Unterwasserarchäologie in Griechenland: Römische Kaianlagen und antike Wracks entdeckt

Neue Unterwasseruntersuchungen in der Argolis und vor Karpathos liefern bedeutende Erkenntnisse zur antiken Hafeninfrastruktur und zum maritimen Netzwerk der Ägäis. Die Funde reichen von römischen Kaianlagen bis hin zu Schiffswracks und Ankern aus über zwei Jahrtausenden und zeichnen ein differenziertes Bild antiker Nutzungskontinuitäten im Küstenraum.

Ein Taucher in kompletter Tauchausrüstung arbeitet unter Wasser am Meeresboden. Mit einer Hand hält er einen großen Schlauch, der Sediment absaugt und dabei eine Staubwolke aufwirbelt. Im Hintergrund sind Felsen und Messlinien zu erkennen, die auf eine archäologische Ausgrabung hindeuten.
© Niklas Eriksson; Kulturministerium Griechenland

Im Herbst 2025 wurden vor der Küste von Asini, östlich von Tolo in der Argolis, gezielte Untersuchungen zur Unterwasserarchäologie fortgesetzt. Die Region war aufgrund ihrer geschützten Lage mit natürlichem Hafen und strategisch günstiger Anhöhe bereits seit prähistorischer Zeit besiedelt und dies blieb über Jahrhunderte hinweg so.

Im Fokus der aktuellen Kampagne stand ein großflächiges, künstliches Plateau im Flachwasserbereich östlich von Kastraki. Dieses war in vorangegangenen Forschungsphasen bereits als zentrale Struktur einer antiken Hafenanlage identifiziert worden. Neuere Analysen zeigen, dass es sich dabei nicht um eine zufällige Ansammlung von Steinen, sondern um eine gezielt angelegte Konstruktion mit klar erkennbaren baulichen Elementen handelt.

Hinweise auf römische Kaianlagen

Die Auswertung von 3D-Modellen und Unterwasservermessungen hat ergeben, dass sich innerhalb des Plateaus strukturierte, teils quadratische Formationen abzeichnen. Diese werden als die Fundamente von Pfeilern interpretiert, die ursprünglich aus hölzernen Senkkästen bestanden, die mit Steinen verfüllt waren. Nach der Zersetzung des Holzes blieben lediglich die steinernen Komponenten erhalten.

Luftaufnahme eines küstennahen, flachen Meeresbereichs mit grünlich-türkisem Wasser. Der Meeresboden ist von zahlreichen Steinen und Felsen bedeckt. Mehrere rechteckige Bereiche sind mit roten Linien markiert und nummeriert. In zwei Feldern steht jeweils der Text 'Find 1' und 'Find 2', daneben die Zahlen '1', '2' und '3'. Die Markierungen heben bestimmte Fundstellen hervor.
Photogrammetrisches Model des Plateaus © Jens Lindström-NMG

Aufgrund geringer Fundmengen gestaltet sich die Datierung dieser Strukturen schwierig. Lediglich zwei Keramikscherben konnten geborgen werden. Dennoch deuten stratigrafische Beobachtungen darauf hin, dass diese Pfeilerkonstruktionen jünger sind als das Plateau selbst.

Das Plateau wiederum lässt sich anhand von Amphorenfragmenten eindeutig in die römische Zeit einordnen. Aufgrund seiner klaren Kantenführung ist davon auszugehen, dass es sich ursprünglich um einen aus dem Wasser ragenden Kai handelte. Mit dem Anstieg des Meeresspiegels wurde diese Anlage überflutet, durch nachträgliche bauliche Anpassungen blieb sie jedoch weiterhin nutzbar. Durch die Installation von Pfeilern war offenbar auch unter veränderten Bedingungen das Be- und Entladen von Schiffen möglich.

Karpathos: Ein maritimes Archiv über 2600 Jahre

Zeitgleich zu den Arbeiten in der Argolis wurden seit Oktober 2025 umfangreiche Unterwasseruntersuchungen im Meeresgebiet um Karpathos durchgeführt. Diese stehen im Kontext eines langfristigen Forschungsprogramms zur systematischen Erfassung des Unterwasserkulturerbes in der südöstlichen Ägäis.

Die Region um Karpathos, die bereits in der Antike literarisch erwähnt wurde, erwies sich dabei als außergewöhnlich fundreich. In mehr als 120 Tauchgängen wurden archäologische Zeugnisse dokumentiert, die einen Zeitraum von über 2.600 Jahren abdecken – von der archaischen Epoche bis in die Neuzeit.

Zwei Taucher bewegen sich unter Wasser über einem felsigen Meeresboden. Einer der Taucher hält zwei große, orangefarbene Hebesäcke, an denen jeweils ein Netz mit Steinen oder archäologischen Funden befestigt ist. Der zweite Taucher schwebt etwas entfernt im Hintergrund und beobachtet die Szene. Das Wasser ist klar und blau, die Sichtweite ist hoch.
Bergung von Objekten von der Wrackstelle KTH3 © S. Apostolopoulos

Wracks, Anker und Hafenstrukturen

Zu den herausragenden Funden zählen mehrere Schiffswracks, darunter vier aus der Antike und eines aus neuerer Zeit. Ergänzt werden diese durch Überreste von Hafenanlagen sowie eine bemerkenswerte Konzentration von mehr als zwanzig byzantinischen Ankern.

Eine computergenerierte, farbige 3D-Darstellung zeigt ein Schiffswrack auf dem Meeresboden. Das Wrack liegt zwischen Felsen und Trümmern, die Struktur des Schiffes ist teilweise erhalten. Die Farbgebung reicht von Grün- bis Blautönen und hebt Höhenunterschiede und Details der Oberfläche hervor. Der Hintergrund ist weiß und hebt das Wrack deutlich hervor.
Dreidimensionales Modell eines modernen Schiffswracks © E. Diamantis

Diese Funde stehen in engem Zusammenhang mit den archäologischen Resten von Siedlungen und Kirchen im Gebiet von Tristomo. Gemeinsam belegen sie die zentrale Rolle der Region als maritimer Knotenpunkt, insbesondere in der Spätantike.

Die Untersuchungen erstreckten sich auf Tiefen zwischen drei und 45 Metern und umfassten sowohl Küstenbereiche als auch offene Seezonen. Neben griechischen Forschern waren zahlreiche internationale Institutionen beteiligt, was die Bedeutung des Projekts im globalen Kontext der maritimen Archäologie unterstreicht.

Neue Perspektiven auf antike Küstenlandschaften

Sowohl die Untersuchungen in Asini als auch jene vor Karpathos verdeutlichen, wie dynamisch sich Küstenlandschaften im Laufe der Zeit verändert haben. Der Anstieg des Meeresspiegels, bauliche Anpassungen und langfristige Nutzungskontinuitäten lassen sich heute anhand unterseeischer Strukturen präzise nachvollziehen.

Die Kombination aus moderner Dokumentationstechnik, stratigrafischer Analyse und interdisziplinärer Zusammenarbeit eröffnet neue Möglichkeiten, um antike Hafenanlagen und maritime Netzwerke in ihrer Entwicklung zu verstehen.

Quelle Griechisches Kulturministerium

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