10 Basics für pädagogisches Handeln

Bei allen Entscheidungen, die Kinder betreffen, muss das Wohl des Kindes berücksichtigt werden. Dies gilt auch für das Handeln in pädagogischen Einrichtungen. Diese 10 Impulse sind daher grundlegend.

1. Zugänglich sein

Zugänglichkeit bedeutet, dass ich offen bin für das, was Kinder beschäftigt, ausdrücken und mir mitteilen. Im Alltag ist es schwierig, diese Zugänglichkeit für alle Kinder gleichzeitig aufzubringen. Wir können jedoch versuchen, uns auf das „Hier und Jetzt“ einzulassen und Kindern zu vermitteln, dass wir sie hören wollen. Bereits über eine Berührung können wir signalisieren: Ich bin gleich da.

2. Aufmerksam sein

Kinder zeigen uns verbal und nonverbal, was sie bewegt. Gleichzeitig brauchen sie Zeit, damit sich ihre „Erzählungen“ entfalten können. Im pädagogischen Alltag ist es teilweise schwierig, ihnen diesen Raum zu geben. Während Kinder manchmal bereits durch kleine Signale der Aufmerksamkeit spüren, dass sie gesehen werden, brauchen sie in anderen Momenten unsere volle und möglichst prompte Aufmerksamkeit – vor allem, wenn sie etwas emotional sehr beschäftigt.

3. Signale richtig interpretieren

Oft ist es nicht leicht, sofort zu verstehen, was Kinder mit dem, was sie sagen und tun, zum Ausdruck bringen wollen. Unsere Reaktionen auf die Kinder sind dann manchmal nicht passend oder gar verletzend. In der Folge fühlen sich Kinder womöglich nicht verstanden, wenden sich ab oder werden wütend. Es ist daher wichtig, bewusst auf die Mimik, Gestik und Körperhaltung eines Kindes zu achten: Hieraus können Sie gut „ablesen“, ob Sie ein Kind richtig verstanden haben.

4. Schnell reagieren

Es erfordert von Fachkräften eine hohe Aufmerksamkeit, allen Interaktionsanfragen gerecht zu werden, diese richtig zu interpretieren und möglichst schnell zu reagieren. Aufgrund ihres Alters und Entwicklungsstands sowie in Abhängigkeit von den Situationsumständen, der Dringlichkeit und Tagesverfassung eines Kindes müssen Sie abwägen, wem Sie sich zuerst und in welcher Form zuwenden. Die Form der Zuwendung kann dabei variieren: Blick- oder Körperkontakt, verbale Ansprache, ein aufmunterndes Nicken oder Lächeln.

5. Sich einlassen

Kinder in ihrer Entwicklung und auf ihrem Bildungsweg zu begleiten und anzuregen, bedeutet, sich ihrer Gedankenwelt zu nähern, sich wirklich für ihre Aktivitäten zu interessieren und daran anzuknüpfen. Ein feinfühliges Antwortverhalten zeigt sich daran, dass es Ihnen gelingt, sich auf die Gedanken, Verhaltensweisen und insbesondere auf die Gefühlsäußerungen der Kinder einzulassen, auch wenn Sie diese nicht sofort verstehen.

6. Emotionen wertschätzen und aufgreifen

Für ein gesundes Aufwachsen sind Kinder darauf angewiesen, dass wir ihren Bedürfnissen nach emotionaler Verbundenheit, Vertrauen, Trost, Schutz, Orientierung und Unterstützung nachkommen. Gerade bei starken Emotionen wie Ärger, Trauer, Aggression oder Scham brauchen sie Fachkräfte, die diese Emotionen annehmen, aufgreifen und das eigene Verhalten darauf abstimmen. Das bedeutet insbesondere, dass wir Kinder gerade in schwierigen Momenten nicht allein lassen und sie dabei unterstützen, diese zu bewältigen.

7. Kinder anregen

Nicht alle Kinder wollen einem Thema folgen, sondern ihren eigenen inneren Fragen nachgehen. Deshalb ist das Aufgreifen kindlicher Interessen von elementarer Bedeutung und es lassen sich hierdurch vielfältige Spiel- und Erfahrungsräume gestalten. Letztlich lässt sich ein Thema in allen Bildungsbereichen einbringen. Durch eine Beteiligung der Kinder regen wir sie von Beginn an, Ideen und Veränderungen mitzugestalten und zeigen gleichzeitig unser Interesse an ihnen.

8. Vorbereitet sein

Der anspruchsvolle pädagogische Alltag fordert von Ihnen häufig, dass Sie etwas aus dem Stegreif heraus organisieren müssen. Dabei mangelt es selten an Ideen, sondern daran, dass die Materialien nicht vorhanden oder unauffindbar sind. Ordnung ist deshalb notwendige Grundlage und spart Zeit, die im Alltag so wenig vorhanden ist. Vorbereitet zu sein, bedeutet zudem, dass ich Kartons nicht zufällig, sondern absichtlich in der Kammer gesammelt habe. Vorbereitete Materialien entlasten Sie an der entscheidenden Stelle und bieten den Kindern etwas Neues, was ihr Spiel bereichert.

9. Eigene Emotionen reflektieren

Im Kontext der Arbeit mit Kindern ist es notwendig, dass uns die eigene Emotionsregulation möglichst immer oder zumindest oft genug gelingt. Neben dem bewussten Durchatmen können kleine Maßnahmen helfen, wie etwa ein Glas Wasser Schluck für Schluck trinken, kurz den Raum wechseln, den Boden unter den Füßen bewusst spüren, zur Toilette gehen oder jemand anderen bitten, die Situation zu übernehmen.

10. Hilfe annehmen und geben

Feinfühligkeit zeigt sich auch im Umgang mit Kolleg:innen: Aktiv Interesse an anderen zu zeigen und das emotionale Klima mitzugestalten, sind die wesentlichen Elemente für tragfähige Beziehungen. Dabei ist es im pädagogischen Austausch auch notwendig, ein nicht gelungenes pädagogisches Handeln anzusprechen und gemeinsam Lösungswege für ein feinfühligeres Antwortverhalten zu finden.

Hefte & Artikel

Die Zeitschrift Unser Ganztag im Abo

  • Multimedial & flexibel: Vier Ausgaben pro Jahr – Print und Digital. 
  • Praxisnah & inspirierend: Methoden und Projekte für die pädagogische Arbeit mit Kindern von 6 bis 12 Jahren. 
  • Aktuell & vernetzt: Pädagogisches Hintergrundwissen, passgenaue Themen und News aus der Fachszene. 
Jetzt gratis testen