Die Expansion des modernen Menschen aus Afrika verlief offenbar komplexer als lange angenommen. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universitäten Jena, Freiburg und Tübingen sowie der Oxford Brookes University konnte im Emirat Sharjah eindeutige Spuren menschlicher Präsenz nachweisen.
Im Fokus der Untersuchungen steht der Buhais Rockshelter, ein natürliches Felsdach. Die Ausgrabungen belegen mehrere Besiedlungsphasen vor etwa 125.000, 59.000, 35.000 und 16.000 Jahren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht. Projektleiter Dr. Knut Bretzke erklärt, dass die Funde klar voneinander unterscheidbare Siedlungsphasen dokumentieren und damit auf wiederholte Aufenthalte menschlicher Gruppen in der Region hinweisen.
Neue Funde widerlegen etablierte Annahmen
„Bislang wurde angenommen, dass in dieser Region während der letzten Eiszeit keine menschliche Besiedlung möglich war“, sagt Knut Bretzke. Die Region galt als zu trocken und damit lebensfeindlich.
Die archäologischen Befunde zeichnen jedoch ein anderes Bild. In einer Sedimentfalle unterhalb des Felsdaches wurden Steinwerkzeuge entdeckt, die über Jahrtausende hinweg konserviert blieben. Die stratigraphische Abfolge der Schichten – bis in eine Tiefe von 1,70 Metern – zeigt deutlich, dass Menschen wiederholt in dieses Gebiet zurückkehrten. Der Fundplatz fungierte offenbar als temporärer Aufenthaltsort für mobile Jäger- und Sammlergruppen.
Hinweise auf günstigere Umweltbedingungen
Ein zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Umweltbedingungen während der Besiedlungsphasen. „Unsere paläoökologischen Daten zeigen eindeutige Hinweise auf eine erhöhte Wasserverfügbarkeit zu Zeiten, als Menschen das Felsdach bewohnten“, sagt Prof. Dr. Adrian Parker von der Oxford Brookes University.
Demnach führten klimatische Schwankungen zu wiederkehrenden feuchteren Perioden, in denen die heute aride Landschaft deutlich lebensfreundlicher war. Diese Phasen ermöglichten das Überleben und die Mobilität menschlicher Gruppen. Die Ergebnisse belegen, dass Südarabien während der letzten Eiszeit nicht durchgehend unwirtlich war, sondern zeitweise günstige Lebensbedingungen bot.
Konsequenzen für Migrationsmodelle
Die neuen Daten haben weitreichende Implikationen für das Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte. „Jetzt liefern unsere Erkenntnisse die empirische Grundlage, die bekannten Modelle zur Ausbreitung des Menschen in Wüstengebieten rigoros zu überprüfen“, sagt Dr. Knut Bretzke.
Künftig müsse stärker berücksichtigt werden, wie lokale Umweltfaktoren – insbesondere Grundwasserverfügbarkeit und Vegetation – die Besiedlung beeinflussten. Die Ergebnisse erweitern zudem den zeitlichen Rahmen menschlicher Präsenz in Südostarabien auf etwa 210.000 bis 16.000 Jahre vor heute. Die Funde stehen im Kontext früherer Entdeckungen aus dem nahegelegenen Jebel Faya und verdichten das Bild einer langfristigen Nutzung der Region.
Ein Fundort als Zeitkapsel
Der Buhais Rockshelter bot natürlichen Schutz vor Sonne, Witterung und teilweise auch vor Raubtieren. Die dort hinterlassenen Steinwerkzeuge wurden durch Sandablagerungen und herabfallendes Gestein versiegelt.
So entstand über Jahrtausende hinweg eine stabile Sedimentschicht, in der die Artefakte außergewöhnlich gut erhalten blieben. Die Datierung erfolgt mittels Lumineszenzverfahren, das bestimmt, wann die Sedimente zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.
Die besondere Kombination aus archäologischen Funden und gut erhaltenem paläoökologischen Kontext führte dazu, dass die Paläolandschaft von Faya einschließlich des Buhais Rockshelter und Jebel Faya im Jahr 2025 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde.
Quelle Universität Jena
Originalpublikation:
Knut Bretzke, Seolmin Kim, Sabah Jasim, Eisa Yousif, Frank Preusser, Gareth W. Preston, Francesco Pallotino und Adrian Parker: Evidence from Buhais Rockshelter for human settlement in Arabia between 60.000 and 16.000 years ago, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-026-70681-z.