Bislang unbekanntes Grab bei Luxor entdeckt: Hinweise auf einen Würdenträger der Ramessidenzeit

Eine niederländische archäologische Mission hat in der thebanischen Nekropole am Westufer von Luxor ein bislang unbekanntes Grab entdeckt. Inschriften weisen darauf hin, dass die Anlage einem Mann namens Paser gehörte und wahrscheinlich in die Ramessidenzeit datiert. Neben gut erhaltenen Architekturelementen fanden die Forscher auch farbige Wandmalereien.

Links ist eine stark verwitterte Wand mit schwachen, rötlichen und gelblichen Farbresten zu sehen, die auf verblasste Wandmalereien hindeuten. Rechts befindet sich eine steinerne Nische in einer grob behauenen Felswand, davor eine rechteckige Steinplatte mit einem Maßstab darauf.
Wandmalerei und architektonisches Detail © Ministerium für Tourismus und Altertümer Ägypten

Ein Team der Universität Leiden hat während der aktuellen Ausgrabungssaison in der thebanischen Nekropole ein bislang unbekanntes Grab freigelegt. Die niederländische Mission unter der Leitung von Dr. Karina van den Hoeven arbeitet seit mehreren Jahren im Bereich Sheikh Abd el-Qurna am Westufer von Luxor und stieß nun auf die neue Grabanlage östlich des bekannten thebanischen Grabes TT 45.

Die Entdeckung erfolgte im Rahmen eines seit 2018 laufenden Forschungs- und Feldprojekts, das in Zusammenarbeit mit dem ägyptischen Ministerium für Tourismus und Altertümer durchgeführt wird. Ziel des Projekts ist es, die Nekropole umfassend zu erforschen, ihren Erhalt langfristig zu sichern und eine detaillierte archäologische Dokumentation des Areals zu erstellen.

Inschriften nennen den Grabherrn „Paser“

Nach Angaben von Dr. Hisham El-Leithy, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, erlaubte die Untersuchung der Inschriften erste Aussagen über die Identität des Grabbesitzers. Demnach gehörte das Grab einer Person namens „Paser“.

Auch die künstlerische Gestaltung der Inschriften liefert wichtige Hinweise zur Datierung. Stilistische Merkmale sprechen dafür, dass die Anlage wahrscheinlich während der Ramessidenzeit errichtet wurde, die einen bedeutenden Abschnitt des Neuen Reiches umfasst.

Die Forschungen stehen allerdings noch am Anfang. Weitere Studien und Dokumentationsarbeiten sollen klären, welche Personen in der Anlage bestattet wurden und welche Rolle sie innerhalb der altägyptischen Gesellschaft einnahmen. Darüber hinaus wollen die Wissenschaftler die Geschichte des Friedhofs in seinem regionalen Kontext rekonstruieren, um die Entwicklung der Nekropole von Sheikh Abd el-Qurna besser zu verstehen.

Typischer Grabaufbau des Neuen Reiches

Wie Professor Mohamed Abdel Badie, Leiter des Sektors für ägyptische Altertümer beim Obersten Rat für Altertümer, erläuterte, entspricht die Architektur des Grabes dem klassischen Typus eines Einzelgrabes in Theben während des Neuen Reiches.

Die Anlage besteht aus einem offenen Vorhof, einer in den Fels gehauenen Kapelle in Form eines umgedrehten T sowie unterirdischen Grabkammern. Besonders bemerkenswert ist der gute Erhaltungszustand mehrerer architektonischer Elemente im Hofbereich.

Dazu zählen eine Plattform aus Lehmziegeln mit einer zentralen Öffnung zur Befestigung einer Grabstele sowie eine Treppenanlage, die von seitlichen Rampen flankiert wird und zum Eingang des Grabes führt. Solche Befunde liefern wichtige Informationen über die Gestaltung und Nutzung privater Grabanlagen im alten Theben.

Farbige Wandmalereien unter Staubschichten erhalten

Zu den bedeutendsten Funden gehören die Wanddekorationen im Inneren der Anlage. Mehrere Darstellungen nennen den Namen des Grabherrn „Paser“. Obwohl Teile der Bemalung von einer dünnen Staubschicht bedeckt sind, haben sich die Farben bemerkenswert gut erhalten.

Die Szenen zeigen den Verstorbenen bei kultischen Handlungen vor verschiedenen Gottheiten in Schreinen. Weitere Darstellungen bilden ihn gemeinsam mit seiner Frau vor einem Opfertisch ab. Solche Bildprogramme gehören zu den zentralen Quellen für das Verständnis religiöser Vorstellungen und Bestattungsrituale im alten Ägypten.

Langfristige Konservierung und weitere Forschung geplant

Die wissenschaftliche Untersuchung der Anlage ist noch nicht abgeschlossen. Dr. Karina van den Hoeven betonte, dass die Mission in den kommenden Jahren Maßnahmen zur baulichen Sicherung, Konservierung und Restaurierung der farbigen Dekorationen durchführen werde.

Parallel dazu sollen die archäologischen Arbeiten fortgesetzt werden. Die Forscher hoffen, durch die weitere Untersuchung des Grabes und seines Umfelds neue Erkenntnisse zur Nutzung der Nekropole in der Ramessidenzeit zu gewinnen und weitere bislang unbekannte Funde zu machen.

Quelle: Ministerium für Tourismus und Altertümer Ägypten

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