Statue der Athena im Westtheater von Laodikeia freigelegt

Im Zuge laufender Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten in der antiken Stadt Laodikeia, in der Westtürkei, wurde im Bühnengebäude des Westtheaters eine etwa zwei Meter hohe Statue der Göttin Athena aus Marmor freigelegt.

Eine antike Statue liegt auf dem Boden einer Ausgrabungsstätte. Mehrere Personen beugen sich über die Statue und arbeiten gemeinsam daran, sie zu bergen. Die Statue ist aus hellem Stein gefertigt und zeigt eine aufwendig gestaltete Figur mit langen Gewändern. Der Hintergrund besteht aus einer sandfarbenen, steinernen Wand.
© Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus

Das Artefakt lag mit dem Gesicht nach unten inmitten von Schutt an der Außenwand der sogenannten Postskene. Der Kopf der Statue konnte bislang nicht identifiziert werden.

Der Fundkontext deutet darauf hin, dass die Skulptur ursprünglich Teil der architektonischen Ausstattung des Bühnengebäudes war. Dieses geht in seinen Ursprüngen auf das 2. Jahrhundert v. Chr. zurück und zeichnet sich durch einen dreigeschossigen Aufbau mit jeweils 16 Säulen pro Ebene aus.

Skulpturale Ausstattung und ikonographisches Programm

Zwischen den Säulen des Bühnengebäudes waren zahlreiche Skulpturen aufgestellt, die Götter, Herrscher sowie Szenen aus den homerischen Epen darstellten. Archäologische Befunde der Jahre 2024–2025 belegen Darstellungen zentraler Episoden der Odyssee, darunter das Land der Laistrygonen, die Höhle des Polyphem sowie die Begegnung mit Skylla.

Diese Bildprogramme verdeutlichen, dass das Theater nicht allein als Aufführungsort diente, sondern zugleich als Medium kultureller Erzählungen fungierte. Die Einbindung mythologischer Szenen weist auf eine gezielte Inszenierung literarischer Stoffe im architektonischen Raum hin.

Beschreibung der Athena-Statue

Die Statue zeigt Athena auf einem runden Sockel stehend. Sie trägt ein fein gearbeitetes, ärmelloses Peplos-Gewand sowie einen um den Hals gelegten Umhang (Himation). Auf der Brust befindet sich die Ägis mit Medusenhaupt und Schlangendarstellungen.

Eine antike Statue ohne Kopf steht aufrecht auf staubigem Boden vor einem Hintergrund aus Erdaufschüttungen und grünem Hügel. Die Figur trägt ein langes, gefälteltes Gewand und einen Umhang, der über die linke Schulter gelegt ist. Die Oberfläche der Statue ist stellenweise beschädigt und verschmutzt.
© Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus

Die plastische Ausarbeitung der Gewandfalten und die differenzierte Wiedergabe der Stoffstruktur zeugen von hoher handwerklicher Qualität. Auffällig ist zudem die nur grob bearbeitete Rückseite der Statue, was auf eine ursprünglich frontale Aufstellung zwischen Säulen schließen lässt.

Nach bisherigen Einschätzungen spiegelt die Statue den klassischen Stil der augusteischen Zeit (27 v. Chr. – 14 n. Chr.) wider. Der Fund fügt sich damit in das bekannte künstlerische Spektrum Laodikeias ein, das als bedeutendes urbanes Zentrum Kleinasiens über eine ausgeprägte Bau- und Ausstattungstradition verfügte.

Athena in Laodikeia

Epigraphische Zeugnisse deuten darauf hin, dass Athena in Laodikeia nicht primär als Kriegsgöttin verehrt wurde, sondern insbesondere in ihrer Funktion als Schutzgöttin des Handwerks, vor allem der Weberei. Die Stadt war in der Antike ein bedeutendes Zentrum der Textilproduktion.

Die Entdeckung der Athena-Statue erweitert das Verständnis der dekorativen und funktionalen Gestaltung des Westtheaters erheblich. Sie liefert Hinweise auf die ikonographische Programmatik des Bauwerks und bestätigt dessen Rolle als Ort kultureller Repräsentation.

Gleichzeitig unterstreicht der Fund die Bedeutung kontinuierlicher archäologischer Untersuchungen in Laodikeia, die weiterhin neue Einblicke in die städtische Kultur und Kunstproduktion der Antike ermöglichen.

Quelle Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus

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