Archäologische Grabung beleuchtet Entwicklung des eindrucksvollen Loburger Burghügels

Neue archäologische Untersuchungen am Loburger Burghügel liefern Hinweise auf eine kontinuierliche Nutzung seit dem 9./10. Jahrhundert sowie auf tiefgreifende Umbauten der Befestigungsanlage im Hochmittelalter. Die Befunde verdeutlichen die Entwicklung von einer frühen Siedlung zu einer komplexen Burgstruktur in einer slawisch geprägten Grenzregion.

Im Vordergrund ist eine großflächige archäologische Grabungsstelle mit freigelegten Erdschichten und Gräben zu sehen. Dahinter erhebt sich ein runder, massiver Burgturm aus Stein, der von mehreren Bäumen und Gebäuden mit roten Dächern umgeben ist. Die Szene spielt sich in einer ländlichen Umgebung mit Wiesen und weiteren Bäumen ab. Der Himmel ist bewölkt.
Luftbild des Grabungsschnittes im westlichen Bereich der Burg Loburg. Oberhalb des Grabungsschnittes befindet sich die jüngere Burganlage mit dem Bergfried.© Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt

Seit Juni 2026 führt das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt archäologische Untersuchungen im westlichen Bereich des Loburger Burghügels durch. Anlass sind geplante Maßnahmen zur Baugrundverbesserung infolge von Schäden am Hauptgebäude der Burganlage.

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Möckern wurde ein rund 30 Meter langer und sechs Meter breiter Grabungsschnitt angelegt. Die auf etwa eineinhalb Monate angelegte Maßnahme steht kurz vor ihrem Abschluss und liefert bereits jetzt wesentliche neue Erkenntnisse zur Entstehung und Entwicklung der Befestigung.

Historischer Kontext der Burg Loburg

Der Burghügel erhebt sich westlich der Stadt Loburg in der Niederung des Baches Ehle. Die heute sichtbaren Steinbauten gehen überwiegend auf das Spätmittelalter und die Neuzeit zurück. Dominant ist der rund 30 Meter hohe Bergfried aus dem 13. Jahrhundert.

Schriftquellen belegen die Bedeutung des Ortes bereits im 10. Jahrhundert: Im Jahr 965 übertrug Otto der Große eine „civitas Luborn“ an das Magdeburger Moritzkloster. Der Begriff „civitas“ bezeichnet in diesem Zusammenhang eine befestigte Anlage. Diese Schenkung steht im Zusammenhang mit der Vorbereitung der Gründung des Erzbistums Magdeburg. Für das Jahr 1161 ist schließlich die Bezeichnung als „Burgward“ „Louburg“ überliefert.

Frühmittelalterliche Nutzung und erste Befestigungen

Die genaue Datierung der Befunde steht noch aus und wird erst durch naturwissenschaftliche Analysen gesichert werden können. Dennoch weisen zahlreiche Funde bereits auf eine intensive Nutzung im 9. und 10. Jahrhundert hin.

Besonders aufschlussreich sind Fragmente mittelslawischer Keramik, die durch typische Kammstrichverzierungen gekennzeichnet sind. Diese Funde stammen aus den unteren Schichten der Anlage und deuten auf eine frühe, möglicherweise zunächst nur schwach befestigte Siedlung hin.

Im 10. Jahrhundert wurde vermutlich ein massiver Verteidigungsgraben angelegt, der etwa acht Meter breit und über drei Meter tief war. Daran schloss sich eine Holz-Erde-Wallkonstruktion an. Die Ausrichtung dieser Strukturen zeigt, dass das Zentrum der ursprünglichen Burg weiter südwestlich lag als die heutige Anlage.

Umgestaltung im Hochmittelalter

Im 12. Jahrhundert kam es zu einer grundlegenden Neugestaltung der Burg. Mächtige Planierschichten belegen, dass der ältere Befestigungsgraben verfüllt und die Anlage durch einen künstlich aufgeschütteten Burghügel überformt wurde.

Spätestens im 13. Jahrhundert entstanden erste Steinbauten auf dem Hügel. In eine spätere Phase, vermutlich das Spätmittelalter oder die Frühe Neuzeit, datiert eine große Ofenanlage am Rand des Burghügels. Ihre Funktion ist bislang ungeklärt, allerdings entspricht ihre Lage einer bekannten Praxis, potenzielle Brandquellen außerhalb des inneren Burgbereichs zu platzieren.

Fundspektrum und Einzelfunde

Neben Keramikfragmenten und Tierknochen, die als Speiseabfälle interpretiert werden, wurden mehrere bemerkenswerte Einzelobjekte geborgen.

Dazu zählen: eine verzierte Bronzenadel aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, ein vermutlich als Schreibgriffel genutztes Objekt und ein stark korrodierter Reitersporn aus Eisen, dessen genaue Datierung erst nach der Restaurierung möglich sein wird.

Diese Funde geben Einblicke in den Alltag, die materielle Kultur und möglicherweise auch in administrative oder militärische Aspekte der Burgnutzung.

Bedeutung für die Forschung

Der Grabungsschnitt eröffnet einen seltenen Einblick in die Entwicklung einer Burganlage vom Früh- bis in das Hochmittelalter. Besonders relevant ist dabei die Lage Loburgs in einer slawisch geprägten Grenzregion östlich des ottonischen Zentrums Magdeburg.

Nach Abschluss der wissenschaftlichen Auswertung ist zu erwarten, dass sich nicht nur die Baugeschichte der Befestigung präziser rekonstruieren lässt, sondern auch die historischen Prozesse im Grenzraum des ostfränkischen Reiches deutlicher konturiert werden.

Quelle: Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt

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