Auf einem Feld nahe der norwegischen Ortschaft Rena, in der Kommune Åmot, wurde der bislang größte Münzschatz der norwegischen Wikingerzeit entdeckt. Aktuell umfasst der Fund 2.970 Silbermünzen, wobei die Untersuchungen noch andauern. Archäologen der Provinz Innlandet arbeiten dabei eng mit privaten Sondengängern, dem Museum für Kulturgeschichte sowie der Norwegischen Agentur für Kulturerbe zusammen.
Internationale Münzströme im Norden
Erste Analysen durch Münzexperten des Museums für Kulturgeschichte in Oslo zeigen, dass ein Großteil der Münzen aus England und dem deutschsprachigen Raum stammt. Daneben finden sich auch Prägungen mit dänischen und norwegischen Einflüssen sowie weitere internationale Herkunftsspuren.
Zu den identifizierten Herrschern, unter denen die Münzen geprägt wurden, gehören unter anderem Knut der Mächtige, Æthelred II., Otto III. und Harald Hardrada. Die Datierung der Münzen reicht von den 980er bis in die 1040er Jahre.
Professor Svein Gullbekk ordnet den Fund in einen größeren wirtschaftshistorischen Kontext ein: "Der Münzfund umfasst Münzen aus den 980er bis 1040er Jahren. Ausländische Münzen dominierten den Münzumlauf in Norwegen, bis Harald Hardråde (1046–1066) eine nationale Münzprägeanstalt gründete. Während der Herrschaft Haralds wurde die Fremdwährung zunehmend durch eine einheitliche königliche Münze ersetzt.“
Schutz und laufende Untersuchungen
Die archäologischen Arbeiten vor Ort sind noch nicht abgeschlossen. Ziel ist es, Ausdehnung und Kontext des Fundes präzise zu erfassen. Zum Schutz des kulturellen Erbes wird die Fundstelle bewacht und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Entdeckungen dieser Art unterliegen automatisch dem norwegischen Kulturerbegesetz.
Der Fund steht vermutlich in engem Zusammenhang mit der regionalen Wirtschaftsstruktur des Mittelalters. Archäologische Untersuchungen belegen, dass in der Region vom 9. bis zum späten 13. Jahrhundert intensiv Eisenerz aus Mooren gewonnen und im großen Stil verarbeitet wurde.
Der Archäologe Jostein Bergstøl erklärt: "Vom 9. Jahrhundert bis zum Ende des 13. Jahrhunderts wurde in dieser Gegend enorm viel Eisen produziert. Das Erz wurde aus den Mooren gewonnen und das daraus gewonnene Eisen nach Europa exportiert. Diese wirtschaftliche Aktivität könnte die Grundlage für den angesammelten Reichtum darstellen, der sich in Form des Münzschatzes erhalten hat. Frühere Ausgrabungen bestätigen eine nahezu industrielle Eisenproduktion in genau diesem Gebiet."
Quelle: Museum für Kulturgeschichte der Universität Oslo