Die Funde von menschlichen Überresten waren erwartbar, da bereits bekannt war, dass auf dem Münsterplatz bis ins 19. Jahrhundert hinein ein Friedhof existierte. Die Archäologinnen und Archäologen haben die jetzigen Skelettfunde bereits dokumentiert und entnehmen sie nun Grab für Grab. Zunächst werden sie in den Räumen der städtischen Archäologie gesäubert und inventarisiert, ehe sie ins Archiv des Landschaftsverbands Rheinland wandern. Auch wenn die Funde keine große Überraschung waren, können sie doch wichtige Erkenntnisse liefern: Bei anthropologischen Untersuchungen kann festgestellt werden, wie die Aachenerinnen und Aachener vor 300 bis 400 Jahren gelebt haben, wie gesund sie waren oder wie alt sie geworden sind.
Mauerreste der Münsterimmunität
Doch nicht nur das: In einer der ausgehobenen Baumscheiben entdeckten Schaub und sein Team die Mauerreste der ehemaligen Münsterimmunität, dem ehemaligen Rechtsbezirk rund um den Dom. Diese Mauer hätten die Forschenden eigentlich ein paar Meter weiter südlich vermutet. Die Mauer begrenzte zudem den ehemaligen Friedhof.
Die Grabung ist längst noch nicht beendet. Die Archäologinnen und Archäologen haben bisher eine Tiefe von etwa 60 bis 70 Zentimetern erreicht. Noch etwa einen Meter tiefer soll es gehen. „Ich gehe ganz stark davon aus, dass wir Reste der römischen Therme finden, wenn wir noch tiefer gehen“, erklärt Andreas Schaub. Der Münsterplatz befindet sich innerhalb der größten ehemaligen römischen Heilthermen Aachens, den Münsterthermen, und zwar in einem Abschnitt, der archäologisch weitgehend unerschlossen ist.
Wie lange die Grabung in den zwei Baumscheiben noch dauert, liegt zum einen an der Funddichte und zum anderen am Wetter. Derzeit geht der Stadtarchäologe davon aus, dass mit einer Grabungsdauer von drei Monaten zu rechnen ist. Im Anschluss werden die präparierten Baumscheiben mit zwei Linden bepflanzt, sodass dann das Baumensemble auf dem Münsterplatz wieder vollständig ist.
Quelle Stadt Aachen