Frankfurt-Höchst: Archäologen finden frührömisches Lager im Garten des Bolongaropalastes

Bei Ausgrabungen im Bolongarogarten in Frankfurt-Höchst wurden die Überreste eines frührömischen Militärlagers entdeckt. Die Funde liefern neue Erkenntnisse zur römischen Expansion sowie zu den Kontakten zwischen römischen Truppen und der lokalen Bevölkerung.

Ausgrabungsstätte mit freigelegten Mauerresten, Gruben und rechteckigen Strukturen im Erdreich. Mehrere Bereiche sind durch Steine oder Ziegel eingefasst, einige Öffnungen sind mit Holzplatten abgedeckt. Der Boden ist uneben und zeigt verschiedene Erdschichten. Im Hintergrund liegt ein Bereich mit grobem Kies.
Blick auf die Grabungsfläche am Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst© Stadt Frankfurt am Main, Foto: Maik Reuß

Im Zuge der Renovierungsarbeiten am Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst wurden archäologische Untersuchungen im angrenzenden Garten durchgeführt. Dabei stieß die Bodendenkmalpflege auf die Überreste einer bislang unbekannten römischen Fundstelle. Es handelt sich um ein frührömisches Militärlager – und damit um das älteste bislang bekannte römische Lager im heutigen Frankfurter Stadtgebiet.

Funde aus einem Militärlager

Innerhalb des Lagers konnten zahlreiche Fundstücke geborgen werden. Dazu zählen unter anderem Münzen aus dem Gebiet des heutigen Frankreichs und Belgiens sowie südgallische Keramik. Diese Funde verweisen auf weitreichende Handelskontakte und geben Einblick in die materielle Kultur und die interne Struktur römischer Militärstandorte.

Bedeutung für die Stadtgeschichte

„Wir freuen uns über ein einzigartiges Zeitzeugnis aus der frührömischen Zeit hier in Höchst. Reste eines Militärlagers um das Jahr 0 sind auch überregional von Bedeutung. Anhand dieses Fundplatzes lässt sich nicht nur die Entwicklung und Ausdehnung des Römischen Reiches in unserem Gebiet nachverfolgen, sondern auch ein Stück Geschichte der Stadt Frankfurt. Das Projekt profitiert von der guten Zusammenarbeit von Hauptamt, Grünflächenamt und Denkmalamt“, so Oberbürgermeister Mike Josef.

Die Entdeckung ist auch deshalb bemerkenswert, weil der dicht bebaute Stadtteil Höchst nur selten Raum für großflächige archäologische Untersuchungen bietet. Der Fund im Bolongarogarten stellt daher einen seltenen Glücksfall dar.

Neue Perspektiven auf römisch-germanische Kontakte

Seit 2016 werden die Sanierungsarbeiten am Bolongaropalast und im Garten durch archäologische Untersuchungen begleitet. Neben kleineren Eingriffen wird derzeit eine größere Flächengrabung durchgeführt.

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Interpretation der frühen Kontakte zwischen Römern und der lokalen Bevölkerung. „Wir alle haben Asterix und Obelix oder den Teutoburger Wald im Hinterkopf, wenn wir an die Eroberung Germaniens durch die Römer denken. Die archäologischen Ausgrabungen im Bolongarogarten konnten bislang keine Hinweise auf kämpferische Handlungen oder Zerstörung finden, sondern durch einheimische Keramik und Essgewohnheiten Hinweise auf Kontakt und Kooperation – für Frankfurt am Main müssen wir also unseren Blick auf die Zeit des ersten Kontakts zwischen Römern und ‚Frankfurtern‘ überdenken. Er war vielleicht weit friedvoller und neugieriger als bislang angenommen“, sagte Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts.

Organisation und Durchführung der Grabung

Die Ausgrabung wird von der Bodendenkmalpflege durchgeführt. Verantwortlich sind die Archäologin und Leiterin der Bodendenkmalpflege Elke Sichert sowie die Grabungstechniker Denis Neumann und Rolf Skrypzak, die die örtliche Grabungsleitung innehaben.

Ein strategischer Standort

Frührömische Militärlager gelten als wichtige Zeugnisse der römischen Expansionspolitik unter Kaiser Augustus. Archäologisch sind sie oft schwer nachweisbar, da sie meist nur kurzzeitig bestanden und nur wenige datierbare Spuren hinterließen.

Das Lager in Höchst stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar. Die römischen Truppen waren hier offenbar über mehrere Jahre stationiert. Der Standort bot strategische Vorteile: Zugang zu Nidda und Main, eine erhöhte Lage mit guter Übersicht, Anschluss an bestehende Verkehrswege sowie Verbindungen zu weiteren römischen Stützpunkten. Stationiert waren Legionäre und Auxiliarsoldaten, also sowohl römische Bürger als auch Truppen verbündeter Völker ohne Bürgerrecht.

Quelle Stadt Frankfurt

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