Neue Gräber in der weitläufigen Nekropole Ostiense freigelegt

Bei präventiven Ausgrabungen südlich von Rom wurde ein außergewöhnlich gut erhaltener Abschnitt der Nekropole Ostiense freigelegt. Die Archäologen stießen sowohl auf kaiserzeitliche Gräber mit kunstvollen Fresken und Mosaiken als auch auf einfache Grubengräber aus der Spätantike.

Ein halbkreisförmiges Fresko mit verblassten, rötlichen und violetten Figuren ist in eine antike Ziegelmauer eingelassen.
Detail eines Freskos aus den jüngst entdeckten Gräbern der Nekropole Via Ostiense© MiC

Die Entdeckung erfolgte im Rahmen präventiver archäologischer Maßnahmen des Kulturministeriums im römischen Viertel San Paolo Fuori le Mura, südlich der Stadt an der Via Ostiense. Diese etwa 30 Kilometer lange antike Konsularstraße verlief von Rom bis zur Hafenstadt Ostia Antica. Die Fundstätte beleuchtet einen bisher unbekannten Bereich der weitläufigen Nekropole Ostiense. Sie weist eine Belegungszeit von der späten Republik bis zum späten Kaiserreich auf und gilt als eine der größten Nekropolen des antiken Roms.

Dekorierte Kolumbarien und einfache Grubengräber

Unter der Leitung der Archäologin Diletta Menghinello von der Soprintendenza Speciale di Roma kamen etwa einen Meter unter dem heutigen Straßenniveau fünf Grabbauten aus der Kaiserzeit mit quadratischem Grundriss und Gewölbedecke zum Vorschein. Sie waren von Nordosten nach Südwesten ausgerichtet. Zwei kleinere Bauwerke waren ihnen vorgelagert. Ein sechstes Gebäude, das den anderen ähnelt, jedoch senkrecht zu ihnen steht, sowie die Überreste weiterer Räume lassen auf die Anordnung des Komplexes um einen Innenhof schließen.

Freigelegte Mauerreste und Fundamente aus hellem Stein liegen in einem großflächig ausgegrabenen Erdreich. Die Strukturen sind unregelmäßig angeordnet und von Gräben und Erdaufschüttungen umgeben.
Übersicht über die aktuelle Grabungsfläche © MiC
„Die Ausgrabung der Gräber, die höchstwahrscheinlich als Kolumbarien identifiziert werden können, also Räume mit Nischen zur Aufnahme von Urnen, befindet sich noch in einer frühen Phase“, erklärt Menghinello. In dem derzeit sichtbaren Teil der Grabkammern ist jedoch bereits eine aufwendige Dekoration zu erkennen, die aus Fresken mit Streifen und Pflanzenmotiven, Stuckarbeiten und Nischen besteht, die mit Figuren der römischen Begräbnissymbolik, wie Betende oder geflügelten Viktorien, verziert sind. Die Fortsetzung der Ausgrabungen könnte die Entdeckung zahlreicher Grabbeigaben, Inschriften und Bodenbeläge ermöglichen.

In dem Bereich, der der Straße am nächsten liegt, wurden in zunehmender Tiefe außerdem ein Raum mit Apsis und ein weiterer großer Raum mit Resten eines Mosaikbodens freigelegt. Beide sind aus Ziegelsteinen errichtet und ihre Funktion wird sich im Laufe der Untersuchungen klären. Hinter dem monumentalen Bereich, der von Gräbern aus der Kaiserzeit eingenommen wird, entstand in der Spätantike eine wesentlich bescheidenere Nekropole. Eine lange Mauer aus Tuffsteinblöcken trennt beide voneinander: In dichter Folge übereinander liegen einfache Grubengräber, die von wenigen Grabbeigaben begleitet werden.

Der besonders reichhaltige und vielschichtige Kontext ist auf die Größe der Nekropole an der Via Ostiense zurückzuführen, die sich zwischen der späten Republik und dem späten Kaiserreich entwickelte. Von ihr sind derzeit die Bereiche Sepolcreto Ostiense und Rupe di San Paolo zu sehen. Die aktuellen Funde aus der frühen Kaiserzeit und der Spätantike sind eine bedeutende Entdeckung, die neue und wertvolle Informationen über die topografische Anlage sowie über anthropologische, epigraphische und materielle Aspekte der Nekropole Ostiense liefern wird.

Quelle Ministerio della cultura

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