Vom Mittagessen zur Zukunftsgestaltung: Warum eine nachhaltige Kita- und Schulverpflegung mit Bio-Lebensmitteln jetzt wichtiger denn je ist

Mit dem Ausbau der Ganztagsbetreuung, steigenden Qualitätsanforderungen und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit wächst die Bedeutung der Kita- und Schulverpflegung. Die Initiative „Bio kann jeder“ unterstützt Träger und Einrichtungen dabei, diese Entwicklung aktiv zu gestalten.

Rund 4,5 Millionen Kinder und Jugendliche essen täglich in Kitas und Schulen. Damit gehört die Gemeinschaftsverpflegung der jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft zu den größten und wirksamsten Hebeln, um Gesundheit, Ernährungsbildung und eine nachhaltige Entwicklung im Alltag junger Menschen zu fördern. Kaum ein anderer Bereich erreicht Kinder und Jugendliche so umfassend, regelmäßig und unmittelbar wie die Gemeinschaftsverpflegung in Bildungseinrichtungen.

Die quantitative Bedeutung der Verpflegung wird bereits im Vorschulalter deutlich: Nach Angaben des Bundeszentrums Kita- und Schulverpflegung werden in Deutschland rund 3,4 Millionen Kinder in Kindertageseinrichtungen betreut. Mehr als 2,6 Millionen von ihnen nehmen dort täglich ein Mittagessen ein. Auch die Schulverpflegung verfügt über eine enorme Reichweite. Nach Angaben des Bundeszentrums Kita- und Schulverpflegung besuchen rund 8,9 Millionen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildende Schulen in Deutschland. Etwa 2 Millionen Mittagessen werden in deutschen Schulmensen täglich serviert.
Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz könnte bis 2030 die Zahl an Schülerinnen und Schülern auf etwa 9,4 Millionen anwachsen. Mehr als die Hälfte der allgemeinbildenden Schulen, insbesondere Grundschulen, arbeiteten im Jahr 2024 bereits im Ganztagsbetrieb oder stellten Ganztagsangebote zur Verfügung. Die Frage lautet daher nicht allein, wie künftig mehr Mahlzeiten bereitgestellt werden können, sondern auch, welche Qualität diese Verpflegung haben soll und welchen Beitrag sie zu Gesundheit, Bildung und nachhaltiger Entwicklung leisten kann.

Das Ziel der Bundesregierung ist es, im Jahr 2030 die ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft auf 30 % zu erhöhen*. Dies gilt auch für die Wareneinsätze in der Außer-Haus-Verpflegung und damit auch für die Kita- und Schulverpflegung. Bei stabil bleibenden Essenszahlen betrifft das gut 900 Millionen Essen pro Jahr. Für einen angenommenen Wareneinsatz zwischen 1,33 € und 2,11 €** und einem Bio-Anteil von durchschnittlich 30 %, geht es also um einen jährlichen Warenwert von etwa 400 bis 600 Millionen Euro für Bio-Lebensmittel.
* BMLEH Bio-Strategie 2030 unter: https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/oekologischer-landbau/bio-strategie-2030.html
** Stichprobenbefragung durch a‘verdis mit unterschiedlichen Einrichtungstypen, Verpflegungssystemen und Bio-Anteilen.

Diese Zahlen verdeutlichen die gesellschaftliche Verantwortung, die mit der Kita- und Schulverpflegung verbunden ist. Hier treffen Gesundheitsförderung, Bildung, soziale Teilhabe und Nachhaltigkeit unmittelbar aufeinander. Jede Mahlzeit bietet die Chance, Kindern und Jugendlichen nicht nur eine ausgewogene Ernährung zu ermöglichen, sondern auch Wertschätzung für Lebensmittel, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Konsummuster erlebbar zu machen. Gleichzeitig stehen viele Einrichtungen, Träger und Caterer vor erheblichen Herausforderungen, denn steigende Lebensmittel-, Energie- und Personalkosten erschweren die Umsetzung hoher Qualitätsansprüche.

Nachhaltige Ernährung gemeinsam gestalten: Welche Rolle spielt Bio?
Bio ist deutlich mehr als ein Label – es ist ein gesetzlich definierter Qualitätsstandard für nachhaltige Lebensmittel. Für die Förderung einer nachhaltigen Ernährung ist die Auseinandersetzung mit diesem Qualitätskriterium unabdingbar. Genau hier setzt die Initiative „Bio kann jeder – nachhaltig essen in Kita und Schule“ an. Im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat unterstützt sie seit mehr als 20 Jahren Verantwortliche dabei, die Verpflegung von Kindern und Jugendlichen nachhaltiger zu gestalten. Ziel der Initiative ist es, Akteurinnen und Akteure der Kita- und Schulverpflegung für den Wert einer gesundheitsfördernden, kindgerechten und nachhaltigen Ernährung zu sensibilisieren und gleichzeitig konkrete Wege aufzuzeigen, wie mehr Bio-Lebensmittel im Verpflegungsalltag erfolgreich eingesetzt werden können.
Darüber hinaus schafft „Bio kann jeder“ mit seinen Workshops Räume für Austausch, Vernetzung und Wissenstransfer, denn die Initiative bringt Menschen zusammen, die Verantwortung für die Verpflegung von Kindern und Jugendlichen tragen, vermittelt Praxiswissen und zeigt anhand erfolgreicher Beispiele, wie nachhaltige Veränderungen gelingen können. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag, um nachhaltige Verpflegungskonzepte langfristig in Kitas und Schulen zu verankern und damit auch zu Ausweitung der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft beizutragen.

Mehr Bio im Verpflegungsalltag: Jeder Schritt zählt
Dass mehr Bio in der Kinder- und Jugendverpflegung gelingt, zeigen bereits zahlreiche Einrichtungen in ganz Deutschland. Sie machen deutlich, dass eine nachhaltige Verpflegung weder an der Betriebsgröße noch an der Organisationsform scheitern muss und bereits kleine Veränderungen große Wirkung entfalten können. So finden sich auf der Webseite Ökolandbau.de eine Vielzahl an portraitierten Betrieben – von Schule, Kita über Schullandheime und Jugendherbergen. Diese Beispiele machen Mut: Der Weg zu mehr Bio beginnt nicht mit einer perfekten Lösung, sondern mit dem ersten Schritt. Ob einzelne Bio-Komponenten, neue Beschaffungswege, die Reduzierung von Lebensmittelverlusten oder die Anpassung von Ausschreibungen – nachhaltige Veränderungen entstehen dort, wo Verantwortliche gemeinsam handeln und voneinander lernen.

Über „Bio kann jeder“
Bio kann jeder – Nachhaltig essen in Kita und Schule unterstützt mithilfe von Workshops Verantwortliche vor Ort dabei, das Verpflegungsangebot für Kinder und Jugendliche nachhaltiger zu gestalten. Die Teilnehmenden erhalten von Regionalpartnern praxisorientierte Tipps wie sie Lebensmittel aus ökologischer Erzeugung in ihren Einrichtungen einführen bzw. das Angebot erweitern können. Die Bio kann jeder-Workshops werden im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) durchgeführt.
Die aktuellen Termine und Programme der kostenfreien Workshops (im Präsenz- und im Online-Format) werden fortlaufend auf www.biokannjeder.de unter diesem Link veröffentlicht. Weitere Informationen zu Bio in der Kita- und Schulverpflegung unter: https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/ausser-haus-verpflegung/

Evamarie Stengel
Bio kann jeder

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