Mit dem Ganztagsförderungsgesetz wurde festgelegt, dass Kinder im Grundschulalter künftig einen Anspruch auf ganztägige Förderung haben. Der Rechtsanspruch tritt stufenweise ab dem Schuljahr 2026/2027 in Kraft: Zunächst gilt er für Kinder der ersten Klassenstufe, danach kommt jährlich eine weitere Klassenstufe hinzu. Der Anspruch umfasst acht Stunden an fünf Werktagen, also von Montag bis Freitag. Unterrichtszeiten werden dabei angerechnet, ebenso Angebote von Ganztagsgrundschulen. Er gilt grundsätzlich auch in den Schulferien. Das Landesrecht kann jedoch Schließzeiten im Umfang von bis zu vier Wochen pro Jahr während der Ferien vorsehen. Wichtig ist: Der Rechtsanspruch ist keine Pflicht. Eltern und Sorgeberechtigte entscheiden, ob und in welchem Umfang sie ein Angebot in Anspruch nehmen möchten. Für Einrichtungen bedeutet das, sich auf unterschiedliche Bedarfe, Buchungsumfänge und Familienrealitäten einzustellen und zugleich verlässliche Strukturen für die Kinder zu schaffen (vgl. KM Baden-Württemberg, BMBFSFJ).
Von der Platzfrage zur Qualitätsfrage
In der öffentlichen Diskussion steht häufig die Frage im Vordergrund, ob genügend Plätze zur Verfügung stehen. Der Bund unterstützt die Länder mit bis zu 3,5 Milliarden Euro für Investitionen in den Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote (vgl. KM Baden-Württemberg, BMBFSFJ). Aus pädagogischer Sicht reicht die quantitative Perspektive nicht aus. Kinder verbringen im Ganztag einen erheblichen Teil ihres Tages. Damit wird er zu einem bedeutsamen Lebens- und Bildungsort. Der Rechtsanspruch kann deshalb nur dann zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen, wenn er qualitativ gut umgesetzt wird.
Was Kinder im Ganztag brauchen
Kinder im Grundschulalter werden selbstständiger, orientieren sich zunehmend an Gleichaltrigen, brauchen jedoch weiterhin erwachsene Bezugspersonen. Gerade im Ganztag treffen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander: Manche Kinder suchen Bewegung, andere brauchen Ruhe. Einige möchten mitbestimmen und eigene Projekte entwickeln, andere benötigen Unterstützung, um Anschluss zu finden. (Lesen Sie hier mehr zu alterstypischen Entwicklungsthemen von Grundschulkindern.) Ein qualitativer Ganztag nimmt diese Vielfalt ernst. Er strukturiert den Tag so, dass Kinder sich orientieren können. Dazu gehören verlässliche Rituale, klare Übergänge, gute Absprachen zwischen Schule und Betreuung sowie ausreichend freie Zeiten. (Lesen Sie hier mehr zum Tagesablauf.) GerWer den Rechtsanspruch pädagogisch gestalten möchte, braucht neben gesetzlichen Informationen vor allem konkrete Ideen für den Alltag. Auf der Wissensplattform Unser Ganztag bündelt der Verlag Herder Fachwissen, Themenhefte, Praxisimpulse und Materialien für die Pädagogik mit Kindern im Grundschulalter. Das Angebot richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Quereinsteigende und Teams, die Ganztag fachlich fundiert und zugleich alltagsnah weiterentwickeln möchten.ade das freie Spiel bleibt im Grundschulalter bedeutsam. Im Spiel verarbeiten Kinder Erfahrungen, gestalten Beziehungen, erproben Rollen, lösen Konflikte und entwickeln Selbstwirksamkeit. Pädagogische Fachkräfte im Ganztag haben eine anspruchsvolle Aufgabe: Sie schaffen Rahmenbedingungen, beobachten Gruppenprozesse, greifen bei Ausgrenzung oder Überforderung ein und halten sich zugleich mit vorschneller Bewertung zurück (vgl. Pesch, Dohle, Maywald 2023).
Zusammenarbeit wird zur Schlüsselaufgabe
Der Rechtsanspruch kann durch unterschiedliche Angebote erfüllt werden. Damit rückt die Zusammenarbeit der beteiligten Systeme in den Mittelpunkt: Schule, Hort, Jugendhilfe, kommunale Träger und Vereine. Für Kinder ist entscheidend, dass der Tag nicht in unverbundene Einzelteile zerfällt. Pädagogisch sinnvoll ist ein gemeinsamer Blick auf das Kind: Welche Bedürfnisse zeigt es im Laufe des Tages? Wann braucht es Unterstützung, wann Freiraum? Welche Informationen sollten zwischen Lehrkräften und Fachkräften ausgetauscht werden und welche nicht? Welche Regeln gelten im Ganztag und wie werden sie mit den Kindern entwickelt? Je besser Abstimmung gelingt, desto eher erleben Kinder ihren Tag als zusammenhängend und verlässlich. Dafür braucht es Zeit für Teamgespräche, klare Zuständigkeiten und eine gemeinsame pädagogische Haltung (vgl. Bülau, Seemann 2026).
Personal ans zentrale Herausforderung
Neben Räumen, Finanzierung und Organisation ist die Personalsituation eine der größten Herausforderungen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft verweist auf Prognosen des „Fachkräfte-Radars für KiTa und Grundschule 2022“ der Bertelsmann Stiftung, wonach für eine personell gut ausgestattete Ganztagsförderung bis 2030 insgesamt mehr als 100.000 pädagogische Fachkräfte zusätzlich benötigt würden (vgl. GEW, Bertelsmann Stiftung). Der Rechtsanspruch wird nicht allein durch neue Räume oder erweiterte Öffnungszeiten erfüllt. Entscheidend sind qualifizierte Menschen, die Kinder begleiten, Beziehungen gestalten, Gruppenprozesse moderieren und in herausfordernden Situationen handlungsfähig bleiben. (Lesen Sie hier mehr zum Umgang des Teams mit herausforderndem Verhalten.)
Ein guter Ganztag braucht eine klare Haltung
Zu einem guten Ganztag gehören verlässliche Erwachsene, Beteiligungsmöglichkeiten, freie Zeiten, Bewegung, Ruhe, gute Konfliktbegleitung und eine Atmosphäre, in der Kinder ernst genommen werden. Die pädagogischen Fachkräfte in Hort, Ganztag und außerunterrichtlicher Betreuung gestalten einen Lebensort, der Kindern nach dem Unterricht Zugehörigkeit, Bildung und Entwicklung ermöglicht. Die pädagogische Qualität entsteht im Alltag, also in jeder Beziehung, jedem Übergang, jeder Teamsitzung und jeder Entscheidung darüber, was Kindern wirklich guttut (vgl. Pesch, Dohle, Maywald 2023).
Weiterdenken: Impulse für den Ganztag
Wer den Rechtsanspruch pädagogisch gestalten möchte, braucht neben gesetzlichen Informationen vor allem konkrete Ideen für den Alltag. Auf der Wissensplattform Unser Ganztag bündelt der Verlag HERDER Fachwissen, Themenhefte, Praxisimpulse und Materialien für die Pädagogik mit Kindern im Grundschulalter. Das Angebot richtet sich an pädagogische Fachkräfte, Lehrkräfte, Quereinsteigende und Teams, die Ganztag fachlich fundiert und zugleich alltagsnah weiterentwickeln möchten.
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Quellen: