Monumentale Straße in Side freigelegt: Herakles-Tor gibt Einblicke in den Wandel der antiken Stadt

Eine 390 Meter lange Straße in der antiken Stadt Side, in der türkischen Provinz Antalya, dokumentiert den Wandel der Metropole von der Römerzeit bis zur Spätantike. Besonders das monumentale Herakles-Tor mit Reliefs der zwölf Taten des Herakles liefert neue Erkenntnisse zur Stadtentwicklung und zur Wiederverwendung älterer Bauteile.

Zwei antike Steinreliefs mit floralen Mustern und menschlichen Figuren in rechteckigen Rahmen
Zwei Relieffragmente aus Side mit Darstellungen von Taten des Herakles© Ministerium für Tourismus und Kultur der Türkei
Side war eine der wichtigsten Hafenstädte des antiken Pamphyliens. In der antiken Stadt wurden die Ausgrabungen an der sogenannten Straße B abgeschlossen. Die rund 390 Meter lange Verkehrsachse zählt zu den wichtigsten Straßen der Stadt und ermöglicht neue Einblicke in ihre Entwicklung von der Römerzeit bis in die Spätantike.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Herakles-Tor, einem monumentalen Stadttor mit Reliefdarstellungen der zwölf Aufgaben des Herakles sowie weiterer Gottheiten. Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy erklärte dazu: „In Side haben wir ein weiteres der prächtigsten Stadttore der Geschichte ans Licht gebracht.“

Wichtige Verkehrsader der antiken Stadt

Die Straße B verläuft zwischen der nordwestlichen Ecke des Gymnasiums und dem Osttor von Side. Entlang der Trasse legten Archäologen zahlreiche bauliche Strukturen frei, darunter eine Stoa, dahinterliegende Räume sowie mehrere monumentale Zugänge.
Die Untersuchungen ergaben, dass sich nördlich der Straße eine Ost-West verlaufende Stoa aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. befand. Erhaltene Tür- und Schwellensteine liefern Hinweise auf die architektonische Gestaltung dieses Bereichs während der römischen Kaiserzeit.

Monumentale Tore und wiederverwendete Reliefs

An der Stoa konnten drei bedeutende Eingänge identifiziert werden: das Westtor, das Herakles-Tor und das Nordbadetor.
Unter diesen Bauwerken ragt besonders das Herakles-Tor hervor. Seine Reliefs zeigen die zwölf Aufgaben des Herakles sowie Darstellungen der Gottheiten Athena, Zeus, Artemis, Hygieia und Tyche. Die Reliefplatten stammen nach den Untersuchungen aus dem frühen 3. Jahrhundert n. Chr.
Fragment eines antiken Steinreliefs mit geometrischen Mustern und einem zentralen menschlichen Gesicht in einem Rautenmuster
Neben Szenen aus den zwölf Aufgaben des Herakles zeigen die Spolien auch Kassettenreliefs mit Darstellungen von Athena, Zeus, Artemis, Hygieia und Tyche. © Ministerium für Tourismus und Kultur der Türkei
Bemerkenswert ist, dass diese Bildwerke offenbar nicht eigens für das Tor geschaffen wurden. Die Forscher konnten nachweisen, dass die Reliefs in der Spätantike als Spolien wiederverwendet und beim Bau des Herakles-Tors erneut verbaut wurden.

Umgestaltung im 5. Jahrhundert

Die Ausgrabungen belegen zudem einen tiefgreifenden Wandel des Stadtbildes im 5. Jahrhundert n. Chr. Zu dieser Zeit wurde der Bereich nördlich der Straße in den Bischofspalastkomplex integriert. Infolge dieser Umgestaltung wurden ältere Zugänge zur Stoa geschlossen und neue monumentale Eingänge geschaffen.
Dadurch veränderte sich die Funktion der Straße grundlegend. Aus einer wichtigen Verkehrsroute für Besucher, die über das Osttor nach Side gelangten, entwickelte sich eine repräsentative Stadtachse mit monumentalem Charakter.

Neue Erkenntnisse zur Stadtentwicklung von Side

Die freigelegten Straßenzüge, Toranlagen und weiteren Architekturreste machen die Entwicklung Sides über mehrere Jahrhunderte hinweg nachvollziehbar. Entlang einer einzigen Route lassen sich Veränderungen von der römischen Stadtplanung bis zu den städtebaulichen Umgestaltungen der Spätantike beobachten.
Die Funde zeigen damit nicht nur die Bedeutung der Straße B für das antike Side, sondern auch, wie sich politische, religiöse und architektonische Veränderungen im Stadtbild niederschlugen.

 

Quelle: Ministerium für Tourismus und Kultur der Türkei

Antike Welt

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