82 Grubenhäuser und Textilhandwerk: Großes Produktionszentrum der Wikingerzeit nahe Aarhus entdeckt

Neue Ausgrabungen in Søften nördlich von Aarhus offenbaren eine außergewöhnlich große Siedlung der Wikingerzeit mit deutlichen Hinweisen auf spezialisierte Produktion. Zahlreiche Grubenhäuser, Spuren der Flachsverarbeitung sowie Funde aus Handwerk und Handel deuten auf ein zentral organisiertes Wirtschaftsareal hin, das eng mit dem Aufstieg der Handelsstadt Aros verbunden gewesen sein könnte.

Zwei Personen knien auf einer Ausgrabungsstätte und arbeiten mit kleinen Werkzeugen im Boden. Sie tragen dunkle Kleidung und Handschuhe. Im Hintergrund sind Erdhügel und ein klarer Himmel zu sehen. Die Ausgrabungsfläche ist durch eine rechteckige, dunklere Erdschicht markiert, in der Steine und Erdverfärbungen sichtbar sind.
Ausgrabung eines Grubenhauses© Moesgaard

In Søften, rund zehn Kilometer nördlich des heutigen Aarhus, untersuchen Archäologen von Moesgaard eine außergewöhnlich große Siedlung aus der Wikingerzeit. Die bisherigen Ergebnisse weisen auf ein weitläufiges und hochspezialisiertes Produktionsumfeld hin, dessen Schwerpunkt offenbar in der Herstellung von Textilien lag.

Die Fundstelle befindet sich in einer archäologisch relevanten Region. Nur vier Kilometer entfernt liegt Lisbjerg, wo bereits eine bedeutende Anlage aus der Wikingerzeit freigelegt wurde, die enge Verbindungen zur Handels- und Machtzentrale Aros besaß. Auch der 2024 in Elsted entdeckte Silberschatz unterstreicht die Bedeutung des Gebiets während der Wikingerzeit.

Hinweise auf organisierte Handwerksproduktion

Im Zentrum der aktuellen Untersuchungen stehen zahlreiche Befunde, die auf eine systematisch organisierte Produktion schließen lassen. Archäologen identifizierten Flächen zur Flachsverarbeitung sowie eine bemerkenswert hohe Zahl von Grubenhäusern. Diese teilversenkten Gebäude werden in der Archäologie häufig mit handwerklichen Tätigkeiten und Werkstattbereichen in Verbindung gebracht.

Besonders die räumliche Gliederung der Siedlung hebt sich von gewöhnlichen ländlichen Siedlungen ab. Produktions-, Handwerks- und Wohnbereiche scheinen klar voneinander getrennt gewesen zu sein.

„Wir sehen keine Spuren eines gewöhnlichen Dorfes, sondern eines spezialisierten und großflächig organisierten Produktionsbereichs. Die Siedlung weist separate Bereiche für Produktion, Handwerk und ein einzelnes Wohnhaus auf. Die Struktur lässt vermuten, dass die Aktivitäten von einer zentralen Person geleitet wurden, die die Ressourcen und die Produktion kontrollierte“, so Grabungsleiterin Liv Stidsing Reher-Langberg. 

Das wirtschaftliche Hinterland der Wikingerstadt Aros

Die Entdeckung liefert zugleich neue Einblicke in das Zusammenspiel zwischen städtischen Zentren und ihrem Umland während der Wikingerzeit. Aarhus entwickelte sich damals zu einem der wichtigsten Handelsplätze des Königreichs. Die Versorgung solcher Zentren war auf funktionierende Produktionsnetzwerke im Hinterland angewiesen.

„In der Wikingerzeit entwickelte sich Aarhus unter dem König zu einem der wichtigsten Handelszentren des Königreichs. Doch die Städte der Wikingerzeit entstanden nicht isoliert – Søften und Lisbjerg sind dafür hervorragende Beispiele. Waren und Rohstoffe wurden aus dem Umland herbeigeschafft, in den Städten gehandelt und so in das weitverzweigte internationale Handelsnetzwerk der Wikingerzeit eingebunden“, erklärt der Historiker Kasper H. Andersen.

Die Funde in Søften verdeutlichen damit die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen ländlicher Produktion und überregionalem Handel.

Eine Siedlung von außergewöhnlicher Größe

Die laufenden Untersuchungen erstrecken sich derzeit über mehr als 60.000 Quadratmeter. Bereits bei früheren Grabungen in den Jahren 2008 und 2013 wurden südlich des heutigen Grabungsareals ähnliche Siedlungs- und Produktionsspuren aus derselben Epoche dokumentiert.

Auf Grundlage aller bisherigen Befunde schätzen die Archäologen die Gesamtgröße der Siedlung auf mindestens 100.000 Quadratmeter. Damit zählt Søften zu den bemerkenswertesten bekannten Produktionsstandorten der Region aus der Wikingerzeit.

Allein während der aktuellen Kampagne wurden 48 Grubenhäuser freigelegt. Zusammen mit den 34 bereits früher entdeckten Exemplaren sind inzwischen insgesamt 82 Grubenhäuser nachgewiesen worden – ein außergewöhnlich hoher Wert, der die Bedeutung des Ortes unterstreicht.

Mehrere runde, scheibenförmige Objekte mit mittigem Loch liegen auf hellem, steinigem Boden. Die Objekte unterscheiden sich in Farbe und Material; einige sind grau, andere ockerfarben oder bräunlich. Sie wirken handgefertigt und zeigen Gebrauchsspuren. Die Anordnung ist locker, ohne erkennbare Reihenfolge.
Zehn Gewichte, die in der Textilproduktion verwendet werden. © Moesgaard

Textilproduktion und Handel archäologisch belegt

Auch die Kleinfunde zeichnen das Bild eines wirtschaftlich aktiven Standorts. Neben den zahlreichen Werkstattgebäuden fanden die Archäologen Web- und Spinngewichte, die auf eine intensive Textilproduktion hindeuten.

Darüber hinaus kamen Silberreste, Münzen und Perlen ans Licht. Diese Funde belegen Handelskontakte und wirtschaftliche Aktivitäten und zeigen, dass die Siedlung nicht nur produzierte, sondern zugleich in überregionale Austauschsysteme eingebunden war.

Quelle: Moesgaard kulturhistorisk museum

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