Spektakulärer Bronzefund aus dem HavellandEin Radkreuz und seine Gussform nach vier Jahrzehnten vereint

Ein außergewöhnlicher archäologischer Fund sorgt in Brandenburg für Aufsehen: Kulturministerin Dr. Manja Schüle präsentierte in Potsdam gemeinsam mit den Landesarchäologen Prof. Dr. Franz Schopper (Brandenburg) und Prof. Dr. Matthias Wemhoff (Berlin) ein Bronze-Kreuz, das perfekt zu einer Gussform passt, die bereits vor mehr als 40 Jahren in Berlin-Spandau entdeckt wurde.

Ein rechteckiger, grob bearbeiteter Steinblock liegt auf einem hellen Tuch. Auf der Oberseite des Steins befindet sich ein rundes, filigran gearbeitetes Bronzestück mit durchbrochenem Muster. Ein Lichtkegel hebt das Objekt deutlich vom Hintergrund ab.
Das bronzene Radkreuz aus dem Havelland in der Gussform vom Spandauer Burgwall.© Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM), Foto: Lukas Goldmann.

„Der Fund eines kleinen Bronzekreuzes ist eben nicht nur ein weiterer Fund unter vielen“, betonte Ministerin Schüle. „Dieser Fund ist in mehrfacher Hinsicht spektakulär: Er passt exakt zu einer Gussform, die bereits vor mehr als 40 Jahren gefunden wurde – das ist einzigartig für einen archäologischen Fund aus dieser Zeit.“

Das Kreuz, mutmaßlich aus dem 10. oder 11. Jahrhundert, wurde von der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin Juliane Rangnow im westlichen Havelland entdeckt. Neben dem Kreuz kamen Münzen, vergoldete Schmuckteile und eiserne Waffen zutage – allesamt Relikte aus der Zeit der frühen Christianisierung Brandenburgs.

Rundes bronzenes Fundstück mit drei symmetrischen Auslassungen auf schwarzem Hintergrund
Bronzenes Radkreuz aus dem westlichen Havelland. © Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM), Foto: Gabriel Graf

Ein einzigartiges Ensemble der frühen Christianisierung

Die 1983 bei Ausgrabungen auf dem slawischen Burgwall in Berlin-Spandau gefundene Gussform, das sogenannte Spandauer Kreuz, gilt als einer der ältesten materiellen Belege für das frühe Christentum zwischen Elbe und Oder. Sie wurde neben den Überresten einer frühen Holzkirche gefunden. Nun bestätigt sich ihre Bedeutung: Nach Restaurierung und Vermessung des im Havelland entdeckten Kreuzes konnte am Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) nachgewiesen werden, dass Kreuz und Gussform zusammengehören.

Unregelmäßig geformte Steinplatte mit rauer Oberfläche. In der Mitte ist eine vertiefte Form zu erkennen, die einen Kreis mit drei Streben sowie eine Eingussöffnung beschreibt. Die Kanten der Platte sind uneben und wirken abgebrochen.
Gussform des Radkreuzes vom Burgwall Berlin-Spandau. © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Foto: Claudia Plamp.

„Was für ein Glücksfund!“, sagte Prof. Dr. Matthias Wemhoff begeistert. „In Spandau haben die Archäologen vor Jahrzehnten die Gussform des Kreuzanhängers gefunden. […] Nun wissen wir durch die Neuentdeckung: Der Schmied in Spandau hat für einen großen Markt und einen sehr mobilen Personenkreis produziert.“

Das Radkreuz symbolisiert eine der spannendsten Epochen der brandenburgischen Geschichte – die frühe Christianisierung im 10. Jahrhundert. Damals fiel das Gebiet des heutigen Brandenburgs und Berlins unter den Einfluss des ostfränkischen Reiches. Neue politische Strukturen und der christliche Glaube trafen auf slawische Stämme, die ihre religiöse Unabhängigkeit verteidigten.

Im Jahr 983 kam es zum sogenannten Lutizenaufstand, der die Verbreitung des Christentums in der Region für rund 150 Jahre aufhielt. Erst im 12. und 13. Jahrhundert setzte sich der neue Glaube mit der Gründung der Mark Brandenburg endgültig durch.

„Das neue Fundstück ist einer der seltenen frühen Belege der einzigartigen Christianisierungsgeschichte der nordwestlichen Slawen“, erklärte Lukas Goldmann, wissenschaftlicher Referent für das slawische Mittelalter beim BLDAM.

Ehrenamt als feste Säule der Forschung

Dass dieser Fund überhaupt möglich war, liegt am Engagement ehrenamtlicher Bodendenkmalpflegerinnen und -pfleger. Juliane Rangnow, die Finderin des Kreuzes, beschreibt ihr Erlebnis mit spürbarer Begeisterung: „Ein solches Fundstück in der Hand zu halten, ist wie eine Brücke in die Vergangenheit. Das macht die Tätigkeit als ehrenamtliche Bodendenkmalpflegerin so spannend.“

In Brandenburg gibt es derzeit rund 350 offiziell bestellte Ehrenamtliche, die regelmäßig archäologische Prospektionen durchführen. Sie alle haben eine Ausbildung am BLDAM absolviert, das seit 2022 eigens einen Mitarbeiter zur Betreuung dieser Freiwilligen beschäftigt.

Ministerin Schüle würdigte ihren Beitrag ausdrücklich: „Das zeigt, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für die Archäologie in Brandenburg ist. […] Dieser Fund zeigt einmal mehr, dass es im Land Brandenburg bedeutsame historische Spuren gibt – und dass es Archäologinnen und Archäologen des BLDAM sind, die unser kulturelles Erbe sichern.“

Ein Blick auf das Original

Das Bronze-Kreuz und seine historische Gussform sind vom 24. Januar bis zum 11. März 2026 im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel zu sehen. Besucherinnen und Besucher können dort das Zusammenspiel von Wissenschaft, Geschichte und bürgerschaftlichem Engagement hautnah erleben.

Quelle Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum

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