El Dorado gibt es wirklich!
Südamerika vor 500 Jahren: Gerüchte gehen um von einem König, der so reich ist, dass er seine Haut jeden Tag mit Goldstaub bedecken kann. Die Spanier nennen ihn El Dorado – der Vergoldete. Im Dezember 1544 finden der deutsche Konquistador Philipp von Hutten und seine Gefährten die Stadt von El Dorado. Aber am gleichen Tag müssen sie von dort fliehen. Niemand hat den Ort je wieder gesehen.
El Dorado wird zu einem Mythos. Seither sind in Archiven vergessene Berichte von der Suche nach El Dorado aufgetaucht. Jörg Denzer hat sich die alten Dokumente angesehen und Augenzeugenberichte mit Satellitenbildern und dem neuesten Stand der Amazonasforschung verglichen. In diesem Buch löst er das alte Rätsel. Am Ende wissen wir, wer El Dorado war und wo sich seine sagenhafte Stadt wohl befunden hat.
Autor Jörg Denzer im Gespräch
El Dorado heißt so viel wie „Der Vergoldete“. Was hat es damit auf sich und welcher Mythos verbindet sich mit El Dorado?
Die Vergoldung war ein Ritual. Die Bewohner des Ortes, an dem heute die ecuadorianische Hauptstadt Quito liegt, erzählten im 16. Jahrhundert den spanischen Invasoren, dass in den Wäldern des Amazonasgebiets ein König herrsche, der seinen Körper jeden Tag mit klebrigem Balsam einreiben und dann mit Goldstaub vergolden lasse, wonach er „im Licht der Sonne strahlt wie eine lebendig gewordene Götterstatue“. Nach einer anderen Quelle führte er dieses Ritual nur bei bestimmten Zeremonien durch – was plausibler klingt.
Diese Goldverschwendung setzte dem unerhörten Reichtum eines rätselhaften „Goldreichs“ im südamerikanischen Binnenland in den Augen der Spanier nur die Krone auf. Denn schon in den Jahren zuvor und danach hörten spanische Expeditionstrupps regelmäßig von ebenjenem König, der Gold in so rauen Mengen besitze, dass sie auf ihren Flussschiffen respektive ihren Pferden zu Land nicht alles davon wegschaffen könnten.
Gleichzeitig hatte „El Dorado“ als Begriff eine unvergleichliche Durchschlagskraft. Bei der Aufstellung der El-Dorado-Expeditionen wurde „der vergoldete König“ wie ein Marketingclaim eingesetzt, um genügend Kämpfer zur Teilnahme an den lebensgefährlichen Unternehmungen zu bewegen. Geblieben ist „El Dorado“ - oder auch „Eldorado“ - als Mythos: als Inbegriff von ungeheurem Reichtum, verborgen in einer geheimen Welt.
Im 16. Jahrhundert begaben sich mehrere Heere der spanischen Eroberer, sog. Konquistadoren, auf die Suche nach El Dorado. Bei diesem „Goldrausch“ beteiligte sich auch die Augsburger Welser-Gesellschaft, ein bedeutendes Handelshaus der Zeit. Was trieb die Welser nach Südamerika?
Die Welser waren sowohl auf dem Finanzsektor als auch wirtschaftlich eng in das Reich Karls V. eingebunden und im gesamten spanisch-deutschen Handelsraum aktiv. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war im Jahr 1528 die Übertragung der Statthalterschaft über eine als „Provinz Venezuela“ bezeichnete Konquista-Zone an sie, also über einen Streifen Karibikküste, dessen Hinterland noch weitgehend unbekannt war. Die Welser hatten damit auch einen privilegierten Zugriff auf die Naturschätze der Provinz – so investierten sie anfangs vor allem in den Abbau von Erzen. Zu einer reinen Konquista-Unternehmung wurde das Welser-Projekt erst im Jahr 1534, nachdem die unermesslichen Goldschätze des Inkareichs geplündert und in Europa ausgestellt worden waren. Die Welser investierten daraufhin viel Geld in ein Konquistadoren-Heer, das den Gerüchten um „El Dorado“ nachgehen sollte.
Eine wichtige Rolle spielt in Ihrem Buch der Reiterhauptmann Philipp von Hutten. Kann man ihn den ersten Entdecker von El Dorado nennen?
Philipp von Hutten war ein Reichsritter aus einem eher armen fränkischen Adelsgeschlecht, der am Hof Karls V. in dessen Schildwache diente. Man kann Philipp von Hutten als den Entdecker von El Dorado bezeichnen, auch wenn er und sein Trupp sich nur einen Tag dort aufhielten und ihrer Entdeckung nicht weiter nachgegangen werden konnte. Das Auffinden der Stadt von El Dorado ist in den Quellen gut belegt, allerdings blieben diese Quellen bis heute weitgehend ungelesen.
Nun lautet der Untertitel Ihres Buches ja „Die Entdeckung der goldenen Stadt“. Kann man El Dorado tatsächlich wiederentdecken?
Ja, man wird El Dorado früher oder später wiederentdecken. Denn mit absoluter Sicherheit lag die Stadt irgendwo nahe des Südteils des Chiribiquete-Gebirges. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit würde ich in einem bestimmten Bereich von etwa zehn mal zehn Quadratkilometern den Spaten ansetzen. Dort dürften sich die Fundamente der Stadt von El Dorado tief unter dem Blätterdach finden. Wie ich zu dieser konkreten Verortung komme, welchen Spuren ich nachgehe, in den Berichten der Konquistadoren, der modernen Archäologie und nicht zuletzt vor Ort, das können Sie in meinem Buch nachlesen.