Neue eisenzeitliche Hofstellen bei Minden entdeckt

In Minden-Päpinghausen haben Archäologen einen umfangreichen Siedlungsplatz der vorrömischen Eisenzeit untersucht und mindestens zwei, vermutlich sogar drei Hofstellen freigelegt. Die rund 2.500 Jahre alten Befunde liefern wichtige Erkenntnisse zur Besiedlung des Mindener Raums und deuten auf eine zeitgleiche Nutzung mit der nahe gelegenen Wittekindsburg hin.

Eine Person mit Hut und gelber Warnweste sitzt an einer Ausgrabungsstätte und fertigt eine Zeichnung auf einem Klemmbrett an. Im Hintergrund sind Erdschichten in einem aufgeschnittenen Bodenprofil zu sehen. Ein Maßband und ein Hinweisschild stehen am Rand der Grabung. Die Umgebung besteht aus Erde und vereinzeltem Bewuchs.
Archäologin Myrtille Correè zeichnet eine der neben den Häusern angelegten Siedlungsgruben. Durch dieses Vorgehen kann Sie die einzelnen Schichten in den archäologischen Befunden genau dokumentieren und interpretieren.© LWL-AfW/S. Düvel

Nördlich der Karlstraße an der Bundesstraße 482 in Minden-Päpinghausen untersucht ein Grabungsteam in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) einen ausgedehnten Siedlungsplatz der vorrömischen Eisenzeit. Anlass der Untersuchungen ist die geplante Erschließung eines Gewerbegebiets. Bereits vor Beginn der Baumaßnahmen deuteten Keramikscherben und die Geländestruktur auf das Vorhandensein eines archäologischen Bodendenkmals hin.

Besonders aufschlussreich erwies sich die Lage des Fundplatzes. Digitale Geländemodelle zeigen einen heute kaum noch erkennbaren ehemaligen Gewässerlauf. Die angrenzenden leicht erhöhten Flächen boten selbst bei Hochwasser günstige Siedlungsbedingungen und wurden deshalb bereits in vorgeschichtlicher Zeit bevorzugt als Standorte für Hofanlagen genutzt.

„Da wir hier bereits vor der Erschließung Bodendenkmäler vermutet hatten, kann nun ein Stück Ortsgeschichte vor seiner unwiederbringlichen Zerstörung dokumentiert werden“, ordnet LWL-Archäologe Sebastian Düvel die Untersuchungen ein.

Spuren mehrerer Hofstellen im Boden erhalten

Im Mittelpunkt der Grabungen stehen die Überreste ehemaliger Wohngebäude. Obwohl die Häuser einst aus Holz und Lehm errichtet wurden, haben sich ihre Grundrisse in Form von Verfärbungen im Boden bis heute erhalten. Sichtbar sind vor allem die ehemaligen Pfostenstandorte, anhand derer sich die Gebäude rekonstruieren lassen.

Neben den Hausgrundrissen liefern zahlreiche Siedlungsgruben wichtige Informationen über den Alltag der damaligen Bewohner. Diese Gruben dienten ursprünglich unter anderem der Entsorgung von Abfällen und enthalten daher zahlreiche Hinweise auf Lebensweise, Wirtschaft und materielle Kultur der eisenzeitlichen Bevölkerung.

Die Archäologen konnten mindestens zwei, wahrscheinlich sogar drei Hofstellen nachweisen. Die Befunde datieren in die mittlere bis späte Eisenzeit und stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr.

Verbindung zur Wittekindsburg möglich

Besondere Bedeutung erhält der Fundplatz durch seine Nähe zur Wittekindsburg auf dem Wiehengebirgskamm. Die Wallanlage lag in Sichtweite der nun freigelegten Hofstellen und zählt zu den markanten eisenzeitlichen Befestigungen der Region.

Keramikfunde sprechen für eine zeitliche Überschneidung zwischen mindestens einer Hofstelle und der im 3. Jahrhundert v. Chr. errichteten Wallburg. „Wir finden hier unten genau die gleichen Scherben, wie auf der im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauten Wittekindsburg, wodurch wir davon ausgehen, dass zumindest eine der Hofstellen gleichzeitig mit der Wallburg existiert hat. Wir haben womöglich sogar die Erbauer vor uns“, so Düvel, wissenschaftlicher Referent bei der LWL-Archäologie für Westfalen.

Sollte sich diese Annahme bestätigen, könnten die neu entdeckten Gehöfte wichtige Hinweise auf jene Bevölkerungsgruppen liefern, die am Bau und an der Nutzung der Wittekindsburg beteiligt waren.

Neue Einblicke in die Besiedlung des Mindener Raums

Die aktuellen Grabungsergebnisse fügen sich in ein zunehmend differenziertes Bild der eisenzeitlichen Besiedlung rund um Minden ein. Die Nachweise mehrerer zeitgleicher Hofstellen belegen, dass die Region vor mehr als 2.000 Jahren intensiv genutzt wurde.

Gleichzeitig verdeutlichen die Funde die organisatorischen Voraussetzungen, die für die Errichtung größerer Bauwerke wie der Wittekindsburg notwendig waren. Der Bau einer solchen Wallanlage dürfte die Zusammenarbeit zahlreicher Hofgemeinschaften sowie eine übergeordnete gesellschaftliche Struktur vorausgesetzt haben.

Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die günstigen natürlichen Rahmenbedingungen der Region. Die Weser fungierte als bedeutende Verkehrs- und Handelsroute, während die fruchtbaren Lössböden entlang von Wiehengebirge und Wesergebirge eine verlässliche landwirtschaftliche Grundlage boten. Die neu entdeckten Hofstellen liefern damit nicht nur Einblicke in das Leben einzelner Siedlerfamilien, sondern auch in die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen einer eisenzeitlichen Kulturlandschaft.

Quelle LWL

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