2.000 Jahre alte Siedlung in Spenge gehört zu bereits bekanntem Gräberfeld

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben in Spenge (Kreis Herford) eine über 2.000 Jahre alte Siedlung untersucht und mindestens drei Hofstellen identifiziert.

Eine Person mit Handschuhen und Outdoor-Kleidung kniet auf einer sandigen Ausgrabungsfläche. Sie hält einen weißen Messstab und zeigt auf eine kreisförmige Markierung im Boden. Neben der Markierung liegen weitere Messstäbe und eine Tafel mit weißer Schrift auf dunklem Grund. Im Hintergrund ist ein schmaler, ausgehobener Graben zu sehen, dahinter eine grüne Wiese.
Archäologin Celine Bariszlovich beschreibt eine der Gruben, die sich nur schwach als Verfärbung abzeichnen. Jede Grube wird fotografiert und eingemessen© LWL/S. Spiong

Bislang wurden mehr als 50 Befunde dokumentiert - überwiegend Pfostenlöcher ehemaliger Holzhäuser sowie Gruben zur Entnahme von Lehm für den Hausbau. Die archäologischen Spuren zeichnen sich direkt unter dem Ackerboden in etwa 40 Zentimeter Tiefe als dunkle Verfärbungen im gelben Lehm ab.

Der Fund fügt sich in ein größeres Bild: Bereits 1936 war rund 700 Meter südöstlich ein Brandgräberfeld aus den ersten Jahrhunderten vor Christus entdeckt worden. Vermutlich nutzten auch die Bewohner der nun freigelegten Höfe diese Begräbnisstätte. Ein weiteres Gräberfeld liegt etwa zwei Kilometer südwestlich am Spenger Mühlenbach.

Anlass für die aktuellen Untersuchungen ist die Planung eines neuen Baugebietes südlich der Neuenkirchener Straße. Aufgrund der fruchtbaren Böden und der Nähe zum Besebach hatte die Fachleute der LWL-Archäologie für Westfalen hier bereits länger eine Siedlung vermutet. Der Bach bot einst eine verlässliche Wasserversorgung für Mensch und Vieh, während die leicht geneigten Hanglagen ideale Bedingungen für Landwirtschaft schufen.

Dank der frühzeitigen Einbindung durch die Stadt Spenge haben die Fachleute die Siedlung bereits beim Abtrag des Oberbodens für die Erschließungsstraßen entdeckt. Erste Untersuchungen zeigen, dass sich mindestens drei Hofstellen klar voneinander abgrenzen lassen. Dadurch ist der Umfang der aktuellen Grabungen gut planbar: In wenigen Wochen sollen die Arbeiten in den späteren Straßenbereichen abgeschlossen sein, sodass die Erschließung des Wohngebietes fortgesetzt werden kann. Ein Großteil des Bodendenkmals soll erhalten bleiben. Weitere Untersuchungen werden sich auf die Baugruben der zukünftigen Häuser beschränken, um Eingriffe so klein wie möglich und die Kosten gering zu halten.

Die aktuellen Funde ermöglichen es Dr. Sven Spiong, Leiter der Bielefelder LWL-Archäologie für Westfalen, das Siedlungsgeschehen genauer zu rekonstruieren, auch wenn viele Puzzleteile für ein vollständiges Bild noch fehlen: "Die Menschen siedelten bevorzugt entlang von Bachläufen auf hochwasserfreien Hanglagen. Dort rodeten sie Wälder, um Acker- und Weideland zu gewinnen."

Ihre Höfe bestanden jedoch oft nur wenige Jahrzehnte, da die in den Boden eingegrabenen Holzpfosten der Häuser mit der Zeit verfaulten, so der LWL-Archäologe. Nach etwa 30 Jahren wurden die Gebäude aufgegeben und an anderer Stelle neu errichtet - häufig nur wenige hundert Meter entfernt. Die alten Siedlungsplätze gerieten schnell in Vergessenheit und wurden von der Natur zurückerobert.

Quelle LWL

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