Im Herbst 2025 wurden vor der Küste von Asini, östlich von Tolo in der Argolis, gezielte Untersuchungen zur Unterwasserarchäologie fortgesetzt. Die Region war aufgrund ihrer geschützten Lage mit natürlichem Hafen und strategisch günstiger Anhöhe bereits seit prähistorischer Zeit besiedelt und dies blieb über Jahrhunderte hinweg so.
Im Fokus der aktuellen Kampagne stand ein großflächiges, künstliches Plateau im Flachwasserbereich östlich von Kastraki. Dieses war in vorangegangenen Forschungsphasen bereits als zentrale Struktur einer antiken Hafenanlage identifiziert worden. Neuere Analysen zeigen, dass es sich dabei nicht um eine zufällige Ansammlung von Steinen, sondern um eine gezielt angelegte Konstruktion mit klar erkennbaren baulichen Elementen handelt.
Hinweise auf römische Kaianlagen
Die Auswertung von 3D-Modellen und Unterwasservermessungen hat ergeben, dass sich innerhalb des Plateaus strukturierte, teils quadratische Formationen abzeichnen. Diese werden als die Fundamente von Pfeilern interpretiert, die ursprünglich aus hölzernen Senkkästen bestanden, die mit Steinen verfüllt waren. Nach der Zersetzung des Holzes blieben lediglich die steinernen Komponenten erhalten.
Photogrammetrisches Model des Plateaus
© Jens Lindström-NMG
Aufgrund geringer Fundmengen gestaltet sich die Datierung dieser Strukturen schwierig. Lediglich zwei Keramikscherben konnten geborgen werden. Dennoch deuten stratigrafische Beobachtungen darauf hin, dass diese Pfeilerkonstruktionen jünger sind als das Plateau selbst.
Das Plateau wiederum lässt sich anhand von Amphorenfragmenten eindeutig in die römische Zeit einordnen. Aufgrund seiner klaren Kantenführung ist davon auszugehen, dass es sich ursprünglich um einen aus dem Wasser ragenden Kai handelte. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels wurde diese Anlage überflutet, durch nachträgliche bauliche Anpassungen blieb sie jedoch weiterhin nutzbar. Durch die Installation von Pfeilern war offenbar auch unter veränderten Bedingungen das Be- und Entladen von Schiffen möglich.
Karpathos: Ein maritimes Archiv über 2600 Jahre
Zeitgleich zu den Arbeiten in der Argolis wurden seit Oktober 2025 umfangreiche Unterwasseruntersuchungen im Meeresgebiet um Karpathos durchgeführt. Diese stehen im Kontext eines langfristigen Forschungsprogramms zur systematischen Erfassung des Unterwasserkulturerbes in der südöstlichen Ägäis.
Die Region um Karpathos, die bereits in der Antike literarisch erwähnt wurde, erwies sich dabei als außergewöhnlich fundreich. In mehr als 120 Tauchgängen wurden archäologische Zeugnisse dokumentiert, die einen Zeitraum von über 2.600 Jahren abdecken – von der archaischen Epoche bis in die Neuzeit.
Bergung von Objekten von der Wrackstelle KTH3
© S. Apostolopoulos
Wracks, Anker und Hafenstrukturen
Zu den herausragenden Funden zählen mehrere Schiffswracks, darunter vier aus der Antike und eines aus neuerer Zeit. Ergänzt werden diese durch Überreste von Hafenanlagen sowie eine bemerkenswerte Konzentration von mehr als zwanzig byzantinischen Ankern.
Dreidimensionales Modell eines modernen Schiffswracks
© E. Diamantis
Diese Funde stehen in engem Zusammenhang mit den archäologischen Resten von Siedlungen und Kirchen im Gebiet von Tristomo. Gemeinsam belegen sie die zentrale Rolle der Region als maritimer Knotenpunkt, insbesondere in der Spätantike.
Die Untersuchungen erstreckten sich auf Tiefen zwischen drei und 45 Metern und umfassten sowohl Küstenbereiche als auch offene Seezonen. Neben griechischen Forschern waren zahlreiche internationale Institutionen beteiligt, was die Bedeutung des Projekts im globalen Kontext der maritimen Archäologie unterstreicht.
Neue Perspektiven auf antike Küstenlandschaften
Sowohl die Untersuchungen in Asini als auch jene vor Karpathos verdeutlichen, wie dynamisch sich Küstenlandschaften im Laufe der Zeit verändert haben. Der Anstieg des Meeresspiegels, bauliche Anpassungen und langfristige Nutzungskontinuitäten lassen sich heute anhand unterseeischer Strukturen präzise nachvollziehen.
Die Kombination aus moderner Dokumentationstechnik, stratigrafischer Analyse und interdisziplinärer Zusammenarbeit eröffnet neue Möglichkeiten, um antike Hafenanlagen und maritime Netzwerke in ihrer Entwicklung zu verstehen.
Quelle Griechisches Kulturministerium