Brandschichten, Kellerreste und Pflaster: Archäologen erforschen Pirnas Dohnaische Vorstadt

Auf dem Gelände eines ehemaligen Hotels in Pirna untersucht das Landesamt für Archäologie Sachsen eine rund 3.000 Quadratmeter große Fläche in der historischen Dohnaischen Vorstadt. Die Ausgrabungen liefern Hinweise auf mittelalterliche Bebauung, mögliche Brandereignisse und die Entwicklung der Vorstadt vor dem Dohnaischen Tor.

Im Mittelpunkt steht eine rechteckige Ausgrabungsgrube mit deutlich sichtbaren Erdschichten in verschiedenen Brauntönen. Die Wände der Grube zeigen mehrere horizontale Schichten, darunter dunkle und helle Abschnitte. Im oberen Bereich sind Mauerreste aus unregelmäßig geformten Steinen zu erkennen.
Kulturschichten im Profil und neuzeitliches Pflaster © Dr. Cornelia Rupp, Landesamt für Archäologie Sachsen

Bevor auf dem Gelände des ehemaligen Hotels „Zum Schwarzen Adler“ in Pirna ein neuer Hotelkomplex entsteht, steht zunächst die Archäologie im Mittelpunkt. Das ruinöse Bestandsgebäude wurde bereits bis auf eine historische Außenmauer abgetragen. Die dadurch freigewordene Fläche von rund 3.000 Quadratmetern wird derzeit vom Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) untersucht.

Das Bauareal liegt in der Dohnaischen Vorstadt, einem archäologisch bedeutenden Bereich unmittelbar vor dem einstigen Dohnaischen Tor, dem südlichen Zugang zur befestigten Altstadt. Schriftliche Quellen belegen bereits für das 14. Jahrhundert eine Besiedlung dieses Gebietes.

Die Bedeutung der Vorstädte für die Stadtgeschichte

Mittelalterliche Siedlungsaktivitäten beschränkten sich nicht auf die geschützten Räume innerhalb der Stadtmauern. Vor den Stadttoren entstanden vielfach Vorstädte, die eng mit der Entwicklung der jeweiligen Stadt verbunden waren. Gleichzeitig waren sie militärischen Konflikten besonders ausgesetzt und beherbergten häufig Gewerbe, für die in den dicht bebauten Stadtzentren kein Platz vorhanden war.

Die Untersuchung solcher Bereiche bietet daher die Möglichkeit, historische Überlieferungen mit archäologischen Befunden zu vergleichen und bestehende Vorstellungen zur Stadtentwicklung zu überprüfen.

Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik betont die Bedeutung der Forschungen:

„Für das Verständnis der spannenden Stadtgeschichte Pirnas ist es wichtig, auch die Vorstädte der historischen Altstadt zu untersuchen. Hier am Rand der Altstadt finden sich Quartiere, die immer in Zusammenhang mit der bürgerlich-städtischen Struktur gesehen werden müssen. Sie bieten die Chance, stadtgeschichtliche Überlieferungen mit dem konkreten Befund abzugleichen und gegebenenfalls zu korrigieren."

Im Fokus: Die historische Breite Straße

Seit Mitte Mai untersucht ein Team aus Wissenschaftlern, Technikern, Grabungsmitarbeitern und Freiwilligen zunächst den Bereich entlang der Breiten Straße, der wichtigsten historischen Nord-Süd-Verbindung zur Altstadt. Die Straße stellte die direkte Fortsetzung des Dohnaischen Tores dar und spielte damit eine zentrale Rolle im städtischen Verkehrsnetz.

Bereits 1338 wird die Breite Gasse erstmals urkundlich erwähnt. Gegenüber dem heutigen Grabungsareal befanden sich einst die Nikolaikirche sowie der dazugehörige Friedhof. Aufgrund des Nikolaus-Patroziniums vermutete die ältere Forschung hier eine Kaufmannssiedlung, da der Heilige Nikolaus als Schutzpatron der Händler gilt.

Die bisherigen archäologischen Untersuchungen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Weder frühere Grabungen noch die aktuellen Ausgrabungen erbrachten Hinweise auf einen Markt oder eine spezialisierte Kaufmannssiedlung entlang der Breiten Straße.

Freigelegte Mauern und Hinweise auf ältere Bebauung

Zu den wichtigsten Funden zählen Mauerreste aus Naturstein sowie eine ausgedehnte Kieselsteinpflasterung unter der Bodenplatte des abgerissenen Hotels. Die Befunde deuten darauf hin, dass sich darunter weitere bauliche Strukturen erhalten haben könnten, möglicherweise Kelleranlagen älterer Gebäude.

Nach Einschätzung der Archäologen handelt es sich bei den freigelegten Mauern wahrscheinlich um Unter- oder Kellergeschosse von Häusern, deren aufgehende Konstruktionen ursprünglich in Fachwerkbauweise errichtet wurden.

Besonders auffällig sind rötliche Verfärbungen an einzelnen Sandsteinen. Sie weisen darauf hin, dass die Mauern einst hohen Temperaturen ausgesetzt waren und möglicherweise Zeugnisse historischer Brandkatastrophen darstellen.

Mögliche Spuren des Stadtbrandes von 1488

Historische Quellen berichten mehrfach von verheerenden Bränden in der Dohnaischen Vorstadt. So soll die Breite Straße im Jahr 1488 vollständig abgebrannt sein. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Vorstadt zudem 1639 auf Anordnung des Pirnaer Stadtkommandanten niedergebrannt, um freie Sicht auf anrückende schwedische Truppen zu schaffen.

Einen möglichen archäologischen Beleg für diese Ereignisse fanden die Ausgräber zwischen zwei Mauerresten. Dort wurde das verfüllte Erdreich bis auf den gewachsenen Boden abgetragen. In den dabei freigelegten Profilen zeigte sich eine komplexe Abfolge von Kulturschichten.

Besonders interessant ist eine Brandschicht, die Keramik des 15. Jahrhunderts enthielt. Diese könnte mit dem überlieferten Großbrand von 1488 in Verbindung stehen. Eine eindeutige Zuordnung steht jedoch noch aus.

Hinweise auf Hochwasserereignisse

Neben den Brandspuren dokumentierten die Archäologen auch mächtige Lehmschichten, die die Kulturschichten stellenweise unterbrechen. Diese Ablagerungen könnten auf Überschwemmungen zurückgehen und Hinweise auf frühere Hochwasserereignisse im Stadtgebiet liefern.

Die Befunde verdeutlichen, wie unterschiedliche Natur- und Nutzungseinflüsse die Entwicklung der Vorstadt über Jahrhunderte geprägt haben.

Ausblick auf die weiteren Untersuchungen

Seit Anfang Juli konzentrieren sich die Arbeiten auf den hinteren Teil des Grundstücks in Richtung Robert-Koch-Straße. Während an der Vorderseite bereits vorbereitende Maßnahmen für den Hotelneubau beginnen, hoffen die Archäologen auf weitere Erkenntnisse zur Nutzung dieses rückwärtigen Areals.

Historische Stadtpläne des frühen 18. Jahrhunderts deuten dort auf Garten- und Landwirtschaftsflächen hin. Dennoch schließen die Forscher nicht aus, weitere Siedlungsreste, Brunnen oder Latrinen anzutreffen.

Mit dem Abschluss der Ausgrabungen soll das Grundstück vollständig dokumentiert und anschließend für die Bebauung freigegeben werden.

Quelle: Landesamt für Archäologie Sachsen

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