammen. Schön, dass ihr heute alle wieder zuhört zu einer neuen Folge von heute im Kindergarten. Ich bin wieder hier. Karen und Patrick ist auch dabei.

Patrick

Hallöchen.

Karen

Hallo und wir haben noch einen weiteren Gast oder wir haben einen Gast heute, Professor Doktor Anke Buschmann, ist heute zu Gast.

Anke Buschmann

Hallo.

Karen

Hallo, schön, dass du da bist. Du bist Autorin von der Kleinstkinder Ausgabe Nummer 5 ist es, glaube ich, die Mitte Juli erscheint und hast Texte geschrieben zum Thema Sprachentwicklung beziehungsweise Sprachverzögerung. Ja, möchtest du selber kurz noch was zu dir sagen, damit wir alle beziehungsweise die da draußen dich bisschen einordnen können?

Anke Buschmann

Ja, gerne kann ich tun. Sprache ist so eines meiner Lieblingsthemen und ich beschäftige mich schon sehr lange damit und vor allem ist mir eigentlich so besonders wichtig. Ja, immer wieder mit dem Blick drauf zu schauen, dass Kinder ganz unterschiedlich schnell sprechen lernen und es aber auch Kinder gibt, denen es schwerer fällt und wo sehr gerne es abgetan wird, dass die Eltern vielleicht zu wenig mit dem Kind sprechen oder das Kind zu faul zum Sprechen sei und da würde ich ganz gerne darüber aufklären, dass das in den meisten Fällen genauso eben nicht ist.

Karen

Ja, das ist schön. Das ist auch für für genau uns in der Kita beziehungsweise Patrick in der Kita, ne, der ja in der Kita ist wichtig, das zu wissen, natürlich auch den Eltern zu kommunizieren. Und du bist direkt reingestartet, quasi ins Thema, weil genau darüber wollen wir ja eben sprechen heute. Genau, ich hab mich gefragt, um also ich hab es gelernt, Patrick hat es auch gelernt, aber wie sind, wie ist denn die typische Sprachentwicklung, bevor wir dann zu zu Problemen oder Verzögerungen kommen? Wie sieht es bei bei Kindern aus?

Anke Buschmann

Ja, ich kann ja kurz noch was sagen. Ich bin Entwicklungspsychologin und dann interessiert mich das Thema Spracherwerb natürlich ganz besonders. Und zunächst auch erstmal die altersgemäße Entwicklung, bevor man dann schaut, was vielleicht nicht so. Altersgemäß läuft und ja, sprechen lernen Kinder eigentlich vom Tag eins beziehungsweise schon im Mutterleib. Da nehmen die Kinder schon Sprache wahr, sie hören besonders in dem Falle wirklich die Mutter und dann eben auch die Sprache der Mutter, gewöhnen sich schon an die Melodie, die die Muttersprache hat, und sind dann auch vom ersten Tag nach der Geburt aufmerksam und interessiert für sprachliche Informationen. Das heißt, da passiert ganz viel, gerade in dem ersten Lebensjahr, wenn die Kinder noch keine Wörter sprechen, wird eigentlich die Grundlage gelegt. Die Kinder lernen die Melodie der Sprache kennen. Sie lernen auch den Rhythmus, wann werden sind Pausen, wann fängt ein Wort an, man hört ein Wort auf, sie hören die ersten Wörter so aus dem Lautstrom, wenn wir jetzt sprechen, hören alle Wörter. Aber ein Kind hört da einfach erst mal nichts. Laute, verschiedene Laute und dann müssen die einzelnen Wörter herausgehört werden, wie Ball. Und dem muss dann die Bedeutung zugewiesen werden. Ein rundes Ding, das man halt rollen kann beispielsweise. Und das passiert so im zweiten Lebenshalbjahr. Das ist eine ganz wichtige Vorstufe für das eigentliche Sprechen, dass die Kinder das Wort Ball erstmal heraushören können aus den vielen anderen Wörtern, wissen, dass es um das runde Ding geht, mit dem man schön spielen kann, und dann kommt irgendwann das Wort "Ball" oder "Ba" für den Ball und Mama und Papa und das ist dann so mit 10 bis 14 Monaten bei den meisten Kindern tatsächlich so die ersten Wörter. Und wenn die ersten Wörter einmal gesprochen sind, dann geht es tatsächlich erst mal so bisschen peu à peu weiter, dass neue Wörter hinzukommen, auch so Kinderwörter wie Wau Wau und Miau und Aua und heiß, also Dinge, die einfach auch wichtig sind. Und wenn die Kinder so, man sagt so zwischen 50 und 80 Wörtern sprechen, also selbst benutzen können, dann fangen sie an zu kombinieren Mama, Auto, da Waua, da Wau Wau und dann dauert es gar nicht lange, dann kommen die ersten kurzen Sätze Papa, dul sitzen für der Papa sitzt auf dem Stuhl und solche 3 Wort Sätze, die werden von den Kindern so um den zweiten Geburtstag herum gesprochen. Und verstehen können die Kinder dann schon so viele Wörter, dass man sie eigentlich nicht mehr zählen kann. Und sie verstehen dann auch schon lange, kurze Anweisungen: "Hol den Ball!". Na, Sie verstehen kurze Sätze und man kann sich mit einem zweijährigen Kind ja schon über Alltagsdinge unterhalten. Das sind so ganz wichtige Entwicklungsschritte. Und zwischen dem zweiten und dem dritten Geburtstag passiert dann auch noch mal sehr viel, oft schon ab 18 Monate, dass die Kinder dann sehr schnell neue Wörter lernen. Also da laufen verschiedene Entwicklungswege zusammen. Die Kinder erkennen, dass jedes Ding einen Namen hat. Sie sind auch gut in der Lage, diese Wörter kurzfristig zu speichern. Sie hören ein Wort zum ersten Mal, Trinkflasche und können direkt das Wort Trinkflasche sprechen. Und wenn das dann noch ein paar Mal benutzt wird, dann können Sie es sich auch merken. Das ist so ein Zeitfenster, wo die Eltern nicht mehr mitschreiben können, weil jeden Tag viele neue Wörter gelernt werden und das schafft man nicht mehr zu dokumentieren wird gerne Wortschatzspurt genannt. Es gibt aber auch Kinder, die das nicht so haben. Die lernen eher so Stück für Stück neue Wörter hinzu. Und durch die vielen Wörter und das es dann eben nicht nur Nomen sind, also Papa, Mama, Auto, Ball, sondern auch Laufen und über unter können dann auch Sätze gebildet werden. Und das ist dann das, was wir bei den dreijährigen Kindern sehen, dass sie wirklich auch sowas sagen können wie: 'Der ICE fährt ganz schnell.' Oder ich möchte keine Haare waschen und ein Wortschatz von über 1000 Wörtern schon von den Kindern beherrscht wird. Also, da sind wir zum dritten Geburtstag dann schon auf einem Stand, wo man sich gut mit den Kindern unterhalten kann. Was manchen Kindern vielleicht noch schwerfällt, das ist die Aussprache mancher Laute, dass eben der Kindergarten noch ein Tindergarten ist. Und das löst sich dann aber meistens bis zum vierten Geburtstag. Und ja, so ab dem vierten Geburtstag sind das schon richtig kompetente Sprecher und Sprecherinnen.

Karen

Mhm, ja, die, die begegnen uns oder begegneten mir damals in der Kita und dir, aber Patrick, ja auch tagtäglich. Also wir haben beide zusammen in der Krippe gearbeitet und Patrick ist jetzt aber im Ü 3 Bereich und da sind da quasi die kompetenten Sprecher:innen.

Anke Buschmann

Mhm.

Karen

Dann vor Ort, du hast gerade schon gesagt, dass dass es bei manchen eben auch bisschen langsamer gehen kann mit mit dem mit dem Wortspurt. Das ist dann aber quasi noch keine Verzögerung, oder? Das hab ich richtig verstanden. Also.

Anke Buschmann

Ja, ganz grundsätzlich sind Kinder ja ganz unterschiedlich in ihrer Entwicklung, auch beim Laufen lernen. Manche fangen schon an mit 9 Monaten, sich an Gegenständen hochzuziehen und andere erst mit 13 Monaten. Das ist ja ganz normal, das ist auch beim Sprechen lernen so, dass es da große Unterschiede gibt zwischen den Kindern und das hängt von ganz verschiedenen Faktoren ab. Vom Kind selbst, wie gut lernt es. Insgesamt von äußeren Bedingungen wie viel Möglichkeiten hat das Kind, Sprache auch zu hören im Umfeld. Wenn man sich vorstellt, dass vielleicht das Kind anderthalb Jahre ist und die Familie bekommt ein zweites Kind, dann sind da vielleicht auch mal viele Aufmerksamkeiten auf einem anderen Thema und das anderthalbjährige, das läuft dann eben auch gerade mal für eine Weile so mit und bekommt keine so viele direkte Ansprache, wie man sich das vielleicht wünschen würde. Dann kann es auch einen Einfluss darauf haben, dass das Kind mal für eine gewisse Zeit nicht so große Entwicklungssprünge macht und das kann das Kind dann aber ganz rasch wieder aufholen.

Patrick

Das wird in der Kita auch immer recht deutlich, dass sie da unterschiedlich weit sind. Das kann ich auch noch nicht so richtig festmachen, an welchen Faktoren das grundsätzlich eben so hängt. Na also, ja, manchmal ist es so, dass Zweijährige schon total abstrakte Sätze sagen können, wo ich mir dann denke, Wahnsinn, ich kann mich nicht gut aus.

Anke Buschmann

Ja. Ja.

Patrick

und andere genau eben noch nicht und es dauert eben alles so seine Zeit, es hat so seine Faktoren, die einen sind vielleicht methodisch schon ein bisschen weiterentwickelt, sind da gerade so am Synapsen knüpfen und andere, die brauchen da sind eher total sprachlich, nehmen das total auf und sind direkt in diesem Ding drin. Da kommt es natürlich auch immer noch mal drauf an, dass es Kinder sind, die mit einer Zweitsprache vielleicht auch aufwachsen. Das ist dann auch noch mal was anderes. Aber genau das finde ich eben sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Kinder eben in ihren Ständen sind. Und was ich aber wirklich erlebe, oft oder bei den allermeisten Kindern, ist eine ganz große Sprechfreude da ist, also dass sie sich mitteilen wollen, dass sie sich auch manchmal versteht man es sehr gut, manchmal muss man so ein bisschen zuhören. Manchmal haben ja Kinder auch ihre eigene Sprache, die nur ihre Eltern verstehen. Also das finde ich super, super spannend, wie viele ja aus. Ja, ja, wie das, wie das so ist bei bei den Kindern genau.

Anke Buschmann

Ja, gerade bei den Zweijährigen ist das ganz unterschiedlich. Wie du auch sagst, manche sprechen schon wirklich viel, aber noch relativ undeutlich. Und das verstehen dann wirklich die Eltern gut, weil die den Kontext kennen, was das Kind erzählen möchte. Und für Außenstehende, da muss man sich manchmal ganz schön einhören. Also gerade bei den Zweijährigen, die können auch nicht alle Laute korrekt sprechen. Dann sind auch nicht, sagen die eben statt 'Ball, ba'. Ne, die lassen die Endkonsonanten weg, weil die auch nicht so gut hörbar sind oder sagen 'Lade zu Schokolade'. Das ist ganz altersgemäß, aber wenn man sich vorstellt, mehrere solche von den Wörtern in einem Satz, dann wird es schon ein bisschen schwierig, das Kind zu verstehen. Ja, was da immer perfekt ist, wenn man zum Beispiel gemeinsam ein Buch anschaut, dann sieht man die Dinge, auf die das Kind zeigt und dann ist das für das Kind schön, wo du sagst, Sprechfreude. Die wollen das wirklich sich mitteilen, ne, die haben so ein Spaß daran und das ist immer schön, wenn die dann auch Erfolg haben. Ja, das ist dann so ein super Kreislauf und wenn sie dann auch noch auf das Ding zeigen können, was sie gerade irgendwie benennen, ne, beim Buch oder wenn man so eine Wand in der Krippe hat, wo alle Gegenstände abgebildet sind und das Kind kann drauf zeigen und dann weiß man gleich, was das Kind meint. Dann kann es das Kind das schön noch mal hören und es fühlt sich bestätigt und dann kann die Kommunikation weitergehen, das ist schon richtig toll, ja.

Karen

Mhm, das ist ja auch auch frustrierend. Also, es gibt ja manchmal Situationen, wenn 'n Kind auf was in der Ferne zeigt, da ne, und vielleicht dann auch das Wort sagt, aber man versteht es nicht und wo, wie frustrierend es dann ist fürs Kind und irgendwann, also fürs ganze Gespräch, wenn man gar nicht weiß, was gemeint wird, weil man es genau, weil es eben nicht nahe vor einem ist, wie jetzt zum Beispiel bei einem Bilderbuch oder irgendwas, womit man sich tatsächlich gerade im Moment beschäftigt. Also ja, es ja verstanden werden ist schon wichtig, ne? Für uns alle.

Anke Buschmann

Ja, auf jeden Fall. Das ist ein Motor, damit es weiterhin Spaß macht. Ja, der Vorteil bei diesen ganz jungen Kindern ist ja, dass sie ja doch eher über das sprechen wollen, was gerade aktuell ist. Ja, und ja noch gar nicht in der Lage sind, jetzt über Vergangenes oder über die Zukunft zu sprechen, so dass die Wahrscheinlichkeit schon hoch ist, dass man die Kinder verstehen kann, wenn man ein bisschen in den Kontext eingedacht ist.

Karen

Mhm. Es ist ja auch immer wichtig, muss da auch gerade dran denken, bei Eingewöhnungen, weil du gemeint hast, ja oft, wenn man den Kontext kennt, also die Eltern, die vorher mit dem Kind zusammen waren, ne, wird ja auch gefragt, welche Wörter spricht das Kind schon und wie spricht es sie vielleicht aus, also ne, damit ich weiß, wovon das Kind vielleicht spricht, wenn es eben 'Ba zu Banane' sagt, zum Beispiel meistens ja nicht, aber was auch immer, irgendwas, was man sich vielleicht gar nicht so schnell herleiten kann.

Anke Buschmann

Ja, das ist richtig.

Patrick

Ich frag mich so ein, ich frag mich so ein bisschen, wie man gut damit umgehen kann in so einer Gruppen Situation, wenns relativ schnell irgendwie gehen soll eigentlich, ne? Und das Kind möchte was erzählen, sie versteht es einfach nicht, ne? Also zu signalisieren, ja, ich verstehe dich nicht, du kannst dich gerade nicht richtig so mitteilen, dass ich das irgendwie wahrnehmen kann. Und das ist ja schwierig, nicht verstanden zu werden. So, also das macht ja was mit dem Kind. Auch da frage ich mich als Fachkraft, wie ich da am besten damit umgehen kann. Also, lasse ich das Kind wiederholen, noch mal. Ich habe gerade nicht richtig verstanden. Kannst du es noch mal sagen? So, da habe ich dann. Oder immer noch nicht verstanden. Oder also, da frage ich mich in diesem Sprachumfeld, was du da als Expertin sagen würdest im Umgang.

Anke Buschmann

Mhm. Ja, das ist tatsächlich eine Herausforderung, die jedem auch begegnet und ich glaube, es ist ganz sinnvoll, so grundsätzlich bisschen Strategien auch zu haben. Also, du sagst ja in einer Gruppensituation, wenn das Kind redet, weil ich mir so jetzt mehrere anderthalb bis zweieinhalb halbjährige Kinder vorstelle, so eine Art wie Morgenkreis und jeder sagt irgendwas. Da sind die ja alle in einem Alter, wo sie oft noch nicht so gut verstanden werden und dann würde ich mir vorstellen, dass es da sehr hilfreich wäre, wenn es da wirklich zu dem Thema, über das gesprochen wird, einfach in der Mitte viele Bilder liegen würden oder irgendsowas. Oder wenn die Kinder vom Wochenende erzählen sollen, wirklich Fotos von zu Hause mitbringen, weil das erstens den Kindern hilft, wenn die das sehen, selber sehen, um das Wort abzurufen, weil es ja damit auch abgespeichert ist. Und zum anderen natürlich du und auch die anderen Kinder nicht nur hören, was das Kind sagt, sondern ja das Bild sehen. Und manchmal reicht es ja, man hat so einen Anker, dass das Kind die Schaukel sich aussucht und dann weiß man, ach, das möchte er erzählen, dass es gestern von der Schaukel gefallen ist. Aber wenn man einfach nur so den Satz hört, dann hat man keinen Anker und dann kann man nichts verstehen. Ne, also das, das ist glaube ich so grundsätzlich als eine sinnvolle Strategie, dass man das immer irgendwie visualisiert, wie man so schön sagt. Und das andere ist natürlich, dass es gibt ja trotzdem Situationen, da hat man kein Bildmaterial dabei und man versteht das Kind nicht, letztlich authentisch zu sein und wenn man versucht hat, das Kind zu verstehen und Das gelang aber nicht und man sagt: 'Oh, ich hab dich grad gar nicht, hab dich grad nicht verstanden.' Kannst du es noch mal sagen oder kannst du es mir zeigen, dass das Kind erst mal merkt, die erwachsene Person bemüht sich, die strengt sich wirklich an und wenn das Kind das noch mal wiederholt und man hat es trotzdem nicht verstanden, dann ist immer gut, kannst du es mir zeigen, dann klappt das zwar vielleicht nicht in dem Moment, aber das Kind lernt so grundsätzlich, das ist ein ein Mensch, der möchte mich verstehen. Und dann fangen die Kinder schon im Vorhinein an, dann wenn es zu dir kommt, dann nimmt es vielleicht schon gleich die Schaufel mit, weil die weiß, wenn es das Schaufel in der Hand hat, dann versteht du mich jetzt, Patrick, besser, dass irgendwie ich was erzählen will aus der Sandkiste oder so. Ne, also das das macht Kindern auch nichts, wenn es Momente gibt, wo wo das sich das nicht auflöst. Also, wenn sie merken der die Mama, der Papa, die pädagogische Fachkraft, die will mich grundsätzlich verstehen, dann überleben die das sehr gut, wenn das mal ein kommunikativer Misserfolg ist, dann gehen die ihre Dinge, machen ihre Sachen, nehmen einem das nicht übel. Wenn die aber merken, dass diese Person dann immer nur so "Ja" sagt. Dann verlieren die die Sprechfreude im Umgang mit dieser Person.

Patrick

Ganz genau also das das find ich super spannend, also weil ich hab auch so n so n Kind bei mir in der in der Einrichtung oder öfters mal schon erlebt, so dass da eben ne große Sprechfreude da ist, dass sie einfach super gerne sich mitteilen, sei es im Morgenkreis oder dann eben auch in 1 zu 1 ist oder und manchmal ist es wirklich sehr schwer, das zu verstehen. So und das wissen die Kinder letztendlich schon auch in einer gewissen Art und Weise und haben da ihre Strategien, auch um das, um denen zu begegnen. Also, dass sie selber dann zum Beispiel meine Hand nehmen und mich dann in irgendeine Richtung und dir was zeigen wollen, so das so oder wenn jemand geärgert hat, dass sie dann da zu dem Kind auch hingehen und sagen hauen so. Also ne, also dass sie wirklich dann versuchen mit ihren Strategien, die sie haben, mich irgendwie mit einzubeziehen und mir irgendwie begreiflich zu machen, was das Kind gerade so möchte, und das finde ich eben super spannend, wie die da diese Strategien auch entwickeln, genau.

Anke Buschmann

Ja, das ist ja total toll, wenn wenn die das so machen und da auch dranbleiben, ne und du dann am Ende verstehst, was das Kind möchte. Ja, und dann dann sagst du das ja nochmal, dass ach, du wolltest mir zeigen, dass das und das passiert ist. Dann siehst du erstens die leuchtenden Kinderaugen, weil das Kind fühlt sich verstanden Jeder von uns will verstanden werden in einem Gespräch. Nichts anderes ist für einen wichtig. Und so siehst du das beim Kind. Und das Kind hat ja die Chance, die Wörter dann noch mal richtig zu hören, weil du benutzt sie in dem Moment, dann ne, das sind beste Sprachlernmomente, wo das Kind eigentlich selbst gern etwas korrekt gesagt hätte oder überhaupt gesagt hätte. Manchmal haben die Kinder ja auch den Wortschatz noch nicht und du benutzt dann dieses Wort, diesen Satz. Da ist das Gehirn ja vorbereitet. Das wollte ja genau das auch gerade sagen und dann können die Kinder das speichern und beim nächsten Mal wieder versuchen. Ja, super. Das ist Sprachförderung im Alltag. Beste Sprachförderung im Alltag.

Patrick

Das ist etwas, was ich seit meiner Ausbildung immer wieder höre, die alltagsintegrierte Sprachförderung und einfach reden, wiederholen was die Kinder sagen. Nicht korrektiv sein, also in der Frage, ah nee, das ist falsch ausgesagt, ausgesprochen, sag mal so oder sag mal so, sondern einfach, vielleicht einfach nur noch mal wiederholen und genau, einfach reden, begleiten bei Wickelsituationen, bei, ja, wir holen jetzt die Gabel aus dem, aus der Schublade raus, ne, also all solche Sachen, sprachlich begleiten damit die Kinder eben gerade das, was sie sehen, sprachlich verknüpfen können, so.

Anke Buschmann

Ja, das stimmt, wobei ich wie soll ich sagen, da hast du vollkommen recht. Im Grunde genommen geht es aber nicht um einfach reden und alles begleiten. Wenn du dir vorstellst, du hast das Radio an, während du ein Ikea Regal zusammenschraubst und ich frag dich am Abend, du hast du gehört, was in den Nachrichten war und dann kann es passieren, dass du sagst: 'Oh, weiß ich gar nicht', obwohl du es den ganzen Tag gehört hast so eine Dauer, wenn man, wenn Kinder wissen, da läuft irgendwie ständig das Radio, da spricht jemand immer und begleitet es die ganze Zeit, dann kann es auch passieren, dass das Gehirn abschaltet, weil das irgendwann zu viel wird und auch eigentlich nicht interessant ist. Dich interessiert ja auch nicht beim Ikea Regal bauen, was da irgendwie die ganze Zeit in den Nachrichten kommt. Deswegen hörst du gar nicht richtig zu. Aber genau das, was wir vorhin gesprochen haben, mit dem das Kind möchte dir etwas zeigen und es nimmt dich irgendwohin mit und du nimmst dir die Zeit du OK, was möchtest du? was, Was hast du? Und du findest heraus, was das Kind dir vermitteln wollte und genau darüber sprichst du dann. Das ist eigentlich die richtige alltagsintegrierte Sprachförderung. Das andere, dass man sprachlich begleitet, das ist Sprachbildung und das ist wichtig und das ist gut. Manchmal zu viel. Also, ich bin eher der Meinung, weniger ist mehr tatsächlich und eher fokussiert, wenn ein Kind wirklich interessiert dran ist. Kennen wir ja auch von uns. Manchmal will einem jemand was erzählen, letztes Fußballspiel, und ich mich interessiert es aber eigentlich gar nicht. Das heißt, eigentlich hör ich nur mit dem halben Ohr hin. Wenn ich dagegen mit der Person mit irgend über irgendetwas rede, was mich interessiert, wo ich die Person frage, du hast du geguckt, kannst du mir sagen, wie das war? Und dann erzählt es die Person, dann nehm ich das auf. So ist es bei den Kindern eigentlich auch Das ist so, das ist total wichtig, dass man diesen Unterschied auch für sich selber so klar macht, weil man dann eigentlich einmal besser Kinder sprachlich fördern kann. Ihr habt ja vorhin auch so gefragt. Es gibt ja auch Kinder, denen es schwerer fällt, die nicht nur ein bisschen langsamer sind, sondern die doch deutlicher langsamer sind als andere Kinder. Für die reicht es nämlich nicht, diese sprachliche Begleitung, die man so üblicherweise macht, weil die zu Wie soll ich sagen, die ist nicht passend genug für das Kind. Die ist nicht für dieses Kind ausgerichtet, sondern für die breite Masse. Die einfach gut Sprache aufnehmen können. Die lernen auch nebenbei. Und das gelingt nicht allen Kindern und gerade so, die denen es schwerer fällt, die ein Wort wie "Ball" tausendmal hören müssen, bevor das gespeichert ist. Die brauchen dann wirklich das Wort "Ball", wenn sie dir den Ball entgegenstrecken und nicht, wenn irgendwie überhaupt über Bälle gesprochen wird, im Morgenkreis oder so oder wir wollen dann Fußball spielen, ja und.

Patrick

Ja. Ja, es geht halt dann um die um die direkte Kommunikation,

Anke Buschmann

Ja, genau.

Patrick

also so erleb ich das auch tatsächlich, dass wenn ich mich mit den Kindern über ihre Themen unterhalte, ne, also was hast du am Wochenende getrieben, was beschäftigt dich, gerade wird das Seepferdchen gemacht, ne, wie auch immer. Also, dass ich diese Anlässe, wenn die Kinder die von sich aus anbringen, die versuche ich dann immer aufzugreifen und dann bildet sich meistens eine kleine Gruppe von so 2 3 Kindern und dann quatschen wir halt einfach über ein Thema. So und dann merke ich auch, da kommt noch mal ganz, ganz viel von den Kindern, einfach jeder hat da irgendwie eine Erfahrung gesammelt und die Beteiligen, wenn sie wirklich Bock drauf haben, beteiligen wollen und dann ist da passiert da einfach sprachlich ganz, ganz viel ja.

Anke Buschmann

Mhm, ja. Ah ja, natürlich, klar, das ist ja immer so. Also, wir erzählen ja auch zu einem Thema, das uns interessiert, mehr. Da haben wir auch mehr Wortschatz zur Verfügung, da sind wir eloquenter und so ist das bei den Kindern auch. Ne, dann sprechen die von sich aus schon mehr und das hat natürlich den Vorteil, dass du auch besser weißt, wo was kann das Kind eigentlich schon sprechen, das ist viel weiter als in einer anderen Situation sich es dir vielleicht so darstellt, ne, also wenn es über sein Thema spricht und du kannst das Kind dann natürlich auch besser unterstützen, weil du natürlich dann auch noch mal dich daran ausrichten kannst und noch andere Wörter mit einbringen kannst, die für Seepferdchen und was weiß ich, tief und was dann noch so für neue Wörter, die das Kind noch nicht hat. Ja, ist total spannend.

Patrick

Total

Karen

Ich fand auch ein Beispiel von dir im im Heft ganz spannend mit, ich glaube mit der Katze, ne, wie man also eine Katze klettert auf den Baum, also irgendwas im im Bilderbuch, na ja, wie man quasi unterschiedlich eben begleitet und das passt genau zu diesem Beispiel. Also ob ich jetzt einfach alles erzähle, was mir an diesem Bild auffällt.

Anke Buschmann

Ja. Stimmt.

Karen

Oder ob ich eben drauf warte, welche Signale das das Kind denn gibt und worauf es zeigt und eben auch immer ein bisschen bisschen abwarten, was da vielleicht noch kommt. Also das ist ja sowieso, ne, wenn man mit Kindern spricht, nicht immer alles vorwegnehmen, weil manchmal braucht es halt seine Zeit bis da dann ein Wort abgerufen werden kann oder überhaupt ein Gedanke kommt. Das fand ich sehr eindrücklich, weil ich dann auch so mich zurückerinnert hab an meine Kitapraxis, dachte so, ah ja, es gab bestimmt Situationen, in denen ich auch bisschen zu viel gegeben hab, einfach weil ich dachte, ah toll, da sprechen wir jetzt. Aber für das Kind war es vielleicht noch zu viel, war noch nicht weit genug.

Anke Buschmann

Ja, stimmt. Ja, du hast recht, da hab ich das versucht mal so gegenüberzustellen.

Karen

Genau.

Anke Buschmann

Das fand ich selber mal so spannend. zwischen einem wirklich freundlichen, wohlwollenden Miteinander-Buch anschauen und einem tatsächlich sprachförderlichen, was ja auch freundlich und wohlwollend ist. Ja, das ist ja die Basis praktisch, aber da diesen feinen Unterschied herauszuarbeiten und tatsächlich Ich glaub, da sind wir alle Erwachsenen irgendwie so gepolt, dass wir einem Kind gerne etwas beibringen möchten. Und sobald wir erzählen, ne zu der Katze, was ich hab, ich weiß nicht mehr genau im Kopf, aber was eine Katze alles macht oder frisst oder wie das mit den Kinder säugen ist oder so. Wenn wir das dem Kind erzählen, gibt uns das ein gutes Gefühl. Wir haben dem Kind etwas vermittelt. Wir haben dem Kind Info geliefert. Wir haben gute Sprache geliefert. Das fühlt sich einfach gut an. Ja, aber wir haben uns ja gar nicht irgendwie, ja rückversichert, ob es das ist, was das Kind jetzt wirklich wissen will. Also vielleicht will das Kind nur über die unterschiedliche Farbgebung der Katze sprechen, irgendwie die Pfote, die da so ein bisschen weiß ist, also ein ganz anderes Thema. Ja, das ja, das ist finde ich sehr spannend und wenn Kindern lernen halt viel leichter neue Wörter, wenn sie die Wörter hören für für das Thema, wofür sie sich interessieren. Und da braucht es, wie du sagst, schon eigentlich ist so der Schlüssel, dass Erwachsene ein bisschen abwarten. und dem Kind die erste Chance geben, eigentlich bei jedem Satz, bei jedem Mal, wenn das Kind zeigt, erstmal ruhig sein, freudig darauf reagieren, also wahrnehmen und dann aber dem Kind die Zeit geben, dass es selbst das Wort sagen kann oder noch mal zeigen oder auch nur ein Geräusch oder ein Laut. Das weiß man ja auch aus vielen, vielen wissenschaftlichen Studien, dass das eigentlich gerade für den Spracherwerb das A und O ist, sich so zu verhalten, dass das Kind selbst aktiv werden darf und dass man auf die Initiative des Kindes eingeht. Natürlich dann sofort in der Situation, nicht eine halbe Stunde später, sondern in dem Moment und dann auch passend reagiert. Ja, also wenn das Kind auf die Katze zeigt und selbst noch nicht sagen kann, dass man halt wirklich sagt eine Katze Miau. Ja, und nicht irgendwie, ach, gestern haben wir die Katze gesehen. Na ja, die sah komisch aus, oder weißt du noch? Also irgendwie, ja, so das ist so dieses, diese responsive heißt es ja immer, wenn man das, was man da so schön liest und es aber das, das reicht nicht alleine. Es braucht dann wirklich auch die Sprachanrede. Also, dass dann auch tatsächlich über das gesprochen wird, was das Kind interessiert und man sagt so einen Schritt dem Kind voraus. Also, wenn das Kind 'Miau' sagt, dass man dann auch 'Miau, die Katze' das richtige Wort auch benutzt oder 'Miau, die Katze trinkt'. Das braucht auch einen Entwicklungsanreiz. Ne so, die nächste Stufe der Entwicklung. Und das ist ja eigentlich auch das Schöne. Und im frühen Alter geht es ja auch noch relativ einfach. Da kann man ja sehr leicht erkennen, auf welchem Stand das Kind steht.

Karen

Du hast es gerade so, so, so schön gesagt. Man kann erkennen, auf welchem Stand das Kind steht. Wann erkenne ich denn als Fachkraft, wenn das Kind vielleicht tatsächlich in der Sprachentwicklung verzögert ist und vielleicht noch mehr braucht als nur "Ich bring dich mal auf die nächste Stufe". Wie kann ich das denn erkennen oder auch Eltern?

Anke Buschmann

Mhm. Ja, das ist ja ein sehr wichtiges Thema, was auch viele bewegt. Und da die Sprachentwicklung sehr unterschiedlich verläuft, wie wir schon gesagt haben, ist es nicht ganz so einfach einzuschätzen. Aber tatsächlich kann man sagen, wenn ein Kind zum zweiten Geburtstag über einen sehr, sehr geringen Wortschatz verfügt, also selbst wenig spricht, also vielleicht 3 Wörter oder 5 Wörter oder 10 Wörter, 15 Wörter, dann ist es deutlich verzögert. Die anderen Kinder sprechen zum zweiten Geburtstag mindestens 150 bis 600 Wörter. Also auch Kinderwörter wie Wau Wau und Heia, die kann man da mitzählen. Und ihr kennt das sicherlich aus eurer Praxis. Es gibt so Kinder, die haben fast gar keine Wörter, die sagen da und Aua und Mama und Papa. Und noch ein paar Wörter, die man nicht versteht oder irgendwie na zu ganz vielen Dingen. Und Und das ist dann wirklich etwas, wo man sagen muss. Da kann man jetzt nicht einfach zuwarten, sondern da sollte sich das Kind jemand anschauen. Eine Fachperson sollte das Gehör geprüft werden. Sollte auch geschaut werden, wie gut versteht das Kind. Ja, Verstehen kommt ja immer vor dem Sprechen. Und wenn so ein Kind vielleicht auch nicht altersgemäß verstehen kann, das gibt es nicht so viele Wörter versteht wie andere Kinder. Dann ist ja auch die Voraussetzung nicht gegeben, dass es die Wörter sprechen kann. Und an sich kann man das an diesem aktiven Wortschatz zum zweiten Geburtstag sehr gut erkennen. Als Fachperson in der Kita und auch die Eltern erkennen das sehr gut.

Patrick

kann man da auch so dolle drauf einwirken, weil es gibt ja da diese diese Zeitfenster, wenn sie innerhalb von einer gewissen Zeit zum Beispiel reduziert hören zum Beispiel oder genau das oder die Ansprache fehlt, wie auch immer. Also dass man das wieder aufholen kann oder genau wie kritisch ist es? Ab wann? Ja, ja, aber ich glaube, du weißt, was ich meine.

Anke Buschmann

Ja, das ist ja auch klar, das fragt man sich ja auch als als Eltern. Ja, was spricht mein Kind noch so wenig? Ich beobachte das im Vergleich zu anderen Zweijährigen, die sprechen schon viel mehr und dann denkt man erst mal, na ja, das ist vorübergehend, das wird schon werden. Aber da kann man schon von wissenschaftlicher Seite sagen, wenn die Kinder wirklich zum zweiten Geburtstag, es gibt da so ein Kriterium, wenn die Kinder weniger als 50 aktive Wörter sprechen. Und ich hatte ja schon so vorhin gesagt, wenn die Kinder nur 5 oder 10 oder 15, das ist eigentlich so das, was wir sehen. Selten geht es um sind jetzt 45 Wörter oder 52 Wörter da, sondern die Kinder haben dann meistens sehr geringen Wortschatz und tatsächlich besteht für diese Kinder ein Risiko, dass sie über längere Zeit Sprachprobleme haben. Also, dass ihnen wirklich Sprache lernen schwerer fällt als andere Kinder und da kann niemand was dafür. Das ist total wichtig, weil das sind Kinder, denen einfach das Sprachlernen von Geburt an schwerer fällt als anderen Kindern. Also, Sie können, warum auch immer, es gibt auch Kinder, die laufen ein bisschen später und die haben mit dem Balancieren ein bisschen Schwierigkeiten und das sind vielleicht nie die Sportler:innen, auch in der Schule, dann kennt jeder welche, die nicht so geschickt waren. Das spielt im späteren Leben aber nicht mehr so eine ganz so große Rolle. Aber Sprache spielt das gesamte Leben eine riesengroße Rolle. Ne, wir reden ja miteinander, also über Sprache. Und bei jedem Vorstellungsgespräch, und das ist leider im Bewusstsein noch nicht so richtig angekommen. Und du hast ja gefragt, können die Kinder den Rückstand aufholen, je früher man. Diese Verzögerung, nenne ich es jetzt mal, ernst nimmt nicht Angst macht, aber einfach ernst nimmt. Das Kind spricht deutlich weniger als die anderen und es wäre wichtig zu gucken, eben ist das Gehör in Ordnung. Das ist immer eine wichtige Basis. Wie entwickelt sich das Kind sonst in anderen Bereichen? Manche von diesen Kindern haben ja auch in anderen Bereichen dann Entwicklungsschwierigkeiten. Da brauchen diese Kinder vielleicht eine umfassende Entwicklungsförderung, sowas wie Frühförderung. Und wenn sich Sprache langsam entwickelt, dann bemerken das ja die Eltern und auch die Fachkräfte. Und wenn man das bemerkt, dann führt es meist dazu, dass man dem Ganzen mehr Aufmerksamkeit schenkt, also dass man irgendwie bewusst drauf achtet lernt er, hat er jetzt doch ein neues Wort gelernt oder strengt sich das Kind auch an oder man versucht irgendwie besonders mit dem Kind zu sprechen oder man denkt vielleicht, na ja, ich muss dem Kind vielleicht sagen, sag Auto. Damit es dann Auto sagt, also auf irgend so eine Idee kommen eigentlich alle. Diese ganzen Ideen funktionieren aber in aller Regel nicht. Eher kann es sein, dass das Kind seine Sprechfreude verliert, weil auch diese Kinder haben Sprechfreude, aber sie haben nicht die Wörter. Das heißt, sie zeigen viel mehr. Und diese Kinder sind darauf angewiesen, dass die Erwachsenen sich besonders anstrengen. Also wirklich besonders gut zuhören, was möchte das Kind ausdrücken. Und wenn es dann bleiben wir mal bei der Katze. Das Kind zeigt auf die Katze. Dann auch wirklich miau, die Kat-ze auch deutlich sprechen, so dass das Kind das gut abspeichern kann. Wir sprechen manchmal sehr schnell und so nebenher. Ah ja, na klar ne Katze, guck mal da draußen im Garten ist auch eine Katze. Das kann jetzt jeder Erwachsene gut verstehen, aber so ein Kind, dem Sprache erwerben schwerfällt, das kann die einzelnen Wörter da gar nicht voneinander trennen. Und das ist etwas, wo man tatsächlich so. Auf der einen Seite ganz klar den Eltern sagen muss, ihr seid da nicht dran schuld. Nicht weil ihr irgendetwas verkehrt gemacht habt, spricht euer Kind so wenig. Aber ihr seid diejenigen, die dem Kind besonders gut helfen können. Könnt, weil ihr euer Kind am besten versteht, weil ihr euch Sorgen macht, weil ihr viele Kommunikationszeiten habt, auch weil man arbeiten geht. Also gerade die Eltern haben ganz viele Möglichkeiten mit dem Kind zu kommunizieren und sind ja auch die emotional wichtigsten Personen, verstehen ihr Kind am besten und das funktioniert hervorragend, also. Tatsächlich arbeiten wir ganz viel mit den Eltern zusammen und führen so Elternschulungen durch, wo die Eltern lernen, wie sie mit ihrem Kind sprechen, so dass dem Kind Wörter lernen leichter gemacht wird. Und da wollen wir nicht sagen, dass die Eltern vorher nicht gut mit ihrem Kind gesprochen haben. Darum geht es gar nicht. Das haben sie total gut gemacht und und nach bestem Wissen und Gewissen. Aber für Kinder, denen Wörter lernen schwerfällt, ist es schon mal wichtig für die Eltern zu wissen, dass die Kinder nicht so gut Wörter speichern können. Also, die Kinder müssen das Wort ganz oft hören und im Alltag machen wir es ganz oft so. Wir sagen: 'Ach, guck mal, da ist der Ball.' Da hinten liegt er. Also, wir benutzen das Wort 'Ball' im zweiten Satz schon nicht mehr und dann, ach, und gib mal, bring den Blauen auch gleich noch mal mit. Und diese Kinder müssen aber das Wort Ball jedes Mal hören. Da kann man nicht einfach ein Pronomen dann verwenden. Oder wir sprechen viel so nebenbei, die Kinder können nebenbei Sprache nicht lernen, sie brauchen den direkten Kontakt, sie brauchen müssen angeschaut werden und das, was wir vorhin gesagt haben, was allen Kindern hilft. Man nimmt sich die Zeit, man achtet darauf, dass das Kind Initiative zeigen darf. Das ist noch mal ganz besonders wichtig bei den Kindern mit der Sprachverzögerung. Und tatsächlich gelingt es dann, wenn wir zwischen zweiten und dritten Geburtstag die Eltern fit machen, sag ich es jetzt mal so, dann gelingt es ganz vielen Kindern, den Rückstand aufzuholen, weil einfach die denen fällt es denn leichter, Wörter zu lernen, und man braucht aber eine gewisse Menge an Wörtern, damit man Sätze bilden kann. Und grade die Grammatik ist das Problem, was die Kinder dann oft lange Zeit später noch so mitschleppen, dass ihnen das schwerfällt. Und je früher wir da unterstützen die Kinder in der Kita und zu Hause, also auch die pädagogischen Fachkräfte, die schulen wir ja auch sehr gerne, damit die so die Sensibilität bekommen, die Einzelkontakte. Immer wieder zu nutzen, also die Mini-Momente, wo ich mit einem Kind beim Wickeln, beim Schuhe zubinden, dass die auch wirklich für die Interaktion genutzt werden. Und das ist dann effektiv. Also, das ist wirkungsvoller, als wenn man dann beim vierjährigen Kind erst anfängt, Sprache zu üben. Da muss man es dann wirklich üben im klassischen Sinne, während mit 2 kann man es über die so alltagsintegrierte Sprachförderung sehr gut lösen.

Karen

Sehr schön, das nehmen wir doch so mit, dass wir uns einfach Zeit nehmen, ne, für die Kinder und bewusst sprechen.

Anke Buschmann

Ja, damit kann man sehr vielen Kindern schon mal helfen

Karen

Ja das ist gut

Anke Buschmann

und das lang, den langfristigen Rattenschwanz auch wirklich vermeiden und es macht auch mehr Spaß. Also, wir sehen das bei den Eltern. Die sind ja manchmal auch verständlicherweise so bisschen auch manchmal genervt, wenn das Kind immer nur zeigt und äh sagt. Und dann wissen die Eltern auch nicht so richtig, ja, was soll ich jetzt machen in so einer Situation. Und wenn man ihnen dann sagt, ja, dann müssen sie gar nichts Besonderes machen, benennen Sie das, was Ihr Kind noch nicht sagen kann, liefern Sie das Wort. Dann tun Sie genau das Richtige. Dann ist das auch 'ne tolle Entlastung für die Eltern, weil sie einfach ja erst mal ja, woher soll man es wissen, ja.

Karen

Ja, vor allem, wenn man selber noch nicht damit in Berührung kam oder selber keine Probleme hatte. Wobei, daran kann man sich ja meistens nicht erinnern.

Anke Buschmann

Nee, aber komischerweise haben dann alle in der Umgebung sprechen schon sehr gut und dann bekommt man so Tipps, ne man, dass man irgendwie irgendwas anders machen soll, dass man dem Kind mehr vorlesen soll beispielsweise. Aber beim Vorlesen ist es ja so ein bisschen, wie kann es so sein, wie mit dem Radio. Man liest dann vor, das was da steht, aber das Kind darf gar nicht aktiv sein und vielleicht fällt dem zweijährigen Kind auch noch schwer, da jetzt zuzuhören oder auch zu verstehen, was da gelesen wird. In den Büchern sind ja oft Sätze, die die sind gar nicht passend für zweijährige Kinder. Da steht dann, die Katze möchte heute keine Milch trinken. Und das wird keiner verstehen, zweijährige Kinder noch gar nicht. Das heißt, die Kinder können den Satz gar nicht verstehen und verstehen auch dann die Geschichte gar nicht. Und dann haben die keine Lust mehr und stehen auf. Mhm, und das ist wichtig, dass Eltern so eine Information bekommen. Dann können die das auch einordnen.

Karen

Mhm, und Fachkräfte auch, glaube ich, manche.

Anke Buschmann

Ja, und Fachkräfte auch. Bestimmt. Na klar, da gibt es, da gibt es ganz viele Tricks, könnte man es auch nennen. Ja, ganz einfache Sachen. Mhm.

Patrick

Ich glaube, das Wichtigste ist einfach immer, die Sprechfreude zu fördern, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, darüber zu reden, was den Kindern wichtig ist. Und ich liebe es, Bilderbücher anzuschauen mit den Kindern. Da gibt es ja auch ganz verschiedene Formate, also ob man das jetzt über so ein Bilderbuch Kino macht, ob man wie heißt das Kamishibai oder dass wir einfach nur mal ne Geschichte vorlesen oder dass die Kinder selbst blättern und selbst eben zeigen, was sie eben hören möchten. Ne, also da versuche ich auch immer Anreize hier auch zu schaffen und dann lebt es einfach. Tolle, dass die Kinder das wirklich lieben und genießen auch, also diese Bindung zu haben, einsam Bilderbuch anzuschauen und das, was sie da beschäftigt, was ich spannend finde. Jeder sieht ja in Büchern immer was anderes, also der eine sieht die Katze und beschäftigt sich damit und dann ist aber auch noch mal irgendwie ein Hund auf der anderen Seite. Und der ist irgendwie interessant für das andere Kind und das darüber ins Gespräch zu gehen, das finde ich immer sehr, sehr schön. Also ich liebe es, liebe es, liebe es vorzulesen um Bindung eben auch zu schaffen.

Anke Buschmann

Ja, natürlich.

Patrick

Und was ich aber auch, ja und was ich aber auch merke ist, wenn wir Bilder in den in der Kita haben, sei es jetzt von der Familie, was sie von zu Hause mitbringen oder in ihren in Berlin hieß es ja immer Sprachlern-Tagebuch, mittlerweile ist es das Portfolio bei uns, wo einfach Bilder drin sind von Alltagssituationen, was die Kinder so erlebt haben, was sie da eben auch so drüber erzählen, so das setzt wirklich da an, was die Kinder interessiert, was für sie wichtig ist, ja.

Anke Buschmann

Klar, da haben die auch im ehesten Wortschatz zu dem Thema. Also auch die, die noch ganz wenig Wörter sprechen, wenn es aus dem Alltag von zu Hause auch ist, da haben die dann auch schon ein paar Wörter und können sich dann auch mit beteiligen. Das ist ja auch die Kunst, diejenigen, die noch so wenig sprechen, ja trotzdem irgendwie beteiligen in dieser Situation. Ne, und dann, wenn die da so eine Brücke haben von zu Hause, dann kann das natürlich sehr helfen. Ja, auf jeden Fall.

Karen

Manchmal ist es dann so, ach, man könnte noch ewig weiter sprechen, aber ich fand es richtig toll, vor allem auch sehr viel über die Praxis zu sprechen, weil das interessiert natürlich die Fachkräfte da draußen am meisten, aber trotzdem 'n bisschen Theorie noch zu bekommen und ich danke dir, dass du dir Zeit genommen hast, dass wir es hinbekommen haben jetzt noch am Ende

Anke Buschmann

Ja, sehr gerne.

Karen

und dann noch einen schönen Abend dir.

Anke Buschmann

Ja, danke schön. Euch auch. Hat viel Spaß gemacht mit euch. Ja, ist schön, so das Format zu dritt. Finde ich gut. Mhm, ja.

Karen

Danke, uns auch.

Patrick

Thank you.

Karen

Schön, ja, das machen wir gerne öfter. Gut, dann danke dir.

Anke Buschmann

OK, gut. Also dann, ja.

Karen

Tschüss.

Outro

Das war's für heute. Wir freuen uns auch über eure Erlebnisse aus der Praxis. Schreibt mir gerne an karen.sachse@herder.de. Die aktuelle Ausgabe von kindergarten heute findet ihr online auf kindergarten-heute.de Bis zum nächsten Mal bei heute im Kindergarten.

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