Harze aus fernen Regionen: Räucheropfer aus Pompeji erstmals analysiert

Neue Analysen von Ascheresten aus pompejanischen Räuchergefäßen zeigen, dass im häuslichen Kult nicht nur lokale Pflanzen, sondern auch importierte Harze aus Afrika und Asien verwendet wurden. Die Ergebnisse liefern konkrete Hinweise auf weitreichende Handelsverbindungen und machen den religiösen Alltag der antiken Stadt erstmals naturwissenschaftlich greifbar.

Eine große, braune Tonschale mit breitem Rand steht im Mittelpunkt. Am oberen Rand sind drei plastische Figuren angebracht: Eine sitzt auf einer Bank mit gefalteten Händen, die andere steht aufrecht daneben. Im Inneren der Schale liegt eine kleine Menge grauer Asche. Die Oberfläche der Schale zeigt feine Rillen und Verzierungen.
Räucherschale aus Terrakotta mit den untersuchten Ascheresten Der Rand der Schale ist mit drei weiblichen Figuren verziert. Diese stellen wahrscheinlich verstorbene Personen dar, die nach ihrem Tod verehrt wurden.© Parco Archeologico di Pompeii / Foto: Johannes Eber

Der Vesuvausbruch des Jahres 79 n. Chr. konservierte Pompeji unter einer dichten Ascheschicht und schuf damit außergewöhnliche Erhaltungsbedingungen für die Archäologie. Neben Gebäuden und Alltagsgegenständen blieben auch organische Materialien erhalten – darunter die Asche in Räuchergefäßen, die im häuslichen Kult Verwendung fanden.

Ein internationales Forschungsteam hat nun erstmals systematisch untersucht, welche Substanzen in diesen Gefäßen verbrannt wurden. Analysiert wurden die Rückstände aus zwei Opferschalen aus Pompeji sowie einem weiteren Fund aus einer nahegelegenen Villa.

Molekulare Spuren antiker Duftstoffe

Die Untersuchung erfolgte mithilfe moderner chemischer und mikroskopischer Verfahren. „Wir können nun konkret zeigen, welche Düfte im pompejanischen Hauskult tatsächlich verbrannt wurden“, sagt Johannes Eber von der Universität Zürich, der die Studie leitete. „Neben regionalen Pflanzen fanden wir auch Spuren importierter Harze – ein Hinweis auf weitreichende Handelsverbindungen von Pompeji.“

Besonders aufschlussreich ist der Nachweis eines exotischen Baumharzes, das vermutlich aus tropischen Regionen Afrikas oder Asiens stammt. Damit wird deutlich, dass selbst im privaten religiösen Kontext Produkte aus Fernhandelsnetzwerken genutzt wurden.

Wein im Ritualkontext

Neben pflanzlichen und harzigen Substanzen identifizierten die Forscher auch Hinweise auf weitere Bestandteile. „Molekulare Analysen deuten auch auf ein Traubenprodukt in einem der Räuchergefäße hin“, sagt Maxime Rageot von der Universität Bonn, der die biomolekularen Untersuchungen durchführte. „Dies würde mit der Verwendung von Wein in Ritualen übereinstimmen, die in römischen Bildern gezeigt und in Texten beschrieben wird, und zeigt gleichzeitig, wie wichtig es ist, archäologische Studien durch wissenschaftliche Analysen zu ergänzen“, so Rageot.

Interdisziplinäre Archäologie als Schlüssel

Die Studie verdeutlicht den Erkenntnisgewinn durch die Verbindung klassischer Archäologie mit naturwissenschaftlichen Methoden. „Die Verbindung verschiedener aktueller chemischer und mikroskopischer Untersuchungsverfahren macht den religiösen Alltag der Menschen in Pompeji plötzlich greifbar“, erklärt LMU-Archäologe Philipp W. Stockhammer, in dessen ERC-Forschungsgruppe die Studie initiiert wurde.

Auch der Archäologische Park von Pompeji unterstreicht die Bedeutung solcher Ansätze. Die jüngst eingerichtete Dauerausstellung zum Vesuvausbruch präsentiert zahlreiche organische Funde und zeigt das Potenzial moderner Forschung. „Ohne Pompeji wäre unser Wissen über die römische Welt weniger reich“, sagt der Direktor des Parks, Gabriel Zuchtriegel. „Doch es handelt sich um einen Reichtum an Daten und Erkenntnissen, den nur eine zeitgemäße Archäologie angemessen erschließen kann: Dank der interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften können wir noch viel über das Leben in der antiken Stadt entdecken.“

Pompeji im globalen Kontext

Die Ergebnisse machen deutlich, dass Pompeji weit über eine regionale römische Stadt hinausging. Die nachgewiesenen importierten Duftstoffe belegen die Einbindung in ein globales Handelsnetz, dessen Spuren sich selbst im häuslichen Kult niederschlagen. Damit eröffnet die Studie neue Perspektiven auf die wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen der antiken Welt.

Quelle Ludwig-Maximilians-Universität München

Originalpublikation:

Johannes Eber, Shira Gur-Arieh, Robert C. Power, Maxime Rageot & Philipp W. Stockhammer. Ashes from Pompeii: incense burners, residue analyses and domestic cult practices. In: Antiquity. A Review of World Archaeology, 2026.

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