Bei archäologischen Ausgrabungen des türkischen Ministeriums für Kultur und Tourismus in der antiken Stadt Aspendos in der Provinz Antalya ist ein außergewöhnlicher Fund gelungen. Entlang der sogenannten Theaterstraße, die die Akropolis mit dem berühmten römischen Theater verbindet, wurde ein Bodenmosaik mit der Darstellung des Flussgottes Eurymedon entdeckt. Vergleichbare Darstellungen sind in der antiken Welt nur in wenigen Fällen überliefert und besitzen daher einen hohen wissenschaftlichen Wert.
Die Entdeckung erfolgte auf dem östlichen Platz der Theaterstraße, zwischen der Verkehrsachse und der östlichen Stadtmauer. Dort legten Archäologen die Reste eines etwa sechs Meter breiten und 25 Meter langen Gebäudes frei, dessen Boden mit Mosaiken ausgestattet war.
Das Mosaikensemble im Fundkontext
© Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus
Teil eines monumentalen Bauwerks aus dem 3. Jahrhundert
Nach ersten Untersuchungen wurde der Bau zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. als Beckenanlage oder Nymphäum errichtet. Der bislang freigelegte Mosaikabschnitt misst rund sechs mal siebeneinhalb Meter. Nach Angaben der Ausgräber setzt sich die Mosaikfläche jedoch in den noch nicht untersuchten Bereichen des Gebäudekomplexes fort.
Die stratigraphischen Untersuchungen zeigen zudem, dass das Gebäude nach dem verheerenden Erdbeben von 262 n. Chr. umfassend umgebaut wurde. Während der ursprüngliche Raum zunächst offen angelegt war, wurde er später durch Innenwände in mehrere Bereiche gegliedert. Die baulichen Veränderungen dokumentieren die Anpassung öffentlicher Infrastruktur an neue Nutzungsanforderungen während der Wiederaufbauphase der Stadt.
Eurymedon als zentrales Bildmotiv
Das Mosaik gliedert sich in zwei klar voneinander getrennte Bereiche. Ein geometrisch gestalteter Abschnitt bildet den Übergang zur figürlichen Hauptszene. Im Zentrum dieser Komposition steht der Flussgott Eurymedon, dessen Flusslauf das Umland von Aspendos prägte und eine zentrale Grundlage für Landwirtschaft, Wirtschaft und Siedlungsentwicklung bildete.
Die von den Forschern als junger Eurymedon identifizierte Figur wurde vom türkischen Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy als ein Fund beschrieben, der Licht auf die Mosaikproduktion des römischen Anatoliens wirft, sowohl wegen der technischen Qualität der Arbeit als auch wegen der Einzigartigkeit ihres Sujets.
Ungewöhnliche Ikonographie mit symbolischer Aussagekraft
Besonders bemerkenswert ist die Darstellung des Flussgottes. Anders als in der üblichen römischen Flussikonographie erscheint Eurymedon als jugendliche Gestalt in entspannter Haltung. Er lehnt an einer Amphore, aus der Wasser strömt – ein klassisches Symbol für Fruchtbarkeit und lebensspendende Kraft.
Detail des zentralen Motivs
© Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus
Die Szene wird durch weitere symbolische Elemente ergänzt. Schilfblätter schmücken den Gott, während Fische die Darstellung auf beiden Seiten begleiten und in entgegengesetzte Richtungen schwimmen. Dadurch entsteht eine dynamische Bildkomposition, die den Fluss als Quelle von Natur, Wohlstand und Leben inszeniert.
Die Seltenheit solcher Darstellungen macht den Fund für die Forschung besonders wertvoll. Jede neu dokumentierte Abbildung einer Flussgottheit erweitert das Wissen über künstlerische Traditionen und religiöse Vorstellungen in den Städten des Römischen Reiches.
Ein Spiegel der lokalen Identität
Die Wahl des Eurymedon als Hauptmotiv dürfte eng mit der Bedeutung des Flusses für Aspendos verbunden sein. Der Wasserlauf versorgte die umliegenden Felder, förderte den wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt und trug zu ihrer strategischen Bedeutung innerhalb der Landschaft Pamphylien bei.
Neue Erkenntnisse zur Mosaikkunst des römischen Anatoliens
Die wissenschaftliche Auswertung des Fundes hat bereits begonnen. Die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse zu Herstellungstechniken, regionalen Werkstätten und den künstlerischen Austauschbeziehungen, die anatolische Städte mit anderen Zentren des Mittelmeerraums verbanden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dekorativen Motiven und der Farbgestaltung des Mosaiks. Diese könnten wichtige Anhaltspunkte liefern, um stilistische Verbindungen zu anderen Fundorten herzustellen und die Entwicklung der Mosaikkunst in der römischen Provinz Asia im 3. Jahrhundert n. Chr. präziser nachzuzeichnen.
Konservierung und weitere Forschung
Bevor über den endgültigen Verbleib des Mosaiks entschieden wird, soll es umfassend konserviert und restauriert werden. Perspektivisch ist eine Unterbringung im archäologischen Museum der Region vorgesehen. Dort könnte der außergewöhnliche Fund nicht nur der Öffentlichkeit präsentiert, sondern auch langfristig für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich gemacht werden.
Quelle: Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus