﻿<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?><rss version="2.0" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Kleinstkinder-Podcast</title><googleplay:author>Claus Koch, Eliane Retz, Etta Wilken, Gabriele Haug-Schnabel, Gerald Hüther, Helia Schneider, Iris Erbach, Joachim Bensel, Jörg Maywald, Julia Höke, Julia Rehme-Röhrl, Katja Kozel, Lea Wedewardt, Lisa-Marie Olbinski, Margit Franz, Maria Kube, Marion Lepold, Regina Rein, Renate Zimmer, Siegunde Dreyer, Susanne Mierau, Theresa Lill</googleplay:author><itunes:author>Claus Koch, Eliane Retz, Etta Wilken, Gabriele Haug-Schnabel, Gerald Hüther, Helia Schneider, Iris Erbach, Joachim Bensel, Jörg Maywald, Julia Höke, Julia Rehme-Röhrl, Katja Kozel, Lea Wedewardt, Lisa-Marie Olbinski, Margit Franz, Maria Kube, Marion Lepold, Regina Rein, Renate Zimmer, Siegunde Dreyer, Susanne Mierau, Theresa Lill</itunes:author><description>&lt;p&gt;Unsere Podcasts wachsen zusammen: Im Podcast unserer Schwesterzeitschrift &lt;em&gt;kindergarten heute&lt;/em&gt; spricht Redakteurin Karen Sachse jetzt auch in mehreren Sonderfolgen mit unseren &lt;em&gt;Kleinstkinder&lt;/em&gt;-Autoren. Mit dabei ist meist ihr Podcastpartner Patrick.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;heute im kindergarten bei &lt;a rel="noopener noreferrer" target="_blank" href="https://open.spotify.com/show/1JymVlyxylPWeltCiDdTaG?si=c77c9b65385b4d82&amp;amp;nd=1&amp;amp;dlsi=d7bcd59a603346b4"&gt;Spotify&lt;/a&gt; und &lt;a rel="noopener noreferrer" target="_blank" href="https://podcasts.apple.com/us/podcast/heute-im-kindergarten/id1834375844"&gt;Apple Podcast&lt;/a&gt; | &lt;a rel="noopener noreferrer" target="_blank" href="https://anchor.fm/s/1084db224/podcast/rss"&gt;RSS Feed&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Kleinstkinder Podcast bei&amp;nbsp;&lt;a rel="noopener noreferrer" target="_blank" href="https://open.spotify.com/show/7bdW18jfoGlxiu0t32LNH7"&gt;Spotify&lt;/a&gt; | &lt;a rel="noopener noreferrer" target="_blank" href="https://anchor.fm/s/1090aa5a0/podcast/rss"&gt;RSS-Feed&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;</description><googleplay:description>&lt;p&gt;Unsere Podcasts wachsen zusammen: Im Podcast unserer Schwesterzeitschrift &lt;em&gt;kindergarten heute&lt;/em&gt; spricht Redakteurin Karen Sachse jetzt auch in mehreren Sonderfolgen mit unseren &lt;em&gt;Kleinstkinder&lt;/em&gt;-Autoren. Mit dabei ist meist ihr Podcastpartner Patrick.&lt;/p&gt;
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&lt;h2&gt;Transkript &lt;/h2&gt;
&lt;p&gt;Dieses Transkript wurde zun&amp;auml;chst automatisch erstellt und anschlie&amp;szlig;end redaktionell &amp;uuml;berarbeitet. Dennoch k&amp;ouml;nnen vereinzelt Fehler enthalten sein. Wenn Sie eine solche Stelle entdecken, freuen wir uns &amp;uuml;ber eine kurze Nachricht an &lt;a href="mailto:redaktion@kindergarten-heute.de"&gt;redaktion@kindergarten-heute.de&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Intro&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ich finde es auch immer super sch&amp;ouml;n Experten einfach auch zu h&amp;ouml;ren. Und Expertinnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hallo und herzlich willkommen zu heute im Kindergarten, dem Podcast von "Kindergarten heute". Hier erwarten euch kleine und gro&amp;szlig;e p&amp;auml;dagogische Happen. Perfekt zu genie&amp;szlig;en auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hallo zusammen, herzlich willkommen zu einer neuen Folge heute im Kindergarten. Ich bin Karen, Redakteurin beim Fachmagazin Kindergarten heute. Neben mir ist wie immer Patrick, Erzieher im &amp;Uuml;3-Bereich und heute haben wir eine ganz besondere G&amp;auml;stin zu unserer Spezialfolge und ich freue mich sehr, dass Eliane Retz heute hier mit uns ist. Hallo Frau Retz.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hallo.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Herzlich willkommen heute. Sie sind Autorin bei der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Kleinstkinder und zwar zum Thema Fremdeln und Introvertiertheit bei U3-Kindern.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen Sachse&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;Auml;hm, ja, m&amp;ouml;chten Sie sich gerne selbst kurz vorstellen?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, gerne kann ich gerne machen. Ja, mein Name ist Eliane Retz. Ich bin 45. Ich habe P&amp;auml;dagogik, Psychologie studiert an der LMU M&amp;uuml;nchen. Habe irgendwann auch in diesen F&amp;auml;chern promoviert und ja, mache seit schon vielen Jahren, also schon seit 20 Jahren Elternbildung und ja, bin auch systemische Beraterin und Autorin eben, auch selbst Mutter von 2 Kindern und ja eben ja schreibe immer wieder &amp;uuml;ber verschiedene Themen. Elternratgeber, Kinderb&amp;uuml;cher, aber eben auch jetzt ein Beitrag f&amp;uuml;r Ihre Zeitschrift &amp;uuml;ber ein wichtiges Thema, wie ich finde.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ganz genau. Deswegen treffen wir uns ja heute und wollen noch so ein bisschen tiefer eintauchen ins Thema.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich w&amp;uuml;rde jetzt einfach mal starten und wir &amp;uuml;berlegen uns, wir es startet eine neue Eingew&amp;ouml;hnung. Wir stellen uns das so vor oder mit einem neuen Kind oder Kinder haben neue Kontakte zu einer anderen Person und dann h&amp;ouml;rt man oft den Satz &amp;bdquo;Ja, das Kind fremdelt noch ein bisschen.&amp;ldquo; Was kann man denn darunter verstehen? Wie k&amp;ouml;nnen wir das uns irgendwie vorstellen, was das bedeutet?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ich glaube, es ist schon OK, den Begriff zu verwenden, weil sich alle irgendwie was drunter vorstellen k&amp;ouml;nnen. Und ja, also von dem her ist es, glaube ich, ganz OK. Das ist so &amp;auml;hnlich wie das Kind hat gerade einen Wutausbruch oder es trotzt. Ja, das sind so g&amp;auml;ngige Begriffe, also. Trotzdem ist jetzt vielleicht nicht der sch&amp;ouml;nste Begriff, aber irgendwie k&amp;ouml;nnen sich alle so 'n bisschen was drunter vorstellen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und ich glaube, so geht es auch beim, also darum geht es auch beim Thema Fremdeln. Und aber ja, es bleibt vielleicht dann auch 'n bisschen trotzdem offen, um was es eigentlich geht und man k&amp;ouml;nnte es vielleicht auch noch ein bisschen mehr mit Inhalt f&amp;uuml;llen, indem man zum Beispiel sagt, das Kind braucht einfach noch mehr Zeit, um Bindung oder um Sicherheit oder Vertrautheit aufzubauen. Und ja, dann auch mit der Frage, was k&amp;ouml;nnen die Erwachsenen beitragen, damit das m&amp;ouml;glich wird.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sie haben gerade gesagt, es geht nat&amp;uuml;rlich um Bindung. Also es kommt oft vor, wenn man, wenn vielleicht 'ne neue Bindung aufgebaut werden soll, zum Beispiel bei der Eingew&amp;ouml;hnung. Warum fremdeln denn dann Kinder, wenn es zum Beispiel um neue Bindungsauf&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Um neuen Bindungsaufbau gibt, ist das irgendwie altersspezifisch oder kann es immer wieder vorkommen?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also, es ist erst mal etwas ganz Entwicklungsgerechtes, was bei ganz vielen Kindern einfach beobachtbar ist. Letztlich halt in verschiedenen Auspr&amp;auml;gungen immer auch ein bisschen abh&amp;auml;ngig. Also zum Beispiel, welches Temperament sie so haben oder ob sie in 'ner gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren oder kleineren Familie gro&amp;szlig; werden. Also da kann man ja auch so Einfl&amp;uuml;sse von Sozialisation oder Geschwistereinfl&amp;uuml;ssen und so weiter nat&amp;uuml;rlich feststellen, ja. Aber ja, bei den meisten Kindern ist zwischen dem ungef&amp;auml;hr ja siebten Lebensmonat und so elften Lebensmonat in aller Regel irgendeine Reaktion auf fremde Personen zu beobachten und manchmal muss man da auch ein bisschen feinf&amp;uuml;hlig sein oder also ja, einfach vor allem in der Wahrnehmung um das.&lt;br&gt;
wahrzunehmen. Also mit dem Fremdeln wird ja h&amp;auml;ufig so in Verbindung gebracht, dass ein Kind dann v&amp;ouml;llig au&amp;szlig;er sich ger&amp;auml;t und weint und und v&amp;ouml;llig ne die die Kontrolle eigentlich sozusagen fast schon verliert &amp;uuml;ber die Situation. Aber so weit muss das ja gar nicht gehen und so weit sollte das ehrlich gesagt auch gar nicht gehen, ja, sondern das sind, wenn dann eigentlich so ganz subtile Merkmale oder Hinweise, dass so ein Kind so ein bisschen, ja, so das Kinn wandert dann oft so ein bisschen nach unten, dann schauen die so ein bisschen kritischer. Man merkt, die werden einfach stiller. Die gucken die Person, die fremde Person, so 'n bisschen kritisch an. Ja, manche bei manchen friert auch so 'n bisschen die Mimik ein und bei manchen ja, je nachdem, es kommt ja auch immer drauf an, wie verh&amp;auml;lt sich auch das Gegen&amp;uuml;ber. Ist das abwartend, verst&amp;auml;ndnisvoll oder ist das sehr dr&amp;auml;ngend? Das hat ja auch 'n gro&amp;szlig;en Einfluss dann auf die Dynamik&lt;strong&gt;. &lt;/strong&gt;Genau, also das Verhalten der der des Gegen&amp;uuml;bers ist nat&amp;uuml;rlich einfach sehr entscheidend. Ja, aber ja, das ist h&amp;auml;ufig auch einfach in so Wellen. Also, dass sich das immer wieder zeigt, dann ist&lt;strong&gt; e&lt;/strong&gt;s mal mehr, dann ist es mal weniger. H&amp;auml;ufig gibt es auch so einen Peak so um den Geburtstag herum, also um den ersten Geburtstag herum. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es ist halt einfach was ganz Positives, erst mal, ja, weil es sind doch immer einfach nur wirklich Hinweise f&amp;uuml;r die Eltern im Sinne von unsere Bindung ist einzigartig geworden oder ist auf dem Weg dahin und das bedeutet einfach, dass Kinder nicht mehr jeden tolerieren und einfach sich ganz klar abgrenzen gegen&amp;uuml;ber fremd und vertraut und genau da soll es ja hingehen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm, ja, ich mein, denn genau diese Erfahrung haben Patrick und ich ja selbst schon gemacht. Also, wir haben beide schon im Kleinkindbereich gearbeitet und viel eingew&amp;ouml;hnt. Also, ja, nat&amp;uuml;rlich, Kinder, die das erste Mal in die Kita kommen oder auch wenn man auf Geschwisterkinder trifft, ist es ja auch &amp;auml;hnlich. Wie k&amp;ouml;nnen wir denn als Fachkraft &amp;ndash; Sie haben jetzt grade gesagt, f&amp;uuml;r die Eltern ist es auch wichtig, dass einfach die Bindung sicher ist, ne? Und wie kann ich denn da als als Fachkraft drauf reagieren? Ich springe jetzt bisschen in den Fragen, ne? Ist das in Ordnung f&amp;uuml;r Sie?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Nat&amp;uuml;rlich, klar. Ja, indem man das einfach normalisiert und das nimmt ganz viel Druck von den Eltern und das kann man ja auch schon beginnen mit dem Wording, indem man eben nicht mehr von der Fremdenfurcht, sondern von der Fremdenreaktion spricht. Also das ist ja vielleicht schon ganz entlastend, das erst mal so zu benennen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm, ja, also das ist einfach, ja, dass man offen dr&amp;uuml;ber spricht, dass es passieren kann und irgendwie selber nicht so eine so eine Sorge davor hat, dass es wahrscheinlich passiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das erlebe ich auch tats&amp;auml;chlich in der Praxis immer wieder, wenn man sich eher&lt;br&gt;
zur&amp;uuml;ckh&amp;auml;lt, beobachtet, schaut, das Kind auf sich zukommen l&amp;auml;sst, dass sich dann die Reaktion ziemlich schnell ja auch wieder gibt. So, weil die Eltern ja dann auch wirklich die Kinder sehen, dass die Eltern mit den mit mir als Gegen&amp;uuml;ber eben erst mal cool sind, dass die damit einverstanden sind, dass wir da sind in einem Raum und dann baut sich eben diese Grenze ja schon wieder 'n bisschen ab und dann funktioniert es ja auch wieder ganz gut. Also ich finde es ganz sch&amp;ouml;n, dass einfach so 'n nat&amp;uuml;rlicher Vorrang ist und diese diese Fremdenangst so, dass das als Begriff finde ich eben auch eher schwierig. Dass es einfach 'ne ganz normale nat&amp;uuml;rliche Reaktion ist.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, sehr sch&amp;ouml;n. Ja, das ist sch&amp;ouml;n, wie Sie das machen und wie Sie da drauf schauen. Weil es ist ja auch so, also wir kommen ja da auch schnell auch eigentlich in den Bereich von Bindungsst&amp;ouml;rungen, also rein, ne, wenn Kinder so gar kein Gef&amp;uuml;hl eigentlich f&amp;uuml;r N&amp;auml;he und Distanz eben auch haben und. Das ist dann die andere Seite. Ja, und wahllos auch sind. Ja, das muss einem ja viel mehr besorgen, wie wenn ein Kind einfach erst mal auch abgegrenzt ist und sagt: "N&amp;ouml;, dich kenn ich gar nicht und da bin ich jetzt mal vorsichtig." Ja, und das muss man den Eltern versuchen, vorsichtig zu sein zu vermitteln, genauso wie Sie es machen, ja, indem man jetzt nicht gleich von Bindungsst&amp;ouml;rung anf&amp;auml;ngt und so. Das ist nat&amp;uuml;rlich, damit kann man Eltern auch verunsichern, vor allem wenn sie Kinder haben, die auch einfach so von ihrem Temperament her einfach extrovertiert sind. Das spielt ja auch 'ne Rolle, ja, es gibt einfach Kinder, die sind open-minded und interessiert und interagieren auch schnell mit anderen und sind da auch furchtloser, und das ist ja nicht gleichzusetzen mit einer Bindungsst&amp;ouml;rung. Ja, aber wenn Kinder wirklich gar kein Gef&amp;uuml;hl, eben auch f&amp;uuml;r so k&amp;ouml;rperliche Grenzen haben, das ist wirklich auch schwierig, eben aus einfach aus Schutzgr&amp;uuml;nden auch heraus. Und so versuche ich das Eltern einfach immer wieder auch vorsichtig zu vermitteln. Also ich bin ja auch in der Elternberatung eben t&amp;auml;tig &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;und da merke ich auch immer, wie die sich freuen. Also wenn man das Fremdeln eigentlich mit ihnen mal abfeiert und sagt, na das ist richtig gut und da habt ihr auch was Tolles geschafft. Weil schaut mal, ihr seid exklusive Bindungspersonen geworden. Also jetzt freut euch mal und das ist ganz gut, was ich hier zeige. Dann entlasten, also entlastet das einfach Eltern total. Und dann hat nat&amp;uuml;rlich auch 'ne neue Person, die eben auch eine Bindungsperson werden soll ja, dann auch viel mehr Chancen, weil da nicht so ein irrsinniger Druck im System ist, also genauso wie Sie es beschrieben haben.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, das ist ganz sch&amp;ouml;n, dass es nat&amp;uuml;rlich einfach, wie immer bei Bindungsaufbau oder Bindungserfahrung in der Kita, wichtig ist, dass Eltern und Fachkr&amp;auml;fte zusammenarbeiten und auf dem gleichen Stand sind, ne, und dann gemeinsam das Kind begleiten und eben klar ist, dass erst diese Verbindung aufgebaut werden muss. Sie haben gerade schon viel von dem Temperament des Kindes gesprochen und auch von eben dieser Fremdenreaktion. Wie kann man sich das denn vorstellen? Also, das ist ja was Nat&amp;uuml;rliches, was passiert, also was passiert da neurologisch im im Gehirn, wenn so eine Reaktion bei einem Kleinkind auftritt oder sie diese es diese Reaktion zeigt?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ja genau, das hat einfach auch also ganz ja neurobiologische Grundlagen und zwar reagiert einfach die Amygdala eben sehr schnell und intensiv und auch zuverl&amp;auml;ssig bei Kleinkindern und dieser ja Vernunft also ja wie soll man sagen, der also ein Teil im Gehirn, der eben f&amp;uuml;r dieses rationale Verhalten und einsch&amp;auml;tzen und jetzt warte ich mal und guck mal und so. Das ist ja bei jungen Kindern eben noch gar nicht gut gereift und das sind einfach Gef&amp;uuml;hlskinder, ja. Und das hat eben mit dieser, ja oft sehr starken Amygdala-Reaktion eben zu tun. Und deswegen sind Kinder eben auch nicht in der Lage, sich selber zu regulieren und zu beruhigen. Also ein &amp;auml;lteres Kind oder auch 'ne erwachsene Person kann ja sich schon 'n bisschen selber vielleicht auch beruhigen und sagen, ah ja, jetzt komme ich da in eine neue Gruppe rein. Jetzt bin ich so ein bisschen unsicher. "Hm, mag ich nicht so gern." Na ja, irgendwie meistens ist doch irgendwie jemand Nettes dabei und ich kann mich ja erst mal so ein bisschen zur&amp;uuml;ckhalten. Ich mache das halt so in meinem Tempo und beim letzten Mal hat es ja auch geklappt und so. Das sind ja so Dinge, wie wir uns selber beruhigen, wenn wir in neue Situationen kommen, wo wir noch nicht so eine Idee haben. Und da braucht man Erfahrung nat&amp;uuml;rlich dazu. Ja, man braucht aber auch einfach einen Teil im Gehirn, der das leistet. Ja, und das k&amp;ouml;nnen junge Kinder eben einfach noch nicht. Und das erkl&amp;auml;rt, warum sie so heftig reagieren. Und deswegen ist es auch was ganz Normales. Und damit sich ja eben auch der pr&amp;auml;fortale Kortex, also dieser vernunftsbasierte Teil, eben gut also entwickeln kann wei&amp;szlig; man ja, dass es ganz wichtig ist oder ganz gut, wenn die Amygdala eben nicht so &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ig angesprochen oder strapaziert wird.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist auch, glaube ich, wirklich auch sehr wichtig f&amp;uuml;r Fachkr&amp;auml;fte, also f&amp;uuml;r Eltern nat&amp;uuml;rlich auch, aber wirklich f&amp;uuml;r Fachkr&amp;auml;fte, glaube ich, zu wissen, woher das kommt. Also ich pers&amp;ouml;nlich, mir war das, bevor ich jetzt ihre Grundlagentexte gelesen habe, nicht so richtig klar. Also, dass das einfach aus diesem Urinstinkt nat&amp;uuml;rlich kommt.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir waren jetzt gerade schon bei Extrovertiertheit und Introvertiertheit und es geht auch um soziale&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Hemmungen, die Kinder vielleicht auch haben, die ja das Fremdeln jetzt nicht ist, also das Fremdeln ist ja keine soziale Hemmung. K&amp;ouml;nnen Sie das noch mal so ein bisschen voneinander unterscheiden und so ein bisschen kurz aufzeigen, was sind die Unterschiede da sind, damit man da nicht durcheinander kommt?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, ich glaub, man kommt da wahrscheinlich immer mal wieder durcheinander. K&amp;ouml;nnte ich mir vorstellen, weil es doch irgendwie so eng manchmal auch miteinander verkn&amp;uuml;pft ist und ich glaub, das darf man auch. Ja, aber ich glaub, es ist ganz gut, sich immer wieder die M&amp;uuml;he zu machen, oder zumindest die Anstrengung aufzubringen und zu sagen: 'O.K., was ist es denn jetzt eigentlich?' Ja, und nicht so dr&amp;uuml;ber hinweg zu gehen und zu sagen: 'Na ja, das ist halt 'n sch&amp;uuml;chternes Kind.' Ja, das ist so die Alltagssprache und alle k&amp;ouml;nnen sich irgendwie was drunter vorstellen, aber ich finde, das wird halt einfach nicht so einer Kinderpers&amp;ouml;nlichkeit gerecht, weil ich mein schon ja, da hat man schon fr&amp;uuml;h mit kleinen Pers&amp;ouml;nlichkeiten zu tun, die sich nat&amp;uuml;rlich klar noch entwickeln. Ja, aber das ist eine gute Frage. Also, ich versuch es jetzt mal.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Gerne.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, also und zwar vielleicht einfach noch mal zum zur Fremdenreaktion, wenn wir das jetzt so benennen wollen hier in dem Podcast oder in der Aufzeichnung, das ist einfach nichts Pathologisches, ja, sondern was ganz Normales, was W&amp;uuml;nschenswertes, was Entwicklungsgerechtes. Und ich glaube, eh in der fr&amp;uuml;hen Kindheit oder &amp;uuml;berhaupt bei Kindern ist es ganz gut, wenn wir nicht mit so einer pathologischen Brille herumrennen, sondern erst mal davon ausgehen, dass es ein ganz gro&amp;szlig;es Spektrum gibt an Verhaltensweisen, die sich einfach zeigen d&amp;uuml;rfen. Und ja, also wo man einfach vielleicht auch mal entdeckt und denkt sich, ja okay, da muss man vielleicht ein bisschen regulieren und unterst&amp;uuml;tzen, auf jeden Fall. Aber es gibt 'ne ganz gro&amp;szlig;e Bandbreite erst mal an Verhalten in der fr&amp;uuml;hen Kindheit, in der Kindheit, was einfach ganz normal ist, ja so. Und dann kommt nat&amp;uuml;rlich klar, das Temperament, das beobachtet man fr&amp;uuml;h bei Kindern, ne, dass es einfach Kinder gibt, die sind irritierbarer, angespannter, also das ist ja schon so, wie wie ist die K&amp;ouml;rperspannung auch von jemandem und so weiter, also das sind ja alles so, ja, die Ablenkbarkeit und so weiter. Das sind ja alles so Faktoren, also wie man ein Temperament zum Beispiel auch erkl&amp;auml;ren kann, ja. Ja, und dann, wenn man jetzt aber so vielleicht noch mal auf die Pers&amp;ouml;nlichkeit schaut, also es gibt ja so die Big Five, also halt der Pers&amp;ouml;nlichkeit. Und da gibt es ja extrovertiert, introvertiert und introvertiert ist einfach eine ganz normale, ja eine Facette von Pers&amp;ouml;nlichkeit. Und wenn man das vielleicht ein bisschen beschreiben, n&amp;auml;her beschreiben sollte, dann ist es ganz gut diese Menschen oder diese Kinder kann man so beschreiben oder die selber beschreiben sich auch so, dass sie sagen: Ja, ich muss jetzt nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Ich kann ganz gut in Gruppen, aber ich bin manchmal eher so ein bisschen beobachtend und ich merke aber schon. Oder die Eltern beschreiben das auch so, wenn ihr Kind dann so im Kindergarten war. Also, das reicht dann ja. Und da muss man nicht gleich weiter zum Spielplatz. Also, die wollen dann f&amp;uuml;r sich sein. Die wollen dann wirklich, die verschwinden so anderthalb Stunden mal in ihrem Zimmer, sind in ihrer Welt, sind ganz zufrieden. Ja, aber die sind und das sind auch keine Einzelg&amp;auml;nger, das finde ich auch noch mal ganz wichtig zu betonen. Also die haben schon Freundschaften oft tief und intensiv, ja, aber die, das sind jetzt nicht so Kinder wie andere, die jetzt in so einer Gruppe so aufbl&amp;uuml;hen und m&amp;ouml;glichst viele und ganz viele Reize und ganz viele Kinder, also das wird ihnen meistens einfach schnell zu viel. Ja, und das ist wichtig, darauf R&amp;uuml;cksicht erst mal zu nehmen. Ja, sie sind nicht so auf der Suche, so ja, nach Attention, ja, also sie sind eher so ganz zufrieden so mit ihrer Welt und mit sich, ja, genau, und jetzt noch zu, also zur sozialen Hemmung oder Irritierbarkeit? Also, wenn wir das noch eben uns anschauen wollen, genau. Ja, das ist anders noch mal. Also, da merkt man ja, das ist schwierig, weil das kriegt nat&amp;uuml;rlich immer das so beschreibt gleich auch einen finde ich recht bewertenden Charakter, aber ja, man merkt halt bei den Kindern, die sind einfach irritierbarer oder &amp;auml;ngstlicher. Und ein introvertiertes Kind, das ist so, wenn man R&amp;uuml;cksicht nimmt, ja.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Dann sind sie in einem ganz ruhigen State. Also f&amp;uuml;r sie ist es dann OK. Die Situation ist klar, es ist daf&amp;uuml;r nicht zu viel und zu wild, aber dann ist die Situation f&amp;uuml;r sie wirklich in Ordnung, wenn man so R&amp;uuml;cksicht auf sie nimmt und diesen ruhigen inneren State den erreicht man bei einem sozial gehemmten Kind oder was eben zu dieser sozialen Hemmung neigt, weniger schnell oder rasch oder vielleicht auch nicht so zufriedenstellend. Ja, weil das sind einfach Kinder, die ja, auch wenn man versucht, vielleicht die Situation f&amp;uuml;r sie zu verbessern, da wei&amp;szlig; man manchmal gar nicht so richtig, ja, was hilft denn jetzt? Ja, bei Introvertierten ist es oft einfacher, weil es klarer ist. O. K., vielleicht 'n bisschen mehr am Rand spielen, also bitte nicht im Morgenkreis so viel ansprechen ja, also so da, wenn man das so ber&amp;uuml;cksichtigt, dann merkt man so, ja, ja, ja, ja, das resoniert, das ist alles gut, ja. Und bei also sozialer Hemmung ist es diffuser, unklarer und h&amp;auml;ufig auch mit mehr Ausschl&amp;auml;gen also verbunden. Und es ist mal ist es gut die Situation, dann ist es wieder ganz anstrengend f&amp;uuml;rs Kind, ja. Und es kann sich halt auch in Weinen, Schreien und anklammerndem Verhalten zum Beispiel zeigen, aber auch in aggressiverem Verhalten. Also dass die Kinder schon Kontakt mit anderen aufnehmen wollen, aber dann so gestresst sind und dann vielleicht auch mal hauen oder zur&amp;uuml;ckschlagen schnell, weil sie sich gar nicht so zu wehren wissen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich w&amp;uuml;rde jetzt noch mal kurz, bevor wir dann nachher zum Ende kommen, noch mal in die Praxis tats&amp;auml;chlich schauen. Wir haben vorhin schon dr&amp;uuml;ber gesprochen, wie Fachkr&amp;auml;fte denn fremdelnde Kinder begleiten k&amp;ouml;nnen, also. K&amp;ouml;nnen Sie da noch mal kurz drauf eingehen? Also, Sie haben gesagt, dass es nat&amp;uuml;rlich darum geht, einfach den Eltern klarzumachen, dass das in Ordnung ist. Und wenn ich jetzt dann aber ein fremdelndes Kind bei der bei der Eingew&amp;ouml;hnung habe, ja. Wie gehe ich damit um, mit dem Kind um, wenn ich nicht schon instinktiv wei&amp;szlig;, dass ich vielleicht erst mal ruhig Blickkontakt aufnehmen soll?&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;
Ja. Also, wenn ein Kind wirklich noch sehr in dieser Fremdenreaktion verhaftet ist, dann muss man einfach aushalten, dass man noch nicht an dem Punkt ist und dass man auch gerade nicht die richtige Person anscheinend ist. Das kann man noch werden, ja, aber je dr&amp;auml;ngender man sich dann einbringt in diese, in diesen Bindungsprozess oder in den Aufbau, desto mehr genauso wie sie es eben vorher beschrieben haben, desto mehr zieht sich das Kind zur&amp;uuml;ck und ich meine durchs, also klar, das verl&amp;auml;uft nicht immer reibungslos, so 'n Beziehungsaufbau, aber es ist halt schon so wenn man da immer so, na ja, so missgl&amp;uuml;ckt in der Kommunikation miteinander. Und also, wenn das immer dr&amp;auml;ngender versucht wird, dann ja, wendet sich das Kind irgendwann total ab, wenn die Fachkraft eben kommt und will gar nichts mehr von der wissen. Und das ist auch heftig f&amp;uuml;r die eingew&amp;ouml;hnende Fachkraft nat&amp;uuml;rlich.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Ja, weil die ja dann auch also mit dieser Zur&amp;uuml;ckweisung auch also klarkommen muss. Ich mein, klar ist die erwachsene Person, aber sie hat eigentlich einen Auftrag, den sie eben einfach hat, ja n&amp;auml;mlich das Kind einzugew&amp;ouml;hnen und ich glaube, das Wichtigste ist einfach f&amp;uuml;r Fachkr&amp;auml;fte mal zu oder das zu akzeptieren. Im Moment f&amp;uuml;r den Tag heute bin ich einfach nicht die richtige Person f&amp;uuml;r dich und deine Mama, dein Papa ist einfach deine Nummer eins im Moment, ja, und nicht gegen diese Beziehung zu sein. Also, man kann auch Beziehungen aufnehmen, indem man freundlich mit Eltern spricht, ja, und nicht die immer so wegdr&amp;auml;ngt und sagt: "Ja, die Mama geht jetzt mal, der Papa geht jetzt mal." Sondern wenn Kinder beobachten ach ja, die, die, die unterh&amp;auml;lt sich ja ganz nett jetzt mit dem Papa. Ach, der Papa antwortet auch ganz nett zur&amp;uuml;ck. Und die Erwachsenen verstehen sich gut. Das ist Teil auch dieses Bindungsaufbaus. Und dann entspannt sich das Kind und Konflikte zwischen Fachkraft und Eltern die manchmal sehr subtil sein k&amp;ouml;nnen, aber doch im Raum immanent sind, haben oft einen gro&amp;szlig;en, erschwerenden Einfluss auf eine Eingew&amp;ouml;hnung, und ich glaube, das muss vielleicht den Fachkr&amp;auml;ften auch bewusst sein.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ist eine Sache, die einem ja immer wieder begegnet, in der dass Kinder eben am Fremdeln sind, dass sie ganz eng die Signale ihrer Eltern eben auch deuten und ganz genau wissen, O. K., sind meine Eltern gerade cool mit der eingebundenen Person, ist das alles in Ordnung hier, f&amp;uuml;hlen die sich auch wohl und gerade diese Gef&amp;uuml;hle &amp;uuml;bertragen sich so stark aufs Kind.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Dass ich da auch immer erstmal mich zur&amp;uuml;cknehme, erstmal mit den Eltern ein bisschen quatsche, dass wir irgendwie entspannt auf Boden sitzen, ne, und erstmal mit den Eltern einfach ins Gespr&amp;auml;ch kommen. Dann rollt halt mal ein Ball r&amp;uuml;ber, ne, und dann findet man so ganz langsam ein bisschen sich mit ein, ohne sich jetzt in den Mittelpunkt zu dr&amp;uuml;cken. Genau, das baut sich ja dann &amp;uuml;ber die n&amp;auml;chsten Tage in der Eingew&amp;ouml;hnung mehr und mehr einfach auf. Und ja, ich glaub, dass da manchmal aber schon ein gro&amp;szlig;er Druck bei den Fachkr&amp;auml;ften da ist, gerade wenn es vielleicht noch nicht viele Eingew&amp;ouml;hnungen sind, die sie begleitet haben, die dann noch relativ am Anfang stehen da mehr und mehr Unsicherheiten einfach da sind. Weil das Kind sich ja mehr und mehr einfach zur&amp;uuml;ckzieht, wenn es sich bedr&amp;auml;ngt f&amp;uuml;hlt, einfach da braucht man einfach eine gro&amp;szlig;e Sensibilit&amp;auml;t &lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, und oft geben die Eltern ja vielleicht auch Druck an die Fachkr&amp;auml;fte weiter. Also, es sind ja nicht nur immer die ausl&amp;ouml;senden Personen, ne, die das reinbringen, sondern auch die Eltern sagen ja manchmal auch, ich hab nur so und so viel Tage oder Wochen Zeit f&amp;uuml;r die Eingew&amp;ouml;hnung. Und dann ist so viel Druck da, und genau das verhindert dann die Eingew&amp;ouml;hnung. Aber ja, also es klingt wirklich sch&amp;ouml;n, wie Sie das machen mit den Eingew&amp;ouml;hnungen, muss ich jetzt wirklich noch mal sagen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es ist ist auch einfach so ein Zauber, der in den Eingew&amp;ouml;hnungen auch immer drin steckt, muss ich sagen, weil wir selber kennen das Kind nicht, ich kenne die Familie nicht so und dann ist es auch immer erstmal so ein so ein Kennenlernen, so ein langsames und seichtes Rantasten und dann baut sich dadurch ja erst die Beziehung auf, die man ja Jahre sp&amp;auml;ter dann immer noch einfach miteinander gestaltet. Und wie hier eben gerade die Eingew&amp;ouml;hnung so der sensibelste Start, einfach also das Wichtigste erst mal, um diese Verbindung und diese Basis erst mal aufzubauen, auf der man dann wirklich auch ja ist dann auch immer auch die Fr&amp;uuml;chte tr&amp;auml;gt. So und genau von dem ist das ein ganz besonderer Zauber, der da immer &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und ich denke auch in diesem, in diesem Anfang ist es eben wichtig, die Kinder genau ja zu beobachten und versuchen kennenzulernen und dann eben rauszufinden, ist es vielleicht ein introvertiertes oder ein extrovertiertes Kind. Wie, ja, wie kann ich mit dem Kind eine Beziehung aufbauen? Ich glaube, das haben Sie gerade, was die introvertierten Kinder angeht. Also &amp;uuml;ber Extrovertierte haben wir jetzt gar nicht gesprochen, aber es ist nat&amp;uuml;rlich sehr viel, dann der Gegensatz auch. Genau, um eben diese Kinder dann verstehen zu k&amp;ouml;nnen und zu schauen k&amp;ouml;nnen, abschauen zu k&amp;ouml;nnen, ja, wie gehe ich, wie gehe ich damit um und wenn es zu einer sozialen Hemmung kommen sollte, ne, die kann sich ja wahrscheinlich auch entwickeln, ja, wie gehe ich damit um und ich. Ja, ich glaube, das ist, was ich jetzt auch so noch mal mitnehme. Also, wir haben jetzt, es ging ja jetzt viel um U3-Bereich, aber auch f&amp;uuml;r &amp;Uuml;3-Bereich gibt es ja auch Eingew&amp;ouml;hnungen. Da k&amp;ouml;nnen Kinder auch noch mal fremdeln. Das zeigt sich vielleicht anders. Da sind sie aber vielleicht nicht mehr auf dem Arm der Bezugsperson oder so, aber es spielt ja immer ein Thema. Und einfach sensibel Kontakt aufbauen und nat&amp;uuml;rlich einfach mit den mit den Eltern auch Kontakt aufbauen. Ich glaube, das h&amp;ouml;re ich jetzt sehr viel raus, das wissen alle Fachkr&amp;auml;fte, aber es ist wichtig, dass immer wieder.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Zu h&amp;ouml;ren, dass es einfach ein wichtiger Grundpfeiler ist, f&amp;uuml;r die Beziehung, die man mit den Kindern aufbaut.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Absolut. Ja, und ich meine, es kann ja auch, also ich glaub, das ist vielleicht einfach auch noch wichtig zu sagen, also das ist ja auch erst mal was ganz Normales, dass Kinder in 'ner fremden Umgebung auch jetzt nicht ja sich so verhalten wie mit den zu Hause oder wie mit den eigenen Eltern, sondern sich da schon vielleicht auch mehr anpassen oder sich einfach zur&amp;uuml;ckhaltender geben. Ja, und das ist ja aber h&amp;auml;ufig auch zu beobachten, wenn sie wirklich angekommen sind oder je mehr Vertrautheit da ist, dass sie dann auch mal andere Anteile ihrer Pers&amp;ouml;nlichkeit zeigen, die eben wo mehr Widerstand ist, mehr Nein oder auch ja auch mehr Quatsch machen, rebellisch sein, hinterfragen, das sind ja also auch gute Zeichen, wenn Kinder dann auch mehr und mehr im Kontakt mit der Fachkraft auch diese Seite auch zeigen, ne. Also es es geht schon immer um dieses einerseits klar, versuchen 'n bisschen zu verstehen,&lt;br&gt;
wie ist die Pers&amp;ouml;nlichkeit des Kindes, aber was sagt das vielleicht auch &amp;uuml;ber den Grad der Vertrautheit aus? Oder das k&amp;ouml;nnte ich mir vorstellen, dass Sie das auch erleben, also wenn Sie Kinder wirklich &amp;uuml;ber 'ne l&amp;auml;ngere Zeit auch begleiten und kennen Sie, dass Sie sich dann auch vielleicht manchmal erinnern und denken: "Na ja, genau als er oder sie kam, war sie noch ganz still und zur&amp;uuml;ckhaltend. Und jetzt schau an, also jetzt sitzt noch mal eine ganz andere Pers&amp;ouml;nlichkeit hier im Morgenkreis." Und das ist ja, finde ich auch 'ne gute Entwicklung, wenn sich das so einfach auch ganz nat&amp;uuml;rlich aus sich heraus, aus sich heraus einfach auch entwickeln kann. Ja, und dann ist es ja auch so 'n gemeinsames Miteinander wachsen und sich kennenlernen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm, ist eine sch&amp;ouml;ne Betrachtung, dieses ja, die Pers&amp;ouml;nlichkeit entfalten. Ich meine, das, das ist uns hoffentlich, also wir, ne, wir 3, die wir hier jetzt sitzen, konnten hoffentlich auch unsere Pers&amp;ouml;nlichkeit als Kleinkinder, Kinder irgendwie entfalten und wir sind jetzt so, wie wir sind. Ich versuche das auch manchmal so ein bisschen zu &amp;uuml;bertragen, wenn es ja darum geht, ja eben, wie Sie gerade gemeint haben, zur&amp;uuml;ckhaltend in fremden Situationen. Geht uns Erwachsenen teilweise ja auch so, weil diese Pers&amp;ouml;nlichkeit, die haben wir ja immer noch, das Temperament, ob wir vielleicht &amp;nbsp;introvertiert oder extrovertiert oder was dazwischen sind. Genau und eigentlich ist es, wie Sie sagen, total sch&amp;ouml;n, wenn Kleinkinder das schon zeigen k&amp;ouml;nnen. Es f&amp;uuml;r die Bindung zu den prim&amp;auml;ren Bezugspersonen spricht und dann auch f&amp;uuml;r das Vertrauen, was sie dann gegebenenfalls zur Fachkraft aufbauen, einfach Sich zeigen k&amp;ouml;nnen und entfalten k&amp;ouml;nnen. Das ist sch&amp;ouml;n. Ja, das m&amp;ouml;chte ich gerne mitnehmen aus unserem Gespr&amp;auml;ch. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, jetzt sind wir zwar eigentlich schon an so einem sch&amp;ouml;nen Ende und jetzt kommt vielleicht noch mal so 'n bisschen so 'n schwierigeres Thema auf, aber ich fand ja so bei der sozialen Hemmung, da dachte ich mir, was vielleicht, was ich vielleicht nicht stark genug.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;besprochen habe oder ausreichend genug betont habe, sage ich mal so. Ich glaube, was auch ein Hinweis sein kann, ist einfach so, wenn Kinder h&amp;auml;ufig so starke &amp;uuml;berschie&amp;szlig;ende Emotionen zeigen in sozialen Situationen, ja, wo man irgendwie sp&amp;uuml;rt, irgendwas ist nicht stimmig oder das Kind wird so unglaublich angespannt. Und ja, also es ist manchmal auch fast so, so &amp;uuml;berschie&amp;szlig;end dr&amp;uuml;ber. Dass man da nicht dazu neigt und dann wiederum in die andere Richtung sagt, na der ist halt so extrovertiert oder sie ist halt so extrovertiert. Ich glaub, da muss man n&amp;auml;mlich auch ein bisschen aufpassen, ja, dass man nicht auch irgendwie 'ne Pers&amp;ouml;nlichkeit attestiert, wo es eigentlich um 'ne ganz andere innere Spannung geht, n&amp;auml;mlich wirklich 'ne &amp;Uuml;berforderung mit einer sozialen Situation, weil vielleicht auch die Bindung an eine Fachkraft noch nicht ausreichend sicher genug ist. Ich denke, das korreliert miteinander. Ja, und da vielleicht auch in die Richtung mal &amp;uuml;berlegen. Ja, das f&amp;auml;nd ich vielleicht noch mal ganz spannend, das einfach mitzudenken. Ja, weil das find ich jetzt auch so 'n doch typisches oder h&amp;auml;ufiges Merkmal vielleicht oder zumindest 'n Hinweis dass ein Kind doch auf eine soziale Situation oder soziale Situation, eben wenn viele Kinder auf einmal aufeinandertreffen, da eigentlich unter einem gro&amp;szlig;en Stress steht und nicht entspannt ist.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, so ein kleines Beispiel auch dazu, dass wir auch ein Kind in der Eingew&amp;ouml;hnung hatten und das lief alles irgendwie erst mal tutti und alles war irgendwie super in Ordnung, ist angekommen, hat gespielt, war besch&amp;auml;ftigt, ne? Und immer in den Momenten, wo dann die Mutter kam, um das Kind eben abzuholen, hat dann das Kind angefangen zu schubsen, also aus dem Nichts heraus, so auf einmal zack, ran rumgeschubst oder ins Gesicht gehauen und da denke ich mir auch, das waren eher dann die Signale eben, oder dass es gemerkt hat, das war jetzt gerade eine Situation, es war viel, war angepasst, quasi Ne war einfach eine Interaktion und als die Mama als feste Bindungsperson eben wieder da war, ist es dann eben hat sich so losgelassen und dann musste sich das irgendwie entladen in einer gewissen Art und Weise und da kann ich mir vorstellen, dass es auch so in die Richtung eben auch tats&amp;auml;chlich ging, dass genau, dass das einfach dann ein bisschen viel war und dann eher wieder, ja, eine Reaktion einfach auch dann passiert ist, so genau. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, genau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dass man dann, dass man ja super schnell drinnen, dann das Kind erstmal so ein bisschen, ja, in die Schublade zu stecken, zu sagen, ah, OK, das ist ja aber jetzt ausgeglichen, jetzt ist&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;bisschen dr&amp;uuml;ber, bisschen wild, ist ein ganz wilder so. Und letztendlich geht es aber darum, dass es sehr, sehr sensibel ist, auch in solchen sozialen Konstrukten und eine ganz andere Ansprache braucht, wie ein, man hat das Kind geschubst, braucht es eher einfach N&amp;auml;he und und eine Ansprache, die anders funktioniert, so.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, sehr gutes Beispiel, weil ich denke auch, also mein Eindruck ist, dass gerade auch Kinder, die mit ja solchen Themen manchmal auch wirklich zu k&amp;auml;mpfen haben, dass die h&amp;auml;ufig auch sehr sensitiv bei &amp;Uuml;berg&amp;auml;ngen sind. Ja, also so von der Garderobe raus in den Garten und so, das ist was, wo&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Kinder, die st&amp;auml;rker auch mit solchen Themen besch&amp;auml;ftigt sind, innerlich ja h&amp;auml;ufig dann eben auch so an ihr Limit kommen. Und das passt ja auch ganz gut so in ihrer Erz&amp;auml;hlung, dass ja so wo der &amp;Uuml;bergang zur also zur Mutter eben anstand, dass dann so 'ne Ver&amp;auml;nderung der Atmosph&amp;auml;re stattgefunden hat und das Kind fast &amp;uuml;berfordert war tats&amp;auml;chlich, wie es jetzt weitergeht. Ja, und das ist wichtig und ich glaube, ein wichtiger Unterschied und genau und das ist so ein gutes Beispiel, da kann man ja nicht sagen, na ja, es hat genauso, wie Sie es gesagt haben, na, ist halt ein Wilder. Ja, es w&amp;auml;re so, klingt ja so, ist halt seine Pers&amp;ouml;nlichkeit, ja. Und das stimmt einfach nicht. Das ist wirklich 'n Zeichen von, wenn sich das atmosph&amp;auml;risch so ver&amp;auml;ndert. Das ist ja eher 'n Hilfe von 'nem Kind im Sinne von, gib mir Orientierung, gib mir Sicherheit, ich wei&amp;szlig; gerade gar nicht, wie es jetzt hier weitergeht. Ja, und das w&amp;auml;re diese &amp;uuml;berschie&amp;szlig;ende Reaktion, ist 'n klares Signal f&amp;uuml;r ich brauche Unterst&amp;uuml;tzung und Orientierung. Und im Unterschied, introvertierte Kinder, die leiden ja, wenn man sie st&amp;auml;ndig ver&amp;auml;ndern m&amp;ouml;chte in ihrer Pers&amp;ouml;nlichkeit. Jetzt trau dich doch mal, jetzt geh mal, mach doch mal und willst du nicht mal&lt;br&gt;
oder spiel doch mal da vorne. Und ich glaube, das ist der entscheidende Unterschied, dass der introvertierte Mensch ganz zufrieden ist, wenn er gute Bedingungen vorfindet f&amp;uuml;r sich oder sich die schaffen kann, w&amp;auml;hrend ein Kind oder ein Mensch, was mit inneren Spannungszust&amp;auml;nden zu k&amp;auml;mpfen hat, ein regulierendes Umfeld braucht und das nat&amp;uuml;rlich auch f&amp;uuml;r sich selber irgendwann auch entwickeln darf, damit es ja, damit er oder sie sich entspannen kann. &amp;nbsp;Und das ist die Aufgabe von Fachkr&amp;auml;ften, daf&amp;uuml;r zu sorgen, weil es Kinder eben noch nicht k&amp;ouml;nnen.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es ist, glaube ich, tats&amp;auml;chlich so, also man denkt ja oft, ah, wir gucken viel auf die wilden Kinder, ne, also die vielleicht wirklich wild sind und vergessen vielleicht die ruhigeren, vielleicht auch wirklich sch&amp;uuml;chternen Kinder. Aber ich glaube ja, wie sie sagen, wir gucken da quasi mit 2 verschiedenen Brillen drauf und es ist wichtig, aber beide Auspr&amp;auml;gungen mit derselben Brille zu betrachten und da vielleicht auf beiden Seiten ja zu schauen, ja welche Unterst&amp;uuml;tzung braucht dieses Kind und ich, ach ich lass es jetzt einfach mal sich austoben. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Weil dann leidet vielleicht auch der der der Introvertierte wieder mehr. Also das bedingt sich ja auch gegenseitig in der Gruppe, ja. Also wenn einer so &amp;uuml;berschie&amp;szlig;end st&amp;auml;ndig agiert und dann st&amp;auml;ndig dem Introvertierten in sein seine Baulandschaft rein&amp;nbsp; crasht, dann haben sie ja auch wieder den Konflikt nat&amp;uuml;rlich zwischen den Pers&amp;ouml;nlichkeiten, ja, oder zwischen dem, ja, was die Kinder gerade eben auch so, wo sie entwicklungsm&amp;auml;&amp;szlig;ig gerade also besch&amp;auml;ftigt sind. Ja, also es gibt ja dann auch noch mal so eine spezifische Gruppendynamik, ja. Ja, k&amp;ouml;nnen wir noch l&amp;auml;nger dr&amp;uuml;ber reden, aber jetzt genau so ist es.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mhm.&lt;br&gt;
Das stimmt ja, aber ich glaube auch, wir sind am Zeitlimit angekommen. Aber wir stellen auf jeden Fall fest, dass wir mit vielen Pers&amp;ouml;nlichkeiten, Temperamenten in der Kita zu tun haben und einfach es wichtig ist zu wissen, ja mit was wir es zu tun haben und wie wir damit umgehen, und das haben Sie noch mal sehr sch&amp;ouml;n deutlich gemacht. Genaueres zu lesen gibt es nat&amp;uuml;rlich auch in den Beitr&amp;auml;gen f&amp;uuml;r das Titelthema, was Sie f&amp;uuml;r Kleinstkinder geschrieben haben, und da freue ich mich dann auch drauf das noch mal in gedruckte Version zu sehen. Und ja, dann bedanke ich mich jetzt auch wirklich bei Ihnen oder noch mal, Frau Retz, dass Sie sich heute Zeit genommen haben f&amp;uuml;r uns. Und w&amp;uuml;nsche Ihnen noch einen sch&amp;ouml;nen Abend.&lt;strong&gt;&lt;br&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eliane Retz&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Danke auch f&amp;uuml;r Ihre Zeit. Tsch&amp;uuml;ss.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Sound&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Musik und Knuspern&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, Patrick, das war ein sch&amp;ouml;nes Gespr&amp;auml;ch, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, in der Praxis h&amp;ouml;ren wir immer die Experten der Kinder, Und das fand ich jetzt gerade nochmal sinnvoll und sch&amp;ouml;n. Also ich hab mir den Artikel ja vorher auch schon mal durchgelesen und gerade jetzt auch nach dem Interview. Es ist einfach sch&amp;ouml;n, fundiert nochmal irgendwie zu h&amp;ouml;ren, worauf es ankommt, worauf man genau hinschauen sollte, worauf man achten sollte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stimmt, ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das finde ich super, super wichtig und genau, hat mir jetzt auch noch vieles erkl&amp;auml;rt, was ich vorher gar nicht so wusste, weil ich dachte ja auch immer so Fremdeln, naja, keine Ahnung, hat in der Schule jetzt auch nie richtig dran genommen, muss ich sagen. Also das kam bei uns in der Fachschule gar nicht so richtig dran. Es war halt immer nur, sie sagt, naja, die Kinder Fremdeln halt und dann hat man sich das halt immer so bisschen erschlossen, wei&amp;szlig;t du.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und halt mit dem Sch&amp;uuml;chtern, ich, eben. wie sie ganz am Anfang gesagt hat, ich glaube, ist auch wirklich noch so drin. ja, die fremdelt ist ein bisschen sch&amp;uuml;chtern und...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, aber ich fand es gerade wirklich besonders, wie sie es eben auch vorhin noch mal gesagt hat, dass das ja auch ein Zeichen der Qualit&amp;auml;t der Beziehung zu ihren Eltern ist, letztendlich. dass das ein Kompliment ist einfach. Ja, unsere Bindung ist so stark und das Kind wei&amp;szlig; dann einfach schon, okay, wir befinden uns jetzt in einer neuen Situation, da sind irgendwelche Leute, die kenne ich gar nicht. Ich brauche meine Bezugsperson oder ich m&amp;ouml;chte, ne, m&amp;ouml;chte mich nicht direkt darauf einlassen und wirklich einfach zu sagen, hey, wir beobachten erst mal, was hier los ist. Wie reagieren meine Eltern auf die, meine Mama, meine Bindungsperson. Und dann baut sich das ja ab. Dann ist das ja, ist das ja auch alles wieder safe und baut sich auf. Aber das ist ja auch erst mal so ein Schutzfaktor, den die Kinder ja einfach auch haben. Also Fremdeln und nicht alle erst mal als gegeben annehmen. Und das war im Artikel vorher auch schon mal gestanden, dass es ja vorher auch wichtig ist, dass die Kinder einfach vom einen Arm auf den anderen dar&amp;uuml;ber getragen werden oder dass es nicht sicher ist, ob die Bindungsperson ja best&amp;auml;ndig ist und deswegen m&amp;uuml;ssen sie sich ja gerade in den ersten Wochen, Monaten auf alles einlassen, was ihnen irgendwie in die H&amp;auml;nde spielt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Deswegen entwickelt sich das sp&amp;auml;ter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Stimmt. Und irgendwann kommt dann eben dieser Punkt, dass die Bindung zu der Beziehungsperson so stark ist, dass man dann eben neue Personen erstmal so bisschen in Frage stellt. Also das fand ich super interessant und genau, bin da ganz begeistert, Teil davon gewesen zu sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sch&amp;ouml;n, ja. Auch was sie gesagt hat, also genau das lest ihr da drau&amp;szlig;en, lest ihr auch im Grundlagenbeitrag, dass es ja meistens den ersten Geburtstag so einen Peak gibt und das merkt man ja, also ich habe das schon so oft auch in Eingew&amp;ouml;hnungen gemerkt, dass Kinder, quasi vor dem ersten Lebensjahr und ja vielleicht wirklich mit zehn Monaten, wo es vielleicht noch nicht so ausgepr&amp;auml;gt ist, diese Fremdenreaktion, dass die es, also die Kinder, wei&amp;szlig; nicht, Ich sage so, dass die Kinder es einfach haben und auch die Fachkraft, also dass einfach die Eingew&amp;ouml;hnung leichter verl&amp;auml;uft und routinierter, vielleicht auch schneller, als halt ab dem ersten Lebensjahr, wenn die Kinder dann merken, so, nee, das ist meine prim&amp;auml;re Bezugsperson. Ich mache jetzt erst mal langsam und vorsichtig. Genau, und das zeigt sich ja wirklich direkt. also, man sieht es auch immer, oder ich habe es auch schon sehr oft bei Kindern von Freundinnen gesehen, ab wann sich das dann irgendwie so zeigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich muss da auch an meine erste Praxisstelle denken in Berlin. ich hier angekommen bin, als Erzieher und dann so die ersten ein, zwei Eingew&amp;ouml;hnungen gemacht hatte und dann hie&amp;szlig; es, naja, bekommt jetzt ein Kind, das ist jetzt sechs Monate alt. Und ich dann erst so, was? Also, &amp;auml;h... Baby? Bin ich dem gewachsen? Kann ich das? Eine Eingew&amp;ouml;hnung, das muss er ja bestimmt ganz sensibel und ganz vorgegangen haben. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das kannst du einfach nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;nicht als gegeben hinzunehmen, wer mich jetzt gerade hat, sondern wirklich entscheiden, wer ist sicher, wen kenne ich, wen mag ich. Und eben auch so dieser Punkt der Umgebung. ich bin irgendwo bei anderen zu Hause oder ich bin irgendwo jetzt in so einer Kita, wo so ganz viele Kinder sind und irgendwie fremde Leute. Dass man das als Schutzreaktion erst mal hat zu, ja, erst mal langsam.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und was du auch eingangs gesagt hast, wollte ich jetzt auch nochmal best&amp;auml;rken, dass man daran ja wirklich auch sieht, wie die Beziehung zu den Eltern oder prim&amp;auml;ren Bezugspersonen ist. Also daran kann man ja auch diese Bindungstypen ja auch bisschen festmachen, wenn es zu den Eltern schon so eine ambivalente Bindung beherrscht. k&amp;ouml;nnte ich mir vorstellen, dass das auch die Fremdenreaktionen gar nicht so stark ausgepr&amp;auml;gt ist, weil es ja quasi eigentlich schlichtweg vielleicht egal ist, wer jetzt f&amp;uuml;r mich zust&amp;auml;ndig ist. Hauptsache ich kriege auch, also im schlimmsten Fall, kriege Aufmerksamkeit. Man schaut nach meinen Grundbed&amp;uuml;rfnissen. Also das ist sehr gut, wenn Kinder fremdeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja. Es ist ein gro&amp;szlig;es Kompliment an die Eltern und an die Bezugspersonen. Das erlebe ich auch in der Kita manchmal. Ich bin mittlerweile im altersgemischten Bereich ab drei. Aber manchmal laufe ich unten an der Krippe vorbei. Heute hatte ich auch so eine Situation, oder letzte Woche auch, wo ich so vorbei laufe und dann so ein Kind auf einmal dasteht. Die wollten dann gerade in den Garten raus. Da dachte ich kann es gleich mitkommen, die Ersten sind ja schon drau&amp;szlig;en. Das Kind hat sich aber weggedreht. Und ich dachte, ja, okay.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Okay, ich bins heute nicht&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin heute nicht die Person. Das ist ja auch super safe und in Ordnung. Dann kam die Erzieherin, die hat sich gerade noch die Schuhe angezogen und dann ist das Kind mit ihr dann rausgegangen. Das ist so wichtig einfach auch, dass man sowas eben nicht als Ablehnung versteht, sondern einfach als Qualit&amp;auml;t der Beziehung zu der Bindungsperson, die gerade wichtig ist f&amp;uuml;r das Kind. Und das ist einfach eine ganz normale...&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ja einfach,&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das ist ne normale Reaktion. Als ich Mal erlebt habe, habe ich gedacht, mag mich das Kind nicht, habe ich etwas falsch gemacht? Nein, es geht ja nicht um mich, es geht ums Kind. Und ja, super spannend und tolle Perspektive.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ja, es ist echt sch&amp;ouml;n und ich denke, wir machen so das jetzt &amp;ouml;fter, spezielle Interviewfolgen, Patrick, ne? So f&amp;uuml;r euch da drau&amp;szlig;en, haben ja noch ein paar in Planung und machen das jetzt gerne mit, Kooperation quasi mit unserer Schwesternzeitschrift, sag ich jetzt mal, f&amp;uuml;r den U3-Bereich Kleinstkinder, also lest da gerne rein. Es gibt auch schon vorherige Interviews zu den Titelthemen, die findet, kann ich euch alle verlinken.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin mal gespannt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber ab sofort wird das jetzt innerhalb des heute im Kindergarten Podcasts stattfinden und freut mich sehr, dass wir beide das machen k&amp;ouml;nnen, Patrick. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mich auch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Karen&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann w&amp;uuml;rde ich sagen, war es das jetzt heute f&amp;uuml;r die ganze Folge. Wir verabschieden uns jetzt auch final und h&amp;ouml;ren uns dann beim n&amp;auml;chsten Mal wieder. Bis dann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Patrick&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Machts gut, ciao ciao!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Outro&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das war's f&amp;uuml;r heute. Wir freuen uns auch &amp;uuml;ber eure Erlebnisse aus der Praxis. Schreibt mir gerne an karen.sachse@herder.de. Die aktuelle Ausgabe von kindergarten heute findet ihr online auf kindergarten-heute.de Bis zum n&amp;auml;chsten Mal bei heute im Kindergarten.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-eliane-retz-fremdeln-und-introvertiertheit/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kg/heute-im-kindergarten-16-eliane-retz-im-interview-fremdeln-bei-kleinstkindern-ganz-normal.mp3" type="audio/mp3" length="28977469" /><pubDate>Thu, 16 Apr 2026 11:53:43 GMT</pubDate><guid>A7820DD0C25A47258C6F6B75D43315F0</guid></item><item><title>Sichere Bindungen in der Kita</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; ich bin Redakteurin bei der U3 Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und ich begr&amp;uuml;&amp;szlig;e heute Susanne Mirau zu unserem aktuellen Podcast. Liebe Frau Mirau, ganz herzlich willkommen erstmal und vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit f&amp;uuml;r uns nehmen. Sie sind Autorin mehrerer Texte in der Kleinstkinderausgabe 2/26. Darin beleuchten Sie die gro&amp;szlig;e Bedeutung sicherer Bindungen in den ersten Lebensjahren, und zwar nat&amp;uuml;rlich aus der Perspektive der Kinder, aber auch aus der Perspektive von Eltern und Fachkr&amp;auml;ften. Das wollen wir ein bisschen vertiefen jetzt noch, aber m&amp;ouml;gen Sie sich vielleicht erstmal selbst kurz vorstellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, ich freue mich auch, dass ich heute hier sein kann, und ich freue mich auch total, dass ich f&amp;uuml;r die Zeitschrift schon Beitr&amp;auml;ge verfassen konnte. Ich bin Susanne Mirau, ich habe P&amp;auml;dagogik studiert mit Schwerpunkt Kleinkindp&amp;auml;dagogik an der Freien Universit&amp;auml;t Berlin. Ich habe dort in Forschung und Lehre gearbeitet eine ganze Weile und dann habe ich mich selbst&amp;auml;ndig gemacht und besonders auf den Bereich Bindung fokussiert. Bindung in der Entwicklung von Kindern, Eltern-Kind-Bindung und immer mehr eben auch weg von den Kindern auf die gesellschaftliche Perspektive. Also was bedeutet Bindung eigentlich f&amp;uuml;r uns alle und warum ist es so wichtig, dass wir das heutzutage wieder viel mehr in den Fokus stellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ja, super. Vielen Dank. Dann steigen wir direkt ins Thema ein. Sie pl&amp;auml;dieren daf&amp;uuml;r, Bindung und Beziehung in den Mittelpunkt der p&amp;auml;dagogischen Arbeit zu stellen. Warum ist es in Ihren Augen so wichtig, die Bindungsgestaltung gerade im U3-Bereich so zentral zu betrachten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, wir wissen, dass Bindung tats&amp;auml;chlich unser Leben beeinflusst und dass Kinder eben in den fr&amp;uuml;hen Jahren besonders gepr&amp;auml;gt werden durch die Bindungserfahrung. Das ist nat&amp;uuml;rlich nicht in Stein gemei&amp;szlig;elt. Also, man kann nat&amp;uuml;rlich sp&amp;auml;ter auch Bindungsmuster ver&amp;auml;ndern, Verhalten ver&amp;auml;ndern und so weiter, aber es erleichtert den Kindern enorm, wenn wir sie da aus Bindungssicht gut ankommen lassen, weil Bindung nimmt ja einmal auf das Wohlbefinden Einfluss bzw. auf das Selbstbild, aber eben auch auf Lernerfahrung. Also, wie offen kann ich gegen&amp;uuml;ber dieser Welt sein und was kann ich aus ihr herausnehmen und da ist es ganz wichtig, dass wir am Anfang schon st&amp;auml;rken und ein gutes Vertrauen in die Welt legen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; K&amp;ouml;nnen Sie diesen Zusammenhang zwischen Bindung, Exploration und fr&amp;uuml;her Bildung noch ein bisschen veranschaulichen, wie wichtig ist Bindung f&amp;uuml;r kindliche Lernprozesse?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, total essentiell. Es ist ja einfach so, wir lernen ja, dass andere Menschen da sind und unsere Bed&amp;uuml;rfnisse befriedigen. Also, wir haben ein Vertrauen, dann ein Vertrauen in andere Menschen, dass wir aufbauen, dadurch, dass unsere Bed&amp;uuml;rfnisse befriedigt werden. Und dieses Vertrauen macht aber auch, wie gehe ich auf andere Menschen zu und wie gehe ich auf Lernerfahrung zu. Zu sehen, wenn ich mir sicher bin, mein Gegen&amp;uuml;ber ist mir wohlgesonnen, ja, dann gehe ich viel leichter auf dieses Gegen&amp;uuml;ber zu und kann die Angebote, die diese Person macht, nutzen. Im Gegensatz dazu, wenn ich gelernt habe, andere Menschen sind gef&amp;auml;hrlich, ich kann das nicht gut einsch&amp;auml;tzen oder es ist immer unsicher, mal ist es so, mal ist es so, dann gehe ich weniger offen darauf zu.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Mhm. Dann lassen Sie uns mal in die Praxis schauen. Sie haben ja jetzt gut erkl&amp;auml;rt, warum es so wichtig ist, die Bindung der Kinder zu st&amp;auml;rken. Welche allt&amp;auml;glichen Situationen in der U3-Praxis sind aus Ihrer Sicht besonders wichtig f&amp;uuml;r Aufbau und St&amp;auml;rkung von Bindung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Also, wir fangen ja schon an mit der Eingew&amp;ouml;hnung. Das ist ja schon eigentlich die Basis, weil das nat&amp;uuml;rlich wichtig ist, dass die Eltern auch mit einem guten Gef&amp;uuml;hl ankommen k&amp;ouml;nnen und dar&amp;uuml;ber dem Kind ja auch schon Sicherheit vermitteln. Also, es f&amp;auml;ngt eigentlich schon an, bevor das Kind dann tats&amp;auml;chlich in der Eingew&amp;ouml;hnung ist. Wichtig ist, ich hole hier die Eltern ab und auch das ist ja eine Beziehung, die da aufgebaut wird. Da f&amp;auml;ngt es an, dann geht es um die Eingew&amp;ouml;hnung. Aber ganz viel sind es ja auch die kleinen Momente im Alltag. Also, wie gehen wir damit um? Wie beziehe ich das Kind mit ein, achte auf die Bed&amp;uuml;rfnisse bei Pflege, bei Essen, bei diesen kleinen Alltagsdingen, dass das Kind tats&amp;auml;chlich Sicherheit und Vertrauen aufbauen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Woran k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte denn erkennen, ob sich ein Kind sicher gebunden f&amp;uuml;hlt in der Kita? Auf welche Signale sollten sie da achten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Genau. Also, es ist ja immer so, dass p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte die Bindungsart oder den Bindungstyp nicht einsch&amp;auml;tzen m&amp;uuml;ssen. Also daf&amp;uuml;r brauche es ganz spezielle Weiterbildungen und Verfahren, die dann daf&amp;uuml;r zust&amp;auml;ndig sind. Das Wichtige ist eben, da drauf zu gucken, ist dieses Kind sicher hier angekommen? Kann es sich sicher f&amp;uuml;hlen? Wahrscheinlich kennen alle dieses sch&amp;ouml;ne Bild von der Wippe von Exploration und Bindung. Das hei&amp;szlig;t, kann das Kind im Alltag auf der sicheren Basis explorieren. Also kann es das nach seinem Temperament? Da sind die Kinder ja auch durchaus unterschiedlich. Aber es ist so sicher, dass es hier sich fortbewegen kann, dass es Kontakte kn&amp;uuml;pfen kann zu Personen, zu Kindern, wie auch zu den Erwachsenen, dass es mit den Spielmaterialien interagiert, dass es seine Bed&amp;uuml;rfnisse mitteilen kann. Also da m&amp;uuml;ssen wir bei U3 ja auch immer schauen, dass vielleicht manche Kinder eben sprachlich noch nicht soweit sind, aber dass sie dann durch den K&amp;ouml;rperausdruck ihre Bed&amp;uuml;rfnisse mitteilen k&amp;ouml;nnen. Also all sowas k&amp;ouml;nnen eben gute Hinweise sein. Das Kind ist hier ganz gut angekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Mhm. Sie schreiben in den Texten, dass Fachkr&amp;auml;fte Kleinkinder auch gezielt unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen, wenn diese bislang eher defizit&amp;auml;re Bindungserfahrung in ihren eigenen Familien gemacht haben. K&amp;ouml;nnen Sie uns das ein bisschen n&amp;auml;her erkl&amp;auml;ren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Manche Kinder haben ein Zuhause, das nicht besonders von Sicherheit gepr&amp;auml;gt ist oder von Vertrauen und Unterst&amp;uuml;tzung. Und das Tolle ist tats&amp;auml;chlich, dass wir aus Untersuchungen wissen, dass die Fachkr&amp;auml;fte da durch ihre Zugewandtheit tats&amp;auml;chlich etwas ver&amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen im Kind, ja, im Leben des Kindes und das geht von U3 bis sp&amp;auml;ter hin zur Schule. Also die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte k&amp;ouml;nnen die Person sein, die ein gutes Gef&amp;uuml;hl im Kind unterst&amp;uuml;tzen. Und das passiert einfach, wenn man da ist, wenn man das Kind annimmt. Wenn das Kind vielleicht zu Hause andere Erfahrung gemacht hat, aber hier wird es gesehen in seinem Bed&amp;uuml;rfnis. Das Bed&amp;uuml;rfnis wird beantwortet und die Fachkr&amp;auml;fte sehen nat&amp;uuml;rlich in den Gruppen auch, dass es manchmal Schwierigkeiten gibt von der Gruppenzusammensetzung her, dass man nicht alles sofort machen kann. Aber dass im Gro&amp;szlig;en und Ganzen das Kind hier jetzt die Erfahrung haben kann, ich bin ein Mensch, ich bin so wie ich bin und so bin ich liebenswert und andere Menschen achten tats&amp;auml;chlich darauf, dass ich Nahrung bekomme, dass ich Zuwendung bekomme, dass ich unterst&amp;uuml;tzt werde in der Pflege und dass es mir einfach gut geht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt;&amp;nbsp; Mhm. Aber hei&amp;szlig;t es tats&amp;auml;chlich, dass Sie davon ausgehen, dass Fachkr&amp;auml;fte gleichrangige Bindungspersonen sein k&amp;ouml;nnen, die wirklich problematische famili&amp;auml;re Bindung auffangen oder ausgleichen k&amp;ouml;nnen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Na, wenn wir auf die Bindungshierarchien schauen, dann ist es halt nicht so, dass die Fachkr&amp;auml;fte ganz oben stehen. Aber dass durch diese Erfahrung halt viel ausgeglichen werden kann. Also, dass das Kind einfach noch einen ganz anderen Input bekommt, der sich auswirken kann. Also, es gibt ja Untersuchungen, dass Kinder vielleicht zu Hause mit der Bindungsperson unsichere Bindungsmuster haben, w&amp;auml;hrend sie zu den Fachkr&amp;auml;ften sichere Bindungsmuster haben k&amp;ouml;nnen. Und das kann es nicht alles wegmachen, was die Kinder erfahren zu Hause, aber es kann einen kompensatorischen Effekt haben. Und das ist schon so wertvoll. Was nat&amp;uuml;rlich nicht bedeutet: Oh, ihr Fachkr&amp;auml;fte, auf euren Schultern lastet jetzt total viel Verantwortung. Sondern, dass man wirklich sieht, das macht etwas, also dieses &amp;bdquo;Ich bin hier und ich begleite die Kinder meiner Gruppe und schaue auf sie und auf ihre Bed&amp;uuml;rfnisse.&amp;ldquo; Das kann tats&amp;auml;chlich einen richtig guten Einfluss geben. Macht nicht alles wett, aber es ist ein wichtiger Punkt f&amp;uuml;r die Kinder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ja, das macht Mut, auf jeden Fall. Stichwort professionelles Handeln. Was sagen Sie Fachkr&amp;auml;ften, die eventuell Sorge haben, eine zu enge Bindung zu Kindern aufzubauen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, es wird ja immer wieder von zu enger Bindung gesprochen. Eigentlich gibt es keine zu enge Bindung. Es gibt sichere Bindungsmuster, es gibt unsichere Bindungsmuster und es gibt nat&amp;uuml;rlich ein bestimmtes Verhalten, dass man den Kindern irgendwie zu viel abnimmt. Zum Beispiel schaut man auch oft bei Eltern genauer hin, ob sie &amp;uuml;berf&amp;uuml;rsorglich sind. Aber zu nett gibt es eigentlich nicht f&amp;uuml;r die Kinder, oder? Also aus der p&amp;auml;dagogischen Perspektive von Bindung. Was schwierig sein kann, ist nat&amp;uuml;rlich der Aspekt Psychohygiene. Weil es dreht sich um die Arbeit und man kann und sollte ja nicht alle Themen mit nach Hause nehmen, und sich dann zu Hause die ganze Zeit da dr&amp;uuml;ber weitersorgen, gerade wenn es vielleicht Kinder aus belasteten Familien sind. Also diese professionelle Distanz zu bewahren. Aber ansonsten im Alltag geht es eben darum, ja, liebevoll mit den Kindern umzugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt;&amp;nbsp; Mhm. Ich m&amp;ouml;chte zum Abschluss noch ein anderes Thema ansprechen, was aber eigentlich damit sehr verbunden ist, was Sie eben erw&amp;auml;hnten. Wie k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte mit Blick auf Personalmangel, Gruppengr&amp;ouml;&amp;szlig;en und all dem, was eben gerade an Rahmenbedingungen zu bem&amp;auml;ngeln ist, bindungsorientiert arbeiten, wie kann sich auch das Team gegenseitig eventuell unterst&amp;uuml;tzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, da haben wir tats&amp;auml;chlich schwierige Rahmenbedingungen momentan. Ja, und das ist wirklich ein Problem, weil wir wissen nat&amp;uuml;rlich, dass Stress sich auf Feinf&amp;uuml;hligkeit auswirken kann und die Feinf&amp;uuml;hligkeit ist halt wichtig f&amp;uuml;r dieses bindungsorientierte Handeln. Ganz wichtig ist nat&amp;uuml;rlich die Haltung. Wie ist meine Haltung dem Kind gegen&amp;uuml;ber? Bin ich da bindungsorientiert? Und gleichzeitig ist Stress negativ und wir brauchen da einfach viel bessere Voraussetzungen der Politik f&amp;uuml;r fr&amp;uuml;hkindliche Bildung, Betreuung, Versorgung und die Anerkennung daf&amp;uuml;r, was f&amp;uuml;r eine unglaublich wichtige und auch kr&amp;auml;ftezehrende Arbeit das ist. Also, p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte leisten eine unglaublich anstrengende Arbeit. Nicht nur k&amp;ouml;rperlich, sondern auch emotional, dieses &amp;bdquo;Ich muss mich selbst regulieren, um so viele Kinder ko-regulieren zu k&amp;ouml;nnen.&amp;ldquo; Ja, also das ist so enorm, was geleistet wird und das muss tats&amp;auml;chlich einfach wirklich endlich anerkannt werden und daf&amp;uuml;r m&amp;uuml;ssen richtige Rahmenbedingung geschaffen werden. Jetzt sind wir aber in der Situation, dass aus irgendwelchen Gr&amp;uuml;nden das immer noch nicht passiert und wir das irgendwie auffangen m&amp;uuml;ssen im Alltag. Und da ist halt das Team dann wichtig und Tr&amp;auml;ger und so weiter. Da gute Rahmenbedingung zu schaffen, sich gegenseitig unterst&amp;uuml;tzen, dass man auch gute Beziehung im Team hat. Das ist auch wichtig. Wir sprechen immer von dieser Bindung von Kindern zu den Fachpersonen, aber wir selbst brauchen das ja auch, dass wir uns irgendwo anlehnen k&amp;ouml;nnen, dass wir mal sagen k&amp;ouml;nnen &amp;bdquo;Oh, es ist jetzt ganz sch&amp;ouml;n viel oder ich habe hier die und die Probleme, wer von euch kann da Input geben?&amp;ldquo; Das alles ist auch total wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt;&amp;nbsp; Ganz lieben Dank f&amp;uuml;r das Gespr&amp;auml;ch, Frau Mirau. Das ist ein wichtiges Thema und Sie haben noch mal wichtige Impulse gegeben. Lesen Sie zum Thema Bindungsstarke Kita in der Kleinstkinderausgabe 2/26 unter anderem auch, wie bindungsstarke Elternarbeit gelingt und wie Sie als Fachkraft gute Beziehungen in der Kindergruppe unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen. Vielen Dank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Susanne Mirau:&lt;/strong&gt; Ja, ich danke.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf &lt;a href="https://www.herder.de/kk/"&gt;www.kleinstkinder.de&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-susanne-mierau-sichere-bindungen-in-der-kita/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-susanne-mierau-sichere-bindungen-in-der-kita.mp3" type="audio/mp3" length="18055192" /><pubDate>Tue, 24 Feb 2026 07:49:46 GMT</pubDate><guid>139799C2DE44414FBF7E4F2795BAF3DB</guid></item><item><title>Potenzialentfaltung</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Hallo und willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, in dem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein, ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder. Und ich freue mich ganz besonders, dass wir f&amp;uuml;r unseren Kleinstkinder-Podcast Herrn Dr. Gerald H&amp;uuml;ther gewinnen k&amp;ouml;nnen. Mit ihm m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber das Thema Potenzialentfaltung bei Kindern unter drei Jahren sprechen. Ganz herzlich willkommen, Herr H&amp;uuml;ther. Ich freue mich sehr, dass ich heute mit Ihnen sprechen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Ja, ich mich auch. Und herzliche Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e an alle, die uns hier zuh&amp;ouml;ren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Danke sch&amp;ouml;n. Zu Beginn m&amp;ouml;chte ich Sie gerne noch kurz vorstellen, Herr H&amp;uuml;ther. Sie sind Neurobiologe und Verfasser zahlreicher B&amp;uuml;cher. Sie haben die Debatte um die kindliche Hirnentwicklung entscheidend gepr&amp;auml;gt. Wissenschaftlich besch&amp;auml;ftigen Sie sich seit vielen Jahren mit dem Einfluss fr&amp;uuml;her Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, mit den Auswirkungen von Angst und Stress sowie der Bedeutung emotionaler Reaktionen. Au&amp;szlig;erdem sind Sie Gr&amp;uuml;nder der Akademie f&amp;uuml;r Potentialentfaltung und der Akademie f&amp;uuml;r Kinderliebe. In unserer neuesten Kleinstkinderausgabe schreiben Sie ja &amp;uuml;ber das Thema Potenzialentfaltung. Gerade bei Kindern unter drei Jahren kommt es darauf an, die richtigen Weichen f&amp;uuml;r das sp&amp;auml;tere Leben zu stellen. Darauf gehen Sie an Ihrem Beitrag auch ausf&amp;uuml;hrlich ein und zu Beginn des Beitrags schreiben Sie, dass in unserer Gesellschaft aktuell tiefgreifende Ver&amp;auml;nderungen stattfinden und das bisher als allgemeing&amp;uuml;ltige Vorstellungen &amp;auml;h angenommene Werte ins Wanken geraten sind. K&amp;ouml;nnen Sie uns kurz umrei&amp;szlig;en, welche gesellschaftlichen Ver&amp;auml;nderungen und Vorstellungen Sie damit konkret im Blick haben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Ja, ich bin ja Hirnforscher und besch&amp;auml;ftige mich schon seit vielen Jahren mit den Fragen, was denn Erwachsene oder auch Kinder brauchen, damit sie die im Gehirn angelegten Begabungen, Talente und Potenziale auch wirklich zur Entfaltung bringen k&amp;ouml;nnen. Wir wissen ja, dass das Hirn formbar ist und dass es keine genetischen Festlegungen gibt. Und das macht uns alle manchmal ein bisschen ratlos, weil wir nicht wie die Tiere darauf zur&amp;uuml;ckgreifen k&amp;ouml;nnen, bestimmte festgef&amp;uuml;gte Verhaltensprogramme aufzurufen, sondern wir m&amp;uuml;ssen erst rausfinden, wie das geht. Und das muss man schon als kleines Kind und deshalb ist eigentlich jeder Augenblick im Leben eine Weichenstellung. Wir haben die M&amp;ouml;glichkeit unser Leben so zu gestalten, dass sich der Blick &amp;ouml;ffnet, dass er weit wird, dass wir m&amp;ouml;glichst viel von dieser Welt auch wahrnehmen und in uns aufnehmen k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wir haben auch die M&amp;ouml;glichkeit, uns eng zu stellen, alles zu vermeiden, was uns st&amp;ouml;rt, und dann gibt es eben jedes Mal v&amp;ouml;llig andere Erfahrungen und diese Erfahrungen pr&amp;auml;gen die Vernetzungen im Gehirn. Und dann kann man entweder ein komplexeres Gehirn bekommen mit sehr vielen unterschiedlichen Vernetzungen. Das erm&amp;ouml;glicht es einem dann auch, sich in einer komplexen Welt besser zurechtzufinden. Oder man bekommt ein etwas einfacher vernetztes Gehirn. Und jetzt merken Sie, worauf ich hinaus will &amp;ndash; es geht eben immer um den Anfang. Das ist wie bei einem Haus: Wenn Sie ein ung&amp;uuml;nstiges Fundament gebaut haben, kriegen Sie da auch kein gro&amp;szlig;es Schloss mehr drauf gebaut. Und im Augenblick leben wir einfach in einer Welt, die sehr im Umbruch ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Wir ahnen alle, dass hier ein vor allen Dingen westliches System mit der Art und Weise, wie wir bisher unterwegs gewesen sind, nicht mehr weiter funktioniert. Wir sehen politische Umbr&amp;uuml;che, wir sehen auch eine gewisse Ratlosigkeit. Darauf reagieren die Menschen nat&amp;uuml;rlich mit Verunsicherung und viele haben Angst. Und diese Angst f&amp;uuml;hrt dazu, dass sie versuchen, alles, was ihr Leben ausmacht, m&amp;ouml;glichst gut in den Griff zu bekommen. Auf der Ebene jedes einzelnen versuchen die Menschen Sicherheit zu gewinnen, indem sie das, was sie kontrollieren k&amp;ouml;nnen, auch m&amp;ouml;glichst gut kontrollieren. Sie sind ver&amp;auml;ngstigt und passen auf, dass m&amp;ouml;glichst nichts passiert.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und das trifft eben auch die jungen Eltern und auch die Erzieherinnen und Erzieher. Es ist eigentlich alles gekennzeichnet davon, dass man blo&amp;szlig; nichts falsch macht, dass man blo&amp;szlig; nichts so gestaltet, dass es einem dann vorgeworfen werden kann oder dass es dem Kind in irgendeiner Art und Weise schadet. Und diese Verunsicherung zieht sich eigentlich durch alle Bereiche. Wir sehen zudem eine junge Generation von Eltern heranwachsen. Also in der Generation, aus der ich komme, war noch alles anders und ich bewundere bisweilen, wie junge Menschen mit ihren Kindern jetzt versuchen, ihren Weg zu finden. Das ist nicht mehr so einfach, wie das vielleicht mal zu meiner Zeit noch gewesen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Es gibt zu viele Angebote, es gibt zu viele Experten, die sich mit ihren Ratschl&amp;auml;gen immer wieder zu Wort melden und die Eltern sind deshalb sehr verunsichert, wollen alles richtig machen, gehen dann in die Kindererziehungseinrichtungen und erz&amp;auml;hlen den Fachkr&amp;auml;ften dort, worauf es ankommt und was sie wollen. Und das bringt einfach sehr viel Unruhe in das ganze Gesch&amp;auml;ft. Und da habe ich ein bisschen Sorge, dass uns das nicht so gut gelingt, wenn wir uns immer mehr selbst unter Druck setzen und uns auch gegenseitig Vorhaltungen machen. Konflikte werden nicht mehr sachlich ausgetragen. Eltern f&amp;uuml;hlen sich angegriffen, Fachkr&amp;auml;fte f&amp;uuml;hlen sich angegriffen und dann wird das ganze Zusammenleben schwer und die Leidtragenden davon sind eben dann auch wieder die Kinder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den Sie angesprochen haben. Junge Eltern wollen alles richtig machen. Fachkr&amp;auml;fte wollen nat&amp;uuml;rlich auch alles richtig machen. Eine Problematik, die Sie im Umgang mit jungen Kindern auch im Fachthema beschreiben, ist, dass Eltern und Fachkr&amp;auml;fte Kinder eben auch schon im Alter von unter drei Jahren h&amp;auml;ufig zu den Objekten ihrer eigenen Erwartungen machen und das hindert die J&amp;uuml;ngsten in ihrer Entwicklung, so dass sie ihre angelegten Potentiale erst gar nicht richtig entfalten k&amp;ouml;nnen. Wie k&amp;ouml;nnen erwachsene Bezugspersonen sich denn davon, sagen wir, befreien, dass sie ihre eigenen Erwartungen auf die Kinder projizieren und wie k&amp;ouml;nnen sie die J&amp;uuml;ngsten auf ihrem Weg ins Leben dann bestm&amp;ouml;glich unterst&amp;uuml;tzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Das ist ganz schwer mit Worten auszudr&amp;uuml;cken, weil es ja dabei auf eine innere Einstellung ankommt, die man dann versuchen m&amp;uuml;sste umzusetzen. Und die wesentliche Komponente dieser inneren Einstellung ist, dass man sich in jedem Augenblick immer wieder fragt, wie es dem Kind in dem Augenblick geht, in dem ich es anspreche. Und dazu braucht man diese wunderbare F&amp;auml;higkeit des Einf&amp;uuml;hlungsverm&amp;ouml;gens. Man m&amp;uuml;sste also in die Haut des Kindes schl&amp;uuml;pfen und sich vorstellen, wie es ihm geht. Und wer das macht, der nimmt das Kind an, so wie es ist und l&amp;auml;sst sich darauf ein, einfach erstmal nur zu sp&amp;uuml;ren, was das Kind empfindet. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und deshalb ist es so wichtig, dass man die Kinder in ihrer Subjekthaftigkeit bel&amp;auml;sst und sie nicht zu Objekten unserer, Sie haben es gesagt, Erwartungen macht. Aber auch nat&amp;uuml;rlich nicht zu Objekten unserer Belehrungen macht, zu Objekten unserer Bewertungen, da wird's ganz schlimm und dann auch zu Objekten unserer Ma&amp;szlig;nahmen oder Anordnungen. Das tut einem Kleinen weh, wir Erwachsenen merken das nicht mehr, weil wir das alle auf irgendeine Art und Weise zwar auch erlebt haben, aber unseren Weg gefunden haben, damit zurechtzukommen. Und das ist deshalb so fatal, weil immer dann, wenn ich einen Menschen, das gilt nun eben auch f&amp;uuml;r Erwachsene, aber auch genauso schon f&amp;uuml;r ganz kleine Kinder, wie ein Objekt behandle, dann werden in diesem Kind die beiden Grundbed&amp;uuml;rfnisse, mit denen es schon auf die Welt gekommen ist, verletzt. Das eine ist das nach engster Verbundenheit und das zweite Grundbed&amp;uuml;rfnis, das erw&amp;auml;chst aus der Tatsache, dass das Kind ja auch neun Monate gewachsen ist und &amp;uuml;ber sich hinausgewachsen ist. Es kommt auf die Welt in der Erwartung, dass das so weitergeht, dass es da ganz viel gibt, was es selbst entdecken, selbst gestalten kann. Und wenn dann einer kommt und sagt, du musst das so und so machen, dann tut das weh. Und wenn ich hier sage, das tut weh, hei&amp;szlig;t das hirntechnisch. Es kommt im Gehirn des Kindes zu einem gro&amp;szlig;en Durcheinander. Das hei&amp;szlig;t dann fachterminologisch ausgedr&amp;uuml;ckt, es gibt eine Inkoh&amp;auml;renz. Die Nervenzellen feuern dann alle durcheinander, verbrauchen eine Unmenge an Energie und das macht das Kind vollkommen fertig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Diese Unruhe geht immer tiefer in das Gehirn hinein, bis sie dann eben auch die Bereiche erfasst, die den K&amp;ouml;rper regulieren. Und das Kind muss eine L&amp;ouml;sung suchen f&amp;uuml;r das Problem. Und jetzt wird es fatal, denn was im Hirn verankert wird, ist nicht das Problem, sondern die L&amp;ouml;sung, die das Kind findet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wenn das Kind dann angesichts dieser Verletzungen auf die Idee kommt, dass es einfach gar nichts mehr gestalten will, dass es Mama schl&amp;auml;gt und dass es bei&amp;szlig;t, dass es versucht seine Interessen durchzusetzen, dass es nicht mehr h&amp;ouml;rt, dann ist das nicht die Schuld des Kindes, sondern das ist seine L&amp;ouml;sung, die es f&amp;uuml;r das Problem gefunden hat, dass wir ihm bereitet haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Gehen wir einmal etwas n&amp;auml;her auf diese Auswirkungen, die Sie jetzt beschreiben, ein. Nehmen wir einmal an, eine p&amp;auml;dagogische Fachkraft in der Kita stellt fest, dass ein Kind entsprechende Reaktionen zeigt. Dass im Elternhaus des betreuten Kindes solche Erwartungshaltungen und Projizierungen stattfinden und dieses Kind zu Hause entsprechende Erfahrungen macht. Gibt es eine M&amp;ouml;glichkeit f&amp;uuml;r Fachkr&amp;auml;fte, hier ausgleichend zu wirken oder diese Entwicklung vielleicht abzumildern bzw. mit den Eltern dar&amp;uuml;ber ins Gespr&amp;auml;ch zu gehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Na, das ist ja der Grund, weshalb ich diesen Beitrag geschrieben habe. Auch um den Fachkr&amp;auml;ften deutlich zu machen, dass sie eine unglaubliche Bedeutung haben in dieser schwierigen Situation. Wenn das zu Hause schon nicht klappt, dann w&amp;auml;re die Kita oder die Kinderkrippe der Ort, wo es unter Umst&amp;auml;nden klappen k&amp;ouml;nnte, wo das Kind im Gegensatz zu dem, was es zu Hause erlebt, pl&amp;ouml;tzlich merkt, dass es so wie es ist angenommen wird. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das kennen wir ja alle. Man erinnert sich im Laufe des Lebens eigentlich ja nicht an die vielen Leute, die einem weh getan haben, sondern man erinnert sich an die zwei, drei, die einen so angenommen haben, wie man gewesen ist. Und das gilt auch schon f&amp;uuml;r ganz kleine Kinder. Und deshalb w&amp;auml;re es gro&amp;szlig;artig, wenn sich Fachkr&amp;auml;fte in einer Kita oder in einer Kinderkrippe einig w&amp;auml;ren, dass sie alles daf&amp;uuml;r tun wollen, dass dieses Kind das Gef&amp;uuml;hl hat, dass hier ein unbedingtes Interesse da ist bei diesen Erwachsenen, dass es sich entfalten kann. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zu den Eltern ist zu sagen, es w&amp;auml;re gut, wenn die Fachkr&amp;auml;fte sich auch damit abfinden, dass sie einen anderen Menschen nicht ver&amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen. Entweder der andere &amp;auml;ndert sich, weil er das will und daf&amp;uuml;r m&amp;uuml;ssen wir gute Gr&amp;uuml;nde haben, oder der macht so weiter wie bisher. Mit der Androhung von Strafen oder mit irgendwelchen Versprechungen und Belohnungen kann man die andere Person bestenfalls dazu bringen, dass sie sich vor&amp;uuml;bergehend so verh&amp;auml;lt, wie man das will. Das kann man auch mit Kindern machen. Das ist aber Dressur und Abrichtung. Und deshalb schaffen die Eltern das h&amp;auml;ufig nicht, weil sie sich L&amp;ouml;sungen ins Hirn gebaut haben, die eben hei&amp;szlig;en, ich muss das Kind erziehen. Und dann wird das Kind gewisserma&amp;szlig;en wie ein Objekt erzogen, behandelt, abgerichtet und dann w&amp;auml;re es umso wichtiger, dass die Fachkr&amp;auml;fte sich vielleicht gegenseitig auch in der Einrichtung so verst&amp;auml;ndigen und verhalten, dass sie auch untereinander diese neue Begegnungsqualit&amp;auml;t versuchen einzuf&amp;uuml;hren. N&amp;auml;mlich, dass man niemanden mit seiner Kritik, seinen Vorw&amp;uuml;rfen, seinen Bewertungen oder seinen Belehrungen zu ver&amp;auml;ndern versucht, sondern eine andere Person, und nat&amp;uuml;rlich erst recht ein Kind, einladen und ermutigen und inspirieren kann, etwas auszuprobieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Fachkr&amp;auml;fte k&amp;ouml;nnten einander einladen, etwas liebevoller mit sich selbst und mit den Kindern umzugehen. Und wenn ein Kind das merkt, dann hat es eine neue L&amp;ouml;sung und dann geht es mit dieser L&amp;ouml;sung weiter. Und wenn niemand kommt, der ihm dabei hilft, dann bleibt es in seiner alten L&amp;ouml;sung stecken. Wir leben in einer Welt, in der wir st&amp;auml;ndig von irgendjemand zum Objekt gemacht werden und deshalb f&amp;auml;llt es uns nicht so ganz leicht, aus diesem Muster auszubrechen. Und damit einhergehen w&amp;uuml;rde: &amp;bdquo;Ich will nicht dich bevormunden und etwas aus dir machen, was ich mir vorstelle, sondern ich lade dich ein, ich ermutige dich und inspiriere dich, dass du etwas kennenlernst, etwas ausprobierst, was dir vielleicht hilft, einen anderen Weg zu finden.&amp;ldquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Jetzt wollte ich gerne noch mal kurz auf die kindliche Hirnentwicklung zur&amp;uuml;ckkommen, &amp;uuml;ber die Sie ja jetzt auch schon mehrfach gesprochen haben. Sie sprechen ja von einer nutzungs- beziehungsweise erfahrungsabh&amp;auml;ngigen Strukturierung des kindlichen Gehirns und davon, dass sich insbesondere die fr&amp;uuml;h gemachten Erfahrungen besonders fest im Gehirn verankern. K&amp;ouml;nnen Sie diesen Strukturierungsprozess einmal kurz etwas n&amp;auml;her erl&amp;auml;utern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Ich will es mal mit einem Beispiel versuchen. In den 60er-Jahren hat Hubel Wiesel und noch ein Kollege den Nobelpreis daf&amp;uuml;r bekommen, weil die herausgefunden haben, dass wenn man Katzen, kleinen K&amp;auml;tzchen, die Augen zubindet, sich dann in der Sehrinde hinten, wo die Bildverarbeitung stattfindet, nichts ausbilden kann. Das hei&amp;szlig;t, das Gehirn entwickelt sich nicht von alleine. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Die im Amazonasgebiet lebenden V&amp;ouml;lker lernen z. B. von klein auf, sehr gut zu unterscheiden, welche Gr&amp;uuml;nt&amp;ouml;ne es in der pflanzlichen Welt gibt, die lernen 120 verschiedene Gr&amp;uuml;nt&amp;ouml;ne zu unterscheiden. Und bei uns reicht es ja meist, Hellgr&amp;uuml;n, Mittelgr&amp;uuml;n und Dunkelgr&amp;uuml;n unterscheiden zu k&amp;ouml;nnen. Das hei&amp;szlig;t, es ist einfach dann auch nicht da. Und so lernen die J&amp;uuml;ngsten greifen und krabbeln und sich auf zwei Beine zu stellen und damit zu laufen. Das ist alles erfahrungsbedingte Plastizit&amp;auml;t. Und das haben wir alle so gemacht und das ist so selbstverst&amp;auml;ndlich, aber es ist eben nicht genetisch angelegt. Wir haben nur die genetische Anlage daf&amp;uuml;r, dass wir das Laufen lernen k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber wenn Kinder mit Eltern gro&amp;szlig; werden, die auf allen Vieren durch die Wohnung trotten, dann laufen die Kinder auch nicht auf zwei Beinen. Wenn Eltern nicht mit ihren Kindern reden, dann lernen die auch keine Sprache. Die durchschnittliche Redezeit von Eltern, habe ich vor ein paar Jahren mal in der Studie gesehen, betr&amp;auml;gt pro Tag acht Minuten. Das ist eine Katastrophe. Da gibt es dann nur noch Kommandos, mach das, mach jenes. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Kinder, weil vieles, was noch in meiner Generation einigerma&amp;szlig;en geklappt hat, heute nicht mehr stattfindet. Und jetzt kommt noch die digitale Nutzung von Medien hinzu. H&amp;auml;ufig sehe ich mit Schrecken, dass Eltern ihrem Kind, um es zu beruhigen, erst einmal das Smartphone geben oder ein Tablet. Ein Kind braucht diese digitalen Ger&amp;auml;te noch nicht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, also da gibt es noch viel Aufkl&amp;auml;rungsarbeit zu leisten. Vielen Dank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Das ist einer der Gr&amp;uuml;nde, weshalb wir die Akademie f&amp;uuml;r Kinderliebe gegr&amp;uuml;ndet haben. Und auf der Webseite &lt;em&gt;kinderliebe.org&lt;/em&gt; versuchen wir Eltern und nat&amp;uuml;rlich erst recht auch Erzieherinnen und Erzieher einzuladen, zu ermutigen und zu inspirieren, dieses, was man eigentlich Liebe nennt, n&amp;auml;mlich das unbedingte Interesse an der Entfaltung des Kindes, in den Blick zu nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wunderbar. Das ist sicherlich f&amp;uuml;r viele jetzt eine gute M&amp;ouml;glichkeit, mal auf ihre Homepage zu schauen. Und ich m&amp;ouml;chte mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken, Herr H&amp;uuml;ther, f&amp;uuml;r diesen Einblick in Ihre spannende Arbeit. Wer sich noch n&amp;auml;her mit dem Thema Potenzialentfaltung bei kleinen Kindern besch&amp;auml;ftigen m&amp;ouml;chte, der findet den ausf&amp;uuml;hrlichen Beitrag von Herrn H&amp;uuml;ther in unserer Kleinstkinderausgabe 1/26 und dazu erg&amp;auml;nzend viele weitere Hintergrundinfos und konkrete Praxistipps. Ganz herzlichen Dank lieber Herr H&amp;uuml;ther, dass Sie sich Zeit genommen haben f&amp;uuml;r dieses Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Ich danke Ihnen und wenn ich darf, m&amp;ouml;chte ich auch die Zuh&amp;ouml;rerinnen und Zuh&amp;ouml;rer noch ganz herzlich einladen, sich vielleicht mal ein Kinderbuch anzuschauen: &lt;em&gt;Ein verr&amp;uuml;ckter Tag auf dem Bauernhof. Warum Ziegen keine Eier legen&lt;/em&gt;. Das habe ich geschrieben, damit die Kinder ihre Freude haben, und ich habe es geschrieben, damit Eltern aufpassen, dass ihre Kinder sich nicht in irgendwelchen Verr&amp;uuml;cktheiten verlieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wunderbar. Ja, das Buch ist auch im Herder Verlag erschienen. Das ist auf unserer Homepage erh&amp;auml;ltlich. Vielen herzlichen Dank Herr H&amp;uuml;ther.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Gerald H&amp;uuml;ther:&lt;/strong&gt; Sehr gern und alles Gute.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-dr-gerald-huether-potenzialentfaltung/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-dr-gerald-huether-potenzialentfaltung.mp3" type="audio/mp3" length="37483851" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:32 GMT</pubDate><guid>A8AC415E2853423E83C53519C7102504</guid></item><item><title>Adultismus erkennen &amp; vermeiden</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;Hallo, mein Name ist Katrin Imbery. Ich bin Redakteurin bei der U3-Fachzeitschrift &lt;em&gt;Kleinstkinder in Kita und Tagespflege&lt;/em&gt; und ich begr&amp;uuml;&amp;szlig;e heute Regina Rein zu unserem aktuellen Podcast. &lt;br&gt;
Liebe Frau Rein, Sie sind Autorin mehrerer Texte zu unserem aktuellen Titelthema &amp;ldquo;Adultismus in Kita und Tagespflege&amp;rdquo;. Ich m&amp;ouml;chte mich erstmal ganz herzlich daf&amp;uuml;r bedanken, dass Sie sich heute noch mal die Zeit nehmen, um dieses so wichtige Thema ein bisschen weiter zu vertiefen. M&amp;ouml;gen Sie sich vielleicht erstmal kurz selbst vorstellen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Guten Tag, Frau Imbery. Sch&amp;ouml;n, dass Sie mich eingeladen haben. Mein Name ist Regina Rein. Ich war 25 Jahre lang Leitung von verschiedenen Kitas, u. a. auch von einer Krippe und arbeite seit nunmehr 18 Jahren&amp;nbsp; f&amp;uuml;r p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte in Kindertagesst&amp;auml;tten und in der OGS. Ich bin Sozialp&amp;auml;dagogin, Erzieherin, ich bin Coach und&amp;nbsp; gebe Fort- und Weiterbildungen und Vortr&amp;auml;ge zu verschiedenen interessanten p&amp;auml;dagogischen Themen, u. a. zu Adultismus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Frau Rein. Jetzt zu unserem Thema. Adultismus bezeichnet ja erstmal ganz generell die Diskriminierung von Kindern aufgrund ihres Alters.&amp;nbsp; Sie schreiben, dass dieses Ph&amp;auml;nomen vor allem auch in Kindertageseinrichtungen zu beobachten ist, die Kinder zwischen 0 und 3 Jahren betreuen. Warum ist gerade die Altersgruppe der Unterdreij&amp;auml;hrigen besonders gef&amp;auml;hrdet, mit adultistischem Verhalten konfrontiert zu werden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Das liegt zum einen daran, dass Adultismus in der Betreuung von Kindern zwischen 0 bis 3 Jahren sehr subtil stattfindet. P&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte sind sich in der Regel nicht bewusst, dass ihr Verhalten, ihre Einstellung, ihr Sprachgebrauch auf Kinder sehr adultistisch wirken kann. Es geht oftmals darum, dass Erwachsene gerade bei Kindern in diesem Alter den Eindruck haben, dass sie&amp;nbsp; vermeintlich alles besser wissen als die Kinder selbst und die Kinder im Alltag weniger einbeziehen als Kinder, die etwas &amp;auml;lter sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Adultismus umfasst dabei ja weit mehr als offensichtliche k&amp;ouml;rperliche oder psychische Gewalt beziehungsweise offensichtliche Herabw&amp;uuml;rdigung von Kindern. Sie sagen, adultistisches Verhalten hat viele Gesichter, die auch Fachkr&amp;auml;fte manchmal zun&amp;auml;chst gar nicht als grenz&amp;uuml;berschreitend wahrnehmen. Solches Verhalten zeigt sich dann vor allem in Alltagsroutinen wie Wickeln, Anziehen, Essen und Schlafen. Gerade in solchen Schl&amp;uuml;sselsituationen k&amp;ouml;nnen sich solche Muster einschleichen. K&amp;ouml;nnen Sie uns hier vielleicht ein, zwei Beispiele nennen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Ja, gerade in Schl&amp;uuml;sselsituationen, wie Sie schon gesagt haben, wird es sehr deutlich. Es geht sehr oft darum, welche individuellen Einstellungen p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte haben und wie sie mit Kindern und deren Bed&amp;uuml;rfnissen umgehen, wie sie diese wahrnehmen. Zum Beispiel beim Wickeln. Wenn ein Kind im Spiel ist und die Windel ist voll, kommt es drauf an, wie die Fachkraft auf das Kind zugeht. Geht sie hin und besch&amp;auml;mt das Kind, indem sie sagt: "Deine Windel ist voll, du stinkst. Wir m&amp;uuml;ssen jetzt Windeln wechseln." Dann ist die Fachkraftdurch ihr Verhalten &amp;uuml;bergriffig, sei es durch Sprache, Gestik, Mimik und Tonfall. Sie geht in der Situation nicht feinf&amp;uuml;hlig mit dem Kind um. &lt;br&gt;
Es w&amp;auml;re angebrachter, wenn die Fachkraft sich dem Kind zuwenden w&amp;uuml;rde. Wenn sie sich zu dem Kind beugt, wenn sie ihm mitteilt, dass sie den Eindruck hat, dass es jetzt gewickelt werden muss. Dass das Kind die M&amp;ouml;glichkeit hat zu entscheiden, ob es jetzt gewickelt werden will oder eine Minute sp&amp;auml;ter. Ob es vielleicht sein Spielzeug mitnehmen m&amp;ouml;chte. Also die Art und Weise, wie Fachkr&amp;auml;fte auf allt&amp;auml;gliche Situationen reagieren und die Kinder mit einbinden. Dadurch wird letztendlich auch sehr deutlich, dass das sehr viel mit den Einstellungen und der Haltung der Fachkr&amp;auml;fte zu tun hat. Ob sie z. B. meinen, dass Kinder sich an bestimmte Regeln zu halten haben, die sie aufgestellt haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ja, das ist quasi das n&amp;auml;chste gro&amp;szlig;e Thema, was ich gerne ansprechen m&amp;ouml;chte. Weil klar, es gibt ein Machtgef&amp;auml;lle zwischen Fachkr&amp;auml;ften und Kindern, was ja auch nicht nur negativ zu bewerten ist. Weil es einfach auch der Sicherheit der Kinder dienen kann, wenn Fachkr&amp;auml;fte in bestimmten Situationen sagen k&amp;ouml;nnen, so wird's gemacht oder so wird's auf keinen Fall gemacht. Aber dennoch: Gerade wenn Fachkr&amp;auml;fte ihre Machtposition nicht reflektieren, kann es eben zu adultistischem Verhalten kommen. &lt;br&gt;
Deswegen sagen Sie, es ist auf jeden Fall wichtig, dass Fachkr&amp;auml;fte immer wieder auch mal selbstkritisch &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen, ob sich ihr eigenes Verhalten an den Bed&amp;uuml;rfnissen und Perspektiven der Kinder orientiert. Aber wie kann das gelingen? Kann das &amp;uuml;berhaupt gelingen? K&amp;ouml;nnen erwachsene Menschen tats&amp;auml;chlich eingeschliffene Verhaltensmuster und Glaubenss&amp;auml;tze ver&amp;auml;ndern? Bzw. wie&amp;nbsp; k&amp;ouml;nnen Sie die ver&amp;auml;ndern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Das gelingt schon, eigene Glaubenss&amp;auml;tze zu ver&amp;auml;ndern. Allerdings m&amp;uuml;ssen einem diese erstmal bewusstwerden und das ist so die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Herausforderung, wenn es um Adultismus oder auch sonstige verletzende Verhaltensweisen geht. Fachkr&amp;auml;fte m&amp;uuml;ssen sich immer wieder damit auseinandersetzen und sie ben&amp;ouml;tigen ein Team und eine Leitung, die diese Verhaltensweisen thematisieren Die Tagesabl&amp;auml;ufe reflektieren die immer wieder schauen, ob sich diese Abl&amp;auml;ufe auch an den Bed&amp;uuml;rfnissen der Kinder orientieren und inwieweit Kinder partizipativ beteiligt werden. &lt;br&gt;
Das kann nur gelingen, wenn im Team kollegial und offen dar&amp;uuml;ber geredet wird- Und M&amp;ouml;glichkeiten durch Fort-, Weiterbildung und Supervision gegeben sind, um Dinge auch zu reflektieren. Wir wissen: Alle Glaubenss&amp;auml;tze sind verinnerlicht. Sie lassen sich nicht mit dem Durchlesen eines Textes und einem einmaligen Vorhaben ver&amp;auml;ndern; das w&amp;auml;re sch&amp;ouml;n, aber so ist es nicht. Aber es kann gelingen, wenn einem &amp;nbsp;&amp;nbsp;erstmal bewusst geworden ist, dass Kinder ihren Teller nicht leer essen m&amp;uuml;ssen, dass Kinder kein Essen probieren m&amp;uuml;ssen, dass Kinder, deren Schlafbed&amp;uuml;rfnis sich ver&amp;auml;ndert, nicht dazu gezwungen werden d&amp;uuml;rfen zu schlafen. Das sind all diese Dinge, die m&amp;uuml;ssen einem erstmal bewusstwerden, dann kann man sie ver&amp;auml;ndern. Da bin ich sehr zuversichtlich und glaube fest daran, dass ein Team sich gegenseitig da gut unterst&amp;uuml;tzen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Jetzt haben Sie so ein bisschen die individuellen Aspekte angesprochen, die der N&amp;auml;hrboden f&amp;uuml;r Adultismus sind, aber es gibt ja sicherlich auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Adultismus bef&amp;ouml;rdern. Haben Sie den Eindruck, Frau Rein, dass die aktuelle Kitakrise adultistisches Verhalten in den Kitas noch versch&amp;auml;rft hat?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Ich bin grunds&amp;auml;tzlich der Meinung, dass die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte ihren Beruf gew&amp;auml;hlt haben, weil sie feinf&amp;uuml;hlig mit Kindern umgehen wollen. Das vorweg. &lt;br&gt;
Die Rahmenbedingungen, in denen sich die Kita-Landschaft gerade befindet, ist schon herausfordernd. Wir wissen alle um den Personalmangel, den es gibt. Das allein, denke ich aber, ist nicht der Grund, warum sich adultistisches Verhalten in Kitas vielleicht verst&amp;auml;rkt. Man redet ja auch von dem gesellschaftlich bedingten Adultismus. Das hei&amp;szlig;t, dass in unserer Gesellschaft nach wie vor die Bedarfe und Bed&amp;uuml;rfnisse der kleinsten Kinder schnell &amp;uuml;bergangen werden. Wenn es zum Beispiel um Stadtentwicklung geht, werden die j&amp;uuml;ngsten Kinder gerne &amp;uuml;bergangen. Aussagen wie &amp;ldquo;Das ist ja noch Kinder, die verstehen das nicht&amp;rdquo; &amp;nbsp;zeugen ja auch davon, dass das gesellschaftliche Bild von Kindern noch recht adultistisch gepr&amp;auml;gt ist.&amp;nbsp; Auch strukturelle Bedingungen in der Kita, also die gesamten gesetzlichen Vorgaben, die&amp;nbsp; Kinder einschr&amp;auml;nken, obwohl das nicht immer notwendig ist. &lt;br&gt;
Es gibt Krippen, die haben die T&amp;uuml;rgriffe so angebracht, dass Kinder nicht allein den Raum verlassen k&amp;ouml;nnen. Da gibt es St&amp;uuml;hle am Esstisch, die Kinder fixieren und ihnen damit auch die M&amp;ouml;glichkeit nehmen, vom Tisch frei aufzustehen. All das sind strukturelle Bedingungen, die Adultismus unterst&amp;uuml;tzen und die gilt es, zu reflektieren und sich bewusst zu machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;Ganz herzlichen Dank f&amp;uuml;r das Gespr&amp;auml;ch, Frau Rein. Das ist sicherlich sehr inspirierend f&amp;uuml;r viele, die in diesem Bereich arbeiten. Ich m&amp;ouml;chte noch darauf hinweisen, dass Sie in der Kleinstkinder-Ausgabe 7/25 noch mal ganz ausf&amp;uuml;hrlich und konkret darauf eingehen, wie Kita-Teams gemeinsam und selbstreflektiv adultistisches Verhalten erkennen und in der Folge k&amp;uuml;nftig vermeiden k&amp;ouml;nnen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Regina Rein:&lt;/strong&gt; Ich danke Ihnen auch, Frau Imbery, einen sch&amp;ouml;nen Tag noch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf &lt;a href="https://www.herder.de/kk/"&gt;www.kleinskinder.de&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-regina-rein-adultismus-erkennen-und-vermeiden/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-regina-rein-adultismus-erkennen-und-vermeiden.mp3" type="audio/mp3" length="16555504" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:32 GMT</pubDate><guid>02F72DCC9B214F25ACEB4D52C11C9C81</guid></item><item><title>Frühkindliche Sexualität: Wenn Kinder sich entdecken</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, indem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Kleinstkinder-Podcast Herrn Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald gewinnen konnte. Mit ihm m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber das oft tabuisierte Thema der fr&amp;uuml;hkindlichen Sexualit&amp;auml;t sprechen. Ganz herzlich willkommen Herr Maywald. Ich freue mich sehr, dass Sie sich heute Zeit f&amp;uuml;r ein kurzes Gespr&amp;auml;ch mit mir nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Vielen Dank f&amp;uuml;r die Einladung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Zu Beginn m&amp;ouml;chte ich Sie gerne kurz vorstellen Herr Maywald. Sie sind Soziologe und Honorarprofessor f&amp;uuml;r Kinderrechte und Kinderschutz an der Fachhochschule Potsdam. Sie sind Mitbegr&amp;uuml;nder des Berliner Kinderschutzzentrum und sie waren viele Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe und im Kinder- und Jugendgesundheitsbereich t&amp;auml;tig. Au&amp;szlig;erdem sind Sie Autor zahlreicher Fachb&amp;uuml;cher und bieten Vortr&amp;auml;ge und Fortbildung im p&amp;auml;dagogischen, gesundheitlichen und juristischen Bereich an. In der neuesten Kleinstkinder-Ausgabe schreiben Sie &amp;uuml;ber das sensible Thema der fr&amp;uuml;hkindlichen Sexualit&amp;auml;t, dass wir viele p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte nach wie vor ja mit verschiedenen Tabus verbunden ist. Das f&amp;uuml;hrt auch oft zu Unsicherheiten im Umgang mit kindlicher Sexualit&amp;auml;t und ihren verschiedenen Auspr&amp;auml;gungen. Vielleicht k&amp;ouml;nnen Sie zu Beginn einmal kurz umrei&amp;szlig;en, was unter fr&amp;uuml;hkindlicher Sexualit&amp;auml;t &amp;uuml;berhaupt zu verstehen ist und wodurch unterscheidet sie sich denn von der Sexualit&amp;auml;t von Jugendlichen und Erwachsenen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Ja, gerne. Zun&amp;auml;chst meine ich, sollten wir uns bewusst machen, dass Sexualit&amp;auml;t zu jedem Menschen dazugeh&amp;ouml;rt. Sie ist ein zentraler Aspekt des Menschen, und zwar &amp;uuml;ber die gesamte Lebensspanne hinweg. Das hei&amp;szlig;t, im Grunde genommen von der Zeugung &amp;uuml;ber die Geburt bis zum letzten Atemzug. Und nat&amp;uuml;rlich ist es nicht ein Entwicklungsbereich, der erst sp&amp;auml;ter einsetzt. Das w&amp;auml;re ja auch sehr eigenartig, wenn alle Entwicklungsbereiche, also nehmen wir die motorische Entwicklung, die sprachliche oder die psychosoziale Entwicklung nat&amp;uuml;rlich von der Geburt sp&amp;auml;testens an loslegen und die Psychosexuelle erst sp&amp;auml;ter, also z.B. in der Pubert&amp;auml;t, das w&amp;auml;re ja &amp;uuml;berhaupt nicht vorstellbar. Also insoweit geh&amp;ouml;rt die Entwicklung der Sexualit&amp;auml;t bzw. die psychosexuelle Entwicklung von Beginn an als Bestandteil der Gesamtentwicklung bei jedem Kind nat&amp;uuml;rlich selbstverst&amp;auml;ndlich mit dazu. Aber Sie haben es gerade schon angedeutet. Tats&amp;auml;chlich unterscheidet sich fr&amp;uuml;hkindliche Sexualit&amp;auml;t deutlich von sexuellen Auspr&amp;auml;gungen in sp&amp;auml;teren Lebensaltern. Also insbesondere eben im Jugendalter und dann nat&amp;uuml;rlich auch im Erwachsenenalter, was &amp;uuml;brigens auch der Grund daf&amp;uuml;r ist, dass die Kinder hier ganz besonderen Schutz ben&amp;ouml;tigen, denn wie wir alle wissen, jede Form von Sexualit&amp;auml;t von Jugendlichen oder Erwachsenen mit Kindern ist absolut verboten, tabuisiert und auch strafbar. Aber jetzt zu Ihrer Frage, n&amp;auml;mlich was sind denn genau die Unterschiede? Wenn wir uns junge Kinder, sehr junge Kinder anschauen, also einj&amp;auml;hrige, zweij&amp;auml;hrige, dreij&amp;auml;hrige Kinder, dann sprechen wir ja nicht davon, dass sie sexuell aktiv sind. Wir betrachten, dass Kinder ihren K&amp;ouml;rper selbst entdecken, erkunden, neugierig sind, sich einfach auch interessieren f&amp;uuml;r sich, aber auch f&amp;uuml;r andere Menschen und dann ja auch zunehmend Fragen stellen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Vordergrund steht das Spielerische, die Neugier, das Spontane, was Kinder ja in diesem jungen Alter auszeichnet. Die Entdeckung mit allen Sinnen, die bei jungen Kindern ja eine Rolle spielt, das Hier und Jetzt. Also zum Beispiel: Jetzt f&amp;uuml;hle ich mich wohl oder habe dieses oder jenes Bed&amp;uuml;rfnis mal meine Z&amp;auml;hne anzuschauen oder tats&amp;auml;chlich den gesamten K&amp;ouml;rper zu entdecken. Das ist nicht mit Hintergedanken versehen, wie wir das bei jugendlichen Erwachsenen kennen. Das ist sehr auf die eigene Person bezogen, also das, was wir egozentrisch nennen. Einfach der Wunsch nach N&amp;auml;he, nach Geborgenheit, nach Wohlgef&amp;uuml;hl, auch in einem gewissen Ma&amp;szlig;e nach Lustgef&amp;uuml;hl spielt eine Rolle. Und die Unbefangenheit, die ja junge Kinder generell, aber auch in diesem Bereich, auszeichnet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wenn wir jetzt bei der Sexualit&amp;auml;t bleiben, insbesondere bei den Kindern im Alter zwischen ein und drei Jahren: Welche Entwicklungsschritte lassen sich in diesem Alter denn konkret beobachten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Da kann ich nat&amp;uuml;rlich nur einige Aspekte nennen. Ich will zun&amp;auml;chst sagen, dass die psychosexuelle Entwicklung auch im S&amp;auml;uglingsalter schon eine Rolle spielt. Ganz sicher auch das Schmusen, das Liebkosen; &amp;uuml;berhaupt k&amp;ouml;rperlicher Kontakt ist ja extrem wichtig f&amp;uuml;r eine gesunde Entwicklung schon von Anfang an. Aber tats&amp;auml;chlich m&amp;ouml;chte ich mich jetzt auf das zweite und dritte Lebensjahr konzentrieren. Da kommen andere Aspekte hinzu, unter anderem auch die Frage der geschlechtlichen Identit&amp;auml;t. Sigmund Freud hat &amp;uuml;brigens gedacht, dass Kinder erst so mit vier Jahren tats&amp;auml;chlich ein Wissen dar&amp;uuml;ber erlangen, ob sie ein Junge oder ein M&amp;auml;dchen sind und auch andere Menschen zuordnen k&amp;ouml;nnen. Da hat er sich geirrt, nicht &amp;uuml;berall hat er recht behalten. Wir wissen heute, dass das viel fr&amp;uuml;her schon der Fall ist, dass schon anderthalbj&amp;auml;hrige Kinder ziemlich zuverl&amp;auml;ssig sich einem Geschlecht zuordnen k&amp;ouml;nnen und auch andere Menschen danach einteilen. Das hei&amp;szlig;t, alles, was mit Geschlechtsidentit&amp;auml;tsentwicklung zu tun hat, findet in diesem Alter sicherlich statt. Aber nat&amp;uuml;rlich besteht auch weiterhin das gro&amp;szlig;e Bed&amp;uuml;rfnis nach K&amp;ouml;rperkontakt. Auch ein- und zweij&amp;auml;hrige Kinder lieben es zu schmusen, auf dem Scho&amp;szlig; von vertrauten Personen zu sitzen. Das Geschlechtsrollenverst&amp;auml;ndnis geh&amp;ouml;rt da durchaus mit dazu. Dass sie sich an Erwartungen anpassen, die sie an sich gerichtet sehen. Da sind wir als Erwachsene nat&amp;uuml;rlich gefragt, Kinder nicht auf bestimmtes Rollenverhalten festzulegen, weil Kinder eben dann auch unseren Vorstellungen entsprechen m&amp;ouml;chten. Vielleicht kennen viele Fachkr&amp;auml;fte in der Praxis auch diese ber&amp;uuml;hmte Schau- und Zeigelust. Diese besteht gerade so bei den Anderthalb- bis Zweij&amp;auml;hrigen, die sich manchmal anderen sogar ganz gerne nackt zeigen und sich dabei richtig wohlf&amp;uuml;hlen. Das h&amp;ouml;rt &amp;uuml;brigens &amp;uuml;blicherweise dann, wenn sie ein bisschen &amp;auml;lter werden, auf, weil dann das Schamgef&amp;uuml;hl zunimmt und sie auch merken, dass es auch bei anderen Menschen befremden ausl&amp;ouml;st, wenn sie sich z.B. in einem halb&amp;ouml;ffentlichen Bereich nackt zeigen. Aber es gibt diese Phase durchaus, in der sie das genie&amp;szlig;en. Wir als Erwachsene m&amp;uuml;ssen da aufpassen, dass Grenzen gewahrt, aber auch die Privatsph&amp;auml;re gewahrt bleibt. Wenn sie dann zwei oder zweieinhalb Jahre alt sind, dann erf&amp;auml;hrt die Sprache eine Explosion und sie lernen auch viele Begriffe kennen. Tats&amp;auml;chlich auch erste Begriffe f&amp;uuml;r die Genitalien, f&amp;uuml;r die Geschlechtsorgane. Je nachdem nat&amp;uuml;rlich, wie weit das auch von ihrer sozialen Umgebung unterst&amp;uuml;tzt bzw. gebilligt wird. Kinder merken sehr genau, was erlaubt oder verboten ist; was wir nicht gut finden, womit wir vielleicht auch selbst Schwierigkeiten haben, und sie passen sich dem an. &amp;Uuml;brigens auch, ich sagte es schon, im Bereich der Schamentwicklung. Scham ist eine sogenannte sekund&amp;auml;re Emotion. Diese beginnt bereits im zweiten Lebensjahr und Kinder setzen dann Schamgrenzen, also z.B. m&amp;ouml;chten sie nicht mehr von jeder Person auf die Toilette begleitet werden. Und darauf sollten wir nat&amp;uuml;rlich auch achten. Auch soziale Regeln und Normen entwickeln sich in diesem Alter schon sehr deutlich. Also z.B., dass sie zwischen unterschiedlichen Bereichen unterscheiden, dass eben in einem Toilettenbereich etwas anderes m&amp;ouml;glich ist als im Gruppenraum oder vielleicht im Au&amp;szlig;engel&amp;auml;nde. Und das ist ja auch ein sehr wichtiger Entwicklungsschritt, dass sie lernen, dass eben die Sexualit&amp;auml;t bzw. der eigene K&amp;ouml;rper, nicht ohne Grenzen f&amp;uuml;r alle Menschen sichtbar sein soll, sondern dass es ein Bed&amp;uuml;rfnis nach Privatsph&amp;auml;re gibt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ganz spannend fand ich den Aspekt, den Sie gleich zu Anfang erw&amp;auml;hnt haben. Mit der Entwicklung der Geschlechtsidentit&amp;auml;t sieht es in der Realit&amp;auml;t ja oft so aus, dass Jungen und M&amp;auml;dchen noch unterschiedlich behandelt werden, nicht nur von Eltern, sondern auch in der Kita. Welche Ma&amp;szlig;nahmen k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte denn bereits im U3-Bereich umsetzen, um die Lebenssituation und die Interessen aller Geschlechter zu ber&amp;uuml;cksichtigen und den Alltag in der Kita auch geschlechtergerecht zu gestalten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Ich glaube, wir m&amp;uuml;ssen da bei uns selbst beginnen. Wir alle sind mit bestimmten Rollenklischees und Zuschreibungen aufgewachsen. Damit, was ein M&amp;auml;dchen tun soll oder nicht tun darf und genauso ist es bei den Jungs. Und sich dessen bewusst zu sein ist ja eigentlich ein erster Schritt, dass wir selbst auch nicht frei von diesen Vorstellungen sind. Auch Medien und Werbeaspekte spielen hier eine Rolle und nehmen Einfluss auf die Kinder. Wichtig ist hier Selbstreflexion auch die Reflexion im Team &amp;uuml;ber solche Klischees, &amp;uuml;ber solche Zuschreibungen und Stereotypien. Das ist eigentlich der Anfang eines kritischen Umgangs damit. Nat&amp;uuml;rlich sollten wir diskriminierungsfrei Angebote an alle Kinder machen. Also die Begleitung der Einzigartigkeit jedes Kindes w&amp;uuml;rde ich sagen, ist ein gro&amp;szlig;es Thema. Wir sollten aber auch ein bisschen tolerant sein. Ich will mal einen Punkt ansprechen. Es ist nicht untypisch, dass Kinder gerade so im Alter von drei Jahren typische Jungen- oder M&amp;auml;dchenspiele bevorzugen. Also nehmen wir den Klassiker, dass M&amp;auml;dchen gerne mit Puppen spielen und die Jungen sich mit den Baggerf&amp;uuml;hrern identifizieren oder den Polizisten. Das ist nicht untypisch und ich w&amp;uuml;rde sogar behaupten, es ist nicht allein von unseren Vorstellungen abh&amp;auml;ngig. Da spielen viele Aspekte bis in die hormonellen Zusammenh&amp;auml;nge eine Rolle. Ich glaube, wir sollten es nicht f&amp;ouml;rdern. Ich w&amp;uuml;rde den Jungen nat&amp;uuml;rlich nicht nur die, in Anf&amp;uuml;hrungszeichen, typischen Figuren oder Spiele f&amp;uuml;r Jungen anbieten und bei den M&amp;auml;dchen genauso. Das ist nat&amp;uuml;rlich nicht fachgerecht. Wir sollten offene Angebote machen. Andererseits aber sollten wir es auch nicht verhindern. Es sind oft &amp;Uuml;bergangsph&amp;auml;nomene. Also, um es deutlich zu sagen, wenn ein Junge sich also monatelang nur mit Polizisten und Baggerf&amp;uuml;hrern befasst, hei&amp;szlig;t es nicht, dass aus ihm ein Macho wird. Das hei&amp;szlig;t, die Kinder wollen sich vergewissern, dass sie eben ein Junge oder ein M&amp;auml;dchen sind. Es gibt ja auch noch durchaus Alternativen, es gibt ja nicht nur zwei Geschlechter und diese Vergewisserung, diese Selbstvergewisserung, ist auch sehr wichtig f&amp;uuml;r Kinder und oft ist es dann nach einer Zeit auch vorbei. Wir sollten es nicht f&amp;ouml;rdern, da bin ich schon klarer Auffassung, dass wir also nicht Vorgaben machen, sondern eben die Entwicklung des Kindes begleiten und einem Kind nicht unsere eigene Vorstellung &amp;uuml;berst&amp;uuml;lpen. Aber wenn die Kinder nun gro&amp;szlig;en Wert darauf legen, auch bestimmte typisierende Spiele zu machen, sollten wir auch nicht dagegen arbeiten. Meistens, wie gesagt, hat es sich nach einiger Zeit erledigt und Kinder sind durchaus in der Lage, auch offene Rollen und Vorstellungen einzunehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Kleinkinder haben ja auch zum Thema Sexualit&amp;auml;t gerne schon die eine oder andere Frage &amp;ndash; nicht nur an ihre Eltern, sondern eben auch an die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita. Viele Fachkr&amp;auml;fte sind dann unsicher, wie sie diese Fragen beantworten k&amp;ouml;nnen oder sollen und insbesondere welche Sprache sie hierf&amp;uuml;r verwenden. Wie kann Ihrer Meinung nach eine fr&amp;uuml;he und altersgerechte Sexualaufkl&amp;auml;rung bei Kindern unter drei Jahren aussehen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Da sind ja gleich mehrere Fragen verbunden. Ich fange mal mit der Sprache an. Tats&amp;auml;chlich bin ich ein deutlicher Vertreter derjenigen, die f&amp;uuml;r eine fachlich korrekte Sprache pl&amp;auml;dieren. Das hat viele Vorteile. Es ist diskriminierungsfrei. Es ist korrekt, wie gesagt, fachlich, es ist intersubjektiv verstehbar. Das hei&amp;szlig;t, ich empfehle sehr, keine verniedlichenden Begriffe zu verwenden, sondern auch dann, wenn Kinder oder auch Eltern Begriffe in die Kita hineinbringen, die fachlich korrekten Begriffe zu verwenden. Also die prim&amp;auml;ren Genitalien eben mit Penis und Vulva zu bezeichnen. Soweit erstmal zur Sprache. Wobei ich wiederum andererseits Kinder nicht kritisieren w&amp;uuml;rde, oder auch Eltern nicht, wenn sie verniedlichende Begriffe verwenden. Ausnahme w&amp;auml;re sexistische Sprache. Das w&amp;uuml;rde ich nicht akzeptieren, da w&amp;uuml;rde ich immer ein Stoppzeichen setzen. Aber wenn die Kinder selbst oder Eltern verniedlichende Begriffe verwenden, w&amp;uuml;rde ich diese zwar nicht &amp;uuml;bernehmen, aber ich w&amp;uuml;rde auch nicht dagegen arbeiten. Denn ich finde, jeder Mensch hat auch das Recht, eigene Begriffe zu verwenden. Aber wir sollten dies den Kindern nicht vorgeben und diese Begriffe auch nicht &amp;uuml;bernehmen. Soweit zur Sprache. Und dann war aber ja auch die Frage, wie beantworten wir denn Fragen der Kinder? Ich will es mal konkret machen. Also, der Klassiker ist ja, wenn ein Kind fragt, sag mal, wie kommen die Kinder eigentlich da in den Bauch und kriegen die da &amp;uuml;berhaupt Luft? Und diese Fragen stellen die Kinder ja oft mit gro&amp;szlig;er Neugier. Also eine Mutter in der Kita ist vielleicht erneut schwanger und das Kind fragt sich, wie das eigentlich funktioniert. Da habe ich eine sehr klare Auffassung. Nat&amp;uuml;rlich geh&amp;ouml;rt Liebe, Sexualit&amp;auml;t, Schwangerschaft, Geburt zur Realit&amp;auml;t der Umgebung des Menschen. Und wenn Kinder konkrete Fragen haben, haben sie auch ein Recht auf eine Antwort. Das ist ja auch ein Bildungsthema. Auch in den Bildungsrahmenpl&amp;auml;nen der Bundesl&amp;auml;nder ist es dort als Bildungsthema aufgegriffen und wir haben einen Bildungsauftrag und sollten Antworten geben k&amp;ouml;nnen. Allerdings m&amp;uuml;ssen wir dabei ein bisschen aufpassen. Wir neigen manchmal dazu, Antworten auf Fragen zu geben, die die Kinder gar nicht haben. Da m&amp;uuml;ssen wir ein bisschen schauen, dass wir wirklich verstehen, was interessiert das Kind eigentlich? Sind es jetzt die biologischen Zusammenh&amp;auml;nge, die f&amp;uuml;r manche Kinder &amp;uuml;berhaupt nicht von Interesse sind? Oder wollen sie wissen, was sie vielleicht schon ahnen, dass da irgendwie Papa und Mama zusammen haben kommen m&amp;uuml;ssen? Und das ist eigentlich eher das Thema und nicht Eileiter, Eizelle und Samenzelle. Das sind ja eher oft erwachsene Vorstellungen, die da eine Rolle spielen. Also, wir sollten die Fragen der Kinder beantworten, aber wir sollten zun&amp;auml;chst herausfinden, was interessiert das Kind eigentlich? Sind es wirklich eher kognitive Aspekte? Oder sind es mehr die sozial-emotionalen Aspekte von Liebe, Sexualit&amp;auml;t, die ein Kind interessieren? Aber wenn wir den Eindruck haben, dass eine bestimmte Frage auftaucht, sollten wir sie auch beantworten. Etwas anders w&amp;uuml;rde ich es &amp;uuml;brigens sehen, was die Frage betrifft, ob wir Kindern Themen zumuten sollten. Also jetzt nicht etwas, was sie konkret fragen, denn da finde ich, haben sie ein Anrecht auf eine Antwort. Aber ob wir z.B. Projekte anbieten sollten rund um Schwangerschaft, Sexualit&amp;auml;t, Liebe, Geburt und so weiter. Da habe ich eine etwas differenziertere Auffassung, weil wir davon ausgehen m&amp;uuml;ssen, dass das auch f&amp;uuml;r viele Eltern kein einfaches Thema ist und manchmal Eltern auch der Auffassung sind, dass Sexualaufkl&amp;auml;rung eigentlich in die Familie geh&amp;ouml;rt und nicht in die Kita. Das hei&amp;szlig;t, dass es sich hier um ein sehr sensibles Thema handelt. Auch deshalb sensibel, weil Kita keine Pflichtveranstaltung ist. Das hei&amp;szlig;t, Eltern k&amp;ouml;nnten im Prinzip ihr Kind jederzeit aus der Kita oder auch aus einer Tagespflegestelle nehmen. Oder sie k&amp;ouml;nnten auch sagen, n&amp;auml;chste Woche kommt mein Kind nicht. Das ist nicht wie in der Schule. Da ist ja Sexualkundeunterricht eine Pflichtveranstaltung und Eltern sind nicht berechtigt, ihr Kind abzumelden. Aber in der Kita ist das anders. Da sind wir doch sehr auf die Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen. Und gerade bei einem solch sensiblen Thema empfehle ich, wenn eine Kita oder auch eine Tagespflegeperson Themen selbst einbringen m&amp;ouml;chte, vielleicht auch &amp;uuml;ber Bilderb&amp;uuml;cher oder Projektmaterialien, die Eltern vorher zu informieren und f&amp;uuml;r ihre Zustimmung zu werben, um sie einfach mit ins Boot zu holen. &amp;Uuml;brigens, viele Eltern sind froh, wenn wir das Thema aufgreifen, weil sie selbst oft auch Schwierigkeiten damit haben. Aber ich empfehle, sie nicht vor den Kopf zu sto&amp;szlig;en, sondern tats&amp;auml;chlich vorab dar&amp;uuml;ber zu informieren, dass wir dieses Thema auf die eine oder andere Weise einbringen m&amp;ouml;chten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Insgesamt pl&amp;auml;dieren Sie ja f&amp;uuml;r eine ganzheitliche Sexualp&amp;auml;dagogik und diese umfasst ja neben der sexuellen Aufkl&amp;auml;rung und Bildung, &amp;uuml;ber die wir jetzt eben schon gesprochen haben, auch den Schutz vor sexualisierter Gewalt. Welche Pr&amp;auml;ventionsma&amp;szlig;nahmen k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte denn ergreifen, um sexualisierte Gewalt in der Kita wirksam vorzubeugen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Zun&amp;auml;chst mal wir wissen, das ist nicht nur eine Meinung, sondern es gibt auch entsprechende Untersuchungen dazu, dass das Informieren der Kinder, dass Bildung, genauso wie &amp;uuml;brigens auch eine kindgerechte Beteiligung an den Themen selbst, Schutzfaktoren sind. Das hei&amp;szlig;t, Kinderschutz und das meine ich ja mit ganzheitlicher Herangehensweise, wird auch gest&amp;auml;rkt durch Information und Bildung der Kinder und auch durch eine kindgerechte Partizipation. Auch jemand wie J&amp;ouml;rg Fegert, der sich in Deutschland, glaube ich, am besten mit sexuellem Missbrauch auskennt, sagt immer wieder, dass sexuelle Bildung selbst ein Schutzfaktor ist und dass Schutzf&amp;ouml;rderung und Beteiligung der Kinder eng miteinander zusammenh&amp;auml;ngen. Also so weit erstmal generell zu diesem Zusammenhang. Aber ganz konkret, Sie haben ja gefragt, was die Fachkr&amp;auml;fte tun k&amp;ouml;nnen? Ich w&amp;uuml;rde auch hier wieder sagen, wir sollten bei uns selbst anfangen. Also Pr&amp;auml;vention beginnt damit, dass wir selbst ja die Grenzen von Kindern wahren. Dass wir nicht einfach von hinten einem Kind &amp;uuml;bers Gesicht wischen bei den Pflegehandlungen, sondern achtsam mit Kindern umgehen. Ich bin ein gro&amp;szlig;er Fan von dem Begriff beziehungsvoller Pflege. Das geht ja auf die Pikler-P&amp;auml;dagogik zur&amp;uuml;ck, dass es eben nicht um Ma&amp;szlig;nahmen an einem Objekt geht. Es geht um einen Menschen, demgegen&amp;uuml;ber wir in eine Beziehung treten. Und das sollten wir nat&amp;uuml;rlich achtsam und wertsch&amp;auml;tzend tun und dabei auch das Kind immer wieder anschauen und um sein Einverst&amp;auml;ndnis werben. Und dabei sollten wir auch die &amp;Auml;u&amp;szlig;erungen des Kindes ernst nehmen, was vielleicht diesem Kind nicht so angenehm ist. N&amp;auml;he und Distanz wahren, das geht ja schon los. Wie einsehbar beispielsweise ein Wickelbereich ist, ob da andere Kinder auch dazu kommen k&amp;ouml;nnen und wer eigentlich dar&amp;uuml;ber entscheidet, dass diese Kinder vielleicht auch dabei sein k&amp;ouml;nnen oder nicht. Und insoweit w&amp;uuml;rde ich sagen, Pr&amp;auml;vention beginnt eigentlich beim eigenen Handeln im Alltag. Das w&amp;auml;re f&amp;uuml;r mich der wichtigste Punkt. Ein zweiter Punkt ist die Wahrung der Privatsph&amp;auml;re von Kindern. Ich glaube, es gibt keine Kita in Deutschland, die nicht ab und zu miterlebt, dass ein Kind masturbiert in der Kita. Das kommt nicht jede Woche vor und auch nicht bei den meisten Kindern, aber es kommt eben immer wieder vor. Und auch da geht es darum, einerseits nicht eine besch&amp;auml;mende oder gar bestrafende Haltung einzunehmen. Das ist nat&amp;uuml;rlich der eine Punkt. Aber andererseits auch darauf zu achten, dass ein Kind den notwendigen Schutz hat. Dass es dies beispielsweise nicht im Morgenkreis macht, sondern in einer gesch&amp;uuml;tzten Situation, auf die wir nat&amp;uuml;rlich achten m&amp;uuml;ssen. Oder auch wenn Kinder im Au&amp;szlig;engel&amp;auml;nde masturbieren. Da w&amp;uuml;rde ich auf jeden Fall eingreifen. Nicht, um die Masturbation zu kritisieren, aber das ist einfach gef&amp;auml;hrlich f&amp;uuml;r ein Kind. In dieser Situation kann es sich nicht nur selbst besch&amp;auml;mt f&amp;uuml;hlen, sondern es kann auch zu schlimmen Diskriminierungs- oder sogar Gewaltsituationen kommen. Und der dritte Punkt ist, dass wir auch sehr sensibel sein sollten, wenn es um &amp;Uuml;bergriffe oder Grenzverletzungen unter Kindern geht. Das ist ja auch nicht ganz selten. Das kann manchmal relativ harmlos sein. Also, ein Kind zieht z. B. einen anderen Jungen am Penis. Das kann im &amp;Uuml;berschwang ein bisschen nicht ganz aufmerksam gewesen sein, aber es kann eben auch durchaus ein bewusster &amp;Uuml;bergriff sein. Dann darf dieser nicht einfach nur l&amp;auml;cherlich gemacht werden, sondern muss ernst genommen werden und es muss ein deutliches Stoppzeichen erfolgen. Also f&amp;uuml;r mich ist Pr&amp;auml;vention auf verschiedenen Ebenen vor allem im Alltag wichtig. Dar&amp;uuml;ber hinaus gibt es nat&amp;uuml;rlich auch Pr&amp;auml;ventionsangebote oder Programme. Ich erinnere z.B. an &lt;em&gt;PETZE&lt;/em&gt; in Kiel, an &lt;em&gt;AMYNA&lt;/em&gt; in M&amp;uuml;nchen oder an &lt;em&gt;Zartbitter&lt;/em&gt; in K&amp;ouml;ln. Die haben Angebote pr&amp;auml;ventiver Art, die ich auch sinnvoll finde. Aber aus meiner Sicht ist das Wichtigste eigentlich, dass wir im Alltag wertsch&amp;auml;tzend und Grenzen achtend bei uns beginnend. Und nat&amp;uuml;rlich auch das Verhalten der Kinder untereinander betreffend hier im Blick haben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Herr Maywald, f&amp;uuml;r diesen spannenden Einblick in die fr&amp;uuml;hkindliche Sexualit&amp;auml;t und in die Sexualp&amp;auml;dagogik. Vielleicht konnten wir mit diesem Gespr&amp;auml;ch ja einen kleinen Beitrag leisten, m&amp;ouml;gliche Unsicherheiten einiger Fachkr&amp;auml;fte im Umgang mit dem Thema fr&amp;uuml;hkindlicher Sexualit&amp;auml;t abzubauen. Wer sich n&amp;auml;her mit dem Thema besch&amp;auml;ftigen m&amp;ouml;chte, der findet in unserer Kleinkinderausgabe 6/25 einen ausf&amp;uuml;hrlichen Beitrag von Herrn Prof. Maywald sowie viele weitere Hintergrundinfos und konkrete Praxistipps, z.B., wie Sie auch gerade schon angesprochen haben, wie Fachkr&amp;auml;fte reagieren k&amp;ouml;nnen, wenn Grenzverletzungen unter Kleinkindern auftreten. Ganz herzlichen Dank, lieber Herr Maywald f&amp;uuml;r Ihre Zeit und Ihre wertvollen Informationen. Ich freue mich sehr, dass ich mit Ihnen &amp;uuml;ber dieses wichtige Thema sprechen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. J&amp;ouml;rg Maywald:&lt;/strong&gt; Ja, vielen Dank auch von meiner Seite. Danke sch&amp;ouml;n.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf &lt;a href="https://www.herder.de/kk/"&gt;www.kleinskinder.de&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-prof-dr-joerg-maywald-fruehkindliche-sexualitaet-wenn-kinder-sich-entdecken/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-prof-dr-joerg-maywald-fruehkindliche-sexualitaet-wenn-kinder-sich-entdecken.mp3" type="audio/mp3" length="30116908" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:32 GMT</pubDate><guid>99F1563D1C494C288FCC8E71ADDAD857</guid></item><item><title>Risky Play: Risikokompetenz spielerisch fördern</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, indem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein, ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Kleinstkinder Podcast Herrn Dr. Joachim Bensel gewinnen konnten. Mit ihm m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber das wilde und gewagte Spiel von Kleinkindern sprechen. Ganz herzlich willkommen Herr Dr. Bensel. Ich freue mich sehr, dass Sie sich heute Zeit f&amp;uuml;r ein kurzes Gespr&amp;auml;ch nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel:&lt;/strong&gt; Ja, hallo Frau Uihlein. Ich freue mich auch, mit Ihnen &amp;uuml;ber dieses Thema zu sprechen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Zu Beginn m&amp;ouml;chte ich Sie gerne noch kurz vorstellen. Sie sind Verhaltensbiologe und Mitinhaber der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen. Sie forschen und evaluieren zu Themen wie beispielsweise der Qualit&amp;auml;t in der au&amp;szlig;erfamili&amp;auml;ren Betreuung. Sie haben Lehrauftr&amp;auml;ge zur Kindheitsp&amp;auml;dagogik an der EH Freiburg und der Universit&amp;auml;t Salzburg. Sie sind Fachbuchautor und Referent in der Aus- und Weiterbildung. Herr Bensel, das wilde und gewagte Spiel, &amp;uuml;ber das wir heute sprechen m&amp;ouml;chten, ist vielen eventuell auch unter dem Begriff Risky Play gel&amp;auml;ufig. Dieses Thema, &amp;uuml;ber das Sie ja auch in unserer aktuellen Kleinkinderausgabe schreiben, &amp;uuml;bt ja bereits auf Kleinkinder einen gro&amp;szlig;en Reiz aus. K&amp;ouml;nnen Sie f&amp;uuml;r uns zu Beginn kurz zusammenfassen, welche Aktivit&amp;auml;ten z&amp;auml;hlen Sie denn bei den J&amp;uuml;ngsten zu wildem und gewagtem Spiel und weshalb ist Risky Play ihrer Meinung nach so wichtig f&amp;uuml;r die Entwicklung der J&amp;uuml;ngsten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel:&lt;/strong&gt; Ja, das mache ich sehr gerne. Also, das Spektrum stellt sich nat&amp;uuml;rlich auch f&amp;uuml;r diese Altersgruppe unter drei genauso dar wie f&amp;uuml;r die &amp;auml;lteren Kinder. Man muss nat&amp;uuml;rlich dann im Einzelfall schauen, was kann ich in dem einzelnen Bereich dann den Kindern auch schon zumuten, was darf ich da erlauben? Und was muss ich vielleicht noch in enger Begleitung machen? Aber die Grundthemen sind die gleichen:&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Motorische Herausforderungen:&lt;/strong&gt; Sich in Situationen zu begeben, die durchaus herausfordernd sind, wie das Spielen in gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren H&amp;ouml;hen, das Schwingen und Schaukeln, oder die Geschwindigkeit, mit der ich unterwegs bin. Dabei besteht die M&amp;ouml;glichkeit, mit anderen Kindern oder Gegenst&amp;auml;nden zusammenzusto&amp;szlig;en.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Klettern&lt;/strong&gt;: Auf einer Rutsche, auf einem Kletterger&amp;uuml;st oder auch schon ein St&amp;uuml;ck weit auf einem Baum, wenn den Kindern das motorisch m&amp;ouml;glich ist.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Unbeaufsichtigt sein&lt;/strong&gt;: Dies bedeutet, ein Kind m&amp;ouml;glicherweise mal nicht im Auge zu haben, weil es in einem Weidentippi, hinter einer Hecke oder einem Z&amp;auml;unchen verschwindet. Es bedeutet nicht, dass das Kind komplett au&amp;szlig;erhalb der Reichweite ist oder man nicht ungef&amp;auml;hr wei&amp;szlig;, wo es sich aufh&amp;auml;lt oder was es tut.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Spiel mit Werkzeugen&lt;/strong&gt;: Im weitesten Sinne, wie zum Beispiel mit einer Feile zu agieren oder mit einem Schneidemesser zu versuchen, eine Karotte oder anderes Gem&amp;uuml;se zu zerkleinern. Dies ist in abgespeckter Form auch in diesem Alter m&amp;ouml;glich, auch wenn man einem Zweij&amp;auml;hrigen keine Bohrmaschine in die Hand geben sollte.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Raufen und Toben&lt;/strong&gt;: Die spielerische Aggression kann in gewisser Form auch in dem Alter schon anfangen, also sich k&amp;ouml;rperlich auch mit anderen Kindern zu messen. Dies geschieht nicht in einem aggressiven Kontext des Schubsens oder Schlagens, sondern so, dass beide Seiten Spa&amp;szlig; an der K&amp;ouml;rperlichkeit haben.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;&lt;strong&gt;Umgang mit Naturelementen&lt;/strong&gt;: Dazu geh&amp;ouml;rt auch der Umgang mit Wasser, Eis und in Ma&amp;szlig;en auch Feuer, was in dem Alter schon ein Thema sein kann.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;Risky Play bedeutet, ein Risiko einzugehen, weil man dabei m&amp;ouml;glicherweise eine Verletzung, eine Schramme, eine Beule oder einen blauen Fleck erleiden kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, vielen Dank. Sie hatten am Anfang schon das Stichwort Aufsichtspflicht genannt. Da stellt sich nat&amp;uuml;rlich f&amp;uuml;r viele Fachkr&amp;auml;fte die Frage, wie viel Risiko ist denn vertretbar f&amp;uuml;r die J&amp;uuml;ngsten und ab wann sollten die Fachkr&amp;auml;fte den Ma&amp;szlig;nahmen treffen, um sie zu sch&amp;uuml;tzen? Haben Sie denn eine Empfehlung f&amp;uuml;r Fachkr&amp;auml;fte, woran k&amp;ouml;nnen diese sich orientieren, um den Kindern Risikokompetenz zu erm&amp;ouml;glichen, aber sie gleichzeitig vor ernsthaften Gefahren zu sch&amp;uuml;tzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel:&lt;/strong&gt; Es gibt da sehr gute Empfehlungen der gesetzlichen Unfallversicherung, die speziell auch altersdifferenziert den Umgang mit Spielger&amp;auml;ten oder auch das auf B&amp;auml;ume klettern oder mit Werkzeugen oder &amp;auml;hnlichem vorgeben. Da ist sehr interessant zu sehen, dass die Unfallversicherungen per se zum Beispiel nicht ausschlie&amp;szlig;en, dass sich Kinder unter drei, also Krippenkinder, nicht auch mal mit Rutschen, die eigentlich f&amp;uuml;r &amp;auml;ltere Kinder vorgesehen sind, oder mit Schaukeln, die f&amp;uuml;r &amp;auml;ltere Kinder vorgesehen sind, oder anderen Spielger&amp;auml;ten auseinandersetzen d&amp;uuml;rfen. Wo die Ger&amp;auml;tehersteller teilweise sagen: "Na, dieses Ger&amp;auml;t ist erst ab 3 zugelassen" treten tats&amp;auml;chlich interessante Unterschiede auf. Man muss bedenken, dass die Spielger&amp;auml;tehersteller nat&amp;uuml;rlich vor allem sichergehen wollen, dass sie nicht in die Haftung gehen und das erstmal ausschlie&amp;szlig;en wollen. Die Unfallversicherungen sind weiter und sagen, es geht hier beim Thema Unfallpr&amp;auml;vention auch darum, Kinder gezielt Risiken zuzumuten, die sie sicherer machen im Umgang mit sich und ihrer Umwelt.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
    &lt;li&gt;Es ist relevant zu sehen, dass es durchaus auch erlaubt sein darf, eine Rutsche f&amp;uuml;r die &amp;Auml;lteren zu besteigen, wenn das Kind es aus eigener F&amp;auml;higkeit hinbekommt.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Weder die Unfallversicherung noch wir als Wissenschaftler oder P&amp;auml;dagogen sind Fans davon, dass Erwachsene Kinder in dem Alter einfach irgendwo auf ein Spielger&amp;auml;t heben, das sie noch gar nicht selbst&amp;auml;ndig erklettern k&amp;ouml;nnen. Was die Kinder selbst&amp;auml;ndig erklettern k&amp;ouml;nnen, wie zum Beispiel das Hochsteigen einer Rutsche von unten, ist v&amp;ouml;llig in Ordnung.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Es ist nicht sinnvoll, ein Kind auf einen Baum zu setzen und zu sagen: "Jetzt kletter mal".&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Es macht auch keinen Sinn, von vorneherein zu sagen: "Dieses Spielger&amp;auml;t ist jetzt f&amp;uuml;r diese Altersgruppe nichts", nur weil es nicht offiziell vom Hersteller empfohlen wird.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Es macht auch keinen Sinn, in altersgemischten Einrichtungen, wo Kinder unter drei und &amp;uuml;ber drei betreut werden, den J&amp;uuml;ngeren ein eigenes Areal mit Minirutschen, Minisandkasten, Minischaukel und &amp;Auml;hnlichem abzubilden und einen Zaun darum zu machen. Weder die Unfallversicherung noch die P&amp;auml;dagogik findet das sinnvoll, weil die P&amp;auml;dagogik eben nicht daran interessiert ist, Risiken zu minimieren, sondern zu dosieren.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Risikokompetenz zu erwerben ist wichtig, auch wenn sie noch nicht besonders in den Bildungspl&amp;auml;nen der Bundesl&amp;auml;nder erscheint. Sie hilft, sich im K&amp;ouml;rpergef&amp;uuml;hl zu st&amp;auml;rken, sich etwas zuzutrauen (was Selbstwirksamkeit verschafft) und &amp;Auml;ngste zu verlieren. Es ist ein wichtiger Bildungsauftrag, der der Aufsichtspflicht gegen&amp;uuml;bersteht, und beide m&amp;uuml;ssen in Balance gehalten werden, sie sind kein Widerspruch.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, das bringt mich zum Stichwort Eltern. Diese sind nat&amp;uuml;rlich besorgt um ihre Kinder und haben Sorge vor Unf&amp;auml;llen, die passieren k&amp;ouml;nnen im Zusammenhang mit Risky Play. Sie schreiben, dass die meisten Unf&amp;auml;lle, insbesondere bei den Allerj&amp;uuml;ngsten, sich jedoch gar nicht unbedingt in der Kita ereignen, sondern eher im h&amp;auml;uslichen Umfeld. Die Mutung liegt ja nahe, dass diese Unf&amp;auml;lle zu Hause eher weniger im Zusammenhang mit Risky Play stehen. In welchem Bereich drohen den Kleinkindern die gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Unfallgefahren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel:&lt;/strong&gt; Ja, das sind einfach Sachen, die auch mit dem Haushalt zu tun haben, zum Beispiel beim Zubereiten des Essens, dass Kinder sich verbr&amp;uuml;hen, oder tats&amp;auml;chlich auch, dass die Badewannentemperatur falsch eingestellt ist oder gar nicht vorgesehen ist f&amp;uuml;r das Kind. Privathaushalte haben ja nicht diese Sicherheitsvorschriften, die Krippen haben, zum Beispiel mit diesen Klemmschutz am T&amp;uuml;rbereich. Tats&amp;auml;chlich haben auch zu Hause die Eltern ihre Kinder ja auch nicht permanent im Blick, und da k&amp;ouml;nnen nat&amp;uuml;rlich auch Dinge immer wieder passieren, die einfach nat&amp;uuml;rlich auch zum Leben dazu geh&amp;ouml;ren. Diese Gefahren sind in der Krippe und Kita seltener, deswegen passieren da weniger Unf&amp;auml;lle als zu Hause. Das Relevante ist nat&amp;uuml;rlich zu gucken, wo sind da wirklich schlimme Unf&amp;auml;lle, die passieren k&amp;ouml;nnen, die es zu vermeiden gilt. Da muss ich als Krippenfachkraft besonders ein Auge darauf haben, dass Kinder zum Beispiel nicht unbemerkt und alleine an Pf&amp;uuml;tzen spielen, wo sie reinfallen k&amp;ouml;nnen. Manche Kinder sind motorisch noch nicht in der Lage, sich selber wieder aufzurichten, und wenn sie mit dem Gesicht nach vorne in dieser Pf&amp;uuml;tze liegen, dann wird ein Reflex ausgel&amp;ouml;st, der auch positiv beim Babyschwimmen genutzt wird (Kinder k&amp;ouml;nnen tauchen, weil sie reflexhaft die Luft anhalten). Die Kinder liegen dann in der Pf&amp;uuml;tze, halten die Luft an und ersticken dann quasi, wenn man sie nicht rechtzeitig rausholt. Sowas muss ich nat&amp;uuml;rlich vermeiden. Wirklich relevante Unf&amp;auml;lle passieren dann, weil der Aufsichtspflicht in der Form nicht nachgegangen wurde, zum Beispiel wenn das Spielen im Wald oder Feld nicht gesichert wurde und ein Kind in ein Wasserr&amp;uuml;ckhaltebecken st&amp;uuml;rzt. Extreme F&amp;auml;lle, wo Kinder in Unf&amp;auml;llen in Krippe oder Kita zu Tode kommen, sind vielleicht ein bis zwei F&amp;auml;lle im Jahr und auch nicht jedes Jahr. Das ist tragisch, aber das ist etwas, was in der Summe viel h&amp;auml;ufiger zu Hause passiert als au&amp;szlig;er Haus.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wenn wir jetzt noch mal in die Kita schauen und die Eltern aber auch mit in den Blick nehmen, wie k&amp;ouml;nnen denn Fachkr&amp;auml;fte M&amp;uuml;tter und V&amp;auml;ter mit ins Boot holen und f&amp;uuml;r das Thema Risky Play begeistern und ihnen vermitteln, dass der Erwerb von Risikokompetenz f&amp;uuml;r die Entwicklung ihrer Kinder wichtig ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel:&lt;/strong&gt; Ich glaube, es ist eine gute Mischung, wenn ich auf der einen Seite versuche, den Eltern auch die &amp;Auml;ngste zu nehmen. Gleichzeitig muss man ihnen aber auch vor Augen f&amp;uuml;hren, wie wichtig dieses Erleben auch von kleineren Herausforderungen, von Risiken auch f&amp;uuml;r das Kind ist. Man muss sich vor Augen halten, okay, es kann sein, dass das Kind sich schmerzhaft verletzt, weil es irgendwo hinf&amp;auml;llt. Aber auf der anderen Seite sind die vielen Erfahrungen, die es dabei sammelt, viel wertvoller, weil jeder Sturz auch eine Erfahrung bedeutet, mit der ich lerne, beim n&amp;auml;chsten Mal anders am Baum oder am Spielger&amp;auml;t oder auch mit der Umgebung umzugehen, und die Unfallwahrscheinlichkeit wird einfach geringer. Die beste Langzeitpr&amp;auml;vention ist tats&amp;auml;chlich, kurzfristig diese Risiken zuzulassen.&lt;/p&gt;
&lt;ul&gt;
    &lt;li&gt;Ich muss die Eltern informieren, dass sie wirklich &amp;uuml;ber die blauen Flecken und Schrammen hinwegschauen m&amp;uuml;ssen.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Man sollte es positiv etikettieren, wie Heidi Jensen das macht, und diese Schrammen, die die Kinder bekommen, auch als Kompetenzschrammen beschreiben. Es ist einfach auch Risikokompetenz, die die Kinder dadurch erwerben.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Ich denke, das ist vielen Eltern nicht klar, die denken, der beste Schutz ist, die Kinder tats&amp;auml;chlich in Watte zu packen.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Das andere ist, tats&amp;auml;chlich auch den Kindern mal Gelegenheiten zu geben, sich in diese etwas herausfordernden Situationen hineinzubegeben.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Wir kennen das von manchen Krippen und Kinderg&amp;auml;rten, dass sie so Aktionstage machen, wo Eltern gemeinsam mit ihren Kindern so kleine Risiken suchen, indem sie zum Beispiel mit einem Bobbycar eine Rampe runterfahren. Oder sich im Dunkeln durch den Parcours tasten m&amp;uuml;ssen, oder auf einer entsprechenden Anlage balancieren.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Um mal einfach zu sehen, dass es ja auch ein sch&amp;ouml;nes Gef&amp;uuml;hl ist, was dabei ausgel&amp;ouml;st wird und Spa&amp;szlig; macht. Die Kinder selber beschreiben das ja auch als eine Mischung aus Freude und dem Prickeln der leichten Angst, es k&amp;ouml;nnte ja was passieren. Das ist ja ein ganz wichtiges Gef&amp;uuml;hl, was sie da aufbauen, dass sie wissen, dass hier was passieren k&amp;ouml;nnte.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Sie definieren sich selber auch immer wieder neu, sagen: &amp;ldquo;Okay, heute jetzt ist der Punkt, wo ich versuche, diese Grenze zu &amp;uuml;berschreiten, dieses Risiko einzugehen, aber an dem anderen Tag ist es vielleicht noch nicht so weit, dass ich mir dieses Risiko zutrau&amp;rdquo;. Man sieht das sehr sch&amp;ouml;n, wenn Kinder eine Hengstenbergleiter hochsteigen und dann oben sind und dann &amp;uuml;berlegen, gehe ich jetzt auf der anderen Seite runter oder steige ich langsam wieder die gleichen Stufen, die ich gekommen bin, wieder zur&amp;uuml;ck.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Dies zuzulassen und weder zu sagen: "Ach komm, du schaffst das heute, du machst das jetzt", oder: "Na ja, lass das mal lieber, da k&amp;ouml;nnte was passieren" oder hinzugehen und das Kind zu halten, sondern das Kind einfach zu lassen, so wie das in der Pickler Freiraump&amp;auml;dagogik auch in Eltern-Kind-Spielgruppen gehandhabt wird.&lt;/li&gt;
    &lt;li&gt;Das ist ein sehr sch&amp;ouml;nes Moment, auch um ein St&amp;uuml;ck weit an der eigenen &amp;Uuml;bervorsorglichkeit zu arbeiten, was manche Eltern tats&amp;auml;chlich haben, verst&amp;auml;ndlicherweise, weil jeder f&amp;uuml;r sein Kind das Beste will und dass es sich nicht verletzt. Aber das zu merken, okay, das bringt dem Kind was, denn alles, was es dann schafft, schafft es aus eigenem Antrieb und verortet es bei sich als Gef&amp;uuml;hl der Selbstwirksamkeit. Das ist auch, glaube ich, ein sehr sch&amp;ouml;nes Moment. Dass Eltern auch lernen k&amp;ouml;nnen, das ihren Kindern mitzugeben.&lt;/li&gt;
&lt;/ul&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Herr Dr. Bensel f&amp;uuml;r diese Einblicke in das wilde und gewagte Spiel von Kleinkindern. Vielleicht haben wir mit diesem Beitrag bei einigen Fachkr&amp;auml;ften ja Interesse wecken k&amp;ouml;nnen, das Thema Risky Play in der eigenen Arbeit zu reflektieren und st&amp;auml;rker zu ber&amp;uuml;cksichtigen. Dazu bietet auch unsere aktuelle Kleinstkinder Ausgabe 5/25 Gelegenheit, und zwar mit einem ausf&amp;uuml;hrlichen Beitrag von Herrn Dr. Bensel sowie vielen praktischen Tipps, z.B. wie Fachkr&amp;auml;fte Kleinkindern verschiedene riskante Spielformen in der Kita erm&amp;ouml;glichen oder wie sie ihnen den Umgang mit echten Werkzeugen vermitteln k&amp;ouml;nnen. Ganz herzlichen Dank lieber Herr Bensel f&amp;uuml;r Ihre Zeit und Ihre aufschlussreiche Information. Ich freue mich sehr, dass ich mit Ihnen &amp;uuml;ber dieses wichtige Thema sprechen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Joachim Bensel: &lt;/strong&gt;Ja, sehr gerne Frau Uihlein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-dr-joachim-bensel-risky-play-risikokompetenz-spielerisch-foerdern/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-dr-joachim-bensel-risky-play-risikokompetenz-spielerisch-foerdern.mp3" type="audio/mp3" length="25242958" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:32 GMT</pubDate><guid>1F5E7CF84B6041D682BF33908A4DCEB0</guid></item><item><title>Unfälle im Kita-Alltag: Prävention &amp; Erste-Hilfe-Maßnahmen</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Hallo zusammen, mein Name ist Claudia Uihlein. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und ich bin heute hier mit Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl. Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl hat 10 Jahre Erfahrung als &amp;Auml;rztin, blickt auf &amp;uuml;ber 400 Notarzteins&amp;auml;tze zur&amp;uuml;ck und ist seit vier Jahren Mami. Sie arbeitet als Unfallchirurgin an einer Unfallklinik in S&amp;uuml;ddeutschland und ist dort als Not&amp;auml;rztin im Einsatz. Seit sie Mutter ist, besch&amp;auml;ftigt sie das Thema Sicherheit und Gesundheit von Babys und Kindern noch mal aus einem ganz anderen Blickwinkel und das hat f&amp;uuml;r sie den Ausschlag gegeben, als Notarztmami auf Instagram zu posten zum Thema Notfallmedizin und Erste Hilfe f&amp;uuml;r Babys und Kinder. Im Herder Verlag hat sie ein Buch mit dem Titel &amp;bdquo;Die Notarztmami&amp;ldquo; ver&amp;ouml;ffentlicht. Sie hat auch schon f&amp;uuml;r unser Fachmagazin geschrieben und f&amp;uuml;r unsere Praxismappe. Und in der kommenden Ausgabe von Kleinstkinder wird sie ausf&amp;uuml;hrlich zu den Themen Unfallpr&amp;auml;vention, Sicherheit und erste Hilfe f&amp;uuml;r Kinder unter 3 Jahren in der Kita schreiben. Julia, auf Unf&amp;auml;lle und Notf&amp;auml;lle sollte man ja im Alltag mit Babys und Kleinkindern immer vorbereitet sein. Uns interessiert nat&amp;uuml;rlich deine Erfahrung aus der Praxis. F&amp;uuml;r welche Art von Unf&amp;auml;llen ist das Risiko bei den unter Dreij&amp;auml;hrigen denn besonders hoch?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Ja, wenn man so ein Ranking machen wollen w&amp;uuml;rde und gucken wollen w&amp;uuml;rde, was am allerh&amp;auml;ufigsten ist, dann sind es nun mal die St&amp;uuml;rze. Ja, das kann der Sturz sein, einfach bei einem Laufanf&amp;auml;nger oder Krabbelbaby nach vorne aus dem Sitzen, aus dem Gehen heraus. Es kann aber eben auch ein Sturz &amp;uuml;ber eine Treppenstufe oder vom Wickeltisch sein. Das ist so das Allerh&amp;auml;ufigste. Daneben ist aber auch das Erforschen nat&amp;uuml;rlich ganz wichtig in diesem Alter und die Kinder probieren alles aus. Daher sind auch Vergiftungen oder Verbrennungen h&amp;auml;ufig. Vergiftungen kommen daher, weil sich Kinder nat&amp;uuml;rlich alles in den Mund stecken, sei es drau&amp;szlig;en oder drinnen. Und dann nat&amp;uuml;rlich auch noch wie in jedem Alter eigentlich Transportunf&amp;auml;lle. Das hei&amp;szlig;t eben auch im Auto, Fahrradanh&amp;auml;nger oder im Kinderwagen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Okay, das hei&amp;szlig;t, die Sturzgefahr, die steht an erster Stelle. Dann lass uns doch da gleich mal ein bisschen n&amp;auml;her drauf eingehen.We reagieren p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte am besten, wenn ein Kind st&amp;uuml;rzt und vor allem, welche M&amp;ouml;glichkeiten haben sie denn einzusch&amp;auml;tzen, wie schwerwiegend so ein Sturz war?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Also als allererstes w&amp;uuml;rde ich sagen, ein Sturz ist was v&amp;ouml;llig Normales und eigentlich Harmloses. Es ist einfach wichtig, dass das Kind diese Erfahrung macht. Das muss ja auch erst lernen, wo ist mein Schwerpunkt? Was passiert, wenn ich mich &amp;uuml;ber eine Stufe oder &amp;uuml;ber eine Kante beuge und meinen Kopf nach vorne h&amp;auml;nge? Der K&amp;ouml;rper und auch der Geist m&amp;uuml;ssen ja erst lernen: Wenn ich mein Gewicht verlagere, was passiert da? Das hei&amp;szlig;t, es ist unvermeidlich, dass das Kind st&amp;uuml;rzen wird, irgendwann in irgendeiner Form und sei es auch mal vielleicht, weil andere Kinder in der Umgebung vielleicht dr&amp;auml;ngeln und schubsen. Das wird einfach passieren und am Anfang muss man das eben auch noch lernen. Das A und O ist nat&amp;uuml;rlich, dass ich solche St&amp;uuml;rze, die wirklich gef&amp;auml;hrlich sind, das hei&amp;szlig;t, solche aus gro&amp;szlig;er H&amp;ouml;he, die kann ich nat&amp;uuml;rlich als betreuende Person schon minimieren, indem ich gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Stufen oder Treppen absperre. Oder wenn es ein Balkon runtergeht, dass dieser Balkon keine Schlitze hat, wo ein Kind durchrutschen k&amp;ouml;nnte. Wenn es z.B. um eine Terrasse oder ein Gartenbereich geht, dass das wirklich abgesichert ist. Oder eben am Wickeltisch wirklich zu sagen, ich verlasse den Wickeltisch nie. Alle Utensilien sind da safe an diesem Platz und ich kann sie direkt benutzen, ohne mich auch nur eine Sekunde wegzudrehen von dem Kind. Trotzdem, wie gesagt, passieren St&amp;uuml;rze immer. Das ist per se nichts Schlimmes. Das A und O ist dann, wie verh&amp;auml;lt sich das Kind danach und wie verhalte ich mich danach? Positiv ist es, wenn das Kind schreit und direkt quasi einen Schocklaut von sich gibt. Schlechter ist es, wenn das Kind gar nichts mehr sagt. Ja, wenn es direkt apathisch wird, so nennen wir das, also schl&amp;auml;frig, irgendwie nicht mehr ansprechbar, das w&amp;auml;re schlecht und auch wenn es direkt erbricht. Das ist ein Zeichen, dass auf dem Kopf irgendwas schon Gr&amp;ouml;beres stattgefunden hat.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Aber als Betreuungsperson kannst du nat&amp;uuml;rlich nur vermeiden, dass es wirklich nicht von gro&amp;szlig;er H&amp;ouml;he st&amp;uuml;rzt, sondern nur auf Ebene der eigenen K&amp;ouml;rpergr&amp;ouml;&amp;szlig;e. Das ist so auch das Ma&amp;szlig;, was ich immer angebe. Also K&amp;ouml;rpergr&amp;ouml;&amp;szlig;e bei einem Kind, alles, was dr&amp;uuml;ber ist, ist gef&amp;auml;hrlich. Alles, was drunter ist, kann man als eher ungef&amp;auml;hrlich einsch&amp;auml;tzen. Das ist schon mal das erste. Trotzdem spielt es nat&amp;uuml;rlich auch eine Rolle, wo f&amp;auml;llt das Kind hin? Ist es auf eine Kante gefallen? Ist es auf den harten Untergrund gefallen? Ist es in Dornen oder Glasscherben gefallen? Ist noch mehr passiert? Und da kann ich als betreuende Person direkt mit dem Bodycheck &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen, wie schwerwiegend so eine Verletzung jetzt gerade gewesen ist. Den Bodycheck lernt man im Erste-Hilfe-Kurs. Wenn du willst, k&amp;ouml;nnen wir den auch kurz mit meiner Biggy mal durchgehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, gerne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Die habe ich n&amp;auml;mlich hier immer dabei, die Biggy. Das ist meine Erste-Hilfe-Puppe. Die sieht zwar ein bisschen schockierend mit aufgerissenem Mund aus. Aber da kann man sehr gut dran vormachen, was man jetzt machen w&amp;uuml;rde. Also das erste ist, wenn ein Kind nat&amp;uuml;rlich hinf&amp;auml;llt, dass ich es mir erstmal anschaue. Das hei&amp;szlig;t, Betrachtung w&amp;auml;re das Allererste. Sehe ich schon, irgendwo kommt Blut raus, sieht's irgendwie komisch aus? Ist irgendein K&amp;ouml;rperteil abgewinkelt, was so nicht sein sollte oder was macht das Kind? H&amp;auml;lt es sich vielleicht den Arm oder kann es vielleicht nicht aufstehen? Also einfach mal gucken, was ist los? Das dauert eine Sekunde. Einfach mal das Kind angucken. Ja, dann als n&amp;auml;chstes w&amp;uuml;rde ich von Kopf nach Fu&amp;szlig;, deswegen hei&amp;szlig;t es eben Bodycheck, von Kopf nach Fu&amp;szlig; einfach mal checken, was so los ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uilein:&lt;/strong&gt; Also einmal von oben bis unten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Genau, dazu einfach mal auf meinen Scho&amp;szlig; nehmen, auch ansprechen und sagen, ja, was ist denn los? Und dabei kann ich nat&amp;uuml;rlich fokussierter untersuchen. Auf die Stirn und die Wangenknochen schauen, ob irgendwo Blut rauskommt, und das Ganze mache ich mit dem ganzen K&amp;ouml;rper. W&amp;uuml;rde ich dann weitermachen, bisschen auf dem Brustkorb dr&amp;uuml;cken, bisschen an den &amp;Auml;rmchen wackeln, sage ich immer auf bayerisch. Also, das hei&amp;szlig;t, die Funktionspr&amp;uuml;fung zu machen, auch mit den Gelenken. Ist hier irgendwas oder gibt es hier vielleicht eine Stelle, wo das Kind besonders viel Schmerz angibt. Oder merke ich auch bei dieser Funktionspr&amp;uuml;fung irgendwo an den F&amp;uuml;&amp;szlig;chen, dass es irgendwo abnormal wackelt oder wehtut oder krepitiert, nennen wir das. Also so ein knackendes, reibendes Ger&amp;auml;usch gibt. Und wenn das alles in Ordnung ist und sich das Kind einigerma&amp;szlig;en beruhigt hat, vielleicht noch bisschen weint, bisschen schnieft, dann auch einfach mal gucken. Diese Funktionspr&amp;uuml;fung machen wir auch in der Klinik. Also einfach mal das Kind weiterspielen lassen und gucken, bewegt es sich normal, setzt es seine Arme und H&amp;auml;nde ganz normal ein, verh&amp;auml;lt es sich ganz normal, l&amp;auml;sst sich auch wieder beruhigen. Schreit jetzt nicht nonstop schrill, gibt keine Aua mehr an, dann kann ich mir eigentlich sicher sein, dass der Sturz glimpflich vor&amp;uuml;bergegangen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Okay, das ist ja schon mal gut zu wissen und eine gute Hilfe f&amp;uuml;r den ersten Check nach einem Sturz. Du hast noch eine andere Gefahr erw&amp;auml;hnt mit der auch Fachkr&amp;auml;fte h&amp;auml;ufig konfrontiert sind, das Verschlucken. Da ist es ja besonders wichtig, dass man schnell und vor allem auch richtig reagiert. Wie sollten Fachkr&amp;auml;fte hier denn vorgehen? Und gibt's vielleicht je nach Alter des Kindes auch unterschiedliche Vorgehensweisen, die du da empfehlen w&amp;uuml;rdest?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Also, es ist generell so, dass es auch beim Beikoststart bei Kleinkindern nat&amp;uuml;rlich schon auch einfach immer dazu kommen wird. Die Kinder werden sich verschlucken, weil sie es einfach noch nicht so gut k&amp;ouml;nnen. Und das ist per se auch hier nichts Schlimmes, wenn man sich mal verschluckt und das Kind kann eigentlich sehr gut mit seinem Hustensto&amp;szlig;reflex die Sachen wieder selber abhusten oder hochhusten. Das hei&amp;szlig;t, du kannst dieses Husten und Abhusten schon auch unterst&amp;uuml;tzen, nicht indem du gleich anf&amp;auml;ngst zu klopfen, sondern wenn du merkst, hey, das Kind hustet einfach kr&amp;auml;ftig, hat sich einfach verschluckt, dann kann man es auf jeden Fall aus dem Hochstuhl z.B., wenn es im Hochstuhl sitzt, herausnehmen und hinstellen und einfach mal beobachten. Ist dieses Husten noch laut und kr&amp;auml;ftig, kommt das Kind selber zurecht? Es w&amp;auml;re sogar falsch, es dann zu st&amp;ouml;ren bei so einem effektiven Husten, sondern ich m&amp;ouml;chte es einfach nur unterst&amp;uuml;tzen und auffordern und sage: "Ja, huste kr&amp;auml;ftig ab, das kommt schon raus", einfach positiv Feedback geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Also hinstehen ist da besser, als wenn es sitzt? D.h., im Stehen kann es das besser?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Ja, dann kann sich die Atemhilfsmuskulatur selber aktivieren, also der Brustkorb freier entfalten. Das Kind kann sich auch mit den F&amp;uuml;&amp;szlig;en abst&amp;uuml;tzen, es kriegt einfach den Brustkorb weiter auf und kann dann besser abhusten. Was anderes ist es, wenn sich dieser Husten dann ver&amp;auml;ndert in sogenannten ineffektiven Husten. Das hei&amp;szlig;t, du merkst, dass das Kind wirklich keine Luft mehr kriegt, dich mit erschrockenen Augen anschaut und immer weniger hustet oder gar nicht hustet und ganz still wird. Und da ist dann der Einsatz der betreuenden Person wirklich erforderlich. Und da w&amp;auml;re es sehr gut, wenn man eben die Erste-Hilfe-Handgriffe dann auch kennt und wei&amp;szlig;, wie man die anwendet. Da ist es n&amp;auml;mlich so, dass man am besten ein C formt mit der Hand und diese unter das Kinn des Kindes legt und das Kind dann mit der Schwerkraft nach vorne beugt. Das hei&amp;szlig;t, ich hoffe, ihr k&amp;ouml;nnt es so gut sehen, Kopftieflage nennen wir das. Jetzt nehmen wir mal an, das Kind hat ein Smartie verschluckt. Dann nimmt man diesen C-Griff, legt das Kind mit Kopf nach unten und schl&amp;auml;gt dann f&amp;uuml;nfmal fest hier zwischen die Schulterbl&amp;auml;tter und schon ist das Smartie runtergefallen. K&amp;ouml;nnt ihr jetzt leider nicht sehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ich hab's geh&amp;ouml;rt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Wichtig ist, dass man sich traut. Man muss da wirklich, auch wenn man sich als Erwachsener normal verschluckt hat, dran denken, wie kr&amp;auml;ftig man das machen muss, dass es wirklich der Schwerkraft folgend herunterf&amp;auml;llt. Wenn die Kinder schon bisschen gr&amp;ouml;&amp;szlig;er sind, kann man sich die auch &amp;uuml;bers Knie legen, so altert&amp;uuml;mlich das anh&amp;ouml;rt, aber einfach, dass der Kopf nach vorne gebeugt, wirklich weiter runter h&amp;auml;ngt, denn es h&amp;auml;ngt ja irgendwo hier im Halsbereich und der soll dann der Schwerkraft folgend nach unten zeigen. Wenn das alles nichts hilft und nach f&amp;uuml;nfmal sich nichts l&amp;ouml;st und das Kind weiter um Atem ringt, dann ist es wichtig, der Kollegin zu sagen, bitte mal die 112 anrufen, wir haben hier drohendes Ersticken. Wenn ein Kind etwas Giftiges oder eine B&amp;uuml;gelperle oder irgendwas verschluckt hat, dann ist nat&amp;uuml;rlich Obacht geboten und irgendjemand sollte in der Zwischenzeit auch professionelle Hilfe holen, w&amp;auml;hrend ich mit dem Kind einen Heimlich-Handgriff mache. Das geht bis zu ein, zwei Jahre. Also mit so einem Kind, was ich jetzt hier habe, sollte man eigentlich nicht den klassischen Heimlich-Handgriff machen, wie wir ihn alle gelernt haben beim F&amp;uuml;hrerschein. Das hei&amp;szlig;t, nicht dahinter stellen und so machen und dr&amp;uuml;cken, sondern wirklich nur mit zwei Fingern auf H&amp;ouml;he des Brustkorbes dr&amp;uuml;cken. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Weil sonst die Verletzungsgefahr zu gro&amp;szlig; ist bei dem Druck f&amp;uuml;r die J&amp;uuml;ngsten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Wobei mit einem Dreij&amp;auml;hrigen kann man auch schon den normalen Heimlich-Handgriff machen. Ja, das muss man so bisschen auch dann selber k&amp;ouml;rperlich einsch&amp;auml;tzen, wie gro&amp;szlig; sind denn die Kinder schon? Also, ich w&amp;uuml;rde sagen, bis ein Jahr auf jeden Fall diesen Heimlich-Handgriff. Und wenn das f&amp;uuml;nfmal gemacht wurde, kann man auch wieder wechseln und f&amp;uuml;nfmal wieder schlagen. Und in der Regel kenne ich keinen Fall, wo das nicht auch schon sehr effektiv geholfen hat. Es kann auch sein, dass das Kind dann sogar erbricht vor lauter Husten, aber wenn dadurch der Fremdk&amp;ouml;rper endlich gel&amp;ouml;st wird, ist das in dem Fall ja sinnig und gut. Wichtig ist nur auch zu checken, was hat es verschluckt, weil es gibt so ein paar Sachen, wie z.B. eben Gifte oder Batterien oder Stecknadeln, Rei&amp;szlig;zwecken. Da muss man nat&amp;uuml;rlich auch gucken, ob das Kind weitere innere Verletzungen hat und sollte es auf jeden Fall dann einem Arzt vorstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Im schlimmsten Fall, also wenn sich das Kind verschluckt und die Handgriffe nicht erfolgreich sind, dann kann es ja auch passieren, dass das Kind bewusstlos wird. Und dann m&amp;uuml;ssten ja Fachkr&amp;auml;fte gegebenenfalls, bevor der Notarzt eintrifft, auch Wiederbelebungsma&amp;szlig;nahmen durchf&amp;uuml;hren, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Genau. Also wir sprechen ja jetzt die ganze Zeit von Situationen, in denen das Kind noch bei Bewusstsein ist, in der ersten Situation sogar versucht, selber zu husten. Da, wie gesagt, einfach unterst&amp;uuml;tzen und beobachten. Dann gibt es die Situation, in der es das nicht mehr alleine schafft. Da empfiehlt sich der C-Griff, die R&amp;uuml;ckenschl&amp;auml;ge zwischen die Schulterbl&amp;auml;tter und der Heimlich-Handgriff, je nach Alter. Und wenn es dann wirklich ist, wie du sagst, dass das Kind sogar das Bewusstsein verliert, dass wirklich der Atemweg vielleicht schon komplett verlegt ist und es bewusstlos wird, dann m&amp;uuml;sste man reanimieren. Auch da empfehle ich nat&amp;uuml;rlich immer, den Erste-Hilfe-Kurs regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig aufzufrischen. Also ein bewusstloses Kind braucht einfach Luft und wenn es nicht mehr atmet, auch die Herzdruckmassage und das im Wechsel. Das Wichtigste ist nat&amp;uuml;rlich die Beatmung beim Kind, weil es oft ein Sauerstoffschaden ist oder ein Sauerstoffmangel, warum ein Kind bewusstlos wird. Und das ist beim Kind auch einfach, denn wir haben ja so einen gro&amp;szlig;en Mund, man kann als Erwachsener Mund und Nase in einem zusammenfassen und erstmal f&amp;uuml;nfmal dem Kind Luft zuf&amp;auml;cheln, f&amp;uuml;nfmal beatmen. Ich mache das mal vor. Ja, also f&amp;uuml;nfmal Mund und Nase beatmen und dann direkt weitermachen mit 15 Wiederbelebungsdr&amp;uuml;cken. Das kann man bei einem Kleinkind so machen, indem man die Daumen zusammenlegt und da 15-mal draufdr&amp;uuml;ckt, nat&amp;uuml;rlich immer auf einem harten Untergrund. Ja, nicht jetzt so wie ich das in der Luft gemacht habe, sondern wirklich hier so draufdr&amp;uuml;cken mit einem harten Untergrund jetzt am Tisch oder am Boden, damit man auch einen Gegendruck hat. Und dann wieder zweimal beatmen, 15-mal dr&amp;uuml;cken. Zweimal beatmen, 15-mal dr&amp;uuml;cken. Das w&amp;auml;re das Optimale. Bei &amp;auml;lteren Kindern kann man das auch nur mit einer Hand machen und beim Erwachsenen kennen wir es ja eh so. Ja, da ist nur wichtig zu beachten, dass es nicht ein Dr&amp;uuml;cken aus dem Ellenbogen heraus ist, sondern es ist ein Dr&amp;uuml;cken mit dem ganzen Oberk&amp;ouml;rper des Helfenden oder des Reanimierenden. Ja, das ist nicht so ein bisschen wackeln aus dem Ellenbogen, sondern man muss da selber die ganze k&amp;ouml;rperliche Kraft aus dem Oberk&amp;ouml;rper einsetzen. Wobei das wirklich erst so ab acht bis zehn Jahren geht. F&amp;uuml;r Kleinstkinder eigentlich ausreichend ist die o.g. Bewegung, aber immer mit dem Gegendruck auf einem harten Untergrund. Und so hat man schon das Wichtigste gemacht, um die Zeit zu &amp;uuml;berbr&amp;uuml;cken, in der hoffentlich auch jemand den Notarzt gerufen hat oder die Not&amp;auml;rztin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Und jetzt nehmen wir mal an, es tritt ein Notfall ein in der Kita. Dann muss ja auch bei den Fachkr&amp;auml;ften jeder Handgriff sitzen und alle Beteiligten sollten sofort wissen, was zu tun ist. Aus deiner Erfahrung, welche vorbeugenden Ma&amp;szlig;nahmen k&amp;ouml;nnen denn p&amp;auml;dagogische Einrichtungen oder sollten sie ergreifen, um im Ernstfall optimal vorbereitet zu sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Also das Wichtigste meiner Ansicht nach ist halt immer, dass man sich schon vorher mit solchen F&amp;auml;llen, sage ich jetzt mal, einfach besch&amp;auml;ftigt. Das m&amp;uuml;ssen ja nicht immer gleich Unf&amp;auml;lle und Notf&amp;auml;lle und Reanimation sein, aber man muss ein Bewusstsein schaffen daf&amp;uuml;r, dass es diese F&amp;auml;lle gibt. Man muss, soweit es m&amp;ouml;glich ist auch Pr&amp;auml;vention betreiben. Das hei&amp;szlig;t eben sowas wie Kantenschutz oder Absicherung einer Treppe oder hei&amp;szlig;e Gegenst&amp;auml;nde au&amp;szlig;erhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren oder Stecknadeln, kleine Knopfbatterien au&amp;szlig;erhalb der Reichweite aufbewahren, solche Sachen. Also Pr&amp;auml;vention ist schon das Eine und dann aber auch das st&amp;auml;ndige Wiederholen und Trainieren. Auch wir machen das. Wir haben auch nicht tagt&amp;auml;glich Kindernotf&amp;auml;lle. Ja, auch wir &amp;uuml;ben das immer wieder. Wir &amp;uuml;ben auch immer wieder den Fall von Massenverletzten. Also was ist, wenn es in der ganzen Schule brennt? Wie reagieren wir da? WDenndiese Ereignisse kommen ja nicht so h&amp;auml;ufig vor, aber trotzdem m&amp;uuml;ssen wir immer vorbereitet sein. Das hei&amp;szlig;t, auch das stetige sich Weiterbilden oder Wiederholen hilft einem, mehr Sicherheit zu erlangen und dann auch strukturierter handeln zu k&amp;ouml;nnen. Deswegen empfehle ich auch immer diese Erste-Hilfe-Poster oder Checklisten oder Algorithmen oder dass man zus&amp;auml;tzlich zum Erste-Hilfe-Kurs eben die Sachen auch im Team mal durchspricht und dann auch wei&amp;szlig;, dass es in so einem Fall eben wichtig ist, klar zu kommunizieren, klar anzusprechen, wer ist der Ansprechpartner und immer auch dran zu denken: Ich muss mir Hilfe holen, ich kann das gar nicht allein schaffen, andere Kinder sind auch noch da, ich brauche dann immer einen Zweiten. Nicht dass kostbare Zeit verstreicht. Solche Sachen muss man halt einfach immer wieder durchgehen oder auch f&amp;uuml;r den Notfall irgendwo eine Liste haben, damit man dann sicher sein kann, dass man nichts vergisst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Sehr gut. Ja, vielen Dank, liebe Julia, f&amp;uuml;r das spannende Gespr&amp;auml;ch. Ich freue mich, dass du zu diesem Thema diese wichtige Aufkl&amp;auml;rungsarbeit leistest und dass wir dich dabei auch ein bisschen unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen. Und wer sich jetzt noch intensiver mit dem Thema Unfall, Pr&amp;auml;vention, Sicherheit und Erste Hilfe besch&amp;auml;ftigen m&amp;ouml;chte, dem empfehle ich das Buch von Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl, die &amp;bdquo;Notarztmami&amp;ldquo;. Und wer ganz konkrete Informationen und Erste-Hilfe-Tipps f&amp;uuml;r Kinder unter drei Jahren sucht, f&amp;uuml;r den erscheint im April unsere Kleinstkinderausgabe 3/25. Dann vielen Dank noch mal f&amp;uuml;r das Gespr&amp;auml;ch, liebe Julia, und ich w&amp;uuml;nsche dir noch einen sch&amp;ouml;nen Tag.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Julia Rehme-R&amp;ouml;hrl:&lt;/strong&gt; Vielen Dank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam, was gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-dr-julia-rehme-roehrl-unfaelle-im-kita-alltag-praevention-und-erste-hilfe-massnahmen/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-dr-julia-rehme-roehrl-unfaelle-im-kita-alltag-praevention-und-erste-hilfe-massnahmen.mp3" type="audio/mp3" length="26461056" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:32 GMT</pubDate><guid>A6CBD0DED62647C4A08E4D310C6B9E6A</guid></item><item><title>Im Spiel die Welt entdecken</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinskinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;Hallo, mein Name ist Katrin Imbery. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und ich begr&amp;uuml;&amp;szlig;e heute die Erziehungswissenschaftlerin und Professorin f&amp;uuml;r Kindheitsp&amp;auml;dagogik Julia H&amp;ouml;ke zum Gespr&amp;auml;ch. Liebe Frau H&amp;ouml;ke, erstmal ganz lieben Dank, dass Sie sich heute ein bisschen Zeit nehmen f&amp;uuml;r diesen Podcast. Wir wollen sprechen &amp;uuml;ber das Spiel der unter Dreij&amp;auml;hrigen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Freue mich auch sehr &amp;uuml;ber die Gelegenheit, dass wir heute noch mal ins Gespr&amp;auml;ch gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Host:&lt;/strong&gt; Im Fachthema neuen Kleinstkinder-Ausgabe beschreiben Sie sehr anschaulich, wie sich wichtige Entwicklungsprozesse spielerisch und auf Eigeninitiative der Kinder vollziehen oder einfacher ausgedr&amp;uuml;ckt: Spiel und Entwicklung der j&amp;uuml;ngsten sind untrennbar miteinander verbunden. Ihrem Entwicklungsstand entsprechend, durchlaufen Kinder deshalb eben auch&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;in der Regel bestimmte Spielphasen, von ersten Erkundungen eines S&amp;auml;uglings mit seinen H&amp;auml;ndchen bis zu komplexen Symbol- und Konstruktionsspielen im dritten Lebensjahr. Lassen Sie uns das noch ein bisschen genauer betrachten. Ich w&amp;uuml;rde Sie gerne fragen, welche Rolle spielen die bereits entwickelten F&amp;auml;higkeiten eines Kindes f&amp;uuml;r sein Spiel oder andersrum gefragt, was k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte durch das Spielverhalten eines Kindes &amp;uuml;ber seinen Entwicklungsstand erfahren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Wenn ich Kinder im Spiel beobachte, sehe ich zum einen sehr gut, was besch&amp;auml;ftigt das Kind gerade, wof&amp;uuml;r interessiert es sich, welche Dinge werden aufgegriffen, f&amp;uuml;r welche Materialien interessiert es sich. Und ich kann da gut erkennen, was die Interessen und Bedarfe des Kindes sind, und wie &lt;span&gt;&lt;/span&gt;tats&amp;auml;chlich sein Entwicklungsstand ist. Also, was schafft das Kind schon, &lt;span&gt;&lt;/span&gt;z.B. im Konstruktionsspiel? Baut es in die Vertikale oder in die Horizontale? Werden da schon T&amp;uuml;rme gebaut? Wird das Konstruktionsspiel auch angereichert, indem das Kind schom erste Rollenspielans&amp;auml;tze zeigt? Also, dass es die Bausteine nicht nur stapelt, sondern da schon z. B. gewisse W&amp;ouml;rter fallen. Ich kann also&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;auf den Ist-Stand der Entwicklung gucken und&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;das l&amp;auml;sst sich dann eben auch gut verkn&amp;uuml;pfen mit dem Thema Beobachtung und Dokumentation, wo es ja darum geht, Entwicklungsst&amp;auml;nde in ganz unterschiedlichen Bereichen zu erfassen. Und gerade im Spiel ist das Sch&amp;ouml;ne, dass ja sehr viele Entwicklungsbereiche angesprochen werden. Also, ich kann Sprachentwicklung sehen, ich kann aber auch motorische Entwicklung sehen,&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;gerade die Feinmotorik. Ich kann erste soziale Verhaltensweisen des Kindes beobachten und gleichzeitig, und jetzt komme ich zu der zweiten Perspektive, setzen sich Kinder im Spiel ja auch neue Herausforderungen. Also, man kann auch gut sehen, dass Kinder sich weiterentwickeln. Sie probieren&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;neue Dinge aus, also z.B. im Konstruktionsspiel, wenn die Kinder eben von der Vertikalen in die Horizontale bauen oder im motorischen Spiel, wenn sie sich nach dem Laufenlernen selbst Balancieraufgaben stellen.Und da kann ich quasi sehen: Was ist denn die Zone der n&amp;auml;chsten Entwicklung? Welcher Herausforderung &lt;span&gt;&lt;/span&gt;stellt sich das Kind jetzt f&amp;uuml;r den n&amp;auml;chsten Entwicklungsschritt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Sie haben gerade gesagt, dass aucherste soziale Entwicklungsschritte zu beobachten sind. Kinder unter drei spielen ja erstmal noch eher nebeneinander als mit miteinander. Wie f&amp;ouml;rdert das Spiel dennoch die soziale Entwicklung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Ich reibe mich tats&amp;auml;chlich pers&amp;ouml;nlich immer ein bisschen an diesem Begriff des Parallelspiels. Der hat sich ja so in der Fachliteratur durchgesetzt, weil man eben feststellt, &lt;span&gt;&lt;/span&gt;dass Kinder sich mit dem gleichen Spielmaterial besch&amp;auml;ftigen, aber jedes Kind f&amp;uuml;r sich bleibt. Und bei vielen Spielmaterialien, die es so gibt im U3 Bereich, also ich denke jetzt z.B. an Aktionstabletts oder Aktionswannen, da wird auch hervorgehoben, dass es wichtig ist, dass jedes Kind sein Material hat, damit es&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;nicht zu Konflikten zwischen den Kindern kommt. Gleichzeitig kann man, wenn man sich darauf einl&amp;auml;sst und Kinder dabei beobachtet, sehen, dass die Kinder durchaus auch schon in Interaktion sind, auch wenn sie nicht miteinander spielen. Dass sie sich gegenseitig beobachten, dass sie gucken, wie geht denn das andere Kind mit dem Material um, dass sie sich gegenseitig anregen, dass sie auch Blickkontakt zueinander suchen und dass das kein v&amp;ouml;llig unabh&amp;auml;ngiges Spiel voneinander ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Was mich auch interessieren w&amp;uuml;rde, ohne jetzt irgendwelchen Stereotypen Vorschub leisten zu wollen: Gibt es Unterschiede in der Art und Weise, wie Jungen und M&amp;auml;dchen spielen in dem Alter?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Also, es gibt sicherlich unterschiedliche Spielthemen und auch unterschiedliche Herangehensweisen, wie Kinder auf Materialien zugehen. Und da l&amp;auml;sst sich das eine oder andere sicherlich auch mit dem Thema Geschlecht&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;verk&amp;ouml;rpern, wobei ich mich schwertue, damit zu sagen, das hat jetzt wirklich eine biologische Grundlage, Es hat eher auch damit zu tun, dass Kinder nat&amp;uuml;rlich sehr fr&amp;uuml;h die Erfahrung machen, dass ihnen&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;unterschiedliche Spielmaterialien angeboten werden. Und auch wenn es heute sicherlich nicht mehr so stereotyp ist, wie ich es in meiner eigenen Kindergartenzeit erlebt habe,&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;kann man schon in Studien zeigen, dass das, was wir Kindern aktiv anbieten, h&amp;auml;ufig noch bestimmten Geschlechtsstereotypen folgt oder dass wir Kinder, wenn sie sich nicht, &lt;span&gt;&lt;/span&gt;aus unserer Sicht quasi entsprechend, einem Spielthema zuwenden, h&amp;auml;ufig nicht so intensiv begleitet werden. Und das ist nat&amp;uuml;rlich etwas, was dann auch wieder&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;ein bestimmtes Spielverhalten bei den Kindern reproduziert. Also Kinder suchen ja im Spiel durchaus auch den Kontakt zu uns Erwachsenen &amp;uuml;ber Blickkontakt, um sich r&amp;uuml;ckzuversichern, &lt;span&gt;&lt;/span&gt;ich bin in einer sicheren Umgebung. Das, was ich gerade tue, wird auch gesehen und wahrgenommen. Und da sind Kinder sehr feinf&amp;uuml;hlig und sehen, was ist denn hier auch ein erw&amp;uuml;nschtes Verhalten von mir. Sie suchen nat&amp;uuml;rlich auch nach Situationen, wo sie Best&amp;auml;tigung bekommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Welcher Ratschlag w&amp;uuml;rde sich daraus schlie&amp;szlig;en lassen? Ich h&amp;ouml;re es schon so implizit raus, aber was w&amp;uuml;rden Sie Fachkr&amp;auml;ften da gerne mitgeben, was diese geschlechtssensible Spielbegleitung betrifft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Also, das betrifft sicher nicht nur die geschlechtssensible, sondern generell auch eine sensible Spielbegleitung, dass ich mich eben immer wieder&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;auch selbst reflektiere und z. B. &lt;span&gt;&lt;/span&gt;&amp;uuml;berlege, wie habe ich mich heute in der Freispielphase positioniert, wo habe ich mich hingesetzt, mit welchen Kindern habe ich gesprochen, auf welche Spielsituation habe ich mich eingelassen und welche Spielsituation hatte ich gegebenenfalls nicht so sehr im Blick. Und wenn ich das kontinuierlich mache, dann komme ich eben auch bestimmt Mustern ein bisschen auf die Schliche. Und besonders gut ist es nat&amp;uuml;rlich, wenn ich dann auch noch im kollegialen Austausch bin, dass man sich gegenseitig Feedback holt und zu schauen, wie begleiten wir tats&amp;auml;chlich diese Spielsituation, was ist uns da besonders wichtig und was f&amp;auml;llt mir vielleicht auch bei anderen Kolleginnen in dieser Spielbegleitung auf? Man sieht das ja h&amp;auml;ufig schneller bei anderen als bei einem selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Was w&amp;uuml;rden Sie raten, wenn in der Beobachtung des Spiels von Kleinkindern pl&amp;ouml;tzlich Themen auftauchen, die Anlass zur Sorge bieten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Also, es st nat&amp;uuml;rlich immer gut, sensibel zu schauen, was thematisieren Kinder auch von sich aus im Spiel. Welche Themen greifen sie auf, was reproduzieren sie? Also, wir haben ja im Spiel auch immer diese doppelte Perspektive. Einerseits lebt das Spiel nat&amp;uuml;rlich auch von Kreativit&amp;auml;t, von Fantasie. Kinder tauchen dabei in Fantasiewelten ein. Je &amp;auml;lter sie werden, desto intensiver und desto breiter ist das auch. Und gleichzeitig ist das Spiel eben auch immer damit verkn&amp;uuml;pft, dass es eine&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Kompensationshandlung ist, also dass ich da unverarbeitete Erlebnisse, Erfahrung verarbeite und diese eben reproduziere. Und was sicher auch schon im U3-Bereich ein Thema sein kann, ist Gewalt im Spiel. Also, wenn ich beobachte, dass Kinder gewaltvolle Auseinandersetzungen, Krieg, Konflikte thematisieren, die sie dann eben auch entsprechend mit Gewalt l&amp;ouml;sen, wenn auch nur im Spiel. Dann kann ich mich nat&amp;uuml;rlich fragen, wo kommt das her und an welchen Stellen taucht das auf. Aus unserer p&amp;auml;dagogischen Sicht ist Gewalt im Spiel&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;etwas, was wir nicht m&amp;ouml;chten. Wir wollen gerne die Kinder in ihrer sozialen Entwicklung unterst&amp;uuml;tzen. Wir wollen m&amp;ouml;glichst fr&amp;uuml;h darauf hinwirken, dass sie lernen, Konflikte gewaltfrei zu l&amp;ouml;sen. Und gleichzeitig kann es aber nat&amp;uuml;rlich sein, dass Kinder auch im Spiel Themen reproduzieren, mit denen sie konfrontiert waren. Es kann sein, dass Kinder Gewalt in der Familie erleben und das dann in Spielen reproduzieren oder auch, dass Kinder gewaltvolle Szenen in Medien gesehen haben und diese dann dar&amp;uuml;ber verarbeiten.&lt;br&gt;
Und es ist sehr schwer da so einen pauschalen Ratschlag zu geben, wie damit umzugehen ist. Da muss man nat&amp;uuml;rlich sehr genau schauen und vielleicht mir auch erstmal die Zeit nehmen, in den Austausch mit Kolleginnen zu gehen und &amp;uuml;ber eine l&amp;auml;ngere Zeit beobachten, ob das immer wieder vom Kind&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;reproduziert wird. Und dann w&amp;auml;re es sicher gut, auch mit Elter ins Gespr&amp;auml;ch zu gehen. Ich habe selbst die Situation gehabt, dass etwas &amp;auml;ltere Kinder mit Fluchterfahrung in einer Einrichtung&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;gewaltvolle Auseinandersetzung nachgespielt haben, die dann das ganze Gruppengeschehen gest&amp;ouml;rt haben. Die sind durch den Raum gelaufen. haben gespielt, dass sie sich gegenseitig totschie&amp;szlig;en. Da muss man nat&amp;uuml;rlich gucken, was hei&amp;szlig;t das f&amp;uuml;r die ganze Gruppe und letztendlich gab es da eben auch Gespr&amp;auml;che mit den Eltern. Es wurde deutlich, dass die Kinder bestimmte Situationen erlebt haben, die sie &amp;uuml;ber dieses Spiel verarbeiten und man hat dann f&amp;uuml;r die Kinder einen eigenen Spielort geschaffen, wo nicht die ganze Kindergruppe durch ihr Spiel gest&amp;ouml;rt wurde. Aber man wollte eben diese diesen Verarbeitungsprozess der Kinder auch nicht eingrenzen und sagen, ihr d&amp;uuml;rft es hier nicht spielen, wir wollen das nicht. Das w&amp;auml;re nat&amp;uuml;rlich f&amp;uuml;r diesen Verarbeitungsprozess nicht besonders f&amp;ouml;rderlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Also, der von Ihnen geschilderte Zusammenhang von Spiel und Entwicklung, der l&amp;auml;sst sich ja p&amp;auml;dagogisch sehr vielf&amp;auml;ltig nutzen. Ein ganz wesentlicher Bereich ist, sie haben das gerade in verschiedenen Zusammenh&amp;auml;ngen schon angesprochen, ist die Spielbegleitung.&lt;span&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Sie schreiben in ihrem Fachthema, dass sich p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte bez&amp;uuml;glich der Spielbegleitung eigentlich in einem st&amp;auml;ndigen Abw&amp;auml;gungsprozess befinden. Auf der einen Seite wollen sie den Kindern erm&amp;ouml;glichen, sich wirklich eigenst&amp;auml;ndig mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und wir haben geh&amp;ouml;rt, das ist ja auch einfach sehr wichtig. Andererseits wollen Fachkr&amp;auml;fte aber auch Lernprozesse anregen. Und eine gute Balance zwischen beidem zu finden, ist gar nicht so einfach. Damit Fachkr&amp;auml;fte Kleinkinder angemessen begleiten k&amp;ouml;nnen, raten Sie Ihnen dazu, &amp;uuml;ber Ihre pers&amp;ouml;nliche Vorstellung von gelungenem Spiel zu reflektieren. Deswegen meine Frage an Sie; Was sind da die wesentlichen Reflexionsfragen und wie beantworten Sie diese f&amp;uuml;r sich selbst?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. H&amp;ouml;ke:&lt;/strong&gt; Also, was f&amp;uuml;r mich eine zentrale Herausforderung ist, dass wir eben dieses Spiel tats&amp;auml;chlich vor allen Dingen erstmal bei den Kindern belassen und uns nicht zu fr&amp;uuml;h einmischen. Die Perspektive aktuell geht gerade mit Blick auf Bildung, auf Entwicklungsanregung schnell in die Richtung, dass ich Spielsituationen darauf analysiere, welche Bildungsanregungen stecken da jetzt drin. Und ich habe ja am Anfang gesagt, das ist beim Spiel auch das Sch&amp;ouml;ne, dass das so vielf&amp;auml;ltig ist und ich da an ganz vielen Stellen ankn&amp;uuml;pfen kann. Und ich glaube, es ist wichtig, immer wieder auch zuzulassen, dass Kinder ihre Spielsituation so gestalten, wie sie das selbst erstmal m&amp;ouml;chten und dass sie nicht unbedingt immer den Erwartungen entsprechen m&amp;uuml;ssen oder thematisieren m&amp;uuml;ssen, was sie jetzt gerade daran besonders interessant finden. Es gibt eine&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Untersuchung im Kontext des &lt;em&gt;Sustain Share Thinking. D&lt;/em&gt;as ist eine Konzeption, die quasi darauf aufbaut, dass wir mit den Kindern in einen gemeinsam geteilten Denkprozess gehen und das hei&amp;szlig;t also, dass nicht das Kind etwas einbringt und ich erweitere das dann direkt, sondern dass ich mich wirklich darum bem&amp;uuml;he, die Perspektive des Kindes erstmal zu verstehen. Da zeigt sich eben ganz sch&amp;ouml;n, dass Kinder sich selbst mit Dingen intensiv auseinandersetzen, wenn ich ihnen nicht vorschnell Dinge erkl&amp;auml;re oder vormache, sondern sie eben m&amp;ouml;glichst lange auch selbst ausprobieren lasse. Also ein gelungenes Spiel f&amp;uuml;r mich ist in erster Linie, wenn wirklich die Aktivit&amp;auml;t beim Kind verbleibt und die Aktivit&amp;auml;t des Kindes auch m&amp;ouml;glichst gro&amp;szlig; ist, also es sich mit einem Material auseinandersetzt, wo es m&amp;ouml;glichst vielf&amp;auml;ltig aktiv sein kann, wo auch durch das Spielmaterial selbst nicht zu viel vorweggenommen wird, also, z.B. das Ger&amp;auml;usch des Polizeiautos nicht das Polizeiauto macht, weil es eine Batterie hat und den Ton herstellt, sondern wenn das Kind das eben selbst auch produzieren kann. Und ich mich dann auf diese Spielsituation so einlassen kann, dass ich eben selbst tats&amp;auml;chlich auch eine Rolle &amp;uuml;bernehme und nicht das Spiel des Kindes lenke, sondern tats&amp;auml;chlich wirklich in so einen Mitspielprozess komme.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ganz lieben Dank, Frau H&amp;ouml;cke, f&amp;uuml;r diese spannenden Einsichten. Ich verweise an dieser Stelle gern noch mal auf die Kleinstkinderausgabe 2/25, in der sich zwei Fachartikel von Ihnen ausf&amp;uuml;hrlich und praxisnah mit den Themen Spielentwicklung und -begleitung befassen. Vielen Dank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinskinder.de.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-prof-dr-julia-hoeke-im-spiel-die-welt-entdecken/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-prof-dr-julia-hoeke-im-spiel-die-welt-entdecken.mp3" type="audio/mp3" length="22789581" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>8013EFDA986F4A9CA506816B275E8F00</guid></item><item><title>Gebärden-unterstützte Kommunikation</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita um Tagespflege, indem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein, ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Kleinstkinder Podcast Frau Professor Dr. Wilken gewinnen konnten. Mit ihr m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber die von ihr entwickelte Methode der Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzten Kommunikation sprechen, die auch kurz GuK genannt wird. Ganz herzlich willkommen, Frau Professor Wilken und vielen Dank, dass Sie sich Zeit f&amp;uuml;r einen kurzen Austausch mit mir nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Gerne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Zu Beginn m&amp;ouml;chte ich Sie noch kurz vorstellen. Sie waren Lehrerin an einer Grund-, Haupt- imd Realschule, Leiterin einer Sonderschule f&amp;uuml;r k&amp;ouml;rperbehinderte und geistig behinderte Kinder und au&amp;szlig;erdem waren sie Professorin an der Leibnitzuniversit&amp;auml;t Hannover.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Sie haben nicht nur die geben unterst&amp;uuml;tzte Kommunikation entwickelt, sondern sie haben auch zu vielen weiteren Themen geforscht, unter anderem zur Sprachf&amp;ouml;rderung beeintr&amp;auml;chtigter Kinder, der F&amp;ouml;rderung von Kindern mit Downsyndrom, der Fr&amp;uuml;hf&amp;ouml;rderung behinderter Kinder und auch zur Elternarbeit. Aktuell geben Sie Seminare f&amp;uuml;r Eltern von Kindern mit Downsyndrom bei der Bundesvereinigung Lebenshilfe und Kurse zur Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzten Kommunikation f&amp;uuml;r Eltern, p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte sowie Logop&amp;auml;dinnen und Logop&amp;auml;den.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Das Verfahren der Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzten Kommunikation haben Sie ja selbst entwickelt, Frau Professor Wilken. Vielleicht k&amp;ouml;nnen Sie uns zu Beginn erst einmal kurz erl&amp;auml;utern. Was versteht man denn genau unter der Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzten Kommunikation?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja, gerne. So wie der Begriff schon sagt, die Kommunikation wird damit unterst&amp;uuml;tzt. Und im Unterschied zu der Geb&amp;auml;rdensprache, wie wir sie von Geh&amp;ouml;rlosen kennen, die ja eine alternative vollwertige Sprache ist, ist die Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzte Kommunikation dazu gedacht, die Kommunikation zu erleichtern bei Kindern, die nicht oder noch nicht sprechen. Und hier werden nur Schl&amp;uuml;sselw&amp;ouml;rter betont und dadurch sind die Kinder besser in der Lage, Abfolgen zu verstehen und sich mitzuteilen, wenn sie dann so weit sind, dass sie auch selbst Geb&amp;auml;rden machen k&amp;ouml;nnen. Das ist also der wesentliche Unterschied. Hier wird die Kommunikation unterst&amp;uuml;tzt. Wir reden wie immer. Wir unterst&amp;uuml;tzen nur einzelne W&amp;ouml;rter mit der Geb&amp;auml;rde. Das ist ein ganz gro&amp;szlig;er Unterschied. Das ist an der Lautsprache orientiert. Und die visuelle Unterst&amp;uuml;tzung mit einer Geb&amp;auml;rde, die erleichtert das Verstehen. Das hei&amp;szlig;t, die geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzte Kommunikation findet vorwiegend oder unter anderem auch Anwendung bei Kindern, die h&amp;ouml;ren k&amp;ouml;nnen und die noch nicht sprechen bzw. das Sprechen gerade erst erlernen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein: &lt;/strong&gt;Ab welchem Alter empfehlen Sie denn fr&amp;uuml;hstens Kindern erste Geb&amp;auml;rden anzubieten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ich w&amp;uuml;rde nicht sagen fr&amp;uuml;hstens, aber so erfahrungsgem&amp;auml;&amp;szlig; mit etwa sechs Monaten kann man Kindern erste Geb&amp;auml;rden anbieten. Aber im Kontext, das ist ganz wichtig, nicht als Training, mach mal, sondern im Kontext lernt das Kind jetzt, dass es sich besser orientieren kann. Warum passiert das jetzt? Ich nehme gern ein Beispiel. Wenn ich dem Kind, das liegt vielleicht da und spielt mit irgendeiner Rassel, ist gerade eigentlich zufrieden und besch&amp;auml;ftigt und ich merke, es braucht eine neue Windel. Jetzt kann ich die Windel nehmen, dem Kind zeigen und dazu die Geb&amp;auml;rde f&amp;uuml;r Windel wechseln machen. Und dann nehme ich das Kind hoch und lege es auf die Wickelkommode. Dann lernt das Kind dadurch, dass ich das ja mehrmals am Tag mache, ah, das passiert jetzt. Und dann lernt es eben nicht nur die Geb&amp;auml;rde, sondern es versteht Abl&amp;auml;ufe besser. Und dann wei&amp;szlig; es: Ah , das ist jetzt dran und dann kommt jetzt das und das und dadurch wird also auch das sich erinnern angeregt. Das habe ich ja vorhin gesehen, das ist da passiert und das wei&amp;szlig; ich jetzt sozusagen. Das beginnt damit und das unterst&amp;uuml;tzen wir und hier geht's wirklich nicht um einen Ersatz der Lautsprache, sondern um eine visuelle Unterst&amp;uuml;tzung der Lautsprache.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Das hei&amp;szlig;t, es unterst&amp;uuml;tzt die Kinder darin zu verstehen. Sie schreiben ja auch, dass die Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzte Kommunikation zus&amp;auml;tzlich dann im n&amp;auml;chsten Schritt auch den Spracherwerb der Kinder unterst&amp;uuml;tzt. Welche positiven Auswirkungen sehen Sie konkret dadurch, dass ein Kind diese Unterst&amp;uuml;tzung beim Spracherwerb erh&amp;auml;lt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Na ja, erstmal ist es dieses Verstehen. Das geht in der Sprachentwicklung immer dem Geb&amp;auml;rden voraus. Das ist klar. Aber jetzt zum n&amp;auml;chsten Schritt. Ich kann anders als in der Lautsprache dem Kind auch ganz konkret helfen, eine Geb&amp;auml;rde zu machen. Nehmen wir mal so ein Beispiel, wie wir es alle machen. Wir bieten dem Kind an, zu winken. Und jetzt kann es lernen: mit dieser Geb&amp;auml;rde&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;verabschieden wir eine Person oder wir verabschieden uns. Und dann kann es sein, dass irgendwann also die Erkenntnis kommt, dass jetzt jemand weggeht oder wir gehen weg und wenn es jetzt zur Mitteilung wird, da hat das Kind wieder einen kognitiven Schritt gemacht. Es setzt jetzt die Geb&amp;auml;rde winke winke ein, wenn es weggehen will als Mitteilung. Dann hat es einen entscheidenden Schritt zur Mitteilung gemacht und so beginnt es auch mit anderen Geb&amp;auml;rden. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich kann das bestimmen, ich kann mit Handf&amp;uuml;hrung dem Kind vermitteln: Wir sind fertig. Und wir betonen bei der Geb&amp;auml;rde ganz intensiv, welche Bedeutung sie hat, zus&amp;auml;tzlich zu dem Wort. Wir m&amp;uuml;ssen uns nicht nur am Wort orientieren, sondern auch wie wir sprechen. Das geh&amp;ouml;rt dazu. Also sage ich, jetzt sind wir fertig. Das ist eine angenehme Sache. Aber das Kind macht etwas, was nicht in Ordnung ist. Und dann sage ich: "H&amp;ouml;r auf", mache die gleiche Geb&amp;auml;rde, die Geb&amp;auml;rde unterst&amp;uuml;tzt wieder, was ich meine. Ganz eindeutig, da geht was zu Ende. Aber es f&amp;uuml;hrt auch dazu, dass durch die Betonung unterst&amp;uuml;tzt wird, auf die Sprache zu achten und Lautsprache zu verstehen. Und dann kann das Kind anfangen, sich mit der Geb&amp;auml;rde fertig mitzuteilen. Das will ich ganz und gar nicht. Ich will jetzt aufh&amp;ouml;ren. Dann kommt der n&amp;auml;chste Schritt. Das hei&amp;szlig;t, die Geb&amp;auml;rde kann unterst&amp;uuml;tzen, dass das Kind sich mitteilen. Also, wir trainieren nicht prim&amp;auml;r die W&amp;ouml;rter, sondern erstmal wird im Kontext so etwas vermittelt, was f&amp;uuml;r das Kind wichtig ist, wie fertig, aber dann auch die Dinge, die das Kind gerne haben m&amp;ouml;chte, die kann es jetzt benennen. Es kann das zeigen. Und was mir ganz wichtig ist, es f&amp;uuml;hrt eben auch dazu, dass die Kinder weniger Frustration erleben. Sie wollen was, sie k&amp;ouml;nnen das auch schon denken, aber sie k&amp;ouml;nnen es noch nicht sprechen. Und dann k&amp;ouml;nnen sie jetzt mitteilen, was es ist, was sie wollen. Und das ist sehr viel leichter f&amp;uuml;r alle Beteiligen. Und von daher hilft es eben jungen Kindern wirklich, sich mitzuteilen und in die Sprache zu kommen. Ich werde nie die Geb&amp;auml;rde f&amp;uuml;r Hund machen, ohne dazu auch wau wau zu sagen. Und das Kind, das in die Sprache hineinw&amp;auml;chst, macht mit der Geb&amp;auml;rde f&amp;uuml;r Hund vielleicht so, was es gerade schon kann. Ja. Und so w&amp;auml;chst es hinein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Also die Mitteilungsf&amp;auml;higkeit der J&amp;uuml;ngsten zu unterst&amp;uuml;tzen ist ein ganz zentraler Aspekt, ja?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Sie schreiben ja auch in in Ihrem Artikel in unserer Fachzeitschrift, dass die Fachkr&amp;auml;fte die Mitteilungsf&amp;auml;higkeit der J&amp;uuml;ngsten auch noch zus&amp;auml;tzlich unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen durch das sogenannte kommunikative Warten. K&amp;ouml;nnen Sie uns kurz erkl&amp;auml;ren, was ist damit gemeint?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Muss ganz das kurz noch ein bisschen erweitern. Es geht darum, dass man in der Kommunikation nicht nur direktiv arbeitet. Sag mal, zeig mal, was ist das? Sag mal das und so weiter. Das ist Direktivit&amp;auml;t, das ist weniger f&amp;ouml;rderlich als Responsivit&amp;auml;t. Ich beobachte, wo das Kind hinschaut. Ach, das m&amp;ouml;chtest du mir zeigen? Ja, was ist denn da? Und wenn das Kind nicht sofort reagiert, dass man nicht den gleichen Impuls noch mal gibt. Ja, zeig mir. Ja, ich muss schon ein bisschen Pause machen, dass das Kind das verarbeitet und &amp;uuml;berlegen kann und dann darauf zeigen kann. Wenn ich z.B. ein Bilderbuch angucke, dann kann ich durchaus warten, was interessiert das Kind und dann kann ich das beobachten. Wo guckt das Kind denn hin? Und dann kann ich sagen, aha, und was ist da so, dass das Kind jetzt da noch mal drauf klopft und mir vielleicht deutlich macht, ja, dar&amp;uuml;ber m&amp;ouml;chte ich reden. Also abwarten, was will das Kind mir mitteilen und z.B. nicht eine Seite nach der anderen vorlesen. Wenn das Kind zur&amp;uuml;ckbl&amp;auml;ttert, dann sagt man nicht, das hatten wir doch schon. Nee, das interessiert das Kind offenbar noch mal. Das ist Responsivit&amp;auml;t und abwarten, was m&amp;ouml;chte es denn jetzt und wohin guckt das Kind? Aufmerksam sein, das ist wichtig f&amp;uuml;r die Kommunikation und das meine ich mit diesem Warten. Dialogisches Bilderbuchlesen. Hatten Sie dazu nicht auch einen Fachartikel in der Zeitung? Es geht eben nicht darum, nur ein Bilderbuch vorzulesen, sondern mit dem Kind in Kommunikation zu treten. Und wenn das Kind jetzt einzelne Geb&amp;auml;rden anbietet, ja, dann wei&amp;szlig; ich, ach, das interessiert das Kind, obwohl das Kind noch nicht sprechend ist. Und das ist in all diesen Situationen sehr hilfreich und f&amp;ouml;rderlich. Und was wir immer wieder betonen m&amp;uuml;ssen, nicht nur f&amp;uuml;r die Sprache im engeren Sinne ist es hilfreich, sondern mit Sprache lerne ich auch zu denken. Es gibt viele kognitive Leistungen, die sprachgebunden sind, aber nicht sprechgebunden. Das hei&amp;szlig;t, auch Geb&amp;auml;rden k&amp;ouml;nnen solche Denkprozesse erleichtern. Z.B. was sind Relationen? Wann ist ein Apfel gro&amp;szlig; und wann ist ein Ball gro&amp;szlig;? So etwas kann ich nur im Kontext lernen, aber ich muss ein Zeichen daf&amp;uuml;r haben, damit ich das fragen kann und ich brauche eine Person, die best&amp;auml;tigt, du hast das richtig &amp;uuml;berlegt. Das stimmt so. Das ist Kommunikation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wunderbar. Vielen Dank. Zum Abschluss w&amp;uuml;rde mich noch interessieren, was hat f&amp;uuml;r Sie denn den Ausschlag gegeben, diese Methode zu entwickeln, die Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzte Kommunikation. Was hat sie dazu motiviert?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Einmal, dass ich gesehen habe, dass Kinder, gerade Kinder mit Down-Syndrom, f&amp;uuml;r dich habe ich das urspr&amp;uuml;nglich ja nur entwickelt, das war die Idee dahinter, dass diese Kinder sich sehr viel mitteilen wollen, als sie konnten. Und das f&amp;uuml;hrte zu Frustrationen, und manchmal auch zur Aggression seitens der Kinder. Und da dachte ich, die Kinder brauchen etwas, womit sie sich mitteilen k&amp;ouml;nnen, und hier muss ich sie unterst&amp;uuml;tzen und anders als eben mit der Lautsprache kann ich die Geb&amp;auml;rden auch mit Handf&amp;uuml;hrung machen. Wenn wir uns die H&amp;auml;nde geben und gemeinsam diese Geb&amp;auml;rde machen, wir jetzt sind wir fertig, dann kann ich mit Handf&amp;uuml;hrung das unterst&amp;uuml;tzen, dass das Kind das lernt und dann kann es sich mitteilen und muss nicht mit schreien mitteilen, ich mag nicht mehr. Also habe ich mich gefragt, welche M&amp;ouml;glichkeiten es gibt. Und dann habe ich angefangen und festgestellt, wie viel sich dann da drumherum entwickelt. Eine Mutter hat gesagt, ich habe damit einen Schl&amp;uuml;ssel zum Denken meines Kindes. Ich habe von dem Kind jetzt Dinge erfahren, von denen ich jetzt ganz erstaunt bin. Ich h&amp;auml;tte nie gedacht, dass mein Kind das schon denken kann, sich solche Dinge &amp;uuml;berlegt. Also, all diese Erfahrungen, die waren so motivierend, dass wir gesagt haben, oh ja, toll. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und diese Geschichten, die dann einzelne Eltern erz&amp;auml;hlen, wie sie eben dadurch doch ihr Kind verstehen konnten und ihr Kind begleiten k&amp;ouml;nnen, gerade wenn die Spracheentwicklung sehr m&amp;uuml;hsam und sehr verz&amp;ouml;gert ist. Das ist schon toll. Das muss ich sagen, wenn ich solche Geschichten h&amp;ouml;re, freue ich mich noch immer.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Also eine Bereicherung f&amp;uuml;r die Kinder, f&amp;uuml;r die Eltern, f&amp;uuml;r die Fachkr&amp;auml;fte, f&amp;uuml;r alle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja, so sehe ich das auch. Es ist einfach sch&amp;ouml;n, dass so etwas gelingt und dass man etwas erf&amp;auml;hrt und dass also auch f&amp;uuml;r die Kinder dieses kommunikative Loch eben nicht sich in dieser Weise zeigt. Und das gilt &amp;uuml;brigens auch f&amp;uuml;r mehrsprachig aufwachsende Kinder. Sie haben damit eine Br&amp;uuml;cke zwischen den Sprachen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, wunderbar. Vielen Dank, Frau Professor Wilken, f&amp;uuml;r diesen Einblick in die Geb&amp;auml;rdenunterst&amp;uuml;tzte Kommunikation. Vielleicht haben wir mit diesem Beitrag bei einigen Fachkr&amp;auml;ften ja Interesse wecken k&amp;ouml;nnen, die Arbeit mit Geb&amp;auml;rden in der eigenen Einrichtung auch mal auszuprobieren. Das w&amp;uuml;rde uns nat&amp;uuml;rlich sehr freuen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Ja, mich auch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Wer sich n&amp;auml;her mit dem Thema besch&amp;auml;ftigen m&amp;ouml;chte, der findet in unserer Kleinstkinderausgabe 1/25 einen ausf&amp;uuml;hrlichen Beitrag von Frau Professor Wilken und viele weitere Hintergrundinfos und konkrete Praxistipps. Ganz herzlichen Dank liebe Frau Professor Wilken f&amp;uuml;r ihre Zeit und ihre aufschlussreichen Ausf&amp;uuml;hrungen. Ich freue mich sehr, dass ich zu diesem Thema mit Ihnen sprechen konnte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Dr. Etta Wilken:&lt;/strong&gt; Gerne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr zugeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinskinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-prof-dr-etta-wilken-gebaerden-unterstuetzte-kommunikation/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-prof-dr-etta-wilken-gebaerden-unterstuetzte-kommunikation.mp3" type="audio/mp3" length="24331596" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>3CA79F86349A47D8976CA8B88B95D432</guid></item><item><title>Das Recht des Kindes, unglücklich zu sein</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Hallo und herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, in dem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein, ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Kleinstkinder Podcast den Autor und Diplompsychologen Dr. Klaus Koch gewinnen konnten. Mit ihm m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber ungl&amp;uuml;ckliche Kinder sprechen und wie p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte ihnen beistehen und sie unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen. Ganz herzlich willkommen lieber Herr Dr. Koch und vielen Dank Ihnen, dass Sie sich Zeit f&amp;uuml;r einen Austausch mit mir nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Ja, und auch Ihnen vielen Dank, dass ich mit Ihnen heute sprechen kann &amp;uuml;ber dieses Thema.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Gerne w&amp;uuml;rde ich Sie noch kurz vorstellen. Lieber Herr Dr. Koch, Sie sind Diplompsychologe und Mitbegr&amp;uuml;nder des P&amp;auml;dagogischen Instituts Berlin. Als Experte f&amp;uuml;r Bindungsst&amp;ouml;rungen arbeiten Sie seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen in zahlreichen Projekten an Kitas und Schulen. Sie sind Autor zahlreicher Fachartikel und Ver&amp;ouml;ffentlichungen zu den Themen Kindheit, Jugend und Bindungstheorie und geben dar&amp;uuml;ber hinaus auch Inhouse-Seminare und Workshops. Das Buch, &amp;uuml;ber dessen Inhalt Sie auch im Fachthema und unserer aktuellen Kleinstkinderausgabe schreiben, tr&amp;auml;gt den Titel Das Recht des Kindes ungl&amp;uuml;cklich zu sein. K&amp;ouml;nnen Sie uns vielleicht einleitend kurz ihre eigene Definition von Gl&amp;uuml;ck und Ungl&amp;uuml;ck erl&amp;auml;utern?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Ja, Gl&amp;uuml;ck und Ungl&amp;uuml;ck zu definieren, das f&amp;auml;llt mir schwer, denn f&amp;uuml;r jeden von uns bedeutet gl&amp;uuml;cklich zu sein und auch ungl&amp;uuml;cklich zu sein oft ganz unterschiedliches. Also die eine empfindet Gl&amp;uuml;ck mit ihren Kindern zusammen zu sein. Sie ist gl&amp;uuml;cklich, wenn ihre Kinder gesund sind und es ihnen gut geht. Die andere f&amp;uuml;hlt sich gl&amp;uuml;cklich, verliebt zu sein und der andere ist wiederum vielleicht gl&amp;uuml;cklich, weil er beruflich Karriere macht und viel Geld verdient. Also &amp;uuml;ber Gl&amp;uuml;ck und Ungl&amp;uuml;ck zu sprechen, f&amp;auml;llt deswegen auch, das ist eine Beobachtung von mir, vielen Erwachsenen gar nicht so leicht. Also zu sagen, ich bin gl&amp;uuml;cklich, ich f&amp;uuml;hle mich gerade gl&amp;uuml;cklich oder ich f&amp;uuml;hle mich ungl&amp;uuml;cklich. Das hat vielleicht damit zu tun, dass Erwachsene h&amp;auml;ufig z&amp;ouml;gern, anderen gegen&amp;uuml;ber &amp;uuml;ber ihre intimen Gef&amp;uuml;hle zu viel Preis zu geben. Und hinzukommt, dass ungl&amp;uuml;cklich zu sein in unserer Gesellschaft h&amp;auml;ufig mit Schw&amp;auml;che gleichgesetzt wird. Also ungl&amp;uuml;cklich zu sein liegt immer so dicht an diesem im Grunde schrecklichen Satz: Du bist ein Loser, also du bringst nichts auf die Reihe, du hast keinen Erfolg. Und deswegen f&amp;auml;llt es vielen Erwachsenen auf jeden Fall schwer zuzugeben, wenn sie sich ungl&amp;uuml;cklich f&amp;uuml;hlen. Das gilt nicht f&amp;uuml;r alle Erwachsenen. Es gibt nat&amp;uuml;rlich Erwachsene, denen f&amp;auml;llt es einfach dar&amp;uuml;ber zu sprechen und es gibt auch Erwachsene, die st&amp;auml;ndig dar&amp;uuml;ber sprechen, ungl&amp;uuml;cklich zu sein. Bei Kindern, und damit auch zum Thema zu mindestens bei den Allerj&amp;uuml;ngsten, mit denen sich ihre Zeitschrift ja haupts&amp;auml;chlich besch&amp;auml;ftigt, &amp;auml;u&amp;szlig;ert sich dagegen das Gef&amp;uuml;hl gl&amp;uuml;cklich zu sein oder ungl&amp;uuml;cklich zu sein und noch ganz unmittelbar und unverstellt. Also, die quietschen vor Gl&amp;uuml;ck, wenn sie sich gl&amp;uuml;cklich f&amp;uuml;hlen. Die w&amp;auml;lzen sich f&amp;ouml;rmlich in ihrem Gl&amp;uuml;ck, die strampeln, die strahlen mit ihren Augen und sie machen sich &amp;uuml;ber die gesellschaftliche Akzeptanz von Gef&amp;uuml;hlen eben noch gar keine Gedanken. Zum Gl&amp;uuml;ck k&amp;ouml;nnte man sagen. Aber je &amp;auml;lter Kinder werden, desto mehr werden sie von den Gl&amp;uuml;cksvorstellungen der Erwachsenen beeinflusst beziehungsweise auch davon - und darum geht es ja auch in meinem Buch - sich oft nicht ungl&amp;uuml;cklich f&amp;uuml;hlen zu d&amp;uuml;rfen, weil das auch irgendwie ein Zeichen von Schw&amp;auml;che ist. Und es f&amp;auml;llt ihnen auch schwer dar&amp;uuml;ber zu sprechen, warum sie ungl&amp;uuml;cklich sind. Das gilt so f&amp;uuml;r Kinder ab drei, vier Jahren. Wir als Eltern zum Beispiel kennen ja alle diesen Spruch, wenn wir schon unser vierj&amp;auml;hriges oder f&amp;uuml;nfj&amp;auml;hriges Kind, aber dann sp&amp;auml;ter vor allen Dingen das Schulkind, fragen, wie war es denn eigentlich in der Schule? Dann sagen die meisten Kinder: "Gut", obwohl es oft gar nicht so gut war.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das hat damit zu tun, dass sie sich vielleicht sch&amp;auml;men zuzugeben, dass es nicht so gut war, dass sie auch ihren Eltern gegen&amp;uuml;ber loyal sein wollen, wenn sie sagen, ja, es war gut, weil sie ihren Eltern nicht wehtun wollen, wenn es eben nicht gut war, wenn sie in der Schule oder aber auch vielleicht schon am Ende der Kita unter irgendetwas gelitten haben. Aber Kleinkinder, das w&amp;uuml;rde ich noch mal betonen, die leben wirklich ihre Gef&amp;uuml;hle gl&amp;uuml;cklich zu sein und ungl&amp;uuml;cklich zu sein und unmittelbar und unverstellt aus. Und das ist das wunderbare, das ist das, was uns als Eltern oder als professionelle Fachkr&amp;auml;fte nat&amp;uuml;rlich viel Freude macht, dies zu sehen, gl&amp;uuml;ckliche Kinder zu sehen, strahlende Kinder zu sehen und gleichzeitig f&amp;auml;llt es uns dann auch bei den J&amp;uuml;ngsten leichter dieses zu erkennen, weil sie eben auch ihr Ungl&amp;uuml;cklichsein unverstellt zum Ausdruck bringen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Wenn Sie jetzt &amp;uuml;ber die m&amp;ouml;glichen Gr&amp;uuml;nde nachdenken f&amp;uuml;r das Ungl&amp;uuml;cklichsein bei Kindern, Sie haben ja jetzt verschiedene Altersstufen benannt. Wo sehen Sie bei den J&amp;uuml;ngsten die haupts&amp;auml;chlichen Ursachen, weshalb diese Ungl&amp;uuml;ck empfinden? Wieso sind die Allerj&amp;uuml;ngsten manchmal ungl&amp;uuml;cklich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Also, wenn die Allerj&amp;uuml;ngsten ungl&amp;uuml;cklich sind, hat das mal abgesehen davon, wenn sie starke Schmerzen empfinden oder krank sind, haupts&amp;auml;chlich mit Verlust&amp;auml;ngsten zu tun. Also die Mama und der Papa sind nicht da, wenn sie da sein sollen. Oder die Kinder finden auf ihre Signale, die sie aussenden, keine Resonanz. Das macht sie ungl&amp;uuml;cklich. Der entscheidende Punkt ist, wie lange diese Erfahrung andauert. Also, wenn man mal keine Zeit hat, wenn man gestresst ist und das Kind m&amp;ouml;chte gern auf den Arm genommen werden, dann ist das kein Drama. Nat&amp;uuml;rlich ist das Kind dann entt&amp;auml;uscht und sendet auch entsprechende Signale aus. Aber wenn das lange anh&amp;auml;lt, dann werden Kinder wirklich ungl&amp;uuml;cklich und man sieht ihnen dieses Ungl&amp;uuml;cklichsein, dass sie ja noch nicht in Worte fassen k&amp;ouml;nnen. Also ein Kind mit ein oder zwei Jahren kann ja nicht sagen, ich f&amp;uuml;hle mich gerade ungl&amp;uuml;cklich oder ich f&amp;uuml;hle mich gl&amp;uuml;cklich, weil es einfach noch &amp;uuml;ber diese Begriffe nicht verf&amp;uuml;gt. Aber man sieht es ihm an und meistens hat das mit Verlust&amp;auml;ngsten zu tun, die Angst dar&amp;uuml;ber, dass die wichtigste Bezugsperson nicht f&amp;uuml;r einen sorgt. Das hat damit zu tun, dass die Kinder ja &amp;uuml;berlebenswichtig von uns den Eltern oder auch eben professionellen Fachkr&amp;auml;ften, wenn sie sie betreuen, abh&amp;auml;ngig sind. Hinzu kommen nat&amp;uuml;rlich noch andere Gr&amp;uuml;nde, ganz verschiedene Gr&amp;uuml;nde. Eine vom Kind geliebte Person und jemand, auf den er seine Bindungsw&amp;uuml;nsche gerichtet hat, zum Beispiel eine Erzieherin, verschwindet pl&amp;ouml;tzlich, das haben wir ja h&amp;auml;ufig in den Krippen wegen der oft doch sehr hohen Fluktuation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder ein kleiner Kamerad auch, das ist schon bei Zweij&amp;auml;hrigen und Dreij&amp;auml;hrigen zu beobachten, verl&amp;auml;sst die Krippe. Es kann auch sein, dass der geliebte Opa oder die geliebte Oma schwer krank ist oder sogar stirbt und dann merkt auch schon ein Kleinkind diese traurige und bedr&amp;uuml;ckende Atmosph&amp;auml;re bei sich zu Hause. Bedr&amp;uuml;ckend, weil es wirklich ein Druck auch auf das Kind und sein seelisches Wohlbefinden aus&amp;uuml;bt. Das sp&amp;uuml;rt ein Kind und auch dann f&amp;uuml;hlt es sich nat&amp;uuml;rlich ungl&amp;uuml;cklich, weil es merkt, der Blick der Eltern &amp;auml;ndert sich. Die Gespr&amp;auml;che der Eltern &amp;auml;ndern sich, wenn ein Todesfall in der Familie passiert. Vielleicht sind die Eltern auch nicht mehr so aufmerksam wie fr&amp;uuml;her, reagieren nicht mehr so aufmerksam. All das sind Gr&amp;uuml;nde f&amp;uuml;r Kleinkinder sich ungl&amp;uuml;cklich zu f&amp;uuml;hlen. Und nat&amp;uuml;rlich auch, wenn das Kind in irgendeiner Form gemobbt oder geh&amp;auml;nselt wird. Auch das verstehen und sp&amp;uuml;ren die J&amp;uuml;ngsten und auch das kann dazu f&amp;uuml;hren, sich ungl&amp;uuml;cklich zu f&amp;uuml;hlen. Wenn es situativ bedingt ist und nicht allt&amp;auml;glich wird, werden auch Kleinkinder, solange sie Zuwendung von uns bekommen, damit fertig. Aber wenn sich dieses Ungl&amp;uuml;cklichsein zu lange &amp;uuml;ber einen zu langen Zeitraum erstreckt, dann werden Kinder, also auch in diesem Alter, h&amp;auml;ufig krank oder sie zeigen psychische Symptome, wie dass sie unruhig sind oder dass sie sich g&amp;auml;nzlich zur&amp;uuml;ckziehen. Also, das sind dann deutliche Zeichen, wenn ein Kind in diesem Alter sein Verhalten pl&amp;ouml;tzlich &amp;auml;ndert. Und dann sollten wir immer hellh&amp;ouml;rig oder hellsichtig sein und uns &amp;uuml;berlegen, womit das zu tun haben kann, dass das Kind sich vielleicht ungl&amp;uuml;cklich f&amp;uuml;hlt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Das sind dann nat&amp;uuml;rlich Situationen, in denen die Kinder &amp;uuml;ber einen l&amp;auml;ngeren Zeitraum ungl&amp;uuml;cklich sind, wo man dann genauer hinschauen muss, was ist mit dem Kind los? Aber die Situation, die Sie zuvor geschildert hatten, wenn jetzt ein Todesfall ist in der Familie ist oder eine Erzieherin geht weg, dann ist es ein relativ normaler Zustand f&amp;uuml;r so ein Kind auch mal ungl&amp;uuml;cklich zu sein. Und Sie schreiben ja auch, dass es sehr wichtig ist, dass die Kinder dieses Ungl&amp;uuml;ck auch zulassen d&amp;uuml;rfen, dass sie auch mal ungl&amp;uuml;cklich sein d&amp;uuml;rfen. K&amp;ouml;nnen Sie das noch mal ein bisschen n&amp;auml;her beschreiben? Warum das wichtig ist?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Ja, gerne. Also das, was f&amp;uuml;r die &amp;auml;lteren Kinder und auch f&amp;uuml;r uns Erwachsene gilt, in unserer Gesellschaft, die sehr stark auf Erfolg und Leistung und Konsum abzielt, dass ungl&amp;uuml;cklich zu sein immer so ein bisschen diesen Beigeschmack hat. Also, der kommt mit seinem oder die kommt mit ihrem Leben nicht klar, irgendwie ein bisschen Loser und so weiter. Das spielt schon auch beim Umgang mit jungen Kindern eine Rolle, n&amp;auml;mlich, dass Erwachsene aus diesem Grund sich ungern darauf einlassen, das Ungl&amp;uuml;ck eines Kindes zu akzeptieren. Und auf der anderen Seite wollen wir als Eltern, wollen wir als Erzieherinnen, als alle, die professionell mit Kindern arbeiten, nat&amp;uuml;rlich, wenn wir sie betreuen, dass die Kinder m&amp;ouml;glichst gl&amp;uuml;cklich sind. Aber immer gl&amp;uuml;cklich zu sein, das gelingt nicht nur keinem Erwachsenen, sondern das gelingt eben auch nicht den Kindern immer. Im Gegenteil, auch f&amp;uuml;r die J&amp;uuml;ngsten, dar&amp;uuml;ber haben wir ja schon gesprochen, gibt es immer wieder Gelegenheiten, sich ungl&amp;uuml;cklich zu f&amp;uuml;hlen. Und jetzt kommt es darauf an, dieses Ungl&amp;uuml;cklichsein den Kindern nicht sofort ausreden zu wollen, denn die Erfahrung ungl&amp;uuml;cklich gewesen zu sein und dieses Gef&amp;uuml;hl allein oder auch mit Hilfe von jemand anderem, den Eltern oder einer Erzieherin &amp;uuml;berwunden zu haben, ist ungeheuer wichtig. Sie schafft Mut und Vertrauen in einen selbst. Das ist auch ein St&amp;uuml;ck Selbstwirksamkeit. Es ist wichtig, diesem Kind nicht sofort sein Ungl&amp;uuml;ck ausreden zu wollen mit den bekannten S&amp;auml;tzen wie jetzt hab dich nicht so oder das geht schon vorbei und du musst jetzt nicht ungl&amp;uuml;cklich sein, ist doch nicht so schlimm. Sondern es ist wichtig, dieses Gef&amp;uuml;hl des Kindes, dass es sich ungl&amp;uuml;cklich f&amp;uuml;hlt, erst einmal zu akzeptieren, bevor man ihm Hilfe anbietet. Und wie gesagt, wichtig ist in diesem Zusammenhang, wenn ich davon spreche, dass es wichtig ist, dass Kinder auch einmal ungl&amp;uuml;cklich sein d&amp;uuml;rfen, das kleine Ungl&amp;uuml;ck, wenn man so will, von dem gro&amp;szlig;en Ungl&amp;uuml;ck zu unterscheiden. Das kleine Ungl&amp;uuml;ck, das sind so diese allt&amp;auml;glichen Erlebnisse, die auch schon die J&amp;uuml;ngsten haben, die dieses Gef&amp;uuml;hl hervorrufen, jetzt ungl&amp;uuml;cklich zu sein. Das muss man nat&amp;uuml;rlich vom gro&amp;szlig;en Ungl&amp;uuml;ck unterscheiden, zum Beispiel wenn ein Elternteil stirbt oder sich die Eltern unter sehr ung&amp;uuml;nstigen Umst&amp;auml;nden trennen und so weiter. Das darf man nat&amp;uuml;rlich nicht bagatellisieren. Mir geht es auch nicht ums Bagatellisieren. Mir geht es nicht darum, das Ungl&amp;uuml;ck der J&amp;uuml;ngsten f&amp;uuml;r unwichtig zu halten. Aber mir geht es vor allen Dingen darum, dass die Kinder das Gef&amp;uuml;hl haben, wenn ich ungl&amp;uuml;cklich bin, bin ich nicht falsch, sondern dann bin ich richtig. Das geh&amp;ouml;rt zu mir und so f&amp;uuml;hle ich mich jetzt in dem Augenblick. Und ich m&amp;ouml;chte, dass dieses Gef&amp;uuml;hl auch bei den anderen, an die ich mich wende mit den Zeichen, die ich aussende, dass das ankommt und dass das nicht weggewischt wird, sondern dass akzeptiert wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Sie haben angesprochen, dass die Erwachsenen den Kindern ihre Hilfe anbieten sollen. Das finde ich auch noch einen ganz wichtigen Punkt. Welche Empfehlungen haben Sie denn f&amp;uuml;r die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte in den Kitas im Umgang mit Kindern, die ungl&amp;uuml;cklich sind, wie k&amp;ouml;nnen die ihre Hilfe anbieten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Also, es gibt eine Ma&amp;szlig;gabe oder eine Regel, die unbedingt zu beachten ist, n&amp;auml;mlich die, dass man dem Ungl&amp;uuml;ck von Kindern, egal wie es sich &amp;auml;u&amp;szlig;ert, niemals ver&amp;auml;chtlich begegnen darf, weder als Eltern noch als p&amp;auml;dagogische Fachkraft. Wie gesagt, viel zu oft fallen dann eben diese S&amp;auml;tze: Hab dich nicht so, ist doch nicht so schlimm, Schwamm dr&amp;uuml;ber. Nein, das Kind muss die Erfahrung bzw. sollte die Erfahrung machen, dass Ungl&amp;uuml;cklichsein kein schlimmes Gef&amp;uuml;hl ist, sondern dass das einfach zu seinem Leben, zum Leben aller dazu geh&amp;ouml;rt und dass diese Erfahrung, die man macht, ungl&amp;uuml;cklich zu sein, auch behoben werden kann, dass das irgendwann aufh&amp;ouml;rt. Wie gesagt, h&amp;auml;ufig mit Hilfe von Eltern oder p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;ften. Und wie jetzt darauf agieren? Also zum einen ist es wichtig, es zun&amp;auml;chst einmal zu akzeptieren, es nicht zu &amp;uuml;bergehen und dem Kind Zuwendung zu schenken. Also zum Beispiel der Satz, ich glaube, dass es dir gerade nicht gut geht, wie kann ich dir helfen? Diesen Satz versteht das 12 Monate alte Kind jetzt noch nicht von dem der Bedeutung der Worte her. Das Zweij&amp;auml;hrige versteht es schon und das Dreij&amp;auml;hrige erst recht. Aber der entscheidende Punkt ist, dass das Kind am Ton unserer Stimme unsere Zugewandtheit erkennt. Es sp&amp;uuml;rt, dass wir ihm Trost spenden wollen. Und genau das beruhigt. Das nimmt ihm seine &amp;Auml;ngste, die ja h&amp;auml;ufig mit Ungl&amp;uuml;cklichsein verbunden sind, n&amp;auml;mlich, dass mir niemand hilft, dass niemand auf mich eingeht, dass niemand mich beachtet. Dieser freundlich zugewandte Ton, der hilft schon, dem Kind Vertrauen in seine n&amp;auml;chste Umgebung herzustellen, sich sicher und geborgen zu f&amp;uuml;hlen, was ja eine Voraussetzung daf&amp;uuml;r ist, das Ungl&amp;uuml;cklichsein auch zu &amp;uuml;berwinden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Herr Dr. Koch. Welche Rolle spielen denn im Umgang mit ungl&amp;uuml;cklichen Kindern bei p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;ften eventuell auch die eigenen Kindheitserfahrungen, die die Fachkr&amp;auml;fte mitbringen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Also im Rahmen meiner Vortr&amp;auml;ge oder Workshops mit Erzieherinnen habe ich immer wieder das Thema angesprochen, inwieweit nicht ihre eigene Kindheitserfahrung den Umgang mit ungl&amp;uuml;cklichen Kindern schwierig macht. Und ich will ein Beispiel nennen. Wenn eine Erzieherin in ihrer eigenen Kindheit Eltern hatte, die Ungl&amp;uuml;cklichsein prinzipiell nicht zulassen wollten oder dar&amp;uuml;ber hinweggeredet haben, so dass das Kind das Gef&amp;uuml;hl hatte, ungl&amp;uuml;cklich zu sein ist etwas B&amp;ouml;ses, ist etwas Schlechtes. Wenn eine Erzieherin diese Kindheitserfahrung mit sich herumtr&amp;auml;gt, dann f&amp;auml;llt es ihr h&amp;auml;ufig auch schwer mit ungl&amp;uuml;cklichen Kindern umzugehen, weil sie das Ungl&amp;uuml;cklichsein des Kindes als eine Bedrohung empfindet, weil das Kindheitserinnerung triggert. Das ist ganz normal. Und dar&amp;uuml;ber reden wir dann auch bei dieser Gelegenheit in Workshops oder im Dialog mit dem einen oder der anderen. Hier ist es wichtig, das selber zuzulassen, dass das vielleicht damit zu tun hat. Ich sp&amp;uuml;re, ein Kind ist ungl&amp;uuml;cklich und ich bin unsicher, will mit dem Kind nichts zu tun haben. Und dann dar&amp;uuml;ber nachzudenken, inwieweit es mit meiner eigenen Kindheit zu tun hat, das lohnt sich und wenn man das tut, erm&amp;ouml;glicht es auch relativ schnell wieder einen guten Zugang zu dem Kind zu finden, das ungl&amp;uuml;cklich ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Herr Dr. Koch. Wir hoffen, dass wir in diesem Gespr&amp;auml;ch Anregungen geben konnten, die den Fachkr&amp;auml;ften im Umgang mit ungl&amp;uuml;cklichen Kita-Kindern helfen. Und wer an weiteren Hintergrundinfos und konkreten Praxistipps zum Thema ungl&amp;uuml;ckliche Kinder begleiten interessiert ist, findet diese in unserer aktuellen Kleinstkinderausgabe 7/24. Hier gibt Herr Dr. Koch zum Beispiel auch ein Interview zum Thema Bindungsaufbau zwischen Kindern und p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;ften in der Kita. Ganz herzlichen Dank lieber Herr Dr. Koch f&amp;uuml;r ihre Zeit und ihre interessanten und wichtigen Ausf&amp;uuml;hrungen. Und nat&amp;uuml;rlich w&amp;uuml;rde ich mich sehr freuen, wenn wir auch in Zukunft wieder einmal die Gelegenheit haben, uns zu einem spannenden Thema aus dem U3 Bereich zu unterhalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Dr. Claus Koch&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Ja, vielen Dank auch f&amp;uuml;r das sch&amp;ouml;ne Gespr&amp;auml;ch und dann vielleicht bis zu einem n&amp;auml;chsten Mal.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-dr-claus-koch-das-recht-des-kindes-ungluecklich-zu-sein/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-dr-claus-koch-das-recht-des-kindes-ungluecklich-zu-sein.mp3" type="audio/mp3" length="29982954" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>B3785B3C321849EAA8469721A8D64025</guid></item><item><title> Update für den Morgenkreis</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein: &lt;/strong&gt;Hallo und herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, indem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. Und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Podcast die Autorin Margit Franz gewinnen konnten. Mit ihr m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber ein viel diskutiertes Thema im U3 Bereich sprechen, den Morgenkreis. Ganz herzlich willkommen, liebe Frau Franz. Sch&amp;ouml;n, dass Sie sich Zeit f&amp;uuml;r einen Austausch mit mir nehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Ja, hallo. Guten Tag, Frau Uihlein. Ich freue mich &amp;uuml;ber die Einladung zum Podcast.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Gerne w&amp;uuml;rde ich Sie noch kurz vorstellen, liebe Frau Franz. Sie sind Diplomp&amp;auml;dagogin, Diplom-Sozialp&amp;auml;dagogin und staatlich anerkannte Erzieherin. In der Vergangenheit waren Sie unter anderem als Kitaleitung, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte t&amp;auml;tig und haben selbst ein Fachmagazin f&amp;uuml;r P&amp;auml;dagogik herausgegeben. Heute arbeiten Sie als Fachreferentin, Publizistin und Autorin. In der neuesten Kleinstkinderausgabe schreiben Sie ja &amp;uuml;ber ein Thema, das in der U3 Betreuung viel Raum einnimmt und gerade in Zeiten des Fachkr&amp;auml;ftemangels stark in der Diskussion steht: den Morgenkreis. Der Morgenkreis stellt ja eine absolute Schl&amp;uuml;sselsituation im U3 Alltag dar und Morgenkreise werden in vielen bzw. den allermeisten Kinderkrippen t&amp;auml;glich praktiziert. Interessant ist dabei die Frage, worin sich die Qualit&amp;auml;t eines Morgenkreises zeigt. Und dar&amp;uuml;ber hinaus stellen sich sicher viele p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte auch die Frage, wie Morgenkreise so gestaltet werden k&amp;ouml;nnen, dass sie nicht nur den Kindern, sondern auch den Erwachsenen Freude bereiten. In ihrem Artikel stellen Sie verschiedene Aspekte vor, die die Praxis des Morgenkreises beeinflussen. K&amp;ouml;nnen Sie uns gleich zu Anfang vielleicht noch mal kurz umrei&amp;szlig;en, wof&amp;uuml;r der Morgenkreis steht? Das hei&amp;szlig;t, welchen Zweck er dient oder besser gesagt, welche Ziele mit dem Morgenkreis erreicht werden sollen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, die Ziele f&amp;uuml;r Morgenkreise, die k&amp;ouml;nnen unterschiedlich sein. Wenn ich die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte frage, wieso, weshalb, warum sie mit den Kindern in der Krippe Morgenkreise machen, dann sagen sie, es ist ihnen wichtig, dass sich einmal am Tag die Gruppe versammelt, sodass die Kinder ja sowas wie ein Gruppenzugeh&amp;ouml;rigkeitsgef&amp;uuml;hl entwickeln k&amp;ouml;nnen. Ein anderes Ziel ist, dass die Fachkr&amp;auml;fte diese gemeinsame Gruppenzeit nutzen m&amp;ouml;chten, um mit Kindern in den Dialog zu kommen, um sich mit Kindern &amp;uuml;ber Themen auszutauschen, um auch Informationen zu geben und ein weiteres Ziel ist vielleicht eher so unter diesem Bildungsaspekt zu sehen, also, dass im Morgenkreis auch Lieder gesungen werden, Fingerspiele gemacht werden, Kreisspiele, aber auch Bilderb&amp;uuml;cher gezeigt werden. Das sind so die wesentlichen Ziele.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Ein gro&amp;szlig;es Thema in vielen Kitas ist es ja auch, wie p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte reagieren sollten, wenn sich jetzt z.B. mal ein Kind weigert, am Morgenkreis teilzunehmen. Wie freiwillig oder verpflichtend sollte Ihrer Meinung nach die Teilnahme am Morgenkreis f&amp;uuml;r die J&amp;uuml;ngsten denn sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, ich bin sehr daf&amp;uuml;r, dass die Morgenkreise freiwillig sind f&amp;uuml;r die Kinder und dass es keine Verpflichtung, kein Druck und keinen Zwang gibt, dass die Kinder teilnehmen m&amp;uuml;ssen. Wichtig ist, dass der Morgenkreis f&amp;uuml;r die Kinder mit positiven Gef&amp;uuml;hlen verbunden ist. Und ich glaube, dieses positive Gef&amp;uuml;hl erreicht man nicht, indem man die Kinder zwingt, teilnehmen zu m&amp;uuml;ssen. Ich gehe davon aus, wenn ein Kind nicht teilnehmen m&amp;ouml;chte, dass es daf&amp;uuml;r seinen pers&amp;ouml;nlichen Grund hat. Und da w&amp;auml;re einfach wichtig dar&amp;uuml;ber nachzudenken, was k&amp;ouml;nnten denn gute Gr&amp;uuml;nde sein, dass ein Kind dem Morgenkreis fernbleiben m&amp;ouml;chte? Ein guter Grund kann sein, dass ein Kind noch sehr neu in der Krippe ist und dieses Setting Morgenkreis ja noch gar nicht kennt und kennenlernen konnte, weil sowas wird ja zu Hause nicht gemacht in der Familie und dass es zun&amp;auml;chst mal den Morgenkreis aus einer sicheren Distanz heraus kritisch beobachtet und dieses Beobachten ist ja eine aktive Teilnahme aus einer gewissen Distanz heraus und das Kind m&amp;ouml;chte dann vielleicht f&amp;uuml;r sich erstmal herausfinden, was passiert da eigentlich, was ist da los und ist diese Situation ungef&amp;auml;hrlich f&amp;uuml;r mich? Also ist es eine freundliche, eine wertsch&amp;auml;tzende Atmosph&amp;auml;re. Und wenn sich die Kinder so schrittweise damit vertraut machen, dann m&amp;ouml;chten sie fr&amp;uuml;her oder sp&amp;auml;ter alle mit dabei sein am Morgenkreis. Vielleicht ist es so, dass &amp;auml;ltere Kinder dann auch mal erkennen, dass sie auch trotzen k&amp;ouml;nnen und dass sie auch mal nein sagen k&amp;ouml;nnen und einfach mal ausprobieren m&amp;ouml;chten, wie ist es, wenn ich heute nicht teilnehmen m&amp;ouml;chte? Auch das ist ja v&amp;ouml;llig entwicklungsangemessen und auch da denke ich, sollte man den Kindern immer eine Br&amp;uuml;cke bauen und sagen, es ist okay, du kannst auch vom Sofa aus zuschauen. Aber die Erfahrung ist, dass sie ja im Grunde genommen dazu geh&amp;ouml;ren m&amp;ouml;chten. Also kein Kind m&amp;ouml;chte sich neben die Gruppe stellen. Fr&amp;uuml;her oder sp&amp;auml;ter kommen sie dann doch alle, wenn der Morgenkreis mit positiven Gef&amp;uuml;hlen verbunden ist und wenn die Kinder das Gef&amp;uuml;hl haben, es hat ein Mehrwert f&amp;uuml;r sie. Also es macht ihnen Spa&amp;szlig; und sie w&amp;uuml;rden etwas Wichtiges verpassen, wenn sie nicht teilnehmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Die Frage ist ja auch, zu welchem Zeitpunkt macht es am meisten Sinn, den Morgenkreis zu gestalten oder stattfinden zu lassen. Der Tag in der Kita ist ja schon ziemlich ausgef&amp;uuml;llt mit Ankommen, Begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung, Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck, Spielen, Pflege und was noch dazu geh&amp;ouml;rt alles. Wann sehen Sie denn einen g&amp;uuml;nstigen Zeitpunkt, um den Morgenkreis vielleicht auch m&amp;ouml;glichst stressfrei in den kurzen Vormittag zu integrieren?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, das ist in der der Krippe ja wirklich nicht so einfach, den g&amp;uuml;nstigen Zeitpunkt zu finden. Sie haben es eben gesagt, die Schl&amp;uuml;sselsituationen m&amp;uuml;ssen ja alle in einem relativ kurzen Zeitfenster gestaltet werden. Also, um nicht in einen Stress zu kommen, ist es schon mal wichtig, die Zeit gut im Blick zu haben. Also, es macht keinen Sinn, um 11 Uhr festzustellen, ui, es ist schon zu sp&amp;auml;t, jetzt m&amp;uuml;ssen wir ganz schnell aufr&amp;auml;umen und ganz schnell in den Morgenkreis kommen. Also, ich glaube, dann hat man schon verloren. Also, das Zeitmanagement ist wichtig, also auch Zeit f&amp;uuml;r den &amp;Uuml;bergang in den Morgenkreis hinein und aus dem Morgenkreis hinaus zu haben. Und ich denke, ein guter Zeitpunkt ist, wenn am Sp&amp;auml;tnachmittag ohnehin ein Umbruch stattfindet, also wenn die selbstbestimmte eigenaktive Spielzeit beendet wird, wenn es ans Aufr&amp;auml;umen geht und wenn man dann vielleicht noch mal rausgehen m&amp;ouml;chte in den Garten. Das dann eine g&amp;uuml;nstige Zeit ist, um den Morgenkreis zu gestalten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Sie gehen ja in Ihrem Artikel auch darauf ein, wie wichtig das f&amp;uuml;r die Fachkr&amp;auml;fte ist, bei der Moderation des Morgenkreises auch auf K&amp;ouml;rpersprache, Mimik und Gestik zu achten. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps, wie Fachkr&amp;auml;fte das &amp;uuml;ben k&amp;ouml;nnen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, der erste Schritt ist ja zun&amp;auml;chst, dass wir uns selbst dar&amp;uuml;ber bewusst sind, dass wir immer mit unserem ganzen K&amp;ouml;rper, also mit unserer K&amp;ouml;rpersprache kommunizieren und dazu geh&amp;ouml;rt auch die Tonalit&amp;auml;t. Also, Sie kennen sicherlich dieses Sprichwort, der Ton macht die Musik. Wie ich etwas zu Kindern sage, also ob ich laut oder leise spreche, ruhig oder hektisch, aufgeregt oder gelassen. Und diese Sprache, also die Tonalit&amp;auml;t verstehen Kinder sofort, auch wenn sie den Inhalt meiner Worte nicht verstehen. Und wenn ich im Morgenkreis zu allen Kindern Blickkontakt herstelle und ihnen ein freundliches L&amp;auml;cheln zusende, dann haben das alle Kinder verstanden, ohne dass ich auch nur ein Wort gesagt habe. Also, die K&amp;ouml;rpersprache ist die urspr&amp;uuml;ngliche und nat&amp;uuml;rliche Sprache des Menschen und deshalb k&amp;ouml;nnen die Kinder, je j&amp;uuml;nger sie sind, diese Sprache umso besser verstehen. Also, das ist erstmal der erste Schritt, mir dar&amp;uuml;ber bewusst zu sein, dass es nicht unbedingt die Worte und die S&amp;auml;tze sind, die die Kinder erreichen, sondern das, was ich ausstrahle, meine Zugewandtheit, dass die Botschaft sofort bei den Kindern ankommt. Und wie kann ich das &amp;uuml;ben? Also nat&amp;uuml;rlich &amp;uuml;ber kollegiales Feedback. Ich k&amp;ouml;nnte jetzt meine Kollegin bitten, zu beobachten, wenn ich den Morgenkreis moderiere, wie respektvoll, freundlich, wertsch&amp;auml;tzend ich heute im Morgenkreis mit den Kindern kommuniziere. Also, wie ist mein Blickkontakt? Wie ist meine Gestik? Wie ist meine Mimik? Was ist mir heute gut gelungen und worauf k&amp;ouml;nnte ich noch mehr achten oder was ist mir vielleicht gar nicht so bewusst? Und was nat&amp;uuml;rlich auch super w&amp;auml;re, ist Videoaufnahmen zu machen, denn dann kann ich mal mich selbst anschauen auf dem Tablet und mal selbst erleben, wie mein Kommunikationsstil ist. Das w&amp;auml;ren so meine Tipps.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Ja, super. Vielen Dank. Wenn Sie schon ansprechen, die Kollegin bitten, kommen wir noch zu einem anderen Aspekt. N&amp;auml;mlich der Aspekt der Teamarbeit, die in dem Bereich, wie Sie jetzt schon sagen, auch erforderlich ist. Welche Arbeit m&amp;uuml;ssen denn die Fachkr&amp;auml;fte im Team leisten, damit Morgenkreise gut strukturiert und qualitativ hochwertig gestaltet werden k&amp;ouml;nnen? Also jetzt abgesehen davon, dass man sich mal &amp;uuml;ber die Schulter gucken l&amp;auml;sst, was braucht es noch im Team?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, ich denke, zun&amp;auml;chst einmal ist es wichtig, dass ein Team ein Bewusstsein davon hat, was eine gute Morgenkreispraxis &amp;uuml;berhaupt ausmacht. Denn um qualit&amp;auml;tsvolle Morgenkreise gemeinsam mit Kindern zu gestalten, muss ich ja erstmal wissen, was sind eigentlich Qualit&amp;auml;tskriterien, die einen Morgenkreis ausmachen und was sind unsere Qualit&amp;auml;tskriterien, also auf welche Praxis haben wir uns in unserer Einrichtung verst&amp;auml;ndigt? Oft wird nur ausgetauscht, welche neuen Lieder gibt es oder welche neuen Fingerspiele oder Spiele gibt's f&amp;uuml;r den Morgenkreis, aber ich meine, eine fachliche Diskussion dar&amp;uuml;ber, wie gestalten wir &amp;uuml;berhaupt den Morgenkreis? Und das denke ich ist meines Erachtens ganz wichtig, dass ein Team genau dar&amp;uuml;ber nachdenkt und Standards entwickelt. Denn so grundlegende Fragen sind z.B. wie beteiligen wir eigentlich die Kinder? Also wie sind die Partizipationsm&amp;ouml;glichkeiten der Kinder am Morgenkreis? Wie vermeiden wir &amp;Uuml;ber- und Unterforderung von Kindern in Morgenkreisen? Denn beides, sowohl &amp;Uuml;berforderung als auch Unterforderung sind Stressmomente f&amp;uuml;r Kinder. Es k&amp;ouml;nnte dann auch ein Grund sein, dass einzelne Kinder vom Morgenkreis fernbleiben m&amp;ouml;chten, weil sie das ganze Setting stresst, weil sie sich da zu wenig angesprochen f&amp;uuml;hlen und nicht abgeholt f&amp;uuml;hlen. F&amp;uuml;r mich ist z.B. total wichtig, dass vorher noch mal richtig gut durchgel&amp;uuml;ftet wird. Oft ist dicke Luft in den Krippen und die Fachkr&amp;auml;fte merken es gar nicht. Und wenn wir wollen, dass Kinder konzentriert am Morgenkreis teilnehmen, dann muss man auch daf&amp;uuml;r sorgen, dass erstmal frischer Sauerstoff im Raum ist. Sitzen die Kinder auf dem Boden? Sitzen sie auf kleinen Sitzkissen? Sitzen Sie auf St&amp;uuml;hlen? Wie ist die gestaltete Mitte? Gibt es &amp;uuml;berhaupt eine gestaltete Mitte? Also, was lege ich denn in die Mitte? Auch da k&amp;ouml;nnte ich die Kinder ja freundlich abholen. Denn wenn ich jetzt ein Bilderbuch in die Mitte lege, dann wissen die Kinder sofort, heute wird ein Bilderbuch gelesen. Stelle ich eine Obstschale in die Mitte, dann wissen die Kinder, was ist das Thema heute vom Morgenkreis? Standard w&amp;auml;re f&amp;uuml;r mich auch eine methodische Vielfalt der Fachkr&amp;auml;fte. Also wird mit Geschichtens&amp;auml;ckchen, mit der Erz&amp;auml;hlschiene, mit dem Kamishibai Theater, mit Bilderbuchkino, mit Tischtheater, mit narrativen W&amp;auml;nden und so weiter in den Morgenkreisen gearbeitet. Also, der Methodenschatz ist auch wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also, es gibt da viele unterschiedliche Aspekte, die ich ja auch in dem Artikel so ein bisschen beschrieben habe, die alle unter dem Aspekt &amp;auml;h diskutiert werden sollen, wie schaffen wir eine gute Qualit&amp;auml;t in unseren Morgenkreisen und das ist zun&amp;auml;chst mal v&amp;ouml;llig losgel&amp;ouml;st von den Inhalten. Also, was machen wir? Die Frage ist eher, wie machen wir es? Und das denke ich ist eine ganz wichtige Diskussion in den Teams, die meiner Erfahrung nach noch viel zu wenig gef&amp;uuml;hrt wird. Also vor allem in Kitas, also wo die Kinder zwischen drei und 6 Jahren sind, h&amp;ouml;re ich oft, dass die Kinder keine Lust mehr haben auf Morgenkreise und dass die Kinder da Verhaltensweisen zeigen, die ung&amp;uuml;nstig sind. Also, sie schubsen, sie st&amp;ouml;ren, sie lassen sich vom Stuhl fallen, sie &amp;auml;rgern andere Kinder und alles. Das sind ja Zeichen daf&amp;uuml;r, dass f&amp;uuml;r die Kinder mit dem irgendetwas nicht stimmt. Deswegen denke ich, ist ganz wichtig an der Stelle gut zu &amp;uuml;berlegen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein&lt;/strong&gt;: Ja, vielen Dank. Was Sie ja vorher auch schon angesprochen haben, ist, dass der Aspekt des &amp;Uuml;bergangs auch ein ganz wichtiger Faktor ist, damit der Morgenkreis gelingen kann. Wie gestalten wir den &amp;Uuml;bergang in den Morgenkreis und den &amp;Uuml;bergang aus dem Morgenkreis wieder hinaus? Was empfehlen Sie? Mit welchen Ritualen oder Signalen k&amp;ouml;nnte man den Morgenkreis einleiten und nat&amp;uuml;rlich genauso wichtig, ihn wieder beenden, damit die Kinder einfach aufgefangen sind und sich darauf einlassen k&amp;ouml;nnen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Also, das ist ein ganz wichtiger Aspekt, den Sie eben benannt haben. Dass sich die Kinder so darauf einlassen k&amp;ouml;nnen, dass sie wissen, was kommt jetzt als N&amp;auml;chstes und dass es nicht so abrupt geht, indem die Fachkraft jetzt mehrmals laut in den Raum ruft: &amp;bdquo;Kommt jetzt alle zum Morgenkreis!&amp;ldquo; Und wenn die Kinder jetzt spielen und dann aufr&amp;auml;umen, um dann in den Morgenkreis zu kommen, dann braucht's schon so eine kleine Handlungsabfolge, die die Kinder verstehen und nachvollziehen k&amp;ouml;nnen. Und die wird ja dann ritualisiert, also die wird quasi t&amp;auml;glich praktiziert und dadurch verinnerlichen Kinder diese &amp;auml;u&amp;szlig;ere Struktur, die wird zu einer inneren Struktur, man k&amp;ouml;nnte auch sagen, zu einer guten Gewohnheit und die wiederum gibt den Kindern ganz viel Sicherheit und Halt und sie k&amp;ouml;nnen dadurch partizipieren, weil sie genau wissen, was passiert jetzt als N&amp;auml;chstes. Und sie k&amp;ouml;nnen antizipieren, weil sie genau wissen, wenn das passiert, dann kommt das. Ja. Und was k&amp;ouml;nnten jetzt Rituale sein? Also wichtig ist, dass wir die Kinder auf vielen Sinneskan&amp;auml;len ansprechen. Also das k&amp;ouml;nnte jetzt ein akustisches Signal sein, z.B. die Klangschale oder das Aufr&amp;auml;umlied, was gesungen wird, um dann w&amp;auml;hrenddessen aufzur&amp;auml;umen. Es k&amp;ouml;nnte aber auch ein optisches Signal sein, indem eine Handpuppe kommt und mit den Kindern spricht. Und da ist immer die Devise: &amp;bdquo;So viel wie n&amp;ouml;tig, so wenig wie m&amp;ouml;glich.&amp;ldquo; Also, wir sollen jetzt da nicht ein gro&amp;szlig;es Brimborium machen, sondern &amp;uuml;berlegen und fein dosieren. Und wenn wir uns dann f&amp;uuml;r ein Ritual entschieden haben, ist es wichtig, dass wir es eben dann t&amp;auml;glich auch so praktizieren. Also, was ich z.B. sehr sch&amp;ouml;n finde, wenn die Kinder in der Morgenkreisrunde zusammenkommen, dann k&amp;ouml;nnte man in die Mitte so einen gro&amp;szlig;en Brummkreisel stellen und den quasi bet&amp;auml;tigen und der dreht sich dann und die Kinder gucken dann ganz gebannt und wie hypnotisiert auf den Kreisel und wenn der dann zum Erliegen kommt, dann geht's z.B. los. Dann begr&amp;uuml;&amp;szlig;t die Erzieherin beispielsweise die Kinder. Das k&amp;ouml;nnte so ein sch&amp;ouml;ner Einstieg sein. Ein Ausstieg aus dem Morgenkreis k&amp;ouml;nnte sein, dass die Handpuppe dann kommt und mit den Kindern gemeinsam dar&amp;uuml;ber nachdenkt, wie ist heute eigentlich das Wetter? Scheint die Sonne, regnet es? Ist es kalt oder warm? Und wenn wir jetzt nach drau&amp;szlig;en gehen, was k&amp;ouml;nnten wir anziehen? Brauchen wir heute Gummistiefel oder braucht man einen Sonnenhut? Wie ist eigentlich die Lage? Das k&amp;ouml;nnte die Handpuppe mit den Kindern besprechen. Die fesselt ja noch mal ganz viel Aufmerksamkeit am Ende des Morgenkreises. Und die Handpuppe k&amp;ouml;nnte dann z.B. auch die Namen der Kinder zufl&amp;uuml;stern, die jetzt leise sich schon nach drau&amp;szlig;en in die Garderobe schleichen. Also ist ja eine gute Idee, das auch zu moderieren und jetzt nicht nur die T&amp;uuml;r aufzumachen und 12 Kinder st&amp;uuml;rzen sich dann in den Flur, sondern da auch eine Struktur zu entwickeln. Dann gehen schon mal die ersten Kinder nach drau&amp;szlig;en mit einer Fachkraft zum Anziehen an die Garderobe und die zweite Fachkraft bleibt mit der Handpuppe noch im Raum und dann kann man vielleicht noch mit dem Fingerspiel oder mit dem Kreisspiel oder mit dem gemeinsamen Lied die Zeit &amp;uuml;berbr&amp;uuml;cken und dann geht sozusagen die zweite H&amp;auml;lfte der Gruppe hinaus in die Garderobe. Ja, und das sind so ganz wichtige Handlungskonzepte, die sich Fachkr&amp;auml;fte &amp;uuml;berlegen m&amp;uuml;ssen, um Stressmomente bei Kindern m&amp;ouml;glichst gering zu halten. Also, wir k&amp;ouml;nnen die Kinder gruppieren. Das ist immer eine gute Idee, um Tohuwabohu zu verhindern. Und diese Mikrotransitionen in den Morgenkreis hinein und aus dem Morgenkreis hinaus sind dann eben etwas, was allen Beteiligten, Kindern und Erwachsenen, Sicherheit gibt und da kann man dann eben als Fachkr&amp;auml;fte gut kooperieren und zusammenarbeiten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, vielen Dank. Das sind wirklich tolle Anregungen und Ideen, wie man in den Morgenkreis hinein und wieder hinauskommen kann mit den Kindern. Wir hoffen, dass wir in diesem Gespr&amp;auml;ch hilfreiche Anregungen geben konnten, die Lust auf den n&amp;auml;chsten Morgenkreis mit den J&amp;uuml;ngsten machen. Und wer an weiteren Hintergrundinfos und konkreten Praxistipps zum Thema Morgenkreise mit den J&amp;uuml;ngsten interessiert ist, findet diese in unserer aktuellen Kleinstkinder Ausgabe. Ganz herzlichen Dank, liebe Frau Franz f&amp;uuml;r Ihre Zeit und die sehr interessanten und wichtigen Ausf&amp;uuml;hrungen und nat&amp;uuml;rlich w&amp;uuml;rde ich mich sehr freuen, wenn wir uns bald mal wieder zu einem spannenden Thema aus dem U3 Bereich unterhalten k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Margit Franz&lt;/strong&gt;: Ja, sehr gerne, Frau Uihlein und auch von mir vielen Dank f&amp;uuml;r unser Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle&lt;/strong&gt;: Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-margit-franz-update-fuer-den-morgenkreis/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-margit-franz-update-fuer-den-morgenkreis.mp3" type="audio/mp3" length="31896823" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>E89DE941522449B484D0EDBA46882EE0</guid></item><item><title>Gute pädagogische Arbeit – trotz allem</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Willkommen beim Podcast vo&lt;em&gt;n Kleinstkinder in Kita und Tagespflege&lt;/em&gt;. Mein Name ist Katrin Imbery. Ich bin Redakteurin bei &lt;em&gt;Kleinstkinder &lt;/em&gt;und ich begr&amp;uuml;&amp;szlig;e heute Theresa Lill von de&lt;em&gt;r Qi&lt;strong&gt;K&lt;/strong&gt; Online-Akademie&lt;/em&gt; zum neuen Kleinstkinder-Podcast. Hallo liebe Theresa. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Hallo. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Vielleicht kurz vorweg: Da unsere Redaktion und&lt;em&gt; QiK&lt;/em&gt; eng zusammenarbeiten, kennen wir uns schon eine Weile und duzen uns deswegen auch. Magst du dich und eure Akademie vielleicht kurz selbst vorstellen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Ja, gerne. Also, ich bin Theresa Lill und bin Mitgr&amp;uuml;nderin bei der Q&lt;strong&gt;&lt;em&gt;iK&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt; Online-Akademie &lt;/em&gt;und dort auch f&amp;uuml;r den Bereich P&amp;auml;dagogik und Didaktik verantwortlich. Bei der&lt;em&gt; Q&lt;strong&gt;iK&lt;/strong&gt; Online-Akademie&lt;/em&gt; haben wir im Fokus, dass wir m&amp;ouml;glichst niederschwellig Wissen im fr&amp;uuml;hkindlichen Bereich vermitteln. Das hei&amp;szlig;t, wir haben verschiedenste Angebote &amp;uuml;ber unsere Onlinekurse, sind aber auch z.B. Veranstalter des Kita-Onlinekongresses und arbeiten da auch gerne mit unterschiedlichsten Expertinnen zusammen, da wir die Meinung vertreten, wir k&amp;ouml;nnen nur gemeinsam eine Ver&amp;auml;nderung in das Feld bringen, und schauen da eben, dass wir m&amp;ouml;glichst viele Menschen zusammenbringen, um Wissen in die fr&amp;uuml;hp&amp;auml;dagogische Praxis zu bringen. Und ich selbst bin auch P&amp;auml;dagogin, ich habe P&amp;auml;dagogik studiert und habe meine Schwerpunkte auf Beobachtung, Dokumentation und inklusive Bildung, aber eben auch auf die fr&amp;uuml;hkindliche Bildung im U3-Bereich&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Vielen Dank, Theresa. Es geht nun um das neue Titelthema in der aktuellen &lt;em&gt;Kleinstkinder-&lt;/em&gt;Ausgabe. Das hast du zusammen mit Marion Lepold und Carola Rittner verfasst. Euer Text tr&amp;auml;gt die &amp;Uuml;berschrift &amp;ldquo;Gute Arbeit unter schwierigen Bedingungen&amp;rdquo;. Kurz zum Hintergrund: Dem hohen Anspruch an gute fr&amp;uuml;hp&amp;auml;dagogische Qualit&amp;auml;t stehen immer mehr die prek&amp;auml;ren Arbeitsbedingungen gegen&amp;uuml;ber. Im Klartext hei&amp;szlig;t das, dass es Fachkr&amp;auml;ften immer schwerer f&amp;auml;llt, wegen des Personalmangels Kleinkinder entwicklungsgerecht zu begleiten. In eurem Artikel beschreibt ihr nun, warum es einerseits so wichtig ist, die Zust&amp;auml;nde nat&amp;uuml;rlich immer wieder laut und deutlich und kontinuierlich anzuprangern und andererseits aber auch jetzt und allen Widerst&amp;auml;nden zum Trotz die p&amp;auml;dagogische Qualit&amp;auml;t nicht einbrechen zu lassen, da ihr sonst echte Entwicklungsrisiken f&amp;uuml;r die Kinder seht. Wo genau siehst du die Gefahren, wenn die p&amp;auml;dagogische Entwicklungsbegleitung immer mehr in den Hintergrund und die Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder immer mehr in den Vordergrund r&amp;uuml;ckt? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Na ja, Kinder lernen in der Krippe ja grundlegende F&amp;auml;higkeiten, also Sprache, motorische oder soziale Kompetenzen. Und unser Auftrag ist es, genau diese Entwicklung zu begleiten. Und wenn jetzt die&amp;nbsp; Lernprozesse von uns Fachkr&amp;auml;ften weniger begleitet werden und dadurch dann gegebenenfalls beeintr&amp;auml;chtigt werden&lt;strong&gt;, kann &lt;/strong&gt;das kann nat&amp;uuml;rlich langfristige Auswirkungen haben auf die kognitive, die emotionale oder auch die soziale Entwicklung der Kinder. Und je nachdem, kann das&amp;nbsp; ein sp&amp;auml;teres Leben dann doch erheblich beeinflussen, wenn eben diese grundlegenden F&amp;auml;higkeiten nicht ausgebildet werden. Gleichzeitig, und das spielt hier eigentlich zusammen, wenn die p&amp;auml;dagogische Qualit&amp;auml;t nachl&amp;auml;sst,&amp;nbsp; k&amp;ouml;nnen auch die Bed&amp;uuml;rfnisse der Kinder nur unzureichend erf&amp;uuml;llt werden. Und so eine Vernachl&amp;auml;ssigung der Bed&amp;uuml;rfnisse, die&amp;nbsp; geht dann wiederum auf das Wohlbefinden insgesamt, wenn die Kinder z. B. nicht gen&amp;uuml;gend Aufmerksamkeit bekommen, zu wenig F&amp;uuml;rsorge da ist oder auch Anleitung in der ein oder anderen Sache. Die Kinder brauchen ja uns Erwachsene als Sicherheitsbasis, als Unterst&amp;uuml;tzung im Alltag, um sich eben sicher zu f&amp;uuml;hlen, um sich dann auch frei entwickeln zu k&amp;ouml;nnen. Und wenn das fehlt, dann wirkt sich das nat&amp;uuml;rlich auf das Wohlbefinden der Kinder insgesamt aus. &lt;br&gt;
Und ich glaube, die Kinder haben keine Zeit zu warten, bis sich die Strukturen und Gegebenheiten &amp;auml;ndern. Die Kinder haben jetzt ihre Kindheit und wir m&amp;uuml;ssen daf&amp;uuml;r sorgen, dass wir sie jetzt unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen.&lt;strong&gt;W ir wissen, &lt;/strong&gt;, dass es Z eit brauchen wird, bis sich gro&amp;szlig;e Strukturen ver&amp;auml;ndern, wir m&amp;uuml;ssen aber auch darauf achten, dass wir die Kinder, die jetzt gerade Kind sind, nicht verlieren. Ich glaube, das ist noch mal ein ganz wichtiger Aspekt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;Aber wo siehst du denn die Spielr&amp;auml;ume f&amp;uuml;r Kita-Teams, die es ihnen erm&amp;ouml;glichen, auch unter diesen Bedingungen momentan hochwertige Arbeit zu leisten, also den Kindern unter anderem Bindung, Autonomie und Partizipation zu erm&amp;ouml;glichen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Ich w&amp;uuml;rde mich da, glaube ich, auf drei wesentliche Punkte fokussieren, die&amp;nbsp; wahrscheinlich &amp;uuml;bergreifend in allen U3-Einrichtungen m&amp;ouml;glich sind. &lt;br&gt;
Der erste wird nicht sonderlich &amp;uuml;berraschend sein. Eine wesentliche S&amp;auml;ule der Qualit&amp;auml;t sind nat&amp;uuml;rlich die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte selbst und deren Haltung. Also, wie gehe ich in die Beziehung mit den Kindern? Wie gehe ich jeden Tag in die p&amp;auml;dagogische Arbeit? Wie pr&amp;auml;sent bin ich? Und ein Beispiel ist da dann z.B. das Thema Partizipation. Denn selbst bei begrenztem Personal kann ich als p&amp;auml;dagogische Fachkraft R&amp;auml;ume schaffen, in denen die Kinder geh&amp;ouml;rt werden und auch in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Und es bedeutet nicht immer&amp;nbsp; gleich, das riesengro&amp;szlig;e Fass aufzumachen und ganz viele Strukturen und partizipative Momente zu schaffen. Ich glaube, vielen kommen bei Partizipation immer so etwas wie Abstimmungsprozesse, Kinderkonferenzen in den Sinn, was sowieso im U3-Bereich sehr, sehr schwierig ist. Partizipation bedeutet aber auch einfach, gezielt&amp;nbsp; auf die Zeichen der Kinder zu achten und&amp;nbsp; darauf einzugehen, um den Kindern&amp;nbsp; Raum f&amp;uuml;r ihre Interessen und Bed&amp;uuml;rfnisse zu lassen Wo sehe ich Widerst&amp;auml;nde? Wo sehe ich bei den Kindern Interesse an bestimmten Dingen? &lt;br&gt;
Ein zweiter Aspekt, den ich in den Vordergrund stellen m&amp;ouml;chte, ist die Reflexion der Stressmomente im Alltag. Also gerade solche Momente wie Essen, Schlafen, Umziehsituation in der Garderobe, der Morgenkreis, ich glaube, das sind so die Klassiker, die einem einfallen, wenn man an Alltags- und Stressmomente denkt und die k&amp;ouml;nnen ja auch durchaus stressig sein,&lt;strong&gt; wenn &lt;/strong&gt;sie nicht gut organisiert sind. Und deswegen ist es unglaublich wichtig, immer wieder den p&amp;auml;dagogischen Alltag zu reflektieren und&amp;nbsp; anzupassen, gerade in stressigen Zeiten. Immer, wenn&amp;nbsp; &amp;uuml;berhaupt keine Zeit ist, sollte ich mich also gerade im Team zusammenzusetzen und die Zeit&amp;nbsp; nehmen, Dinge zu reflektieren und Strukturen zu &amp;auml;ndern. Genau das ist eigentlich der Moment, wo es unbedingt passieren muss, weil sonst kommt man aus diesem Teufelskreis nicht raus. Genau dann, wenn man glaubt, man hat keine Zeit, muss man sich die Zeit nehmen und eben auch wirklich fest einplanen. Der regelm&amp;auml;&amp;szlig;ige Austausch ist genauso wichtig wie&amp;nbsp; z.B.&amp;nbsp; die Kinder zu begleiten.&lt;br&gt;
Und ein letzter Aspekt bezieht sich auf die F&amp;ouml;rderung von sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder. Damit es weniger Konfliktsituationen gibt, weniger Knallmomente, k&amp;ouml;nnen F&amp;auml;higkeiten gezielt durch Aktivit&amp;auml;ten im Alltag gest&amp;auml;rkt werden. Banal ist das Gespr&amp;auml;ch mit den Kindern, also wirklich zu versuchen, Momente im Alltag zu finden, wo man mit den Kindern ins Gespr&amp;auml;ch geht. Ganz allgemein, weil dann die Kinder wissen, da ist eine Person, die f&amp;uuml;r mich da ist. Aber auch wenn z.B. mit dem Portfolio gearbeitet wird, bewusst &amp;uuml;ber Erfolgsmomente und H&amp;uuml;rden mit den Kindern ins Gespr&amp;auml;ch gehen oder auch Entspannungs&amp;uuml;bungen, das kann man auch schon mit ganz kleinen jungen Kindern machenn, &lt;strong&gt;z. B. &lt;/strong&gt;mit Atem&amp;uuml;bungen, Das entspannt&amp;nbsp; und die Kinder &lt;strong&gt;bekommen auch M&lt;/strong&gt;&amp;ouml;glichkeiten an die Hand, sich selbst oder ihre Gef&amp;uuml;hle zu regulieren, Und und nat&amp;uuml;rlich insgesamt das Thema Gef&amp;uuml;hle zum Thema zu machen, damit die Kinder daf&amp;uuml;r Worte finden, ist etwas, was wichtig ist, und kann uch insgesamt helfen, den Alltag zu entspannen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Das Gef&amp;uuml;hl, den Kindern im Alltag nicht mehr gerecht werden zu k&amp;ouml;nnen unter den aktuellen Bedingungen, kann Fachkr&amp;auml;fte&amp;nbsp; in ihrer Arbeit blockieren. Wie k&amp;ouml;nnen Sie dann in solchen Momenten trotzdem handlungsf&amp;auml;hig bleiben und eventuell ihr subjektives Empfinden, dass es den Kindern in der Kita nicht gut geht, irgendwie&amp;nbsp; objektivieren? Gibt es da Techniken? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Ich w&amp;uuml;rde sagen, ja. Also zun&amp;auml;chst ist es nat&amp;uuml;rlich durchaus herausfordernd mit diesem Gef&amp;uuml;hl umzugehen und ich glaube, das ist auch menschlich, dass man das hat. Man m&amp;uuml;sste sich an der einen oder anderen Ecke Gedanken machen, wenn man nie dieses Gef&amp;uuml;hl in Stressmomenten oder in herausfordernden Zeiten h&amp;auml;tte. Aber nat&amp;uuml;rlich schr&amp;auml;nkt dieses Gef&amp;uuml;hl ein. Wenn man das Gef&amp;uuml;hl hat, oh, ich schaffe nichts, ich werde den Kindern nicht gerecht,&amp;nbsp; dann besch&amp;auml;ftige ich mich auch ganz viel mit dem Gef&amp;uuml;hl und das blockiert mich und darum &lt;strong&gt;v&lt;/strong&gt;ertreten wir die Meinung, dass man sich zu erst eigentlich immer kritisch fragen muss, was hei&amp;szlig;t es denn, den Kindern gerecht zu werden? Also, habe ich wirklich das Gef&amp;uuml;hl, dass die Bedarfe, Bed&amp;uuml;rfnisse oder ich nenn es mal Anspr&amp;uuml;che der Kinder nicht erf&amp;uuml;llt werden oder sind es eher meine eigenen Erwartungen? Also wem werde ich nicht gerecht? Werde ich meinen Erwartungen nicht gerecht oder werde ich den Bed&amp;uuml;rfnissen der Kinder nicht gerecht? Das hei&amp;szlig;t, es geht also ganz stark darum, erstmal zu reflektieren, welche Erwartungen es sind, woher die kommen und was es bedeutet, Kindern gerecht zu werden. Und am Ende des Tages ist es bei den Kindern meistens so, dass sie jemanden brauchen, der da ist und sie sieht, also ihrem Grundbed&amp;uuml;rfnissen gerecht wird.&lt;br&gt;
Es hilft dann nat&amp;uuml;rlich auch mit Kolleginnen in den Austausch zu gehen. Welches Empfinden hat die Kollegin? Vielleicht sagt sie, ja, wir werden den Kindern absolut nicht gerecht und ich kann ihr Gef&amp;uuml;hl&amp;nbsp; evtl abschw&amp;auml;chen. Und dann sind es,&amp;nbsp; realistsiche Erwartungen an sich selbst zu stellen. Dass man eher sagt, es war ein guter Tag, wenn ich es z.B geschafft habe, jedem Kind ein L&amp;auml;cheln zu schenken. &lt;strong&gt;Solche &lt;/strong&gt;Dingek ann man sich dann auch aufschreiben. Oder es gibt die Steinchenmethode: Man steckt sich immer einen Stein in die Hosentasche, wenn es einen guten Moment gab. Finde ich eigentlich eine total sch&amp;ouml;ne Idee, und da gibt's ganz viele unterschiedliche Ans&amp;auml;tze, &lt;strong&gt;um &lt;/strong&gt;wirklich auch Dinge zu visualisieren.&amp;nbsp; Ich glaube, man muss da&amp;nbsp; auch eine Methode suchen, die &lt;strong&gt;einen nicht noch &lt;/strong&gt;mehr stresst und viel Zeit in Anspruch nimmt. Aber das kann nat&amp;uuml;rlich total helfen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ihr ermutigt die Kitas auch zum Mut zur L&amp;uuml;cke, weil ihr quasi entlastend sagt, klar k&amp;ouml;nnen die Kitas unter diesen Bedingungen momentan nicht alles auffangen. Also das hei&amp;szlig;t, dass sie sich auf das konzentrieren sollten, was im U3-Alltag wirklich wichtig ist. Davon hast du ja schon einiges genannt. Unddazu geh&amp;ouml;rt dann zwangsl&amp;auml;ufig auch, das zu identifizieren, was unter schwierigen Bedingungen auch mal hinten runterfallen kann. Was ist wichtig, was nicht? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Also an vorderster Stelle steht das Wohlbefinden der Kinder&lt;strong&gt;, und auch, dass &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;der Kinderschutz gewahrt ist, dass die Kinder&amp;nbsp; zu ihren Rechten kommen, teilhaben d&amp;uuml;rfen und einfach selbstaktiv sein k&amp;ouml;nnen. Kinder in Krippen brauchen daf&amp;uuml;r vor allem zwei Dinge: Sicherheit und Geborgenheit und verl&amp;auml;ssliche Beziehungen, denn die Beziehungen sind eigentlich so der Ankerpunkt f&amp;uuml;r alles, weil erst wenn ein Kind sich sicher f&amp;uuml;hlt,&amp;nbsp; kann es auch lernen. Das hei&amp;szlig;t, wenn wir das nicht geschafft bekommen, dann brauchen wir die anderen Dinge eigentlich, jetzt komplett &amp;uuml;berspitzt formuliert, gar nicht machen. Weil ein Kind nicht frei lernen kann, wenn er sich nicht sicher f&amp;uuml;hlt. Dann hat das Kind dann erstmal ganz andere Themen. Das hei&amp;szlig;t, an vorderster Stelle steht, dem Kind Beziehungen anzubieten und diese auch aufrechtzuerhalten. Der sichere Rahmen kann neben den Beziehungen, die wir anbieten, aber auch durch wichtige Ankerpunkte im Tagesablauf gesetzt werden, wie das Mittagessen oder Ruhezeiten. Das hei&amp;szlig;t, wir pl&amp;auml;dieren auch daf&amp;uuml;r, dass man bei all den Notl&amp;ouml;sungen, die man oft im Alltag machen muss&lt;strong&gt;,&lt;/strong&gt; versucht, wichtige Ankerpunkte nicht zu stark zu variieren, denn auch die geben den Kindern Sicherheit und einen Rahmen. Und wenn sich das ganz oft ver&amp;auml;ndert,&amp;nbsp; dann verlieren wir sozusagen einen Ankerpunkt. Und dann ist es im Prinzip auch noch mal hilfreich, die fr&amp;uuml;hkindliche Bildungstheorie heranzuziehen. Ich habe es gerade schon gesagt, Kinder lernen dann, wenn sie sich sicher f&amp;uuml;hlen. Kinder lernen dann, wenn sie ihre Interessen verfolgen k&amp;ouml;nnen. Das hei&amp;szlig;t, wir m&amp;uuml;ssen gar nicht ganz viele Angebote machen. Wir m&amp;uuml;ssen eigentlich nur R&amp;auml;ume schaffen, in denen die Kinder ihren Interessen nachgehen k&amp;ouml;nnen. Dann lernen sie unglaublich viele wichtige Sachen, die sie f&amp;uuml;r ihre Leben, f&amp;uuml;r die grundlegenden Kompetenzen brauchen, wenn wir sie auch noch begleiten. &lt;br&gt;
Und daraus ergibt sich eben dann auch was unter schwierigen Bedingungen zeitweise mal hinten runterfallen kann&lt;strong&gt;: &lt;/strong&gt;Angebote oder auch Projekte, Ausfl&amp;uuml;ge, Feste, laute&lt;strong&gt;r&lt;/strong&gt; Dinge, die Organisationsaufwand mit sich bringen. Das hei&amp;szlig;t, die kann man einfach zeitweise mal ausfallen lassen und sich auf den Kern fokussieren, aber auch administrative Aufgaben, z.B. eine ausf&amp;uuml;hrliche Entwicklungsdokumentation kann auch mal etwas k&amp;uuml;rzer gehalten werden. Mir ist es an der Stelle noch mal besonders wichtig zu betonen, es geht hier um ein zeitweise Notl&amp;ouml;sung, denn Dinge wie Ausfl&amp;uuml;ge oder auch Feste sind nat&amp;uuml;rlich total pr&amp;auml;gend f&amp;uuml;r ein Kita-Leben und auch f&amp;uuml;r die Zusammenarbeit mit Familien. Und &lt;strong&gt;auch &lt;/strong&gt;Dinge wie die Entwicklungsdokumentation sind wichtig, um Kinder professionell begleiten zu k&amp;ouml;nnen, aber als Notl&amp;ouml;sung kann das durchaus mal hinten runterfallen. Man sagt immer so sch&amp;ouml;n, in jeder Herausforderung steckt auch eine Chance. Und das sehe ich hier auch, denn es lohnt sich ja durchaus mal die eine oder andere Sache, die man so im p&amp;auml;dagogischen Alltag macht, in Frage zu stellen, ob es die denn wirklich braucht bzw. ob es die Ressourcen und den Aufwand rechtfertigt.. Und ich schmei&amp;szlig;e einfach mal zwei Stichw&amp;ouml;rter in den Raum, Muttertagsgeschenke und Laternen basteln. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Theresa, wir haben jetzt viel dar&amp;uuml;ber gesprochen, wie die Fachkr&amp;auml;fte den Kindern gerecht werden k&amp;ouml;nnen, aber ich m&amp;ouml;chte jetzt zum Schluss die nicht minder wichtige Frage stellen: Wie k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte in der momentanen Situation vor allem auch sich selbst gerecht werden, was ja nicht zuletzt auch wieder den Kindern zugute kommt, wenn die Fachkr&amp;auml;fte nicht v&amp;ouml;llig auf dem Zahnfleisch laufen oder was man gerade viel beobachten kann, einfach ihre Stelle k&amp;uuml;ndigen, weil sie nicht mehr k&amp;ouml;nnen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Theresa Lill: Ja. Total, das w&amp;uuml;rde ich auch direkt aufgreifen, denn nur wenn es mir selbst gut geht, kann ich auch f&amp;uuml;r andere, in dem Fall f&amp;uuml;r die Kinder, wirklich gut da sein. Wir haben ja immer die Tendenzen als p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte uns&amp;nbsp; an die letzte Stelle zu stellen und da muss ich erstmal eben auch die Haltung drehen, dass ich mich selbst eigentlich an vorderste Stelle stellen muss, denn nur dann kann ich alles andere auch gut machen. Und deswegen ist dieses Stichwort Selbstf&amp;uuml;rsorge nat&amp;uuml;rlich total wichtig. Und da gibt's jetzt auch ganz viele unterschiedliche Ans&amp;auml;tze. Vor allem hat ja jede Person andere Strategien, um den Akku aufzuladen. Manche Menschen brauchen unglaublich viele Menschen um sich herum und wider andere sagen: &amp;ldquo;UmGottes Willen, ich brauche so viel Ruhe wie nur m&amp;ouml;glich." Was ich wichtige&amp;nbsp; finde ist, das zur Selbstf&amp;uuml;rsorge auch Selbstmitgef&amp;uuml;hl z&amp;auml;hlt. Also nicht zu verwechseln mit Selbstmitleid. Also es auch mal in Ordnung zu finden, dass man kaputt ist, dass man vielleicht nicht mehr kann und sagt: "Hey, du brauchst da mal eine Pause." Also all das, was man&amp;nbsp; vielleicht zu Freunden sagen w&amp;uuml;rde oder zu Kolleginnen. &lt;br&gt;
Fachkr&amp;auml;fte, ich glaube, das trifft einfach auf die meisten zu, haben eine unglaublich soziale Ader, und m&amp;ouml;chten immer alles auffangen. Dann aber hat das Au&amp;szlig;en die Annahme, das&amp;nbsp; ja alles irgendwie funktioniert. Wenn wir immer alles m&amp;ouml;glich machen, dann ist nat&amp;uuml;rlich auch der Anreiz von au&amp;szlig;en nicht so sonderlich gro&amp;szlig;, dass sich die Dinge &amp;auml;ndern. Und das ist, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt, dass wir auf der einen Seite versuchen m&amp;uuml;ssen, f&amp;uuml;r die Kinder eine m&amp;ouml;glichst gute Umgebung zu schaffen. Auf der anderen Seite aber auch&amp;nbsp; laut zu werden, klar benennen, was nicht funktioniert und aber dann auch die Konsequenz zu ziehen und wirklich zu sagen: ,Nein, hier ist jetzt auch ein Punk, hier kann ich das nicht mehr verantworten, mir und den Kindern gegen&amp;uuml;ber.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt; Ja, das finde ich super, dass du das zum Abschluss jetzt noch mal sagst, weil es ja nicht darum gehen sollen, noch mehr Anspr&amp;uuml;che auf Fachkr&amp;auml;fte zu projizieren. Macht gute Arbeit trotz allem. Ja, das ist wichtig, aber eben werdet auch laut - f&amp;uuml;r euch und f&amp;uuml;r die Kinder.&amp;nbsp; Theresa, vielenn Dank f&amp;uuml;r deine Zeit und dein&amp;nbsp; sehr spannenden Ausf&amp;uuml;hrungen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Theresa Lill:&lt;/strong&gt; Danke f&amp;uuml;rs Einladen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Sehr gerne. Vielen Dank f&amp;uuml;rs Kommen.&amp;nbsp; Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt.&amp;nbsp; Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf&lt;em&gt; www.kleinskinder.de.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-theresa-lill-gute-paedagogische-arbeit-trotz-allem/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-theresa-lill-gute-paedagogische-arbeit-trotz-allem.mp3" type="audio/mp3" length="34676578" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>F20EF940A5B34D028587393299D21F0F</guid></item><item><title>Selbstbestimmt windelfrei werden</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Hallo und herzlich willkommen beim Podcast unserer Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, in dem wir mit unseren Autoren &amp;uuml;ber ihre Fachartikel im Heft sprechen. Mein Name ist Claudia Uihlein. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und und Tagespflege und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren Podcast die Autorin Helia Schneider gewinnen konnten. Mit ihr m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber ein sehr wichtiges Thema im U3-Bereich sprechen, und zwar das Thema Ausscheidungsautonomie. Ganz herzlich willkommen, liebe Helia. Sch&amp;ouml;n, dass du Zeit f&amp;uuml;r einen Austausch mit mir hast. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Hallo Claudia, danke, dass ich hier sein darf. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Gerne w&amp;uuml;rde ich dich noch kurz vorstellen, liebe Helia. Du hast bereits eine Kita geleitet und nebenbei eine Weiterbildung zur Freinet-P&amp;auml;dagogin gemacht. Berufsbegleitend hast du Bildungsmanagement studiert. Du bist Psychodramapraktikerin und arbeitest seit 10 Jahren als Selbst&amp;auml;ndige, haupts&amp;auml;chlich als Sportbildnerin f&amp;uuml;r Kleinkind und Elementarp&amp;auml;dagogik. Au&amp;szlig;erdem bist du Supervisorin und freiberufliche Redakteurin bei Kindergarten heute das Leitungsheft und zudem Autorin von Fachb&amp;uuml;chern und Fachartikeln. Kindergarten heute erscheint wie Kleinstkinder auch im Herder Verlag. Deshalb bist du ab und zu bei uns vor Ort und ich habe das gro&amp;szlig;e Gl&amp;uuml;ck mit dir heute hier pers&amp;ouml;nlich sprechen zu k&amp;ouml;nnen. In der neuesten Kleinstkinderausgabe schreibst du ja &amp;uuml;ber eines der gro&amp;szlig;en Themen in der U3-Betreuung und gleichzeitig einen sehr bedeutsamen Entwicklungsschritt der Kinder, die Ausscheidungsautonomie. Kannst du uns gleich zu Anfang vielleicht noch mal kurz umrei&amp;szlig;en, was dieser etwas sperrige Begriff genau beinhaltet?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Ja, Claudia, der Begriff ist tats&amp;auml;chlich etwas abstrakt. Ich musste mich da auch erstmal dran gew&amp;ouml;hnen. Und als ich dann aber ein bisschen dr&amp;uuml;ber nachgedacht habe, habe ich gedacht, ja, irgendwie beschreibt er treffend, was passiert. Ja, man hat ja lange gesagt Sauberkeitsentwicklung oder sauber werden, trocken werden und das war so 2016, da hat die Verhaltensbiologin Gabriele Haug Schnabel diesen neuen Begriff eingef&amp;uuml;hrt und zumindest im fachlichen Diskurs l&amp;ouml;st er diese anderen Bezeichnungen ab. Und worum geht's da? Also, es beschreibt diesen wichtigen Meilenstein in der kindlichen Entwicklung, n&amp;auml;mlich, dass das Kind nach und nach autonom selbstbestimmt im eigenen Tempo die Kontrolle &amp;uuml;ber Blase und Darm gewinnt. Und das steckt in diesem Ausscheidungsautonomie drin, die Selbstst&amp;auml;ndigkeit, die Selbstbestimmung. Und es wird aber auch jetzt so im Sprachgebrauch im Alltag, ich mache das auch in meinen Fortbildungen, benutze ich auch manchmal so Sachen wie Abschied von der Windel oder Windelfrei oder Toilettenfit. Das h&amp;ouml;re ich auch immer &amp;ouml;fters von p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;ften. Bei Eltern ist es noch ganz oft weit verbreitet, dass Sauberkeitsentwicklung oder so gesagt wird oder trocken werden. Aber bei den Fachkr&amp;auml;ften h&amp;ouml;re ich schon immer h&amp;auml;ufiger auch die neuen Formulierungen. Warum betone ich auch, dass es sinnvoll ist, das zu machen, weil wenn ich mir &amp;uuml;berlege, was bedeutet, sauber werden, das Gegenteil davon k&amp;ouml;nnte ja sein, ah, das Kind ist dreckig und ich m&amp;ouml;chte dem Kind nicht zu Botschaft vermitteln. Ich mache dich sauber oder du wirst sauber und dahinter steckt eigentlich du bist dreckig. So, das steckt auch noch dahinter.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, du hast ein wichtiges Stichwort genannt, n&amp;auml;mlich dass der Abschied von der Windel selbst&amp;auml;ndig und selbstbestimmt erfolgt und dass jedes Kind es in seinem eigenen individuellen Tempo tun kann. Ab welchem Alter beginnt denn dieser Prozess, dass die Kinder die Kontrolle &amp;uuml;ber ihre Ausscheidungen erlangen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Das passiert in mehreren Schritten und ist auch sch&amp;ouml;n hinl&amp;auml;nglich beschrieben und erforscht worden. Da ist mir ganz wichtig, Remo Largo zu nennen, Kinderarzt aus der Schweiz, leider schon verstorben, der &amp;uuml;ber viele Jahre weg viele Kinder beobachtet hat und auch zu dem Schluss gekommen ist, dass ein Toilettentraining z.B. nicht Kinder dazu bringt, dass sie fr&amp;uuml;her Windelfrei werden, aber man kann jetzt so Zeitfenster beobachten, in denen Kinder bestimmte Dinge anzeigen. Also es f&amp;auml;ngt damit an, dass sie z.B. zwischen dem 15. bis 18. Lebensmonat anzeigen, wenn sie Stuhl oder Urin abgegeben haben und dann kurz drauf so ungef&amp;auml;hr zwischen 18 und 36 Monaten sind die meisten Kinder in der Lage, dass sie dann auch signalisieren k&amp;ouml;nnen, also verbal zum Ausdruck bringen oder auch drauf zeigen, dass sie gleich, ich setze es jetzt mal hier imagin&amp;auml;r in Anf&amp;uuml;hrungsstrichen Pipi oder Kaka machen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Das sind so die Termine, also die W&amp;ouml;rter, die am h&amp;auml;ufigsten benutzt werden. Also ja, wenn wir uns jetzt diese W&amp;ouml;rter Urin, Harn, Kot, Stuhl, wenn wir uns die mal anschauen, sind die nat&amp;uuml;rlich etwas medizinisch. Also insofern mit Kindern spricht man ja dann doch meistens von Pipi oder Kacka. Und es ist auch so, dass manche M&amp;auml;dchen, wird beschrieben, das schon davor k&amp;ouml;nnen, also schon um den ersten Geburtstag herum. Meistens M&amp;auml;dchen, aber nicht viele. Dann geht's weiter, dass zwischen dem ungef&amp;auml;hr 16. und 24. Lebensmonat ein Kind seine Darmt&amp;auml;tigkeit immer besser sp&amp;uuml;ren kann, was nat&amp;uuml;rlich dann auch wiederum eine wichtige Voraussetzung f&amp;uuml;r die Kontrolle von Darm ist, also auch vom Schlie&amp;szlig;muskel. Und ungef&amp;auml;hr ab der H&amp;auml;lfte des zweiten Lebensjahres k&amp;ouml;nnen die Kinder dann den Stuhl oder Harn meistens ungef&amp;auml;hr so lange anhalten, dass es dann zumindest noch ausreicht, dass sie sich ausziehen k&amp;ouml;nnen. Ja, das ist ja auch eine Voraussetzung&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und mit zweieinhalb bis drei Jahren k&amp;ouml;nnen die Kinder dann tats&amp;auml;chlich auch den Umgang mit der Kleidung immer besser. Das erfordert ja auch viel Feinmotorik und Koordination von bestimmten Bewegungen, was eben diese Selbst&amp;auml;ndigkeit bei der Ausscheidung beg&amp;uuml;nstigt. Die allermeisten Kinder werden dann im Verlauf des dritten und vierten Lebensjahres tags&amp;uuml;ber, zumindest erstmal windelfrei oder ausscheidungsautonom, wenn man so nennen will. Und in der Nacht dauert es ja meistens ein bisschen l&amp;auml;nger. Da ist die H&amp;auml;lfte der Kinder im Verlauf des vierten Lebensjahres dann auch ausscheidungsautonom. Und beschrieben wird ebenfalls, dass die Signale des K&amp;ouml;rpers bei der Darmentleerung von den Kindern deutlicher wahrgenommen werden, weswegen sie das am Anfang besser schaffen. Also den Stuhl zur&amp;uuml;ckzuhalten. Bei dem Urin dauert's dann noch ein bisschen l&amp;auml;nger. Und dann ist wichtig f&amp;uuml;r die Erwachsenen, die das begleiten, das als Lernaufgabe zu sehen und den Kindern die Zeit zu geben, die sie daf&amp;uuml;r eben brauchen. Genauso das Wissen zu haben, dass es f&amp;uuml;r die Kinder sehr herausfordernd sein kann, den Harn anzuhalten, also hinauszuz&amp;ouml;gern, wenn gerade keine Toilette in der N&amp;auml;he sein sollte. Das gelingt den Kindern tats&amp;auml;chlich erst so mit ungef&amp;auml;hr 4 Jahren. Und dann noch zum Abschluss vielleicht am sechsten Geburtstag wird beschrieben, n&amp;auml;sst jedes zehnte Kind, also jedes zehnte M&amp;auml;dchen, jeder vierte Junge noch gelegentlich ein und in der Regel steckt da aber nichts Krankhaftes dahinter, sondern es kann gut sein, dass meistens Vater oder Mutter auch eher sp&amp;auml;ter ausscheidungsautonom wurden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Okay, alles klar. Ich w&amp;uuml;rde gerne noch mal ein bisschen zur&amp;uuml;ckgehen. Du hast gesagt, im Alter zwischen anderthalb und 3 Jahren beginnen die Kinder zu signalisieren, dass sie Harn oder Stuhldrang empfinden und der zeitliche Rahmen ist ja relativ gro&amp;szlig;. Da frage ich mich auch, auf welche Signale k&amp;ouml;nnen denn die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte bei den Kindern im Verlauf dieser Entwicklung achten? Also, welche Signale k&amp;ouml;nnen darauf hindeuten, dass sich das Kind m&amp;ouml;glicherweise schon daf&amp;uuml;r interessiert, auf die Toilette zu gehen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Mit Signal meinst du ja wahrscheinlich auch das Verhalten oder eben die Sprache bzw. K&amp;ouml;rpersprache?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, genau, woran merkt man es? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Was beobachtet wird in der Praxis ist, dass Kinder, die der Sprache schon m&amp;auml;chtig sind, das nat&amp;uuml;rlich sprachlich zum Ausdruck bringen. Und es kann aber nat&amp;uuml;rlich sehr gut auch sein, dass ein Kind mit Blicken anzeigt, dass es einmal etwas auszuprobieren m&amp;ouml;chte. Also, ich stelle mir die Situation vor, eine Fachkraft wechselt gerade einem Kind die Windel und das Kind guckt zum Klo oder guckt zu einem Kind, was aufs Klo geht, und dann gilt es f&amp;uuml;r die Fachkraft, das zu &amp;uuml;bersetzen und ein Angebot zu machen. Ja, der Florian geht aufs Klo, m&amp;ouml;chtest du es auch mal probieren? Soll ich dir die Windel sp&amp;auml;ter angeben? Das kann dann auch ein Mikrozeichen eines Kindes sein, was es f&amp;uuml;r die Fachkraft gilt, aufzugreifen. Es kann aber auch sein, dass das Kind mit den erwachsenen Bezugspersonen auf Toilette gehen m&amp;ouml;chte. Kann auch sein, dass die Eltern es schildern, dass das zu Hause passiert oder mit &amp;auml;lteren Geschwisterkindern oder nat&amp;uuml;rlich auch mit anderen Kindern aus der Kita, mit befreundeten Kindern oder dass es im Spiel beginnt, Puppen oder Tieren Windeln anzulegen oder sie aufs Puppent&amp;ouml;pfchen zu setzen, also dass sie das Thema anfangen in ihrem Spiel zu bespielen und daf&amp;uuml;r braucht man nat&amp;uuml;rlich auch entsprechendes Spielmaterial in Kita.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Hilfreich sind auch Puppen mit erkennbaren Geschlechtsmerkmalen. Aber auch sowas wie die Windel ist &amp;uuml;ber l&amp;auml;ngere Zeit trocken geblieben oder das Kind braucht zu Hause keine mehr. Dann k&amp;ouml;nnte das auch ein Zeichen daf&amp;uuml;r sein, dass Fachkr&amp;auml;fte das in der Kita weiterverfolgen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Apropos zu Hause, in deinem Artikel nennst du ja auch das Beispiel eines Jungen, der zu Hause nachmittags schon ganz gut ohne Windel klarkommt und die Mutter spricht das in der Kita an und m&amp;ouml;chte gerne, dass er dort auch auf Toilette geht. Da ist doch ein guter Austausch zwischen den Eltern und den p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;ften besonders wichtig in so einer Situation, k&amp;ouml;nnte ich mir vorstellen, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Auf jeden Fall, wir als Fortbildnerinnen sagen nat&amp;uuml;rlich, bei jedem Thema ist ein guter Austausch mit den Eltern und Erziehungsperson wichtig, aber da tats&amp;auml;chlich sehr. Es kommt dem eine gro&amp;szlig;e Bedeutung zu, denn man kann auch bestimmte Dinge vers&amp;auml;umen und es braucht einfach sehr viel Abstimmungsgespr&amp;auml;che. Ich find es immer ganz hilfreich, das beschreibe ich auch in meinem Artikel, um sich die Perspektive von Eltern vor Augen zu f&amp;uuml;hren. Ich nenne jetzt mal so zwei, drei m&amp;ouml;gliche Punkte aus der Perspektive von Eltern, die wir uns als Fachkr&amp;auml;fte vielleicht nicht so bewusst machen. Was k&amp;ouml;nnten so ihre Sichtweisen, ihre &amp;Auml;ngste, ihre Sorgen sein? Ja, also z.B. k&amp;ouml;nnte mein Kind krank sein oder wieso dauert es bei unserem Kind so lang? Weil man das auch vielleicht mit anderen vergleicht oder auch weil ich will, dass mein Kind jetzt endlich windelfrei wird, weil dieser Windelm&amp;uuml;ll, der nimmt &amp;uuml;berhand, etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und da vielleicht auch die Eltern zu fragen, was haben sie so f&amp;uuml;r Gef&amp;uuml;hle, f&amp;uuml;r Gedanken zu diesem Thema? Also jetzt mal vorab als Idee und dann ist nat&amp;uuml;rlich klar, dass wir uns fachlich gut aufstellen, was wir fachlich gut begr&amp;uuml;nden k&amp;ouml;nnen, warum wir so vorgehen, wie wir vorgehen. Wir werden das hier gemeinsam begleiten, diesen wichtigen Entwicklungsschritt und wir kommen dann auf Sie zu, wenn wir was beobachten oder kommen Sie gerne auf uns zu, wenn Sie was zu Hause beobachten. Also es gilt, ein gegeneinander arbeiten zu vermeiden. Aus Elternsicht haben die eine gute Perspektive, ein guten Grund, wenn sie m&amp;ouml;chten, dass ihr Kind windelfrei wird. Den gilt es f&amp;uuml;r uns zu erfragen. Aber trotzdem, wenn wir in der Kita noch keinerlei Verhalten sehen, dass das Kind bereit ist, diesen n&amp;auml;chsten Schritt zu gehen, dass wir uns fachlich positionieren und sagen, mag sein, dass es bei Ihnen zu Hause schon so ist. Es kann sein, dass es mal verschieden ist. Bei uns ist es noch nicht so. Ihr Kind zeigt uns noch keinerlei Zeichen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Auch das Wickeln ist ja in diesem Zusammenhang ein gro&amp;szlig;es Thema und im Praxisteil deines Beitrags sprichst du sehr ausf&amp;uuml;hrlich &amp;uuml;ber die Mikrotransition zum Wickeln. Kannst du uns kurz erl&amp;auml;utern, wie ein beziehungsvoller &amp;Uuml;bergang zum Wickeln aussehen kann? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Ja, zun&amp;auml;chst mal w&amp;uuml;rde ich mir w&amp;uuml;nschen, dass grunds&amp;auml;tzlich in den Kitas die Regel gilt, dass Kinder bed&amp;uuml;rfnisorientiert, also nach Bedarf gewickelt werden und nicht so dieses Durchwickeln um Punkt 11 Uhr stattfindet. Da geh&amp;ouml;ren nat&amp;uuml;rlich auch Kinderschutzaspekte mit rein. Also, wir wollen Zwang vermeiden. Dazu geh&amp;ouml;rt aber auch z.B., Kindern nicht im Gruppenraum vor allen anderen hinten in die Windel zu schauen oder so S&amp;auml;tze zu sagen wie Puh, du stinkst. Und es geht nat&amp;uuml;rlich darum, das Kind einzuladen mit solchen S&amp;auml;tzen wie ich m&amp;ouml;chte dir eine frische Windel anlegen. Magst du mit mir ins Bad kommen, vielleicht willst du wieder aufs Klo sitzen? Gleichzeitig k&amp;ouml;nnen die H&amp;auml;nde sprechen mit einer einladenden Geste und dann gucke ich auf die Reaktion des Kindes. Nat&amp;uuml;rlich hocke ich mich runter auf die Blickachse des Kindes und schaue: Wie antwortet es mir? Sieht es mich an, antwortet es mit einem Nicken? Kommt es mit? Nimmt es meine Hand? Wendet es sich ab, guckt es gar nicht hoch, sagt es etwas, dr&amp;uuml;ckt es Akzeptanz und Bereitschaft aus oder eher Ablehnung und Abneigung? Und entsprechend ist meine Reaktion, denn es kann ja sein, dass das Kind gute Gr&amp;uuml;nde daf&amp;uuml;r hat, dass es ablehnend reagiert. Vielleicht ist es sein Spiel vertieft und m&amp;ouml;chte da nicht rausgeholt werden. Dann gilt es m&amp;ouml;gliche L&amp;ouml;sungen daf&amp;uuml;r zu finden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was Kinder auch gut sp&amp;uuml;ren, ist, wenn ich gestresst bin. Also es kann auch sein, dass ein Kind nein signalisiert, denn es sp&amp;uuml;rt eben, ich muss jetzt noch schnell alle Kinder wickeln, bevor das n&amp;auml;chste dran ist und dass sie sich deswegen schlechter auf diesen &amp;Uuml;bergang in die n&amp;auml;chste Pflegesituation einlassen k&amp;ouml;nnen. Zum Gl&amp;uuml;ck wird es in vielen Kitas schon so praktiziert, was ich sehr sch&amp;ouml;n finde. Also dieses Abfertigen im Wickelraum schnell, schnell, schnell, sollte eigentlich aus den meisten Kitas verschwunden sein. Wobei ich mir im Moment Sorgen mache, dass es vielleicht wieder ein bisschen Einzug h&amp;auml;lt durch den Fachkr&amp;auml;ftemangel. Mit den ver&amp;auml;nderten Rahmenbedingungen. Deswegen wei&amp;szlig; ich sehr gerne in Fortbildungen darauf hin, dass das so eine einmalige Chance f&amp;uuml;r Beziehungspflege ist, diese Situation, dass man die auch nutzen kann, auch selber f&amp;uuml;r sich, um ein bisschen aufzutanken in der Ruhe und in dieser Eins-zu-eins-Interaktion mit dem Kind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Oh, das klingt gut. Und wie kann denn diese Eins-zu-eins- Situation dann aussehen? Also vielleicht kannst du mal beschreiben, wie die Pflegesituation mit einem zweieinhalbj&amp;auml;hrigen gestaltet werden kann. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Da steht f&amp;uuml;r mich ganz klar an alleroberster Stelle die Partizipation, die Selbstbestimmung, die Mitbestimmung, dass sich beteiligen k&amp;ouml;nnen und das Kind kann sich an allem beteiligen, was es selber kann, und wir haben die Aufgabe zu ermutigen. Ich sage immer, wenn wir Kindern was abnehmen, was sie selber k&amp;ouml;nnen, verhindern wir Entwicklung. Das ist in Ausnahmef&amp;auml;llen auch mal n&amp;ouml;tig, aber in der Regel darf es von uns aus so gestaltet sein, muss es sogar, dass das Kind alles alleine machen kann, was es alleine kann. Es kann sich z.B. die Windel selbst holen, den Wickeltisch hoffentlich alleine hochgehen. Es findet hoffentlich eine entsprechende Treppe vor, wo das geht, wo sich es auch festhalten kann. Es kann Windelkleber aufmachen, Druckkn&amp;ouml;pfe &amp;ouml;ffnen, die Windel in den M&amp;uuml;lleimer bringen. Wir bieten ihm an, die Toilette aufzusuchen und begleiten das alles responsiv. Wir benennen K&amp;ouml;rperteile, wir benennen unser Tun, unser Handeln sprachlich. Bei den K&amp;ouml;rperteilen ist &amp;uuml;brigens auch wichtig, dass ich nicht aus Versehen z.B. das Knie anfasse und sage, gib mir mal dein Bein, sondern wenn ich das Knie anfasse, sage ich auch Knie, und ich benenne es auch differenziert, also Wade, Knie, Oberschenkel, Ferse, nicht einfach nur Bein. Dann lernt das Kind die Welt kennen. Es lernt seinen K&amp;ouml;rper kennen, es lernt Worte f&amp;uuml;r Dinge kennen. Und wenn es sich beteiligen kann, erlebt es sich nat&amp;uuml;rlich als selbstwirksam und baut ja auch Selbstf&amp;uuml;rsorge auf. Und dann kann ich Dinge benennen, wenn die Windel sehr schwer ist und viel Urin drin ist, kann ich sagen, ja, ich habe gesehen, du hast vorher ganz viel getrunken, denn du bist gerannt und hast auch geschwitzt. Das ist jetzt ganz viel Pipi in deiner Windel. Guck mal, wie schwer die ist. Dann kann das Kind da Zusammenh&amp;auml;nge herstellen. Und ich spreche nat&amp;uuml;rlich auch mit meinem K&amp;ouml;rper, mit meinen Gesten, mit meinen H&amp;auml;nden. Versuche nicht hektisch zu sein. Versuche meine Bewegung auf das Tempo des Kindes abzustimmen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Aber jetzt nehmen wir mal an, das Kind hat eine volle Windel und ich merke das und spreche das Kind drauf an und das Kind m&amp;ouml;chte nicht gewickelt werden. Also, denn vielleicht ist an dem Tag die Lieblingsfachkraft nicht da oder irgendwas anderes. Wie siehst du denn in diesem Zusammenhang den Konflikt in der Sorge um das Kindeswohl? Also, denn zum Kindeswohl geh&amp;ouml;rt ja auch gleichzeitig die Gesundheit und die F&amp;uuml;rsorge. Und wenn das Kind jetzt einen wunden Po hat, m&amp;ouml;chte man das Kind m&amp;ouml;glichst schnell von seinen Ausscheidungen befreien. Um ganz konkret zu fragen, welche Handlungsm&amp;ouml;glichkeiten siehst du in so einer Situation f&amp;uuml;r die p&amp;auml;dagogischen Fachkr&amp;auml;fte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Ja, das werde ich tats&amp;auml;chlich sehr oft gefragt in Fortbildungen und ich habe da eine ziemlich klare Position. F&amp;uuml;r mich steht das Kindeswohl an oberster Stelle. Das muss zu jederzeit gewahrt werden und da ist jegliche Form von k&amp;ouml;rperlicher oder verbaler Aus&amp;uuml;bung von Zwang, Erpressung oder Bestrafung verboten, also nicht zul&amp;auml;ssig. Also, was k&amp;ouml;nnen die Fachkr&amp;auml;fte tun? Sie k&amp;ouml;nnen in einem ersten Schritt mal &amp;uuml;berlegen, was f&amp;uuml;r m&amp;ouml;gliche Gr&amp;uuml;nde gibt es f&amp;uuml;r die Weigerung des Kindes? Da gibt's ja jede Menge. Vielleicht war der Zeitpunkt ung&amp;uuml;nstig. Das Kind hat sich in seinem Tun vielleicht gest&amp;ouml;rt gef&amp;uuml;hlt oder unterbrochen und konnte deswegen nicht in die Kooperation gehen, konnte sich nicht einlassen auf die Einladung oder es wollte mit dieser bestimmten Person nicht mitgehen. Also da kann ich mich auch mal reflektieren, wenn ich jetzt diese Fachkraft w&amp;auml;re, gibt's irgendwas, was in meiner Person begr&amp;uuml;ndet ist? Sind vielleicht meine H&amp;auml;nde zu kalt gewesen beim letzten Mal? Oder war ich vielleicht zu grob und zu gestresst? Oder was wei&amp;szlig; ich, habe ich kalten kratzigen Schmuck an? Sind meine Fingern&amp;auml;gel irgendwie unangenehm oder rieche ich irgendwie vielleicht nach Schwei&amp;szlig;, nach Rauch? Oder vielleicht ist der Wickelraum f&amp;uuml;rs Kind unangenehm oder negativ besetzt? Ist es da sehr laut oder hat das Kind dort was Unangenehmes erlebt? Wurde es vielleicht auch mal nicht beteiligt am Wickelvorgang und hat sich abgefertigt gef&amp;uuml;hlt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Oder hat das Kind Angst, dass sein Spielzeug fehlt, wenn es jetzt den Raum verl&amp;auml;sst und mit zum Wickeln kommt? War die Einladung zum Wickeln unpassend formuliert von der Fachkraft? War sie irgendwie nicht freundlich genug oder war der &amp;Uuml;bergang so gestaltet, dass das Kind sich gestresst gef&amp;uuml;hlt hat? Also, wenn sich Fachkr&amp;auml;fte zusammensetzen und &amp;uuml;berlegen, was k&amp;ouml;nnten gute Gr&amp;uuml;nde aus Sicht des Kindes sein, nicht mitzukommen und da kommen sie vielleicht schon auf m&amp;ouml;gliche L&amp;ouml;sung. Und eben um ein paar zu nennen, weil du ja auch nach Handlungsm&amp;ouml;glichkeiten gefragt hast, was k&amp;ouml;nnten so M&amp;ouml;glichkeiten sein? Also z.B. k&amp;ouml;nnte eine andere Fachkraft das Kind einladen, mitzukommen. Ja, und je nach Alter kann ich dem Kind auch erkl&amp;auml;ren: Ich m&amp;ouml;chte dir eine frische Windel anlegen. Deine ist voll. Okay, ich sehe, du bist gerade noch im Spiel vertieft. Ich komme gleich noch mal. Ich gehe erstmal die Lara wickeln, dann komme ich noch mal zu dir. Oder wenn ich die Hypothese habe, dass das Kind ein individuelles Ritual braucht, also eine andere Ansprache, dass ich vielleicht das Wickeln ein bisschen vorher schon ank&amp;uuml;ndige. Du kannst noch weiterspielen, ich komme gleich noch mal oder du kannst das Spielzeug mitnehmen, dann k&amp;ouml;nnen wir es da und dahinstellen. Wenn meine Hypothese ist, das Kind hat Angst, dass es dann gleich weg sein k&amp;ouml;nnte. Blickkontakt finde ich wichtig und auf Augenh&amp;ouml;he mit dem Kind sein, also nicht von oben herab. Das kann auch manchmal eine Br&amp;uuml;cke sein. Ich nenne es gern Br&amp;uuml;cken bauen. Wie kann ich einem Kind eine Br&amp;uuml;cke bauen? Wenn z. B. ein anderes Kind in den Wickelraum geht, dass ich das Kind einlade, mit diesem mitzugehen. Und trotzdem zu respektieren, wenn das Kind eben nicht m&amp;ouml;chte und sich mit H&amp;auml;nden und F&amp;uuml;&amp;szlig;en wehrt, dass ich das dann nicht tue. Oder dass man tats&amp;auml;chlich als letzte Option die Eltern anruft und den Eltern die Situation schildert. Und dass Eltern dann Verst&amp;auml;ndnis hatten und dann auch gesagt haben, ja, okay, dann kommen wir oder sie haben gesagt, okay, versuchen Sie sp&amp;auml;ter noch mal, aber bitte nicht gegen den Willen unter Zwang wickeln.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Claudia Uihlein:&lt;/strong&gt; Ja, jedenfalls keine einfache Situation, wenn sich das Kind trotz aller Unterst&amp;uuml;tzung und Bem&amp;uuml;hungen nicht wickeln lassen m&amp;ouml;chte und die aktuellen personellen Engp&amp;auml;sse in den Kitas tun da ja leider ihr &amp;Uuml;briges dazu. Wer an weiteren Hintergrundinfos und konkreten Praxistipps zu den Themen Wickeln ohne Zwang und wie Kinder selbstbestimmt Windelfrei werden interessiert ist, findet diese in unserer aktuellen Kleinstkinderausgabe 3/24. Ganz herzlichen Dank, liebe Helia, f&amp;uuml;r deine Zeit und die sehr interessanten und wichtigen Ausf&amp;uuml;hrungen und ich w&amp;uuml;rde mich nat&amp;uuml;rlich sehr freuen, wenn wir uns bald mal wieder zu einem spannenden Thema aus dem U3-Bereich unterhalten k&amp;ouml;nnen. Vielen Dank dir.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Helia Schneider:&lt;/strong&gt; Gerne, Claudia. Danke dir. Hat mir Spa&amp;szlig; gemacht. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-helia-schneider-selbstbestimmt-windelfrei-werden/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-helia-schneider-selbstbestimmt-windelfrei-werden.mp3" type="audio/mp3" length="36237484" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>56C5D597391B4AF49F6954F0C4957264</guid></item><item><title>Die große Wut der Kleinstkinder</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Hallo, mein Name ist Katrin Imbery. Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und ich freue mich sehr, dass wir f&amp;uuml;r unseren neuen Kleinstkinder Podcast Dr. Gabriele Haug-Schnabel gewinnen konnten. Mit ihr m&amp;ouml;chte ich heute &amp;uuml;ber die Wut von Kleinstkindern sprechen. Ganz herzlich willkommen, Frau Haug-Schnabel. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Ich freue mich auch, &lt;span&gt;&lt;/span&gt;weil es wirklich ein sehr spannendes Thema ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Gerne w&amp;uuml;rde ich Sie jenen, die Sie eventuell noch nicht kennen, ganz kurz vorstellen, wobei das bei ihren zahlreichen Funktionen &lt;span&gt;&lt;/span&gt;gar nicht so einfach ist. Als Verhaltensbiologin mit Schwerpunkt auf kindlichem Verhalten und Entwicklungsforschung sind sie unter anderem international t&amp;auml;tig als Fachbuchautorin und als Referentin. Vor allem aber untersuchen Sie mit ihrer eigenen Forschungsgruppe Aspekte kindlichen Verhaltens und erarbeiten darauf aufbauend praxisnahe L&amp;ouml;sungsans&amp;auml;tze, unter anderem auch f&amp;uuml;r Kitas. Und in der neuesten Kleinstkinder-Ausgabe schreiben Sie &amp;uuml;ber einen herausfordernden Aspekt kleinkindlichen Verhaltens, n&amp;auml;mlich die Wut in all ihren Facetten. Wut ist ja ein gro&amp;szlig;es Thema in der U3-Betreuung und Kinder werden schnell und aus den verschiedensten Gr&amp;uuml;nden w&amp;uuml;tend, z.B. weil sie sich benachteiligt f&amp;uuml;hlen oder weil sie schlicht von einer stressigen &amp;Uuml;bergangssituation &amp;uuml;berfordert sind. Sie schreiben, dass es nicht in jedem Fall Aufgabe der p&amp;auml;dagogischen Fachkraft sein sollte, kindliche Wut zu verhindern. Warum nicht, frage ich Sie. Die Wut ist doch nicht nur f&amp;uuml;r das Kind anstrengend, sondern auch f&amp;uuml;r alle anderen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Also, darauf kann ich ganz klar antworten. Wenn wir nicht diese Kraft h&amp;auml;tten, die eine Wut mit sich bringt, w&amp;uuml;rden wir eigentlich nichts ver&amp;auml;ndern. Man muss schon daran denken, dass Wut etwas ist, was alle Menschen weiterbringt: &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Ich will es versuchen! &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Ich will es heute tats&amp;auml;chlich hinbekommen! Und das ist etwas, was tats&amp;auml;chlich auch f&amp;uuml;r Kleinstkinder eine Rolle spielt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Wut setzt also auch schon bei Kleinstkindern produktive Kr&amp;auml;fte frei. Sie ist aber vor allem auch eine sehr schwierige Emotion, aus der Kinder in diesem Alter noch nicht allein herausfinden k&amp;ouml;nnen, da sie die F&amp;auml;higkeit zur Selbstregulation noch nicht entwickelt haben. Wie k&amp;ouml;nnen sich Fachkr&amp;auml;fte verhalten, damit ein Kind sich in dramatischen Situationen aufgefangen und wirklich verstanden f&amp;uuml;hlt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Allein der Satz: &amp;ldquo;Ich sp&amp;uuml;re, du hast eine ganz starke Wut&amp;rdquo; kann die Wut schon etwas runterbremsen, weil das Kind merkt: Aha, sie oder er hat festgestellt, es geht mir nicht gut, es muss etwas ver&amp;auml;ndert werden. &lt;br&gt;
Jetzt braucht es in diesem Alter den Erwachsenen, der dem Kind zeigt, dass die Situation &amp;uuml;berlebbar ist und sich nicht aufregt: &amp;ldquo;M&amp;ouml;chtest du auf meinen Scho&amp;szlig; kommen? Soll ich neben dich stehen? M&amp;ouml;chte m&amp;ouml;chtest du vielleicht mit &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Sophie ins Au&amp;szlig;engel&amp;auml;nde gehen?&amp;rdquo; Es sind genau die Momente, wo die Kinder stark eingebremst sind durch sich selbst. Die Erwachsenen muss sie dabei unterst&amp;uuml;tzen, aus dieser Falle wieder rauszukommen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Manchmal richtet sich die Wut eines Kindes ja gegen die p&amp;auml;dagogische Fachkraft. Manchmal richtet sich die Wut eines Kindes aber auch einfach gegen es selbst, weil irgendwas nicht gelingt, was es unbedingt selbst schaffen m&amp;ouml;chte. Und oft kommt Wut aber auch auf, wenn Kinder zusammen im Spiel sind. Ab welchem Punkt denken Sie, sollten sich Fachkr&amp;auml;fte in solche Konflikte zwischen Kindern einmischen und in welcher Form? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Wenn ich jetzt sage, so sp&amp;auml;t wie m&amp;ouml;glich, werde ich hoffentlich richtig verstanden. Also, ich w&amp;uuml;rde immer raten zun&amp;auml;chst zu gucken, welche Kinder miteinander im Streit sind. &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Sind es welche, die sehr viel zusammen machen, immer mal wieder aber ein bisschen gegenseitigen Wettbewerb haben, dann w&amp;uuml;rde ich in der N&amp;auml;he bleiben,&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;mich aber noch zur&amp;uuml;ckhalten. Wenn es aber Kinder sind, von denen ich genau wei&amp;szlig;, da ist es mit der Impulskontrolle noch sehr schwierig oder sie sie brechen zusammen, wenn etwas nicht funktioniert, da w&amp;uuml;rde ich meine Hilfe anbieten: &amp;ldquo;Vielleicht machst du das mit dem Sebastian und der der Frieda &lt;span&gt;&lt;/span&gt;zusammen, dann macht's vielleicht mehr Spa&amp;szlig; und ihr habt mehr H&amp;auml;nde, die jetzt die Baul&amp;ouml;tze halten k&amp;ouml;nnen.&amp;rdquo; Also, es ist mir ganz wichtig, an dieser Stelle zu sagen, es gibt kein immer klappendes Rezept. &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Man&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;muss sehen, in welcher Tagesform die Kinder sind&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;und wie sie auf unsere Vorschl&amp;auml;ge reagieren. &lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Ein schwieriges Thema ist, dass Kinder ja durchaus in ihrer Hilflosigkeit und in ihrer &amp;Uuml;berforderung aggressiv werden k&amp;ouml;nnen und manchmal auch andere Kinder oder sogar erwachsene Bezugspersonen k&amp;ouml;rperlich angreifen. Wie k&amp;ouml;nnen Fachkr&amp;auml;fte in solchen Momenten professionell reagieren, um sich und die betroffenen Kinder zu sch&amp;uuml;tzen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Das ist sicher der schwierigste Punkt. Ganz klar: ein lautes, klar abweisendes &amp;ldquo;Nein&amp;rdquo; oder &amp;ldquo;Stopp&amp;rdquo;. Diese beiden Worte, also wirklich ganz&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;kurz, die spielen eine gro&amp;szlig;e Rolle und die d&amp;uuml;rfen durchaus auch laut sein.&lt;br&gt;
Und eben keine gro&amp;szlig;en Erz&amp;auml;hlungen wie &amp;ldquo;Habe ich dir nicht schon hundertmal gesagt, das war doch gestern genauso&amp;rdquo; und so &amp;auml;hnlich. Das regt die Kinder noch viel mehr auf. Das&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Wichtige &lt;span&gt;&lt;/span&gt;ist das klare Nein, das abweisende, das abweisende Nein. Und dann muss die Fachkraft aber auch zur Beruhigung zur Verf&amp;uuml;gung stehen. Das hei&amp;szlig;t dann also: nicht weglaufen, sondern in aller Ruhe zur Beruhigung zur Verf&amp;uuml;gung stehen. Es gibt Kinder, die kurz auf den Scho&amp;szlig; wollen in diesem Alter und dann von allein wieder runtergehen. Das sind maximal drei Minuten. Und dann k&amp;ouml;nnte die Fachkraft vielleicht fragen: &amp;ldquo;Geht's dir wieder besser? &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Guck mal da, da steht der Lastwagen, den kann man mit Steinen f&amp;uuml;llen.&amp;rdquo; Dieses sich selbst zur Beruhigung zur Verf&amp;uuml;gung stellen, das ist sicher einer der wichtigsten Punkte, die f&amp;uuml;r diese Altersgruppe zu beachten sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Was k&amp;ouml;nnen denn Einrichtungen dar&amp;uuml;ber hinaus strukturell noch tun, um Stressfallen f&amp;uuml;r Kinder zu vermeiden? Stressfallen, die Kinder auch w&amp;uuml;tend werden lassen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gabriele Haug-Schnabel:&lt;/strong&gt; Das h&amp;auml;ngt vom Fachkraftschl&amp;uuml;ssel ab. Dann h&amp;auml;ngt es von den&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;R&amp;auml;umlichkeiten ab, die zur Verf&amp;uuml;gung stehen. Und es h&amp;auml;ngt nat&amp;uuml;rlich auch davon ab, inwieweit ein Team wirklich in der Lage ist, m&amp;ouml;glichst alle R&amp;auml;umlichkeiten, wenn es auch nur mit einer Person, besetzt zu halten. Denn sobald mehr Platz ist, gerade bei den Kleinstkindern, also Sachen umfallen und wieder aufgebaut werden k&amp;ouml;nnen, und niemand f&amp;auml;hrt mit dem Dreirad durch - geht die die Rate der der Momente, in denen die Kinder ausflippen, deutlich zur&amp;uuml;ck. &lt;br&gt;
&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Vielen Dank f&amp;uuml;r Ihre Zeit und Ihre interessanten Antworten, Frau Haug-Schnabel. &lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen. Gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-gabriele-haug-schnabel-die-grosse-wut-der-kleinstkinder/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-gabriele-haug-schnabel-die-grosse-wut-der-kleinstkinder.mp3" type="audio/mp3" length="14426471" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:33 GMT</pubDate><guid>58E16F91EA4B44F58511ECABF1B52A9F</guid></item><item><title>Wörterzauber statt Sprachgewalt</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;Hallo, mein Name ist Katrin Imbery. &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Ich bin Redakteurin bei Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und unterhalte mich heute mit der Kindheitsp&amp;auml;dagogin und Autorin Lea Wedewardt &amp;uuml;ber ein sehr wichtiges Thema: Sprache im U3 Alltag. Hallo Frau Wedewardt und vielen Dank, dass Sie sich Zeit f&amp;uuml;r uns nehmen. Wollen Sie sich vielleicht selbst noch ein bisschen n&amp;auml;her vorstellen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedwardt:&lt;/strong&gt; Ja, gerne. Vielen Dank f&amp;uuml;r die Einladung. Ich bin Lea Wedewardt. Ich bin Kindheitsp&amp;auml;dagogin, Podcasterin und in allem, was ich tue, setze ich mich f&amp;uuml;r eine bed&amp;uuml;rfnisorientierte P&amp;auml;dagogik ein und gebe dazu Weiterbildungen, Beratungen und schreibe B&amp;uuml;cher.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Vielen Dank. Die Beziehungsqualit&amp;auml;t zwischen Fachkr&amp;auml;ften und Kindern ist ja ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Warum ist es Ihrer Meinung nach so wichtig, hier den Fokus vor allem auf Sprache zu richten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Weil Sprache einfach eine ganz, ganz gro&amp;szlig;e Wirkung hat. Sprache macht viel mit uns, Sprache macht viel mit den Kindern und insbesondere, weil Kinder noch so pr&amp;auml;gsam sind und &lt;span&gt;&lt;/span&gt;ihr Gehirn noch so sehr im Aufbau ist. Und besonders im Krippenalter macht Sprache sehr viel hinsichtlich des Selbstbildes, also was ich von mir selbst halte, wie ich mich selbst sehe und was ich vor allem innerlich f&amp;uuml;r einen Dialog aufbaue mit mir selbst. Das hei&amp;szlig;t, was zu mir gesagt wird als Krippenkind, ist sp&amp;auml;ter auch das, was ich im inneren Dialog zu mir sagen werde. Das ist auch ganz unmittelbar verkn&amp;uuml;pft mit dem Selbstwert, und auch der Frage, wie, wie wichtig bin ich f&amp;uuml;r die Welt? Wie habe ich da einen Platz? Kann ich da was bewirken und welchen Wert spreche ich mir selbst zu? Das hei&amp;szlig;t, Sprache hat da eine gro&amp;szlig;e Macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Ihr Fachartikel in der aktuellen Ausgabe&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;von Kleinstkinder ist betitelt mit &amp;bdquo;W&amp;ouml;rterzauber statt Sprachgewalt&amp;ldquo; so wie auch ihr Buch zu diesem Thema. Sprachgewalt ist ja ein heftiger Ausdruck, der wirklich aufhorchen l&amp;auml;sst. Inwiefern kann Sprache gegen&amp;uuml;ber Kleinkindern tats&amp;auml;chlich gewaltt&amp;auml;tig sein?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Ja, genau, der Titel l&amp;auml;sst aufhorchen. Das ist nat&amp;uuml;rlich eine Polarit&amp;auml;t, die da dargestellt werden soll, zwischen der Sprachgewalt und dem W&amp;ouml;rterzauber. Und man muss sagen, nicht alles, was in dem Buch beschrieben ist, ist sofort als Sprachgewalt zu bezeichnen. Wenn wir uns mit einer achtsamen Sprache besch&amp;auml;ftigen wollen, geht's darum, genauer auf Worte zu achten, bis hin eben zu dem Punkt, dass Worte wirklich verletzen k&amp;ouml;nnen. Und typische S&amp;auml;tze oder Worte, die verletzen, sind wirklich Drohungen zum Beispiel die klassischen S&amp;auml;tze: &amp;bdquo;Wenn du jetzt nicht das machst, dann&amp;hellip;&amp;ldquo; &lt;span&gt;&lt;/span&gt;und &amp;bdquo;Ich z&amp;auml;hle dann bis drei&amp;ldquo;. Das hei&amp;szlig;t, alles, was Kindern Angst macht. Aber auch Stigmatisierungen, zum Beispiel sowas wie &amp;bdquo;Du Angsthase&amp;ldquo;. Was immer noch ganz viel verwendet wird, sind grenz&amp;uuml;berschreitende Worte &lt;span&gt;&lt;/span&gt;wie &amp;bdquo;Sch&amp;auml;tzchen&amp;rdquo; oder &amp;bdquo; M&amp;auml;uschen&amp;ldquo;. Gestern habe ich erst wieder geh&amp;ouml;rt, wie zu einem Kind gesagt wurde: &amp;bdquo;Du G&amp;ouml;re.&amp;ldquo; Also da gibt es Betitelungen, Bezeichnungen und auch, ja, manchmal auch Kosenamen, die wir Erwachsene vielleicht nett meinen, die Kinder aber gar nicht so gerne m&amp;ouml;gen. Und um da eben in so eine achtsame Sprache zu kommen, ist es so wichtig, genau hinzuschauen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Sie sagen ja, dass der Ursprung solcher Aussagen oft unbewusste Glaubenss&amp;auml;tze aus unserer eigenen Kindheit sind, die wir weitertragen, ohne uns der Konsequenzen bewusst zu sein. Das sind ja vermutlich oft S&amp;auml;tze, die vielen von uns gel&amp;auml;ufig sind, beziehungsweise die wir selbst verinnerlicht haben. K&amp;ouml;nnen Sie uns da vielleicht ein, zwei Beispiele nennen, damit wir eine Vorstellung davon bekommen, was Sie unter Glaubenss&amp;auml;tzen verstehen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Also, bei der Sprachgewalt bin ich &amp;uuml;berzeugt, dass wir an vielen Stellen unbewusst eine Kultur der Sprachgewalt leben. Insbesondere mit Kindern scheint es normal zu sein, verletzende Worte zu nutzen. Und genau, es passiert eben oft unbewusst, weil wir oft auch selbst das nicht anders geh&amp;ouml;rt haben. Und wir kennen das bei uns: Wenn wir gestresst sind, dann sagen wir vielleicht genau den Satz, den damals die Mutter zu uns gesagt hat. Und das ist dann oft keine B&amp;ouml;swilligkeit, sondern einfach ein Nicht-dar&amp;uuml;ber-nachdenken und Nicht-reflektieren. Glaubenss&amp;auml;tze, das ist der innere Dialog, den wir selbst mal aufgebaut haben. Also das, was zu uns gesagt wurde, manchmal vielleicht auch ohne Worte, das ist das, was wir selbst an innerem Dialog in uns tragen. Ein typisches Beispiel: &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Was sage ichh innerlich zu mir, wenn mir etwas umf&amp;auml;llt bzw. kapputtgeht. &lt;span&gt;&lt;/span&gt;Sage ich dann zu mir: &amp;bdquo;Oh Mann, bist du ein Dussel, schon wieder sch&amp;uuml;ttest du was um&amp;ldquo;? Oder sage ich zu mir: &amp;bdquo;Ach ja, passiert, macht nichts, wir wischen es einfach auf&amp;ldquo;? So oder so: Das ist genau das, was eben zu mir gesagt wurde. Und als Glaubenss&amp;auml;tze k&amp;ouml;nnen sich auch allgemeine S&amp;auml;tze verinnerlichen, die meistens am Ende der Kette stehen, sowas wie: &amp;bdquo;Ich bin nichts wert, ich bin nicht wichtig, ich bin nur gut, wenn ...&amp;ldquo;. Und das sind S&amp;auml;tze, die in emotnialen Situationen hochkommen. Ein Kind ist sehr w&amp;uuml;tend und dann kommt sofort der innere Glaubenssatz: &amp;bdquo;Wut darf nicht sein, Wut ist gef&amp;auml;hrlich&amp;ldquo;. Und dieser innere Dialog bewirkt auch, wie ich dann mit dem Kind spreche.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Das hat es jetzt sehr veranschaulicht, warum es wichtig ist, eben darauf zu achten, keine verletzende Sprache zu nutzen. Deswegen kommen wir jetzt zum W&amp;ouml;rterzauber, wie Sie es nennen. Denn genauso wie Sprache verletzend sein kann, kann sie andersherum Kleinkinder auch st&amp;auml;rken. Durch was zeichnet sich solch eine achtsame Sprache in erster Linie aus?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Ja, viele denken, achtsame Sprache und W&amp;ouml;rterzauber bedeutet, ich spreche nur noch in einer ganz leisen, s&amp;auml;useligen, bittenden Sprache, die vermeintlich ganz liebevoll ist. Das ist aber nicht damit gemeint. Das Entscheidende ist, dass die Erwachsenen die Verantwortung f&amp;uuml;r sich selbst &amp;uuml;bernehmen und f&amp;uuml;r die eigenen Gef&amp;uuml;hle, f&amp;uuml;r die eigenen Bed&amp;uuml;rfnisse, f&amp;uuml;r die eigenen Grenzen. Da sind wir auch ganz nah verbunden mit der Bed&amp;uuml;rfnisorientierten P&amp;auml;dagogik. Das bedeutet, es geht um eine authentische Sprache, es geht um eine verantwortungsbewusste Sprache. Also, wenn ich sage: &amp;bdquo;Du bringst mich an meine Grenzen&amp;ldquo;, dann &amp;uuml;bertrage ich die Verantwortung direkt aufs Kind. Anders hingegen, wenn ich aber sage: &amp;bdquo;Ich komme an meine Grenzen&amp;ldquo;. Und es is schon ein Unterschied, ob ich sage: &amp;bdquo;, Ich werde jetzt gerade w&amp;uuml;tend und ich wei&amp;szlig; gar nicht, wo das herkommt. Ich k&amp;uuml;mmere mich um mich&amp;ldquo; oder ob ich sage: &amp;bdquo;Du bist hier so wild und wegen dir werde ich w&amp;uuml;tend&amp;ldquo;. Das ist ganz wichtig. W&amp;ouml;rterzauber ist auch eine sehr klare Sprache, indem ich dem Kind eben sehr klar sagen kann, was ich von ihm m&amp;ouml;chte. Und das klar kommunizieren kann, indem ich zum Beispiel negative Sprache vermeide, die oft f&amp;uuml;r Kleinkinder sehr schlecht umsetzbar ist, wie zum Beispiel: &amp;bdquo;Nicht hauen, nicht bei&amp;szlig;en, nicht kratzen&amp;ldquo;. Die Kinder wissen nicht, was sie stattdessen wann machen sollen. &lt;br&gt;
Die Erwachsenen m&amp;uuml;ssen bed&amp;uuml;rfnisorientiert kommunizieren: &amp;ldquo;Okay, du m&amp;ouml;chtest mitspielen, du kannst fragen gehen.&amp;rdquo; Also, das w&amp;auml;re dann sozusagen die direkte &amp;Uuml;bersetzung f&amp;uuml;r das, was das Kind tun kann. F&amp;uuml;r diese authentische Form der Kommunikation, braucht sehr viel Reflexionsarbeit von Fachkr&amp;auml;ften. Sie m&amp;uuml;ssen genau herauszufinden: Was will ich eigentlich, was will ich nicht? Was f&amp;uuml;hle ich eigentlich? Welcheed&amp;uuml;rfnisse habe ich eigentlich?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Diese Reflexionsarbeit besprechen Sie in Ihrem Kleinstkinder-Artikel sehr ausf&amp;uuml;hrlich. Und tats&amp;auml;chlich gewinnt man ja den Eindruck, dass von so einem selbstreflexiven Prozess schlussendlich nicht nur die betreuten Kinder profitieren, sondern auch die Fachkraft selbst.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedwardt:&lt;/strong&gt; Ganz genau.&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Wenn die Fachkr&amp;auml;fte sich mit sich selbst auseinandersetzen, um in eine achtsame Sprache zu kommen, bedeutet das ja auch, dass ich mit mir selbst achtsamer spreche in diesem inneren Dialog. Und ich sage auch immer, es ist nichts gewonnen, wenn wir so achtsam wie m&amp;ouml;glich mit den Kindern sprechen und uns innerlich dabei selbst gei&amp;szlig;eln.&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Dann w&amp;uuml;rde ich ja mit mir sehr hart ins Gericht gehen und w&amp;uuml;rde innerlich mit mir selbst in Sprachgewalt sprechen.&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;ich kann auch meinen inneren Dialog immer wieder beobachten und letztlich kann W&amp;ouml;rterzauber dazu f&amp;uuml;hren, dass ich selbst viel besser mit mir in Kontakt bin und dadurch vielleicht auch zufriedener und ges&amp;uuml;nder.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Und da haben Sie jetzt auch was angesprochen, dass aufrichtig zu sich selbst bleiben. Ich meine, jeder hat ja so seine eigene Art, sich auszudr&amp;uuml;cken. Wie kann man sich denn eine achtsame Sprache angew&amp;ouml;hnen und dabei dennoch individuell bei seinem Ausdruck bleiben? Damit Kommunikation authentisch bleibt und nicht wie aus dem Lehrbuch klingt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Ja, das stimmt. Also, es gibt auch viele, die eben zum Beispiel die gewaltfreie Kommunikation als sehr starr und k&amp;uuml;nstlich empfinden. Und das kann schon sein, dass ich das erstmal so empfinde und erstmal gewisse Satzstrukturen lernen muss. Und wenn unser Gehirn jetzt eine andere Sprache lernen soll, ist das erstmal wie eine Fremdsprache zu lernen. Und tats&amp;auml;chlich brauche ich da schon auch Vokabeln und ich brauche schon auch Grammatik und bestimmte Arten, was ich da sagen kann. Und man kann schon sehr deutlich andere S&amp;auml;tze &amp;uuml;ben und die k&amp;ouml;nnen dann auch erstmal vielleicht unauthentisch anh&amp;ouml;ren. Und erst wenn ich das dann ge&amp;uuml;bt habe und mit mir selbst in Kontakt gekommen bin und reflektiert habe &amp;ndash; dann entwickeln sich daraus auch individuelle Worte. DFas hei&amp;szlig;t, es kann schon sein, dass sich das erstmal komisch anf&amp;uuml;hlt, weil das Hirn das einfach nicht kennt. Trotzdem kann da jeder, wenn er es erstmal verinnerlicht ist, seine eigene Sprache finden. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery:&lt;/strong&gt; Frau Wedewardt, Sie haben es ja eben schon mal angesprochen. Sie haben gesagt, dass die Fachkr&amp;auml;fte mit sich selbst nicht zu streng sein sollten und auch Sie gehen in ihren Texten gar nicht streng ins Gericht mit Fachkr&amp;auml;ften. Sie sind, im Gegenteil, sehr verst&amp;auml;ndnisvoll und rufen sogar auf zum &amp;bdquo;Mut zur L&amp;uuml;cke&amp;ldquo;, weil es keinem von uns gel&amp;auml;nge, achtsame Sprache zu jeder Zeit zu nutzen. Gerade in der aktuellen Situation, in der das Kita-Personal h&amp;auml;ufig unter unzumutbaren Bedingungen arbeiten muss, denke ich, steigt das Risiko &amp;uuml;bergriffiger Sprache gegen&amp;uuml;ber Kleinkindern. Wie sehen Sie das?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedewardt:&lt;/strong&gt; Ja, das stimmt auf jeden Fall. Das Risiko steigt unter Personalmangel und Stress. Gleichzeitig ist es so, wenn ich das verinnerlicht habe und W&amp;ouml;rterzauber &amp;uuml;berwiegend nutze, lerne ich relativ schnell, dass wenn ich im W&amp;ouml;rterzauber bleiben kann, alles eigentlich einfacher ist. Weil Kinder eher kooperieren, wenn sie sich verstanden f&amp;uuml;hlen und sie da auch gesehen werden in ihren Gef&amp;uuml;hlen, in ihren Bed&amp;uuml;rfnissen und in ihren Grenzen.&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Das hei&amp;szlig;t, W&amp;ouml;rterzauber macht es eigentlich einfacher, weil ich in gute Beziehung gehen kann. Doch auch wenn mir ein sprachlicher &amp;Uuml;bergriff passiert, habe ich immer noch die M&amp;ouml;glichkeit zum Kind zu gehen und zu sagen: &amp;ldquo;Wei&amp;szlig;t du, vorhin, da habe ich gedroht. Dann habe ich gesagt, wenn du jetzt dich nicht anziehst, dann musst du drinbleiben. Und ich habe da jetzt noch mal dr&amp;uuml;ber nachgedacht und i eigentlich m&amp;ouml;chte ich nicht drohen, ich m&amp;ouml;chte dir keine Angst machen und ich wei&amp;szlig;, dass ich damit &amp;uuml;ber deine Grenze gegangen bin. Wie siehst du denn das?&amp;rdquo; Man k&amp;ouml;nnte jetzt sagen, im Krippenalter ist das zu viel gesagt, aber nein, auf keinen Fall. Die Kinder sp&amp;uuml;ren die Qualit&amp;auml;t, die sp&amp;uuml;ren, was ich sagen m&amp;ouml;chte, die sp&amp;uuml;ren die Vers&amp;ouml;hnung und dann ist es gar nicht so relevant, dass dann der sprachliche &amp;Uuml;bergriff davor passiert ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Und kann sich denn in so einem Fall auch das Kita-Team gegenseitig regulieren beziehungsweise unterst&amp;uuml;tzen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wededwart:&lt;/strong&gt; Ja, sehr gut. Das ist auch oft das Ziel der Fortbildung &amp;bdquo;W&amp;ouml;rterzauber statt Sprachgewalt&amp;ldquo;, dass wir wirklich sagen: Hey, wir nutzen alle Sprachgewalt, das passiert einfach und wir nehmen uns damit an. Und gleichzeitig achten wir aufeinander und tippen uns vielleicht an der Schulter an oder &amp;uuml;berlegen uns ein Codewort, indem wir dem anderen mitteilen: &amp;ldquo;Oh, guck mal&amp;rdquo; oder &amp;ldquo;Vorhin hast du das und das gesagt. Vielleicht w&amp;auml;re es besser, das so und so zu sagen&amp;rdquo;.&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Wichtig ist, das &lt;span&gt;&lt;/span&gt;wirklich als eine Fehlerkultur zu verstehen, indem nicht der eine dem anderen sagt, wie es besser geht, sondern eher in dem man sich als Team, als eine Lerngemeinschaft versteht, die sich gemeinsam weiterentwickeln will.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;Ganz herzlichen Dank, Frau Wedewardt, f&amp;uuml;r ihre sehr interessanten Ausf&amp;uuml;hrungen. Mehr Hintergrundinfos zu verletzender Sprache in der Kita, vor allem aber hin zum W&amp;ouml;rterzauber finden Sie in der Kleinstkinder-Ausgabe 7/23.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lea Wedwart:&lt;/strong&gt; Danke sch&amp;ouml;n.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-lea-wedewardt-woerterzauber-statt-sprachgewalt/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-lea-wedewardt-woerterzauber-statt-sprachgewalt.mp3" type="audio/mp3" length="25515234" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:34 GMT</pubDate><guid>BFBF87C790BD4678B790A09D44BBD83E</guid></item><item><title>Lerngeschichten: Die Stärken der Kinder im Blick</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Hallo, mein Name ist Katrin Imbery. Ich bin Redakteurin bei der Fachzeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege und ich freue mich sehr, heute mit einer Expertin &amp;uuml;ber Lerngeschichten zu sprechen, ein Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren, das urspr&amp;uuml;nglich aus Neuseeland stammt. Frau Dreier, erstmal herzlichen Dank, dass Sie sich heute Zeit f&amp;uuml;r uns nehmen. Ich m&amp;ouml;chte Sie ganz kurz vorstellen. Sie sind p&amp;auml;dagogische Fachkraft, Fortbildnerin und Mitglied des Leitungsteams im Kindergarten San Franziskus in Benningen. Ich finde, Ihre Einrichtung ist in vielerlei Hinsicht eine sehr bemerkenswerte und innovative und das finde offensichtlich nicht nur ich, denn sie sind vielfach ausgezeichnet. Unter anderem haben sie den zweiten Platz belegt bei der Wahl zur Kita des Jahres 2020. Und nicht zuletzt sind Sie Autorin unseres Titelthemas in der aktuellen Kleinstkinder-Ausgabe und haben geschrieben &amp;uuml;ber Lerngeschichten. K&amp;ouml;nnen Sie vielleicht f&amp;uuml;r all jene, die mit dem Begriff bislang noch nicht viel verbinden, das Konzept noch mal ganz grob umrei&amp;szlig;en?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Ja, hallo Frau Imbery. Ich begr&amp;uuml;&amp;szlig;e Sie auch ganz herzlich. Ich bedanke mich f&amp;uuml;r die Einladung, diesen Podcast zu machen und ich habe auch viel Freude gehabt bei dem Schreiben des Artikels, wo wir auch schon viel&amp;nbsp; miteinander gesprochen haben. &lt;br&gt;
Ich arbeite wirklich gern bei uns in der Einrichtung und wir haben es auch arbeitsorganisatorisch mit den Lerngeschichten so eingerichtet, dass wir einmal die Woche Lerngeschichten schreiben, sodass ich das auch ganz gut hier darstellen kann, wie dieser Theorie-Praxis-Transfer abl&amp;auml;uft. Das Konzept einer Lerngeschichte ist so , dass sie sehr stark von den Beobachtungen abh&amp;auml;ngt. Die Lerngeschichten beschreiben dann eine allt&amp;auml;gliche und besondere Situation, in denen Lernen und Entwicklung stattfindet und sie dokumentieren ganzheitliches Lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery: &lt;/strong&gt;Und&amp;nbsp; was ist f&amp;uuml;r Sie der Hauptunterschied zwischen einer Lerngeschichte, die Sie im Kita-Alltag aufschreiben, und einer netten Alltagsgeschichte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Bei einer Lerngeschichte geht es vor allem um das Wahrnehmen. Ich nehme wahr, es geschieht was Bedeutsames. Der n&amp;auml;chste Schritt ist dann, dass ich erkenne, dass Lernen stattfindet. Ich &amp;uuml;berlege dann auch, welche Art von Lernen habe ich erkannt? Was war bedeutsam f&amp;uuml;r das Kind? Auch was war bedeutsam f&amp;uuml;r mich? Was war interessant f&amp;uuml;r mich? Der dritte Schritt befasst sich damit, welche Gedanken ich mir gemacht habe. Wie kann ich das Kind in seiner Entwicklung unterst&amp;uuml;tzen? Dazu geh&amp;ouml;rt unter anderem eben auch, ob ich ein gutes Materialangebot habe bzw. was ich noch erweitern k&amp;ouml;nnte. Habe ich eine gute Raumnutzung? Wie sind die Regeln? Also diese Reflexionen kommen mit dazu, das betrifft auch noch Werte und meine Haltung. Und die Lerngeschichte beschreibt dann letztendlich dem Kind: Was habe ich gelernt und wie lerne ich? Und deswegen denke ich, Lerngeschichten sensibilisieren uns f&amp;uuml;r einen st&amp;auml;rkenorientierten Blick. Sie st&amp;auml;rken bei den Kindern das Selbstwertgef&amp;uuml;hl, das Selbstbewusstsein, das Selbstvertrauen. Und wenn ich Selbstbewusstsein habe, dann bin ich auch resilient und die Kinder nehmen sich selbst wahr. Also, wir betrachten das Lernen als ganzheitlichen, lebenslangen Prozess und mit den Lerngeschichten, die dann in dem Portfolio sind, kann das Kind seine ersten Lernerfolge nachverfolgen, wiederholen und kann immer wieder feststellen, so habe ich gelernt. Und das finde ich richtig wichtig, wenn man seine eigene Lernbiografie anschaut, auch als Erwachsener. Wenn man genau wei&amp;szlig;, wie lerne ich was, wie behalte ich was, wie verstehe ich was, dann ist das richtig ein gro&amp;szlig;er Wert, den ich da dem Kind mitgebe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Also, sie teilen die Geschichte mit den Kindern, Sie lesen die Geschichte vor, die sie schreiben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Ja, also die Kinder lieben ihre Lerngeschichten und&amp;nbsp; meistens sprechen wir schon mit den Kindern zusammen dar&amp;uuml;ber, wenn wir die Geschichte einheften in den Portfolio-Ordner&amp;nbsp; oder die Lerngeschichte wird dem Kind im Morgenkreis vorgelesen. Wir besprechen das auch mit den Eltern, wenn Entwicklungsgespr&amp;auml;che stattfinden. Und wir lesen sie&amp;nbsp; im Team vor und haben sehr viel Freude daran, diese zu reflektieren. Also die haben eine sehr gro&amp;szlig;e Strahlkraft bei uns in der Einrichtung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Was ist Ihrer Meinung nach der gro&amp;szlig;e Unterschied zu anderen Beobachtungs- und Dokumentationskonzepten?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreier&lt;/strong&gt;: Die Lerngeschichte nimmt auch die Fachkraft selber mit rein in den Prozess. Ich habe keinen einseitigen Prozess, sondern ich gestalte die Beziehung mit. Ich zeig dem Kind, ich verstehe dich. Ich kann deine Perspektive wahrnehmen, ich kann dich unterst&amp;uuml;tzen. Ich pers&amp;ouml;nlich empfinde auch, dass die Lerngeschichte noch eine sehr hohe Au&amp;szlig;enwirkung hat und eine h&amp;ouml;here Sichtbarkeit, weil wir&amp;nbsp; mit den Kindern n ins Gespr&amp;auml;ch gehen &amp;uuml;ber die Lerngeschichte. Wir gehen mit den Eltern der Kinder in Austausch, wir gehen im Team in den Austausch und das &amp;auml;h st&amp;auml;rkt schon die Transparenz. Wenn ich im U3-Bereich Kinder habe, die noch nicht so viel von ihren Erlebnissen im Kindergarten erz&amp;auml;hlen, habe ich da ein sehr gutes Ger&amp;uuml;st,an das sich das Kind erinnert und wie gesagt, und die Eltern freuen sich auch daran.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Wer Kinder nach diesem Konzept beobachtet, der lenkt ja den Blick nicht prim&amp;auml;r auf ihre konkreten F&amp;auml;higkeiten, sondern eher darauf, wie es individuelle L&amp;ouml;sungen findet oder z.B. mit anderen Kindern in Kontakt ist. Um jetzt mal etwas konkreter zu werden, worauf genau lenken Sie ihren Blick? K&amp;ouml;nnen Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Also der&amp;nbsp; Beginn einer Lerngeschichte k&amp;ouml;nnte so aussehen, dass man beobachtet, wie ein Kleinkind Kontakt aufnimmt. Wenn man in diesem Bereich seinen Blick schult, dann merkt man, dass zu einem sehr fr&amp;uuml;hen Zeitpunkt die Kontaktaufnahme zu anderen Kindern stattfindet, um vielleicht einen Spielpartner zu finden. Dann kann ich achtsam beobachten und wahrnehmen, wie genau und individuell das Kind das macht: Wie ist seine Kontaktaufnahme?&amp;nbsp; Was unternimmt es alles? Und der n&amp;auml;chste Punkt ist dann: F&amp;uuml;hle ich, dass ich diese Situation unterst&amp;uuml;tzen muss? Gelingt dem Kind so die Kontaktaufnahme oder braucht es da Unterst&amp;uuml;tzung? Wiederholt sich die Kontaktaufnahme jeden Tag?&amp;nbsp; Wird aus dieser Spielpartnerschaft gerade eine Freundschaft?&amp;nbsp; Und was unternehmen die Kinder daf&amp;uuml;r? Wenn man diese Beobachtung schult, dann wird man selber viel Freude daran haben und wird auch sehen Wie habe ich es gestaltet, wie viel Unterst&amp;uuml;tzung war von mir notwendig, wann nehme ich mich raus? Also all diese Schritte denke ich dann mit in diesem Prozess, der sehr vielseitig sein kann. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Und wie geht es dann nach so einer Beobachtung weiter? Also, wie ist der Prozess einer Lerngeschichte?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreier&lt;/strong&gt;: Also Wahrnehmen und Beobachten habe ich jetzt gerade beschrieben. Dann kommt Dokumentieren und daf&amp;uuml;r muss ich nat&amp;uuml;rlich vorbereitet sein. Also bei uns ist es so, dass jeder eine eigene Kamera hat und jeder hat auch immer Stift und Zettel bereit und wir sind auch im Blickkontakt&amp;nbsp; mit unseren Kollegen, damit wir uns gegenseitig unterst&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen. , &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Und wann bekommt das Kind seine Lerngeschichte? Wahrscheinlich m&amp;ouml;glichst zeitnah, damit es sich dann noch erinnern kann an die Situation, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Also, mein Zeitraum ist innerhalb von zwei Wochen. Ich kann es nicht jedes Mal in einer Woche schaffen. Bei uns ist ja die Vorgabe, einmal in der Woche eine Lerngeschichte f&amp;uuml;r ein Kind. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Sie schreiben in Ihrem Artikel: Eine Lerngeschichte ist immer auch eine Beziehungsgeschichte. Da w&amp;uuml;rde ich gerne noch mal ein bisschen genauer nachhaken, was Sie darunter verstehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Der Beobachtungsprozess ist eine Form der Beziehungsgestaltung, mit dem immer wieder der Prozess des Verstehens des kindlichen Lernverhaltens ge&amp;uuml;bt wird. Und je besser wir das verstehen, desto besser gelingt die Beziehung. Und wenn wir feinf&amp;uuml;hlig beobachten und achtsam wahrnehmen, dann sehen wir ganz viele&amp;nbsp; Schritte und Anstrengungen, die Kinder unternehmen, um z.B. in Kontakt zu treten. Meine eine eigene Herausforderung ist ja dann, wie stark gehe ich selber da in den Austausch hinein? Lass ich das Spiel laufen? Bin ich Gespr&amp;auml;chspartner? Stelle ich denkanregende Fragen? Wie hast du das gemacht? Oder bin ich Impulsgeber? Setze ich ein neues Material ein? Ich bin neugierig, was das Kind tut. Ich nehme es wahr, ich h&amp;ouml;re zu und ich antworte. Also, das ist so die Resonanz, in die man mit dem Kind geht und das macht auch wahnsinnig viel Spa&amp;szlig;. Es geht also auch darum, die Identit&amp;auml;t des Kindes zu f&amp;ouml;rdern. Ich werde gesehen, ich werde beachtet und ich werde auch ermutigt in meinem Lernprozess und in meinem Lernen weiterzugehen. Und genau durch diese Haltung und dieses Verhalten gestalte ich die Beziehung zu dem Kind, dass ich beobachte.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Wir von Kleinskinder haben ja die Allerj&amp;uuml;ngsten&amp;nbsp; im Blick. Deshalb w&amp;uuml;rde ich gerne von Ihnen h&amp;ouml;ren, wie besonders Kinder unter drei Jahren von dem Konzept profitieren. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Ich finde, das Konzept ist super geeignet f&amp;uuml;r Kinder, die unter drei Jahren sind, weil wir unseren Blick sehr stark schulen und weil die Kinder ja sehr viel nonverbal zeigen. Weil auch viel Weiterentwicklungspotenzial im Lernen steckt. Wir geben dem Kind die M&amp;ouml;glichkeit, sich &amp;uuml;ber Raum und Material ausreichend auszuprobieren, und wir begleiten es ja dann auch noch sprachf&amp;ouml;rdernd beim Lernen. Wir k&amp;ouml;nnen uns dann nachher, wenn die Lerngeschichte&amp;nbsp; geschrieben ist, mit dem Kind zusammen dar&amp;uuml;ber austauschen und noch mal die Freude wiederholen, die es beim Spiel erlebt hat. Wenn wir eine sch&amp;ouml;ne lange Fotostrecke haben, dann erkennt sich das Kind ja auch darauf. Oder wir k&amp;ouml;nnen ihm dann auch erkl&amp;auml;ren, schau mal, wie du das geschafft hast. Du hast geschafft, deine Jacke selber anzuziehen und wir haben das fotografiert. Die Kinder erkennen sich da wieder und wie gesagt, es st&amp;auml;rkt ihre Identit&amp;auml;t.&amp;nbsp; Au&amp;szlig;erdem ist es auch noch so, dass man ja in die Lerngeschichte auch reinschreibt, wo das Kind gespielt hat und wie es da gespielt hat. Das ist ja eine Form der Zugeh&amp;ouml;rigkeit. Also Kinder erkennen dann wieder: Hier f&amp;uuml;hle ich mich zugeh&amp;ouml;rig, ich bin gerne in dem Nestle oder ich bin gerne in der Werkstatt und da sitze ich am liebsten vorm Sofa und spiel mit den Autos. Dann kann man dem Kind den Wortschatz dazu geben, indem man sagt: Schau mal, hier hast du erforscht, wie die Autos in der Garage rein k&amp;ouml;nnen. Du hast sogar eine Garage gebaut und die anderen Kinder fanden die Idee so toll. So kann man den Kindern ja auch den Wortschatz f&amp;uuml;r Gef&amp;uuml;hle geben, z. B.wenn man sagt: Da hast du dich so dr&amp;uuml;ber gefreut, dass ihr so viele ward und alle&amp;nbsp; das gleiche Interesse hatten. Also, das kann man alles mit den Lerngeschichten auch schon im U3 Bereich transportieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Und werden die Kinder denn auch &amp;nbsp;&amp;nbsp;an der Lerngeschichte an sich in irgendeiner Form beteiligt? Also haben die Einfluss auf den Prozess?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreier&lt;/strong&gt;: Ja, also es kommt darauf an. Also zum einen muss ich sagen, sind die Kinder in unserer Einrichtung ohnehin daran gew&amp;ouml;hnt,&amp;nbsp; dass sie fotografiert werden. Und&amp;nbsp; wenn sie einbezogen werden wollen, dann&amp;nbsp; beziehen wir sie mit ein. Sie zeigen uns ja dann, dass wir das Auto fotografieren sollen, z.B. oder die Garage, die gebaut worden ist, dann wollen sie auch das Foto gerne gleich sehen. Oderwenn sie das noch nicht so ausgedr&amp;uuml;ckt haben, dann k&amp;ouml;nnen wir auch fragen oder wir erkl&amp;auml;ren, dass wir die tolle Baustelle jetzt fotografieren wollen und dann eine Geschichte dadr&amp;uuml;ber schreiben, wie sie gebaut wurde. Und dann kommt man ja auch wieder mit dem Kind ins Gespr&amp;auml;ch dar&amp;uuml;ber, ob sie einem noch mal erkl&amp;auml;ren, wie man genau das gebaut hat und&amp;nbsp; worauf sie besonders geachtet haben. Also, da zeigt man wieder die Resonanz und geht wieder mit den Kindern ins Gespr&amp;auml;ch. Und ja, man kann das Kind dann auch fragen, wenn es ein Turm gebaut hat: Was hast du alles gemacht, dass der Turm so gro&amp;szlig; wird, kannst du das noch mal zeigen? Diese Kontaktaufnahme gelingt dann auch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Bei Ihnen in der Kita ist ja jede Fachkraft angehalten, mindestens eine Lerngeschichte in der Woche zu schreiben. Das ist ja nicht ganz unaufwendig, wenn man ihnen zuh&amp;ouml;rt. Deswegen w&amp;uuml;rde ich Sie abschlie&amp;szlig;end gerne fragen, wie schaffen Sie es in Ihrem Team die Begeisterung f&amp;uuml;r das Konzept aufrechtzuerhalten, was Ihnen ja offensichtlich gelingt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Frau Dreyer&lt;/strong&gt;: Ja, also f&amp;uuml;r uns ist das eine Arbeitsaufgabe, die wir &amp;uuml;berhaupt nicht in Frage stellen und wir haben ja auch Vorbereitungszeit. Und das Sch&amp;ouml;nste ist eigentlich eher, dass wir Kollegen untereinander auch neugierig drauf sind, wenn gerade Bilder ausgew&amp;auml;hlt werden f&amp;uuml;r eine Lerngeschichte oder wenn man merkt, am Computer und am Arbeitsplatz nebenan sitzt ein Kollege, der gerade die Lerngeschichte schreibt. Dann l&amp;auml;sst man sich die erz&amp;auml;hlen, vorlesen oder guckt auch nach. Also bei uns ist das Interesse da sehr hoch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katrin Imbery&lt;/strong&gt;: Liebe Frau Dreyer, vielen Dank f&amp;uuml;r ihre Ausf&amp;uuml;hrung. Das war jetzt sehr, sehr anschaulich. Interessierte finden weitere Hintergrundinformation und auch ein konkretes Praxisbeispiel einer Lerngeschichte von Frau Dreyer in der Kleinstkinder-Ausgabe 4/23. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinskinder.de.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&amp;nbsp;&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-siegunde-dreyer-lerngeschichten-die-staerken-der-kinder-im-blick/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-siegunde-dreyer-lerngeschichten-die-staerken-der-kinder-im-blick.mp3" type="audio/mp3" length="26561536" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:34 GMT</pubDate><guid>A77B28D868D1424B9707936638A0EF33</guid></item><item><title>Im Gespräch mit Maria Kube: Die Zukunft der Sprachkitas</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle: &lt;/strong&gt;Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Willkommen beim Podcast von Kleinstkinder in Kita und Tagespflege. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Hallo und herzlich willkommen zu unserem Gespr&amp;auml;ch zur Zukunft der Sprachkitas. Zu Gast ist Maria Kube. Sie ist Kindheitsp&amp;auml;dagogin und Fachkraft im Bundesprogramm Sprachkitas in einer ASB-Werkstatt-Kita in Hamburg. Herzlich willkommen, Frau Kube.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Vielen Dank. Danke f&amp;uuml;r die Einladung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ja, sehr gerne. Mein Name ist Iris Erbach und ich bin Redakteurin der Zeitschrift Kleinstkinder in Kita und Tagespflege, die im Verlag Herder erscheint. Frau Kube, wir wollen ja heute &amp;uuml;ber die Zukunft der Sprachkitas sprechen. Sie selbst sind Fachkraft im Bundesprogramm. Vielleicht wollen Sie sich noch mal ganz kurz vorstellen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, sehr gerne. Mein Name ist Maria Kube. Ich bin Fachkraft im Bundesprogramm Sprachkitas und das inzwischen seit f&amp;uuml;nf Jahren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Bevor wir jetzt loslegen mit den Fragen, w&amp;uuml;rde ich vielleicht ganz kurz noch ein paar Worte zu dem Programm sagen. Die meisten kennen es nat&amp;uuml;rlich, aber ich fasse es mal ganz kurz noch zusammen. Das Bundesprogramm Sprachkitas wurde 2016 gestartet, um die sprachliche Bildung als Teil der Qualit&amp;auml;tsentwicklung in der Kindertagesbetreuung zu f&amp;ouml;rdern. F&amp;uuml;r jede Sprachkita stellt das Programm eine zus&amp;auml;tzliche Fachkraft zur Verf&amp;uuml;gung und diese Fachkr&amp;auml;fte werden dann auch im Verbund von einer externen Fachberatung begleitet. Bundesweit ist etwa jede achte Kita eine Sprachkita und davon profitieren ungef&amp;auml;hr 500.000 Kinder in Deutschland. Nun sollte dieses Programm Ende 2022 beendet werden. Es gab daraufhin sehr viel Protest. Auch in den Medien hat man viel dazu geh&amp;ouml;rt und gelesen. Und nun gibt's vom Bund eine &amp;Uuml;bergangsfinanzierung, die l&amp;auml;uft bis Sommer 2023 und danach soll das Geld f&amp;uuml;r diese Sprachf&amp;ouml;rderung aus dem Topf des neuen Kita-Qualit&amp;auml;tsgesetzes kommen. Hier stellt der Bund vier Milliarden f&amp;uuml;r die Sprachbildung zur Verf&amp;uuml;gung. Es gab aber daraufhin trotzdem noch weitere Kritik. Zum einen wurden die Kitas viel zu sp&amp;auml;t &amp;uuml;ber die Beendigung dieses Programms informiert. Teilweise hatten sich die Fachkr&amp;auml;fte schon neue Jobs gesucht und es ist auch zu bef&amp;uuml;rchten, dass manche L&amp;auml;nder diese F&amp;ouml;rderung eben nicht mehr so umsetzen, wie sie im Programm vorgesehen war. Und vor diesem Hintergrund, denke ich, ist es noch mal ganz wichtig, &amp;uuml;ber die Sprachkitas zu sprechen. Auch um nochmal hervorzuheben, was die eigentlich alles k&amp;ouml;nnen und wie wichtig sie sind. Und genau deswegen w&amp;uuml;rde ich einfach mal mit einer Frage an Sie, Frau Kube, einsteigen. Was vermitteln Sie eigentlich in Ihrer Funktion als Fachkraft in diesem Programm der Sprachkitas? Also, was genau lernen die anderen Fachkr&amp;auml;fte von Ihnen? Vielleicht k&amp;ouml;nnen Sie da einfach mal aus Ihrem Arbeitsalltag erz&amp;auml;hlen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, sehr gerne. Also, ich bin in der Kita mit einem Umfang von 19,5 Stunden und dieses Bundesprogramm basiert ja auf vier S&amp;auml;ulen. Dies ist zum einen die alltagsintegrierte Sprachbildung, zum anderen die Zusammenarbeit mit Eltern. Dazu kommt Vielfalt, inklusive P&amp;auml;dagogik und als Querschnittsthema ist im letzten Jahr noch die Digitalisierung dazu gekommen.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Ich sehe es als gro&amp;szlig;en Vorteil dieses Programms, dass die Sprachfachkr&amp;auml;fte sehr frei in der Umsetzung sind. Jede Sprachfachkraft hat die Freiheit, wirklich am Bedarf des Teams und an den Bedarfen der Kinder anzusetzen und auch ihre eigenen St&amp;auml;rken einzubringen. Und deswegen macht mir das auch ganz besonders viel Spa&amp;szlig;. F&amp;uuml;r mich ist z.B. beim Thema alltagsintegrierte Sprachbildung ganz besonders die Haltung wichtig. Also wie begegne ich Kindern und auch Eltern im Dialog und warum spreche ich, wie ich spreche? Also ich denke, wenn die Fachkr&amp;auml;fte eine Haltung entwickelt haben, ist es im Grunde fast egal, was f&amp;uuml;r ein Angebot sie machen, denn dann lohnt sich eigentlich jede Situation f&amp;uuml;r die Sprachbildung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und wir reflektieren das eben bei uns im Team ganz regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig z.B. bei Teambesprechungen und ich nutze auch die Marte Meo Methode, um das im Team zu reflektieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; K&amp;ouml;nnten Sie vielleicht noch zwei, drei S&amp;auml;tze zur Marte Meo Methode sagen und wie das dann abl&amp;auml;uft, wenn Sie das im Team machen? Sie machen das mit den anderen Fachkr&amp;auml;ften, richtig?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau, richtig. Also, Marte Meo hei&amp;szlig;t so viel wie &amp;ldquo;aus eigener Kraft&amp;rdquo; und ist eine videogest&amp;uuml;tzte Beratungsmethode. Sie ist f&amp;uuml;r P&amp;auml;dagogen und P&amp;auml;dagoginnen, aber auch f&amp;uuml;r Eltern geeignet. Und am Anfang eines Beratungsprozesses steht eben immer eine bestimmte Fragestellung. Das kann z.B. sein, wie ich mit einem bestimmten Kind besser in Kontakt kommen kann, weil ich das Gef&amp;uuml;hl habe, mir gelingt das nicht so gut. Dann filme ich z.B. eine Alltagssituation mit dieser ein Fachkraft und dem Kind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und das ist eine ganz kurze Aufzeichnung von vielleicht f&amp;uuml;nf bis maximal zehn Minuten. Und das kann eine Situation z.B. im freien Spiel sein, je nachdem, das kommt ein bisschen auf die Fragestellung drauf an, aber z. B. wenn es um die Frage geht, wie ich mit einem Kind in Kontakt komme, eignet sich eine freie Spielsituation.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und in wenn ich das Video aufgenommen habe, analysiere ich dieses Video und achte dabei auf bestimmte Marte Meo Elemente, so nennt sich das in der Methode. Und im freien Spiel sind diese Elemente z.B. das Warten, das Folgen und das Benennen. Also das Warten bedeutet: Schafft es die Fachkraft, sich zur&amp;uuml;ckzunehmen und darauf zu warten, dass das Kind von sich aus Impulse zeigt oder Signale zeigt. Vielen Erwachsenen f&amp;auml;llt das relativ schwer sich zur&amp;uuml;ckzunehmen, gerade wenn man den Anspruch hat, irgendwas zu unterst&amp;uuml;tzen oder zu f&amp;ouml;rdern. Aber im freien Spiel ist das ganz besonders wichtig.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann geht's ums Folgen. Also zeigt das Kind beispielsweise ein Auto, dann muss die Fachkraft das zum einen wahrnehmen und zum anderen w&amp;auml;re es eben w&amp;uuml;nschenswert, dass die Kollegin dann darauf einsteigt und sich da anschlie&amp;szlig;t an das Kind, also interessiert ist. Das dritte Element w&amp;auml;re dann das Benennen, also dass sie dann z.B. sagt: &amp;ldquo;Ah, du h&amp;auml;ltst ein rotes Auto in der Hand.&amp;rdquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann, wenn ich dieses Video analysiert habe und diese ganzen gelungenen Momente rausgesucht habe, dann schneide ich das Video und zeige die gelungenen Momente. Deswegen ist diese Methode sehr ressourcenorientiert und deswegen arbeite ich auch so besonders gerne damit. Also im Grunde geht's darum, dass man das, was Erwachsene intuitiv schon machen, bewusst macht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Und dann auch eben bewusst einsetzt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, und dann kann es eben auch sein, dass sich daraus die Lernaufgabe ergibt f&amp;uuml;r den weiteren Beratungsprozess oder dass die Fachkraft etwas l&amp;auml;nger abwartet .Das Sch&amp;ouml;ne bei der Frage mit dem Kontakt ist: Wenn das Kind z.B. die Fachkraft anguckt, dann kann ich ihr das zeigen und sagen: &amp;ldquo;Guck mal, hier hast du es geschafft, ein Kontaktmoment herzustellen.&amp;rdquo; Und das ist eben das Sch&amp;ouml;ne am Video. Ohne das Video w&amp;uuml;rde das nicht so r&amp;uuml;berkommen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Und es ist ja eigentlich dann auch ein positives Bewusstmachen f&amp;uuml;r die Fachkraft, oder? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Auf jeden Fall. Ich mache die Erfahrung, dass die Fachkr&amp;auml;fte immer gest&amp;auml;rkt aus meinen Beratungen herausgehen. Und das ist ja auch gerade in Zeiten wie diesen, wo es auch einfach manchmal arbeiten am Limit bedeutet, glaube ich, eine wundersch&amp;ouml;ne Methode.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Ja, das klingt absolut so.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Also, wir waren beim Thema alltagsintegrierte Sprachbildung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau, wir nutzen beispielsweise auch die unterst&amp;uuml;tzte Kommunikation mit Geb&amp;auml;rden. Das hei&amp;szlig;t, eine Kollegin hat eine Weiterbildung gemacht und sie geb&amp;auml;rdet Schl&amp;uuml;sselw&amp;ouml;rter. Das kann f&amp;uuml;r Kinder, die noch nicht sprechen oder auch f&amp;uuml;r Kinder, die mit einer anderen Muttersprache in die Kita kommen, eine wunderbare Br&amp;uuml;cke sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Also, da bin ich auch Multiplikatorin und begleite das. Aktuell habe ich dazu ein Fotobuch erstellt, dass die Eltern erwerben konnten, damit sie die Geb&amp;auml;rden auch zu Hause nutzen k&amp;ouml;nnen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Auch die Raumgestaltung spielt eine ganz gro&amp;szlig;e Rolle bei der alltagsintegrierten Sprachbildung. Der Raum muss nat&amp;uuml;rlich sprachanregend sein. Die Beobachtung der Kinder ist nat&amp;uuml;rlich auch ganz entscheidend. Im Laufe meiner T&amp;auml;tigkeit haben wir z.B. den Beobachtungsbogen Basik eingef&amp;uuml;hrt. Basik steht f&amp;uuml;r begleitende alltagsintegrierte Sprachentwicklungsbeobachtung in Kindertageseinrichtungen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und aktuell besch&amp;auml;ftigen wir uns damit, wie wir aus diesen Beobachtungsergebnissen das Bestm&amp;ouml;gliche f&amp;uuml;r die Praxis rausziehen k&amp;ouml;nnen. Das sind alles Prozesse, die ich begleite. Und ich unterst&amp;uuml;tze auch die Kolleginnen einfach bei Arbeiten, die ansonsten anfallen. Ich verfasse auch mal Elternbriefe. Ich bebildere diese Elternbriefe, ich recherchiere nach bestimmten Materialien oder unterst&amp;uuml;tze bei der Kooperation, z.B. im Moment mit einer Yogalehrerin.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und ich gebe auch fachlichen Input. Wir haben ja auch, wie gesagt, eine Fachberatung, da finden Arbeitskreise statt und dieses Wissen bringe ich dann wiederum ins Team.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Also sie haben quasi auch eine Basis oder eine Station, wo sie sich wieder Input holen, den sie dann in die Kitas tragen. Richtig?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, genau. Das ist die erste S&amp;auml;ule des Bundesprogramms, die alltagsintegrierte Sprachbildung. Dann gibt es die Zusammenarbeit mit Eltern und da steht unter anderem Beratung und Information im Vordergrund. Ich begleite z.B. auch Elterngespr&amp;auml;che bei Fragen rund um die Sprachentwicklung. Gegebenenfalls kann ich auch da mit Marte Meo arbeiten. Ich kann z.B. auch die Kinder untereinander filmen im Spielverhalten und dann kann man den Eltern zeigen, welche F&amp;auml;higkeiten ihr Kind schon entwickelt hat. Das ist nat&amp;uuml;rlich auch eine sch&amp;ouml;ne Methode im Elterngespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ich habe eine Ausleihb&amp;uuml;cherei ins Leben gerufen f&amp;uuml;r die Kinder und die Eltern. Das hei&amp;szlig;t, niedrigschwellig haben alle Kinder und Eltern in der Kita den Zugang zu B&amp;uuml;chern. Und bei uns sind die Eltern auch eingeladen, in ihrer Muttersprache vorzulesen. Wir haben au&amp;szlig;erdem eine Familiengalerie, das hei&amp;szlig;t, im Eingangsbereich h&amp;auml;ngt von jeder Familie ein Familienfoto und das zeigt eben, dass wir auch ein Ort f&amp;uuml;r Familien sind und nicht nur f&amp;uuml;r die Kinder, sondern auch f&amp;uuml;r alle m&amp;ouml;glichen Familienmodelle.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Das ist toll. Das kann ich mir mal f&amp;uuml;r unsere Zeitschrift merken. Das ist eine sch&amp;ouml;ne Idee. Ja, das auf jeden Fall auch viel mit Wertsch&amp;auml;tzung zu tun, nat&amp;uuml;rlich.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau. Dann ist z.B. im in der Zeit des Homeoffice ein Elternpodcast entstanden, den ich aufgesprochen habe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Wenn ich da kurz nachhaken darf, diesen Podcast, den haben Sie erstellt?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau. Den habe ich im Homeoffice erstellt. Ich habe mir Gedanken dar&amp;uuml;ber gemacht, was die Eltern interessieren k&amp;ouml;nnte und wof&amp;uuml;r ist einfach zu wenig Raum im Alltag, um die Eltern zu informieren. Also, es passiert ja unglaublich viel im Laufe eines Tages und das meiste bekommen die Eltern leider nicht mit. Und dann habe ich gedacht, das w&amp;auml;re ein sch&amp;ouml;nes Instrument, um die Eltern da ein bisschen mit ins Boot zu holen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ja, toll. Ja, klingt sehr spannend.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, danke. Wir haben auch eine Eltern-Kind-Gruppe am Nachmittag, die von einer Kollegin geleitet wurde. Also, ich habe das auch reingebracht. Jetzt macht es inzwischen eine Kollegin, denn die Verstetigung ist ja auch ein gro&amp;szlig;es Thema im Bundesprogramm und in dieser Gruppe wird gemeinsam gesungen. Es werden Fingerspiele gemacht und es werden B&amp;uuml;cher betrachtet.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und au&amp;szlig;erdem gibt es seit diesem Jahr bei uns einmal im Quartal einen sogenannten Gartentisch. Also, das ist so ein bisschen wie ein Elterncaf&amp;eacute;, aber wir haben das eben Corona-konform in den Garten verlegt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;So haben die Eltern in der Abholsituation die M&amp;ouml;glichkeit, mit einer Fachkraft ins Gespr&amp;auml;ch zu gehen &amp;uuml;ber bestimmte p&amp;auml;dagogische Themen. Zuletzt war es z.B. das Thema &amp;ldquo;Kinder und Medien&amp;rdquo; und ja, die Kinder sind dann in der Zeit noch betreut und die Eltern sind eingeladen, sich einen Kaffee und einen Kuchen zu nehmen und dann eben ganz unkompliziert w&amp;auml;hrend der Abholzeit ins Gespr&amp;auml;ch zu gehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Das ist toll, weil das ja auch wirklich corona-bedingt eine ziemlich gute L&amp;ouml;sung ist. Wenn man nicht die ganze Zeit in den R&amp;auml;umen sein will und kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau. Das war unser Gedanke. Und dann gibt es das dritte Schwerpunktthema Vielfalt. Hier geht es eben darum, Vielfalt sichtbar zu machen. Das hei&amp;szlig;t, die vielf&amp;auml;ltigen Familienmodelle in B&amp;uuml;chern sichtbar zu machen oder eben in unserer Familiengalerie. Es geht da darum, dass wir darauf achten, dass unsere Puppen verschiedene Hautfarben haben. Es geht darum, dass in den Kinderb&amp;uuml;chern auch Menschen mit Behinderung abgebildet sind und dass Helden verschiedene Hautfarben haben k&amp;ouml;nnen und so weiter und so weiter. Wir gucken auch, dass wir Musik anbieten in verschiedenen Sprachen, dass es B&amp;uuml;cher gibt in verschiedenen Sprachen und diese, wie gesagt, auch von den Muttersprachlern vorgelesen werden k&amp;ouml;nnen. Und auch hier reflektieren wir uns im Team &amp;uuml;ber eigene Vorurteile, die wir alle haben. Und es geht dann nat&amp;uuml;rlich um den Umgang damit. Wir kooperieren auch mit einem Altenheim, das hei&amp;szlig;t, die Kinder k&amp;ouml;nnen dann auch in Kontakt kommen mit ganz verschiedenen Menschen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann gibt es eben dieses Querschnittsthema der Digitalisierung, da geht's eben um Medienkompetenz. Es geht darum, Bildungsprozesse mit Medien zu unterst&amp;uuml;tzen und da ist das Team ja unterschiedlich aufgestellt, inwieweit sie schon da intuitiv ein Gef&amp;uuml;hl zu haben, wo kann man &amp;uuml;berall Medien einsetzen und ja, da sind wir gerade mittendrin im Prozess. Das ist eben auch ein Prozess, der w&amp;uuml;rde dann abrei&amp;szlig;en, wenn das Bundesprogramm enden w&amp;uuml;rde.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Kann ich da vielleicht ganz kurz nachhaken? Thema Digitalisierung. Also wir bei Kleinstkinder besch&amp;auml;ftigen uns haupts&amp;auml;chlich mit dem U3-Bereich, also mit Kindern unter drei. Wie sch&amp;auml;tzen Sie das ein, gibt's da Dinge, die man mit U3-Kindern schon machen kann?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, also wir haben schon Ideen im Team dazu entwickelt. Es gibt ja z.B. den Tellimero, den sprechenden Stift und da kann man ja kurze Audiodateien aufnehmen und abspielen, indem man den Tellimero daranh&amp;auml;lt. Und eine Kollegin im Krippenbereich hat beispielsweise Bildkarten von verschiedenen Emotionen und da hat sie sich als Projekt &amp;uuml;berlegt, dass sie die Kinder ihre Emotionen auf den Tellimero-Stift aufsprechen l&amp;auml;sst. Das sind Beispiele, wie man auch schon mit digitalen Medien in der Krippe arbeiten kann oder auch einfach durch den Einsatz von Digitalkameras. Eine Kollegin hatte z.B. ein Buch, in dem es um zwei Farbpunkte geht, gelb und blau, und die Kinder sind dann eingeladen, alles in der Kita zu sammeln, was auch diese beiden Farben hat und dann selbst davon auch mit einer Digitalkamera Fotos davon zu machen. Und dann hat man auch die analogen und die digitalen Medien vereint.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ja, sehr spannend. Jetzt w&amp;uuml;rde mich noch interessieren, wie man Kinder in ihrer Sprachentwicklung wirklich f&amp;ouml;rdern kann. Also, ich meine, es gibt nat&amp;uuml;rlich ganz viel dazu, aber das ist ja so ein ja so ein ganz wichtiger Punkt. Vielleicht k&amp;ouml;nnen Sie da noch so ein paar Beispiele aus der Praxis nennen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ich bin der Meinung, dass sich fast jede Situation f&amp;uuml;r die Sprachbildung eignet. Das ist auch ganz klar abgegrenzt von der Sprachf&amp;ouml;rderung. Beispielsweise die Schl&amp;uuml;sselsituationen, die im Kita-Alltag ja tagt&amp;auml;glich vorkommen, wie das Ankommen, das An- und Auskleiden, die Essenssituation oder die Wickelsituation, die stecken voller Sprachanl&amp;auml;sse und da geht's eben darum, dass die P&amp;auml;dagogen und P&amp;auml;dagoginnen das Bewusstsein daf&amp;uuml;r haben, diese ganzen Situationen und M&amp;ouml;glichkeiten zu nutzen. Und dar&amp;uuml;ber tauschen wir uns eben immer aus und reflektieren dar&amp;uuml;ber, wie gesagt, in der Dienstbesprechung oder auch mit Video. Und ja, es gibt da eben einige Regeln, wie man mit Kindern sprechen sollte. Z.B. ist es immer gut, die eigenen Handlungen zu benennen. Also, ich gebe dir ein Glas. Oder auch die Handlungen des Kindes zu benennen. Dann ist es in strukturierten Situationen, wie z.B. beim Wickeln, w&amp;uuml;nschenswert, dass der Erwachsene ank&amp;uuml;ndigt, was er als N&amp;auml;chstes tut. Also beispielsweise beim Wickeln, da finde ich das ganz besonders wichtig und ich vergleiche das immer gern mit einem Zahnarztbesuch. Wir f&amp;uuml;hlen uns da auch immer wesentlich entspannter, wenn der Zahnarzt ank&amp;uuml;ndigt, was als N&amp;auml;chstes passiert. Das Wickeln ist so eine doch eigentlich hilflose Situation und ja, da kann man das gut sprachlich begleiten und nebenbei erf&amp;auml;hrt das Kind beispielsweise etwas &amp;uuml;ber seinen K&amp;ouml;rper.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Dann finde ich wichtig, dass man die Gef&amp;uuml;hle des Kindes benennt. Dadurch f&amp;uuml;hlt sich ein Kind auch wahrgenommen. Also ich finde es z.B. auch wichtig, dass man sagt: &amp;ldquo;Ja, du bist gerade traurig.&amp;rdquo; Und es vermeidet zu sagen, ach, das war doch nicht so schlimm. Ja, es geht darum, das Kind in seiner Gef&amp;uuml;hlslage wahrzunehmen, dem Kind durch die eigenen Worte eine Sprache zu geben und ihm auch dadurch zu helfen, sich wieder zu regulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Im Gespr&amp;auml;ch ist es auch gut, wenn man sich auf Augenh&amp;ouml;he mit dem Kind begibt, wenn man offene Fragen stellt. Das ist auch f&amp;uuml;r die Sprachbildung von Vorteil, wobei ich es auch wichtig finde, dass man da guckt, dass man das Kind nicht &amp;uuml;berfordert. Es kann sein, dass man eigentlich schon wei&amp;szlig;, dass das Kind die Frage wahrscheinlich nicht beantworten kann. Dann ist es wiederum besser, zu benennen. Sonst k&amp;ouml;nnte es sein, dass das Kind vielleicht besch&amp;auml;mt wird oder noch weniger Lust auf Sprache hat. Und ich finde, das ist immer das Wichtigste, dass man dem Kind ja Freude an Sprache vermittelt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Und dass es sich nicht unter Druck gesetzt f&amp;uuml;hlt, dass irgendetwas Bestimmtes von ihm erwartet wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ganz genau. Und ja, auch das korrektive Feedback geht in diese Richtung, also dass man das Gesagte des Kindes nicht korrigiert, sondern einfach wiederholt und das dann richtig sagt. Nat&amp;uuml;rlich ist es gut, wenn man selbst auch deutlich und in ganzen S&amp;auml;tzen spricht und auch das ist manchmal im stressigen Kita-Alltag schon eine Herausforderung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Okay. Also dann in ganzen S&amp;auml;tzen zu sprechen und nicht nur Befehlsworte zu geben.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Das kommt auch vor. Genau. Ja, es ist besser, wenn man positiv leitet, statt Verbote auszusprechen. Also statt &amp;ldquo;Nicht hochklettern&amp;rdquo; zu sagen kann man sagen: &amp;ldquo;Steig bitte vom Stuhl herunter&amp;rdquo;. Dann wei&amp;szlig; das Kind, was es stattdessen tun kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es ist auch wichtig, dass man sein eigenes Sprachverhalten an den Entwicklungsstand des Kindes anpasst. Also einem Krippenkind kann ich vielleicht sagen: &amp;ldquo;Oh, da ist ein Vogel&amp;rdquo; und einem Elementarkind kann ich dann vielleicht schon sagen: &amp;ldquo;Schau mal, da ist eine Amsel.&amp;rdquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Da brauche ich eben auch ein Gesp&amp;uuml;r daf&amp;uuml;r, bei welchem Kind welches Sprachverhalten angemessen ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, von Vorteil ist nat&amp;uuml;rlich immer ein freundliches Gesicht, sch&amp;ouml;ne T&amp;ouml;ne und hier und da ist es auch cool, wenn man das schafft, Humor einzusetzen, wenn man Quatschw&amp;ouml;rter von Kindern aufgreift oder auch mal mit Absicht was Falsches sagt, wie z. B. &amp;ldquo;Ich habe hier einen Apfel&amp;rdquo;. Und das Kind ist ganz emp&amp;ouml;rt: &amp;ldquo;Nein, das ist ein Auto.&amp;rdquo;&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und das ist wie gesagt f&amp;uuml;r mich auch das Wichtigste, dass man Freude an Sprache vermittelt, dass man auch selbst als Erwachsener Spa&amp;szlig; an Sprache hat. Und ja, es geht darum, an den Interessen des Kindes anzusetzen und auch die Begeisterung des Kindes zu teilen. Und das kann dann eben auch ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber Medienhelden sein.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Das geht doch auch in die Richtung, dass man schaut, wof&amp;uuml;r sich das Kind gerade interessiert, auch wenn es vielleicht ein Thema ist, was man selbst p&amp;auml;dagogisch weniger wertvoll findet. Das verstehe ich so richtig, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja. Ja.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Meinen Sie mit Medienhelden auch welche, die Erwachsene vielleicht gar nicht so toll finden?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau, das kommt ja gar nicht so selten vor, aber das ist eben das, was das Kind gerade interessiert und wenn es Lust hat, dar&amp;uuml;ber zu sprechen, dann ist es gut, wenn man das aufgreift und sich dann dar&amp;uuml;ber austauscht.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Genau.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Toll ist eben auch eine sprachanregende Raumgestaltung. Das hatte ich vorhin auch schon erw&amp;auml;hnt. Man kann ja mit den Kindern philosophieren, man kann Bilderb&amp;uuml;cher betrachten, gemeinsam aingen, k&amp;uuml;nstlerisch t&amp;auml;tig werden, Bewegungsangebote machen oder eben einen Impuls setzen in Form eines spannenden Gegenstands und so weiter. Also, da ist es auch toll, wenn man selbst wei&amp;szlig;, was einen interessiert und wie man diese Begeisterung auch zum Kind bringen kann.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Was ich auch noch gerne von Ihnen wissen w&amp;uuml;rde, ist, wie es denn bei Kindern ist, deren Eltern nicht Deutsch als Muttersprache sprechen. Also, sie haben es vorhin schon angesprochen, wo es auch um die Wertsch&amp;auml;tzung unterschiedlicher Sprachen oder Muttersprachen ging. Aber mich w&amp;uuml;rde interessieren, gibt's dann in Ihrer Arbeit andere Schwerpunkte oder ist es genau die gleiche Form von Sprachf&amp;ouml;rderung? Also das f&amp;auml;nde ich noch mal spannend darauf vielleicht kurz einzugehen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, also ich denke, es ist ganz besonders wichtig, dass man eng mit den Eltern zusammenarbeitet und ihnen Wertsch&amp;auml;tzung f&amp;uuml;r ihre Muttersprache entgegenbringt und sie auch gut beraten kann. Also, dass man ihnen Mut macht, in der Muttersprache auch zu Hause kontinuierlich zu sprechen. Denn wenn ein Kind seine Muttersprache gut beherrscht, dann wird es viel leichter eine zweite Sprache lernen.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und dann ist es wichtig, dass man den Eltern vermittelt, dass das Kind regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig in die Kita kommt, damit es eben den Kontakt zur deutschen Sprache hat. Man kann auch anbieten, dass das Kind vielleicht Sportvereine besucht oder Musikangebote nach der Kita wahrnimmt, damit es eben auch vielf&amp;auml;ltigen Input der deutschen Sprache bekommt. Und meine Aufgabe ist auch, Dolmetscher f&amp;uuml;r Elterngespr&amp;auml;che zu organisieren. Und auch die Eingew&amp;ouml;hnung kann man noch mal ganz besonders in den Blick nehmen. Da kann man z.B. gucken, dass bestimmte Schl&amp;uuml;sselw&amp;ouml;rter f&amp;uuml;r das Kind auch im Team bekannt sind. Denn am Anfang steht nat&amp;uuml;rlich immer erstmal die Bindung im Vordergrund. Ohne Bindung keine Bildung und deswegen finde ich das auch sehr hilfreich, wenn das Team auch auf etwas eingehen kann, was dem Kind nun ganz besonders wichtig ist.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Also Schl&amp;uuml;sselw&amp;ouml;rter in der Erstsprache, oder?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Genau. Und, wie gesagt, man kann auch Geb&amp;auml;rden und Symbole, z.B. von Metacom, nutzen, um die Sprache und die Kommunikation zu unterst&amp;uuml;tzen. Und im Grunde sind oft die gleichen Sachen von Bedeutung wie bei der Sprachbildung im Allgemeinen. Und dann muss man eben im Blick haben, wie sich das Kind entwickelt und ob es extra Unterst&amp;uuml;tzung ben&amp;ouml;tigt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Da beraten Sie dann auch die Fachkr&amp;auml;fte in der jeweiligen Kita?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, ich mache keine Diagnostik, aber ich stelle auch mal einen Kontakt her zu einer Fr&amp;uuml;hf&amp;ouml;rderstelle oder zur Logop&amp;auml;die.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Also das sind ja viele Dinge, die da passieren und die Sie da leisten. Da wird auch noch mal klar, dass das die Fachkr&amp;auml;fte vor Ort sehr unterst&amp;uuml;tzt. Weil das doch im p&amp;auml;dagogischen Alltag alles oft gar nicht leistbar ist. Da w&amp;uuml;rde mich ihre Einsch&amp;auml;tzung dazu interessieren, wenn dieses Programm jetzt nicht mehr weiterl&amp;auml;uft. Sie haben zu Beginn gesagt, Sie haben daf&amp;uuml;r 19,5 Stunden zur Verf&amp;uuml;gung. Wie wichtig es ist, dass genau dieses Programm weiterl&amp;auml;uft?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ich finde es fatal, wenn die sowieso schon knappen Ressourcen in Kitas noch weiter gek&amp;uuml;rzt werden. Man vergisst dabei oft, finde ich, dass die Kita wirklich die erste Bildungseinrichtung f&amp;uuml;r die Kinder ist und hier der Grundstein f&amp;uuml;r den gesamten weiteren Bildungsweg gelegt wird und dass man dann gerade jetzt in solchen Krisenzeiten, die wir gerade erleben, diese Ressourcen k&amp;uuml;rzt, ist f&amp;uuml;r die Kinder wirklich fatal. Also, denken wir an die Kinder, die aus der Ukraine zu uns kommen und auch die Kinder, die durch Corona viel zu Hause waren, viel isoliert waren und nicht so viel Austausch hatten und dadurch eventuell auch R&amp;uuml;ckst&amp;auml;nde in der Sprachentwicklung haben. Die fallen dann alle ein bisschen hinten &amp;uuml;ber bzw. k&amp;ouml;nnen nicht davon profitieren, was im Bundesprogramm gelebt wird.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Also, da stimme ich Ihnen zu. Ich habe neulich auch recherchiert zu Kindern aus der Ukraine in Kitas und diese ben&amp;ouml;tigen einfach auch Unterst&amp;uuml;tzung.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Ja, genau. Dazu kommt nat&amp;uuml;rlich, dass Stellen wie meine gek&amp;uuml;rzt werden w&amp;uuml;rden, und zwar trotz des bestehenden Fachkr&amp;auml;ftemangels. Dar&amp;uuml;ber hinaus stehen auch andere Gelder des Bundesprogramms zur Verf&amp;uuml;gung, die beispielsweise f&amp;uuml;r Materialien vorgesehen sind und das w&amp;uuml;rde dann auch alles fehlen. Und wir wissen, dass in Kitas das Budget f&amp;uuml;r Materialausgaben nicht besonders hoch ist. Meiner Meinung nach ist Qualit&amp;auml;tsentwicklung immer ein Prozess, der stetig begleitet werden muss. Und es gibt ja auch immer wieder neue Kollegen und Kolleginnen im Team, die man abholen muss und einarbeiten, auch in unsere Beobachtungsmethode etc.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und es geht eben nicht nur um die zus&amp;auml;tzliche Fachkraft wie mich, sondern auch um die Fachberatung. Die Fachberatung kommt etwa alle zwei Monate in die Kita und man bespricht mit ihr aktuelle Themen in der Kita und wie man die weitere Programmsetzung gestalten m&amp;ouml;chte. Au&amp;szlig;erdem finden unter Leitung der Fachberatung Arbeitskreise und Regionaltreffen statt und da bekommt man eben auch immer wieder neuen Input, den man dann in die Kita mitbringt.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Und ich habe ja ganz viel dar&amp;uuml;ber erz&amp;auml;hlt, was ich in meiner tagt&amp;auml;glichen Arbeit mache, und ich bin der Meinung, dass es unm&amp;ouml;glich ist, das alles nebenbei zu machen, wenn man p&amp;auml;dagogisch am Kind t&amp;auml;tig ist. Und deswegen w&amp;uuml;rde meiner Meinung nach einfach wirklich vieles verloren gehen mit dem Ende des Bundesprogramms.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ja, absolut. Also, das ist zus&amp;auml;tzlich nicht leistbar, das sehe ich ganz genauso. Als kurzen Ausblick w&amp;uuml;rde ich nochmal zur&amp;uuml;ck zu Ihrer konkreten Situation kommen. Sie arbeiten in Hamburg. Wissen Sie, wie viele Sprachkitas da betroffen sind?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&amp;nbsp; &lt;/span&gt;Meines Wissens ist in Hamburg etwa jede vierte Kita eine Sprachkita und somit sind ungef&amp;auml;hr 270 Kitas in Hamburg Sprachkitas. Ja, ich war ja sehr positiv &amp;uuml;berrascht, dass dieses Thema Sprachkitas so viel mediale Aufmerksamkeit bekommen hat. Das macht eben auch die Relevanz deutlich und das freut mich auch. Letzendlich haben wir ja immerhin schon die &amp;Uuml;bergangsfinanzierung bis Juni 2023 erreicht und einige Bundesl&amp;auml;nder wie z.B. Niedersachsen haben ja bereits zugesagt, das Programm dauerhaft fortzuf&amp;uuml;hren. Meine gro&amp;szlig;e Hoffnung ist, dass das auch in Hamburg gelingt, aber eigentlich bin ich optimistisch. Hamburg ist immer sehr sozial eingestellt und es zweifelt ja im Grunde niemand an der Notwendigkeit und der Sinnhaftigkeit des Programms.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Das finde ich sch&amp;ouml;n. Ich bin auch optimistisch. Ich habe auch den Eindruck, dass schon sehr viele Bundesl&amp;auml;nder bestrebt sind, das Programm weiterzuf&amp;uuml;hren. Ich glaube, ihre Schilderungen aus ihrer Praxis sind ein gro&amp;szlig;es Pl&amp;auml;doyer f&amp;uuml;r den Erhalt. Sie haben sehr viele Argumente genannt, warum dieses Programm unbedingt weitergehen sollte. Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen. Es war sehr interessant.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Maria Kube:&lt;/strong&gt; Vielen Dank.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Iris Erbach:&lt;/strong&gt; Ihnen alles Gute.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jingle:&lt;/strong&gt; Gemeinsam wachsen, gemeinsam lernen. Sch&amp;ouml;n, dass ihr reingeh&amp;ouml;rt habt. Bis bald. Umfangreiches Fachwissen f&amp;uuml;r die Betreuung der J&amp;uuml;ngsten findet ihr auf www.kleinstkinder.de.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-maria-kube-die-zukunft-der-sprachkitas/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-maria-kunbe-die-zukunft-der-sprachkitas.mp3" type="audio/mp3" length="54500245" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:34 GMT</pubDate><guid>C82654CDD75B46C990436B5477E9E09C</guid></item><item><title>Immer in Bewegung! Motorische Entwicklung und Förderung</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;:&lt;/strong&gt; Hallo und herzlich willkommen zu unserem Gespr&amp;auml;ch mit Frau Professor Zimmer. Sch&amp;ouml;n, dass Sie Zeit f&amp;uuml;r einen Austausch mit mir haben, Frau Zimmer. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer&lt;/strong&gt;:Ja, hallo, Frau Lepold. Ich freue mich darauf. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold:&lt;/strong&gt; Sie besch&amp;auml;ftigen sich ja schon seit vielen Jahren unter anderem mit dem Thema Bewegung von Kindern. Dazu sind schon eine ganze Reihe von Ver&amp;ouml;ffentlichungen von Ihnen erschienen. Ganz aktuell auch im Verlag Herder vor kurzem das Buch &amp;bdquo;Bewegung erleben in der Krippe&amp;ldquo; und jetzt kommt ganz frisch im M&amp;auml;rz ein &lt;em&gt;Kleinstkinder&lt;/em&gt;-Themenheft, in dem es um die motorische Entwicklung und F&amp;ouml;rderung geht. &lt;br&gt;
In dieser Altersspanne U3 passiert ja unglaublich viel Entwicklung, gerade im motorischen Bereich. Und wenn man Ihre Ver&amp;ouml;ffentlichungen liest, dann wird ganz schnell klar, es geht hier bei Weitem nicht nur darum, dass junge Kinder lernen, sich fortzubewegen oder irgendwas zu greifen. Was steckt denn in dieser Phase da noch alles drin, Frau Zimmer? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer&lt;/strong&gt;: Man kann zun&amp;auml;chst einfach mal feststellen, wer sich bewegt, kommt voran. Das stimmt aber in doppelter Hinsicht. Voranzukommen ist f&amp;uuml;r das Kind ja wichtig. Es f&amp;auml;ngt an zu robben, zu krabbeln, kann seinen Aktionsradius vergr&amp;ouml;&amp;szlig;ern, aber es kommt auch voran in Hinsicht auf seine zunehmenden Fertigkeiten, F&amp;auml;higkeiten. Also, das kleine Kind erlebt ja &amp;uuml;ber Bewegung, dass es auf die Welt einwirken kann und dass es die Welt im Grunde genommen auch ein St&amp;uuml;ck weit beeinflussen kann, indem es mit den Dingen agiert und hantiert. Und das hat aber nat&amp;uuml;rlich auch Konsequenzen f&amp;uuml;r die kognitive Entwicklung. Denn jede sinnliche Erfahrung, jede Bewegungsaktivit&amp;auml;t bringt auch den Prozess der Differenzierung der Nervenzellen, der Bildung der Synapsen im Gehirn weiter. Jede Aktivierung f&amp;uuml;hrt zu einer Befeuerung. Im Grunde genommen kann man sagen, das Netzwerk des Gehirns wird differenzierter. &lt;br&gt;
Gleichzeitig gibt's aber auch so etwas auf der psychisch-emotionalen Ebene, was das Kind ja auch befl&amp;uuml;gelt, sich weitere Unternehmungen zuzutrauen. Also, es erwirbt Vertrauen in die eigenen F&amp;auml;higkeiten. Es sp&amp;uuml;rt, das mehrfache Handlungen, Versuche irgendwann dann doch zum Erfolg f&amp;uuml;hren. Das ist einerseits auf der kognitiven Ebene ein Fortschritt_ Wie gehe ich eigentlich an ein Problem heran? Andererseits gewinne ich aber auch die Erfahrung, dass jeder kleine Misserfolg eigentlich wieder zum n&amp;auml;chsten Versuch anspornt, also dieses Emotionale und Psychische und die Bewegung umfassend Ineinandergreifen. Das, was eigentlich auch der Begriff der Psychomotorik beschreibt. Ich versuche ja auch immer in meinen Ver&amp;ouml;ffentlichungen zu definieren, dass es keine Bewegung gibt ohne emotionale und psychische Beteiligung. Bewegung hat immer auch R&amp;uuml;ckwirkungen auf die eigene Einsch&amp;auml;tzung, auf die realistische Einsch&amp;auml;tzung meiner F&amp;auml;higkeiten. Aber auch auf die Erweiterung meiner Grenzen, und darauf, herauszufinden: Was kann ich mir zumuten? Dazu ist Bewegung eigentlich das einzige Medium. &amp;Uuml;ber den K&amp;ouml;rper greift das Kind ja in die Umwelt ein. Und es sp&amp;uuml;rt, dass es da auch Erfahrungen und Wirkungsprozesse in Gang setzen kann. Diese Selbstwirksamkeitserfahrungen, das ist eigentlich das, was in den ersten drei Lebensjahren eine ganz, ganz, ganz wichtige Rolle spielt. Aus dem hilflosen S&amp;auml;ugling wird ein aktiv in die Umwelt eingreifendes Lebewesen, was sp&amp;uuml;rt: Ich kann auf meine Umwelt einwirken und das kann ich mit meinen F&amp;auml;higkeiten und mit meinen sich tagt&amp;auml;glich auch ver&amp;auml;ndernden Kompetenzen bewirken. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold&lt;/strong&gt;: Jetzt haben Sie gerade den Begriff der Umwelt genannt. Da ist bei mir jetzt das Bild der R&amp;auml;ume, also der Welt, in der sich das Kind bewegt hochgeploppt, denn die motorische Entwicklung steht ja eben auch im Zusammenhang mit den jeweiligen r&amp;auml;umlichen Bedingungen, die die Kleinkinder vorfinden. Was ist Ihnen Bezug auf die r&amp;auml;umliche Gestaltung von Krippen ein Anliegen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer:&lt;/strong&gt; Also, der erste Bewegungsraum ist ja erstmal der Boden. Der muss also liebevoll gestaltet sein. Gerade Kinder im Krabbelalter, wenn sie anfangen zu robben, zu krabbeln, brauchen sie ja auch kleine Hindernisse, die sie gerne &amp;uuml;berwinden wollen. Sie entwickeln sich weiter und zunehmend wird der Bewegungsradius eben auch gr&amp;ouml;&amp;szlig;er, geht vom Boden weg in die H&amp;ouml;he. Also, ich brauche Hocker, ich brauche Podeste, an denen ich mich hochziehen kann. Wenn man den Prozess der motorischen Entwicklung betrachtet, dann muss der Raum f&amp;uuml;r alle Stufen was hergeben, f&amp;uuml;r alle Kinder, denn auch es gibt auch Dreij&amp;auml;hrige, die vielleicht in ihrer Entwicklung nicht so weit sind wie ein Einj&amp;auml;hriges, was sehr fr&amp;uuml;h schon beginnt, sich aufzurichten. Also unter dem inklusiven Aspekt ist es wichtig, dass alle Kinder gen&amp;uuml;gend Herausforderungen r&amp;auml;umlicher Art finden. Anregungen, die vom Raum ausgehen und die ihnen auch immer wieder die M&amp;ouml;glichkeit geben, zur&amp;uuml;ckzukommen auf Prozesse, wo sie sich noch nicht ganz erfolgreich erlebt haben. Die Treppe ist ja f&amp;uuml;r die Kinder ein wunderbarer Raum, an dem sie St&amp;uuml;ck f&amp;uuml;r St&amp;uuml;ck ihre F&amp;auml;higkeiten erweitern k&amp;ouml;nnen. Treppen vielleicht mit Teppichboden bespannt, dass sie weich sind, dass sie runde Kanten haben, dass sie mal Randbegrenzungen haben, sind neben Podesten, neben Matratzen, &amp;uuml;ber die man hinweg kriechen und rollen kann, sind wunderbare Herausforderung. Ein Raum f&amp;uuml;r Kleinkinder muss alle Sinne ansprechen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold&lt;/strong&gt;: Jetzt haben wir ja nicht nur die Innenr&amp;auml;ume der Kita, sondern auch das Au&amp;szlig;engel&amp;auml;nde bzw. die n&amp;auml;here Umgebung der Kita. Was ist denn aus Ihrer Sicht die besondere Chance, die im bewegten Spiel im Au&amp;szlig;enbereich steckt? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer:&lt;/strong&gt; Drau&amp;szlig;en zu spielen hei&amp;szlig;t f&amp;uuml;r Kinder ja, sich mit h&amp;ouml;chster Intensit&amp;auml;t und Konzentration den Bedingungen zuwenden, die sie drau&amp;szlig;en vorfinden. Und da gibt es nichts, was langweilig ist. Eine Wiese, ein Maulwurfsh&amp;uuml;gel, ein Stock, alles bietet wunderbare kreative Anl&amp;auml;sse sich zu bet&amp;auml;tigen. Da werden kreative Kr&amp;auml;fte freigesetzt, da gibt es keine Funktionsf&amp;auml;higkeit, die vorgegeben ist, sondern jedes Kind gestaltet seine Au&amp;szlig;enwelt wieder neu. Ich w&amp;uuml;nsche mir eigentlich f&amp;uuml;r Kinder gerade im Krippenalter, dass sie jeden Tag mehrere Stunden drau&amp;szlig;en verbringen k&amp;ouml;nnen. Und dass nachmittags die Matschhose auch entsprechend aussieht - und die Eltern dies als Erfolg der Kita werten.&lt;br&gt;
Drau&amp;szlig;en spielen bietet Freiheit und Grenzen gleichzeitig. Das ist f&amp;uuml;r Kinder auch sehr sch&amp;ouml;n zu erleben. Den Regen muss ich akzeptieren. Aber ich kann ihn auch f&amp;uuml;r die Spielsituation nutzen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold&lt;/strong&gt;: Wenn man jetzt ihre Ver&amp;ouml;ffentlichungen zu dem Thema liest, dann liest man auch heraus, was ihnen ganz wichtig ist: Dass die Kinder, wenn sie unter freiem Himmel spielen, auch die M&amp;ouml;glichkeit haben, echte Bewegungsherausforderungen zu meistern und die Chance, reale Risiken einzugehen. Warum ist Ihnen der Aspekt so wichtig? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer:&lt;/strong&gt; wachsen ja eigentlich in einer recht &amp;uuml;berbeh&amp;uuml;teten Umwelt auf. Also Eltern tun alles daf&amp;uuml;r, keine Risiken auftreten zu lassen und alles vorzubedenken, weil sie berechtigterweise ja auch Angst haben, dass den Kindern etwas zust&amp;ouml;&amp;szlig;t. Aber die kleinen Malessen, die kleinen Spuren eines kleinen Misserfolgs, eine Beule, eine Schramme ist ja auch f&amp;uuml;r das Kind ein Signal. Da habe ich mich zu weit gewagt. Da habe ich nicht achtsam genug auf die Umwelt geachtet, da habe ich mich nicht richtig eingesch&amp;auml;tzt. Und dieses Signal braucht es. Risiken zu bew&amp;auml;ltigen, hei&amp;szlig;t, sich fit zu machen f&amp;uuml;r die Vorbeugung gr&amp;ouml;&amp;szlig;erer Gefahrensituationen. Man muss ja auch unterscheiden zwischen Risiko und Gefahr. Ein Kind muss Gefahren erkennen, aber das kann es nur, indem es auch Risiken bew&amp;auml;ltigen lernt. Und daf&amp;uuml;r ist nat&amp;uuml;rlich das Drau&amp;szlig;enspielen eine wunderbare Herausforderung. Daf&amp;uuml;r sind aber auch kleine Angebote in einer Bewegungslandschaft hilfreich, die einem Kind helfen, seine F&amp;auml;higkeiten zu erproben kann. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold&lt;/strong&gt;: Ja, und dann noch eine abschlie&amp;szlig;ende Frage. Wenn Sie &amp;uuml;ber Bewegung von Kindern sprechen oder schreiben, dann geht's ganz oft auch um das Gleichgewicht zwischen Bewegung und Ruhe. Warum spielt dieses Gleichgewicht denn so eine wichtige Rolle? Und wie k&amp;ouml;nnen p&amp;auml;dagogische Fachkr&amp;auml;fte das unterst&amp;uuml;tzen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer&lt;/strong&gt;: Ruhe und Bewegung sind eigentlich zwei Pole der kindlichen Aktivit&amp;auml;t. Wenn Kinder sich ausreichend bewegen k&amp;ouml;nnen, entsteht ein ganz nat&amp;uuml;rliches Bed&amp;uuml;rfnis nach Ruhe und Stille, die sie auch genie&amp;szlig;en, wenn sie nicht permanent vom Erwachsenen h&amp;ouml;ren w&amp;uuml;rden. Kannst du nicht mal ruhig sein! Sei doch mal still! Sei nicht so laut.&amp;ldquo; Das h&amp;ouml;ren Kinder &amp;ouml;fter von Erwachsenen, als dass diese sagen: Ja, du darfst jetzt mal laut toben, wild spielen.&amp;ldquo;&lt;br&gt;
Wir haben als Erwachsene ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Bed&amp;uuml;rfnis nach Ruhe. das ist auch verst&amp;auml;ndlich von unserer Entwicklung her; aber von der Entwicklung des Kindes her muss da tats&amp;auml;chlich ein ausgewogenes Verh&amp;auml;ltnis herrschen. Also ich pl&amp;auml;diere schon daf&amp;uuml;r, den Kindern auch wilde Spiele zuzugestehen und dabei ist der Grad des Wildseins bei jedem Kind sicher ein bisschen unterschiedlich. Aber gleichzeitig kann man ihm auch den Genuss des ruhevollen Spiels, des Erlebens der Stille g&amp;ouml;nnen. Eine Kissenschlacht kann ja auch damit enden, dass man sagt: Okay, das Kissen ist ein wunderbares Kuschelkissen, da kann ich einer Geschichte zuh&amp;ouml;ren, da kann ich ein kleines Ruhespiel, ein Entspannungsspiel, eine kleine Ballmassage oder &amp;Auml;hnliches genie&amp;szlig;en. Ich w&amp;uuml;rde mir sehr w&amp;uuml;nschen, dass Kinder die Ruhe und Stille mehr unter dem Aspekt des Genie&amp;szlig;ens erleben und nicht nur als Aufforderung der gestressten Erwachsenen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Marion Lepold:&lt;/strong&gt; Alle, die jetzt Interesse an den Themen entwickelt haben, lade ich ganz herzlich ein, einen Blick in Ihre Ver&amp;ouml;ffentlichungen zu werfen. Es ist ja bunt gemischt, was es von Ihnen gibt. Ich danke Ihnen, liebe Frau Zimmer, ganz herzlich f&amp;uuml;r das Interview und die Zeit. Es war mir wieder eine Freude mit ihnen zu sprechen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Prof. Renate Zimmer:&lt;/strong&gt; Danke sch&amp;ouml;n, Frau Lepold. F&amp;uuml;r mich genauso. &lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-prof-dr-renate-zimmer-immer-in-bewegung-motorische-entwicklung-und-foerderung/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-prof-dr-renate-zimmer.mp3" type="audio/mp3" length="20959523" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:34 GMT</pubDate><guid>D29CA3A0EFF140939A46A452C98AF7A1</guid></item><item><title>Erschwerte Eingewöhnung unter Pandemie-Bedingungen</title><description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Guten Tag, Frau Kozel. Ich freue mich, dass Sie sich dazu bereit erkl&amp;auml;rt haben, uns an Ihrer aktuellen Situation in der Krippe teilhaben zu lassen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Guten Tag, Frau Olbinski. Auch ich freue mich, die M&amp;ouml;glichkeit erhalten zu haben, einen Einblick in unseren Alltag schildern zu d&amp;uuml;rfen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Sie sind schon seit mehr als zehn Jahren als Erzieherin in einer Krippe in Birkenfeld t&amp;auml;tig. Richtig?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Ja, genau. Ich arbeite nun seit &amp;uuml;ber zehn Jahren in der Krippe. Zwar immer mal wieder aushilfsweise im Kindergarten, aber generell bin ich in der Krippe. Dort arbeite ich mit zwei weiteren Kolleginnen in meiner Gruppe, welche auch schon &amp;uuml;ber langj&amp;auml;hrige Krippenerfahrung verf&amp;uuml;gen. Insgesamt sind wir zw&amp;ouml;lf Fachkr&amp;auml;fte im Team, verteilt auf drei Kindergartengruppen und eine Krippengruppe.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Wie viele Kinder betreuen Sie derzeit? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Derzeit werden in der Notbetreuung bei uns ca. 30 Kinder in der Einrichtung betreut. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Wie geht es Ihnen und ihrem Team insgesamt momentan? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Generell d&amp;uuml;rfen wir uns nicht beschweren. Jedoch ist nat&amp;uuml;rlich die Teamarbeit sehr schwierig, da wir immer Abstand halten m&amp;uuml;ssen, keine gro&amp;szlig;e Teambesprechungen haben und somit einfach der Austausch im Gro&amp;szlig;team fehlt. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Ich verstehe, das macht nat&amp;uuml;rlich den Arbeitsalltag umst&amp;auml;ndlicher. Haben Sie eine Maskenpflicht in Ihrer Einrichtung?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Nein, eine Maskenpflicht gibt es bei uns nicht f&amp;uuml;r die Erzieherinnen, lediglich f&amp;uuml;r die Eltern. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; K&amp;ouml;nnen Sie uns f&amp;uuml;r einen Moment mit in Ihren Alltag nehmen, einfach dass wir das uns besser vorstellen k&amp;ouml;nnen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Eigentlich haben wir einen recht normalen Alltag in der Krippengruppe. Lediglich zwei Kinder werden derzeit zu Hause betreut. Die anderen Kinder sind alle da. Was auf der einen Seite sch&amp;ouml;n ist, auf der anderen Seite ist fragw&amp;uuml;rdig, inwiefern die Notbetreuung bei uns &amp;uuml;berhaupt effektiv ist. In unseren drei Kindergartengruppen hingegen sieht's ein bisschen anders aus. Dort werden ca. sieben Kinder von je 20 Kindern der Gruppe betreut. Was die Elternarbeit angeht, war das sehr schwierig im vergangenen Jahr. Teilweise war gar keine Elternarbeit m&amp;ouml;glich. Dann durften wir mal einen Elternabend durchf&amp;uuml;hren, jedoch nur in Kleingruppen und mit Maske und Abstand, was dazu gef&amp;uuml;hrt hat, dass der Elternabend sehr trocken war. Es war keine sch&amp;ouml;ne Atmosph&amp;auml;re und es hat auch kein wirkliches Kennenlernen stattgefunden.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Heute interessiert uns insbesondere die Gestaltung der Eingew&amp;ouml;hnungen, die Sie in den letzten Monaten umgesetzt haben. Inwiefern sind diese unter den aktuellen Begebenheiten eine Herausforderung f&amp;uuml;r ihre Krippenkinder? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Normalerweise ben&amp;ouml;tigen wir so ca. vier Wochen f&amp;uuml;r eine Eingew&amp;ouml;hnung. Die Kinder kommen vorher schon ca. eine Stunde zu uns zu einer sogenannten Schnupperstunde. Dort f&amp;uuml;llen wir mit den Eltern ein Fragebogen aus. Beim Ausf&amp;uuml;llen dieses Fragebogens wurde uns zum ersten Mal bewusst, warum die Kinder vielleicht gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Schwierigkeiten haben k&amp;ouml;nnten, bei uns im Krippenalltag anzukommen. Denn auf die Frage, ob ihr Kind schon Vorerfahrungen hat mit Fremdbetreuung oder im Rahmen einer Spielgruppe oder einer Krabbelgruppe antworten uns die Eltern eigentlich immer nein. Das war ja nat&amp;uuml;rlich nicht m&amp;ouml;glich eigentlich im letzten Jahr, es hat alles nicht stattgefunden. Und auch innerhalb der Familie gibt's sp&amp;uuml;rbar weniger Betreuung. Oft wurde einfach auch auf Oma und Opa verzichtet, um die Kontakte so gering wie m&amp;ouml;glich zu halten. Somit waren die Kinder wirklich ganz selten oder sogar nie au&amp;szlig;erhalb der eigenen vier W&amp;auml;nde betreut worden. Dieser Aspekt erschwert uns die Eingew&amp;ouml;hnung. Die Kinder haben meist keinerlei Vorerfahrung mit lauten R&amp;auml;umen, gleichaltrigen Kindern und vielen Personen, die ihnen unbekannt sind.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Welche Verhaltensweisen konnten Sie in diesem Zusammenhang bei Kindern feststellen? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Also, viele der Kinder wirken sehr ger&amp;auml;uschempfindlich. Sie erschrecken, wenn andere Kinder laut sind. Wir Erzieherinnen haben auch immer ein bisschen das Gef&amp;uuml;hl, es sei zu viel Trubel im Gruppenraum f&amp;uuml;r die neuen Kinder. Die Kinder ziehen es zudem verst&amp;auml;rkt vor, auf dem Arm von uns Erziehern zu sein. Weniger auf dem Boden bei den anderen Kindern, um mit denen zu spielen. Sie suchen am Anfang eher weniger den Kontakt zu anderen Kindern und sind entsprechend st&amp;auml;rker auf die Erzieherin konzentriert. In den Eingew&amp;ouml;hnungen, die wir vor der Pandemie durchgef&amp;uuml;hrt haben, waren die neuen Kinder eigentlich meist sehr interessiert an dem Gruppengeschehen, an den anderen Kindern, haben das Spiel der anderen Kinder beobachtet und waren insgesamt sehr neugierig. Zurzeit haben wir eigentlich eher das Gef&amp;uuml;hl, dass die Kinder eher &amp;uuml;berfordert sind mit den vielen Reizen, die auf einmal auf sie einstr&amp;ouml;men.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Nachdem wir den Blick auf das Kind gerichtet und dessen Herausforderungen betrachtet haben, interessiert uns nat&amp;uuml;rlich auch, wie Sie pers&amp;ouml;nlich mit diesen ver&amp;auml;nderten Bedingungen zurechtkommen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Ja, also zu Beginn war es uns gar nicht so ganz klar, dass die Kinder &amp;uuml;ber ver&amp;auml;nderte Vorerfahrungen verf&amp;uuml;gen im Vergleich zu jenen Kindern, die wir in den Jahren zuvor eingew&amp;ouml;hnt hatten. Wir haben uns am Anfang gefragt, ob es schon immer so schwierig war, neue Kinder einzugew&amp;ouml;hnen oder ob es an uns lag, dass wir es nicht mehr gewohnt waren, denn auch wir hatten ja eine Pause mit Eingew&amp;ouml;hnungskindern im Zeitraum von Februar bis September 2020. Vielleicht wirkte sich diese Pause auch auf unsere Handlungskompetenz aus, Schlie&amp;szlig;lich wurde uns aber klar, dass es eventuell auch daran liegen k&amp;ouml;nnte, dass die Kinder ja fast nur zu Hause waren. Ich m&amp;ouml;chte nat&amp;uuml;rlich nicht sagen, dass wir nicht auch schon vorher Eingew&amp;ouml;hnungen hatten, die l&amp;auml;nger dauerten oder besonders waren, aber derzeit ist es einfach auff&amp;auml;lliger.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Wo mussten Sie flexibel umdenken und handeln? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Wir hatten ja dann die Erkenntnis, dass die Kinder ja viel mehr zu Hause waren und ihnen einfach die Vorkenntnis fehlte. Somit war es dann schon viel einfacher f&amp;uuml;r uns, die Kinder besser zu verstehen. Wir haben versucht, die Gruppe aufzuteilen, um mehr Ruhe zu schaffen. Au&amp;szlig;erdem wollten wir ihnen mehr Zeit geben, um die Eingew&amp;ouml;hnung langsamer gestalten zu k&amp;ouml;nnen. Das war ja doch oft schwierig, da die n&amp;auml;chste Eingew&amp;ouml;hnung schon geplant war oder auch die Eltern einfach wieder in ihren Beruf einsteigen mussten.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Welche Form der Unterst&amp;uuml;tzung w&amp;auml;re f&amp;uuml;r Sie aktuell besonders hilfreich? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Generell kann man ja wohl nicht viel machen. Hilfreich w&amp;auml;re es zum Teil nat&amp;uuml;rlich gewesen oder w&amp;auml;re es auch jetzt noch, wenn man w&amp;auml;hrend der Eingew&amp;ouml;hnung mit drei Erziehern in der Gruppe besetzt gewesen w&amp;auml;re. Das ist bei uns nur teilweise der Fall. Zum einen wegen unseres Dienstplans, da wir in Fr&amp;uuml;h- und Sp&amp;auml;tschicht arbeiten und zum anderen einfach auch wegen der personellen Situation, die oft von uns verlangt, in anderen Gruppen auszuhelfen. Grunds&amp;auml;tzlich wollten wir versuchen, wenn es m&amp;ouml;glich ist, einfach mehr Zeit f&amp;uuml;r die Eingew&amp;ouml;hnung einzuplanen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Welche Ratschl&amp;auml;ge k&amp;ouml;nnen Sie anderen Erzieherinnen und Erziehern aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Ich w&amp;uuml;rde einfach sagen, wenn es m&amp;ouml;glich ist, f&amp;uuml;r die Eingew&amp;ouml;hnung mehr Zeit einzuplanen. Au&amp;szlig;erdem w&amp;uuml;rde ich immer reflektieren und genau nachfragen, wie die Situation der Kinder im letzten Jahr war, weil es oft auch schon hilfreich ist, Kinder und Eltern besser zu verstehen, wenn man wei&amp;szlig;, was sie im vergangenen Jahr erlebt haben. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Was w&amp;uuml;nschen Sie sich von der Regierung bez&amp;uuml;glich festgesetzter Regelungen f&amp;uuml;r den U3-Bereich? &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Da w&amp;uuml;nsche ich mir eigentlich nur, dass die Ausbildung noch attraktiver gestaltet wird, sodass man einfach mehr Fachpersonal zur Verf&amp;uuml;gung h&amp;auml;tte und man nicht st&amp;auml;ndig unterbesetzt arbeiten muss. Aber auch was die Notbetreuung angeht, klarere Regeln zu formulieren.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Zu guter Letzt interessiert uns noch, was Sie sich f&amp;uuml;r die Zukunft w&amp;uuml;nschen. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; Ja, also ich w&amp;uuml;nsche mir so wie wahrscheinlich alle wieder mehr Normalit&amp;auml;t, Best&amp;auml;ndigkeit und dass man einfach wieder besser die Zukunft planen kann. &lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Lisa-Marie Olbinski:&lt;/strong&gt; Das kann ich sehr gut verstehen. Frau Kozel, haben Sie vielen Dank f&amp;uuml;r diese sehr pers&amp;ouml;nlichen Ausf&amp;uuml;hrungen, mit denen Sie uns Ihre derzeitige Situation eindr&amp;uuml;cklich beschrieben haben. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie Sie und Ihr Team sich momentan f&amp;uuml;hlen und habe gro&amp;szlig;e Achtung vor dem, was Sie, nicht nur derzeit, leisten. F&amp;uuml;r Ihre weitere Arbeit w&amp;uuml;nsche ich Ihnen von Herzen alles Gute. Bleiben Sie gesund.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Katja Kozel:&lt;/strong&gt; vielen Dank.&lt;/p&gt;</description><link>https://www.herder.de/kk/zeitschrift/podcast/im-gespraech-mit-katja-kozel-erschwerte-eingewoehnung-unter-pandemie-bedingungen/</link><enclosure url="https://www.herder.de/-/media/audios/zeitschriften/kk/im-gespraech-mit-katja-kozel-erschwerte-eingewaehnung-unter-pandemie-bedingungen.mp3" type="audio/mp3" length="5195373" /><pubDate>Mon, 23 Feb 2026 13:41:35 GMT</pubDate><guid>38C80C99C5C849A3893AB4C98CAC54C8</guid></item></channel></rss>