Spuren des ersten Truppenlagers und verkohltes römisches Brot in Vindonissa entdeckt

Eine Rettungsgrabung in Windisch liefert neue Erkenntnisse zur Frühphase des römischen Militärstandorts Vindonissa. Die Befunde erlauben erstmals Rückschlüsse auf Ausdehnung und Struktur des ältesten Truppenlagers. Ein außergewöhnlicher Fund – ein verkohltes römisches Brot – unterstreicht die wissenschaftliche Bedeutung der Grabung.

Zwei Personen knien auf dem Boden einer Ausgrabungsstätte. Sie tragen dunkle Jacken und helle Hosen. In einer rechteckigen, flachen Grube liegt ein durchsichtiger Kunststoffrahmen, in dem sich ein dunkler, runder Gegenstand befindet. Eine Person hält einen kleinen Pinsel, mit dem sie vorsichtig an dem Gegenstand arbeitet. Im Hintergrund stehen grüne Kunststoffkisten übereinandergestapelt. Der Boden ist erdig und feucht.
Blockbergung des verkohlten römischen Brotes durch Restauratorinnen.© Kanton Aargau

Im Vorfeld einer geplanten Wohnüberbauung in Windisch führt die Kantonsarchäologie Aargau seit Mitte August 2025 eine großflächige Rettungsgrabung durch. Das rund 4000 Quadratmeter umfassende Areal liegt unmittelbar vor der Südwestfront des römischen Legionslagers Vindonissa.

Da die archäologischen Schichten durch das Bauvorhaben unwiederbringlich verloren gingen, erfolgt vorab eine umfassende wissenschaftliche Dokumentation. Die auf etwa elf Monate angelegte Untersuchung liefert bereits jetzt bedeutende Erkenntnisse zur frühen Nutzung des Areals.

Frühe Befestigungssysteme des Lagers

Im südlichen und westlichen Bereich der Grabungsfläche wurden Strukturen freigelegt, die einer älteren Befestigungsphase zuzuordnen sind. Zwei parallel verlaufende Gräben mit regelmäßigen Pfostenspuren weisen auf eine Holz-Erde-Mauer hin.

Südlich davon konnte zudem ein Spitzgraben nachgewiesen werden.

Querschnitt einer archäologischen Grabungsstelle mit deutlich sichtbaren Erdschichten. Im oberen Bereich sind dunkle, fast schwarze Erdschichten mit eingelagerten Steinen und vereinzelten rötlichen Markierungen zu erkennen. Darunter folgt eine hellere, gelblich-braune Schicht, die ebenfalls Steine enthält. Im Vordergrund liegt ein unebener, steiniger Boden. Links steht ein rot-weiß gestreifter Messstab, daneben ein kleines Schild mit weißer Schrift auf blauem Grund. Im Hintergrund ist eine helle Abdeckung gespannt.
Der dem frühesten Truppenlager vorgelagerte Spitzgraben im Profil. © Kanton Aargau
Vergleichbare Befunde waren bereits vor über 90 Jahren im Park von Königsfelden dokumentiert worden. Durch die neuen Entdeckungen lässt sich nun erstmals die Dimension des frühesten Truppenlagers abschätzen: Die Nord-Süd-Ausdehnung betrug nahezu 400 Meter.

Zugleich eröffnen die Befunde neue Perspektiven für die Datierung des Ausbaus zum festen Legionslager. Offen bleibt, ob dieser Schritt noch unter Kaiser Augustus oder erst unter Tiberius nach dem Jahr 14 n. Chr. erfolgte.

Innenbebauung und wirtschaftliche Nutzung

Innerhalb des älteren Lagers wurden gut erhaltene Gebäudereste dokumentiert, die durch eine jüngere römische Straße konserviert waren. Besonders auffällig ist ein Bau mit zwei identisch strukturierten Raumgruppen: Jeweils zwei kleinere Räume schließen an einen größeren Raum mit Feuerstelle an.

Weitere Funde belegen handwerkliche Aktivitäten während der späteren Nutzungsphase des Legionslagers. Dazu zählen Metallwerkzeuge, Schmiedeabfälle sowie Lanzen- und Geschossspitzen.

Ein sorgfältig errichteter Lehmofen innerhalb der älteren Lagergrenzen deutet darauf hin, dass die unmittelbar hinter der Befestigung gelegene Zone bereits früh gewerblich genutzt wurde.

Ein außergewöhnlicher Fund: Verkohltes Brot

Unter den zahlreichen Funden sticht ein außergewöhnliches Objekt hervor: ein schwarz verkohltes, rundes Gebilde, das zunächst im Block geborgen und im Restaurierungslabor freigelegt wurde.

Ein rundes, flach gedrücktes, dunkel verfärbtes Objekt mit rauer Oberfläche liegt auf einer hellen, glatten Fläche. Rechts daneben steht ein Maßstab mit abwechselnd hellen und dunklen Segmenten sowie einer Markierung für drei Zentimeter. Das Objekt wirkt verkohlt und erinnert in Form und Struktur an ein Brotlaib.
Eine seltene Besonderheit: ein verkohltes römisches Brot. © Kanton Aargau

Eine erste Einschätzung durch einen Archäobotaniker der Universität Basel legt nahe, dass es sich um ein verkohltes römisches Brot handelt. Das Objekt misst etwa zehn Zentimeter im Durchmesser und rund drei Zentimeter in der Dicke und ähnelt einem kleinen Fladenbrot.

Weitere naturwissenschaftliche Analysen in einem Speziallabor in Wien sollen Aufschluss über Zusammensetzung und Herstellung geben. Derartige Funde sind äußerst selten und bleiben meist nur durch Verkohlung erhalten, wie bekannte Beispiele aus Pompeji zeigen. Der Fund gilt als das erste bekannte römische Brot aus der Schweiz und unterstreicht die herausragende Bedeutung Vindonissas für die archäologische Forschung.

Einblick in die laufende Forschung

Die Grabung an der Zürcherstraße dauert noch bis Ende Juli 2026. Am 9. Mai 2026 wird im Rahmen eines Tages der offenen Grabung die Möglichkeit geboten, die Arbeiten vor Ort kennenzulernen.

Zwischen 10 und 16 Uhr finden stündliche Führungen statt. Ergänzend werden einzelne Arbeitsschritte erläutert und ausgewählte Funde präsentiert. Die Veranstaltung ist frei zugänglich.

Quelle Kanton Aargau

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