Vorwort

Krieg und Kultur erscheinen auf den ersten Blick als Gegensätze: Krieg bedeutet Leid und Zerstörung, Kultur hingegen wird mit konstruktiver Schaffenskraft assoziiert. Mitunter werden Kriege für den Untergang ganzer Kulturen verantwortlich gemacht und das Militär bindet selbst in Friedenszeiten Ressourcen, die in Bereichen kulturellen Schaffens dann fehlen. Gleichzeitig ist aber die Art, wie Menschen über die Jahrtausende hinweg Gewalt ausgeübt, organisiert und über sie gedacht haben, Teil unserer Kultur. Die Auswirkungen zeigen sich sowohl im geistigen Schaffen, als auch bei der materiellen Kultur sowie den Formen sozialer Organisation mit ihren Institutionen. 

Das Ziel, anderen Gruppen in militärischen Auseinandersetzungen überlegen zu sein, wirkte seit dem Altertum immer wieder als Antrieb für Innovationen, die auch im zivilen Bereich Anwendung fanden. Darüber hinaus ist das Kriegswesen selbst eingebettet in eine Unzahl kultureller Praktiken, vom militärischen Gruß über die Eidesleistung zu Gebeten und Zeremonien wie etwa Triumphzügen. Krieg hatte zu jeder Zeit auch Rückwirkungen in die Zivilgesellschaft. Man denke an die Herausbildung der griechischen Polisorganisation, die eng mit der Entstehung von Hoplitenheeren verknüpft war, an theologische Gelehrtendebatten über gerechte und gottgewollte Kriege, die etwa der spätantike Kirchenvater Augustinus maßgeblich prägte, bis zur sozialen und kulturellen Bedeutung von Kriegeridealen weltweit. 

Im antiken Mittelmeerraum trafen über Jahrtausende hinweg unterschiedliche soziale und kulturelle Zugänge zum Krieg, zur Gewaltausübung und zum Militär aufeinander, beeinflussten sich gegenseitig und entwickelten sich weiter. Das römische Militär ist in der heutigen Wahrnehmung besonders präsent, nicht nur aufgrund der zahlreich erhaltenen Quellen, sondern auch, weil nachfolgende Zivilisationen bewusst oder unbewusst in ihrer Konzeptualisierung und Organisation, ihren Praktiken und Idealen an das Imperium Romanum anknüpften. 

Das vorliegende Heft bietet ein Panorama zentraler Themengebiete, die die römischbyzantinische Kriegskultur sowie ihre Rezeption in späteren Epochen prägten: von der materiellen Ausrüstung und Logistik über die Ideologie des Krieges bis zur wissenschaftlichen und künstlerischen Verarbeitung von Krieg und Gewalt. Die Beiträge wurden alle von Doktorandinnen und Doktoranden des interdisziplinären Graduiertenkollegs »Byzanz und die euromediterranen Kriegskulturen« an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz erstellt. Wir möchten damit die Vielzahl der Wechselbeziehungen zwischen Gewalt und Gesellschaft aufzeigen, die menschliche Gesellschaften seit der Antike bis in die heutige Zeit prägt.

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