Nördlich von Genthin befanden sich zwischen 1935 und 1945 die Silva-Metallwerke, eine Munitionsfabrik, die im Verlauf des Zweiten Weltkriegs in wachsendem Maße Zwangsarbeiter einsetzte. Ab 1940 entstand hier ein weitläufiges Lagersystem zur Unterbringung der Arbeitskräfte.
Zunächst wurde ein sogenanntes Bereitschaftslager für dienstverpflichtete Frauen errichtet, in dem später auch zwangsverpflichtete Frauen verschiedener Herkunft untergebracht waren. Ergänzend sind mindestens ein Kriegsgefangenenlager sowie ein Lager für männliche Zwangsarbeiter schriftlich belegt. Im Sommer 1943 kam ein Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück hinzu.
Bis zur Befreiung im Mai 1945 entwickelte sich um die Fabrik eine vielschichtige Lagerlandschaft, deren Struktur mehrfach verändert wurde. Zuletzt waren mehrere tausend Menschen, überwiegend Frauen, unter extremen Bedingungen interniert und zur gefährlichen Arbeit in der Munitionsproduktion gezwungen.
Ergebnisse der Grabungskampagne 2026
Im März 2026 führte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine gezielte Forschungsgrabung durch. Im Rahmen einer einwöchigen Kampagne wurden an vier Barackenstandorten kleinräumige Untersuchungen durchgeführt.
Die Grabungen lieferten detaillierte Einblicke in die Bauweise und Konstruktion der Baracken. Trotz der begrenzten Eingriffe in den Boden konnten grundlegende Erkenntnisse zur baulichen Organisation des Lagerareals gewonnen werden.
Besonders aufschlussreich erwies sich das Fundmaterial. Neben Alltagsgegenständen wie Geschirr und Flaschen wurden auch persönliche Habseligkeiten geborgen. Diese Funde ermöglichen Rückschlüsse auf die Lebensbedingungen der Internierten und geben Hinweise auf individuelle Handlungsspielräume im Lageralltag.
An einem der untersuchten Standorte deuten die Funde darauf hin, dass die betreffende Baracke möglicherweise nicht von Gefangenen, sondern von Wachpersonal genutzt wurde. Solche Differenzierungen innerhalb des Lagergefüges lassen sich durch archäologische Methoden präzisieren.
Erinnerungskultur und Perspektiven
Das Gelände wird seit Jahren durch das Museum Jerichower Land sowie durch ehrenamtliche Initiativen untersucht und gepflegt. Die lokale Erinnerungskultur trägt wesentlich dazu bei, die Geschichte des Ortes präsent zu halten.
Die Ergebnisse der aktuellen Grabungskampagne sollen künftig vor Ort vermittelt werden. Damit verbindet sich wissenschaftliche Forschung mit öffentlicher Geschichtsarbeit und trägt zur weiteren Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit bei.
Quelle Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt