Digitaler Zugang zur Antike: Öffnung der restaurierten Casa dei Grifi am Palatin per Livestream-Tour

Die Casa dei Grifi auf dem Palatin ist eines der ältesten und am besten erhaltenen Wohnhäuser der römischen Republik. Ihre prachtvollen Wandmalereien, Mosaikböden und Stuckreliefs bieten einen faszinierenden Einblick in die Kunst und Architektur des antiken Roms. Im Rahmen des italienischen Wiederaufbauplans Caput Mundi wird die Domus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da der Zugang zur unterirdischen Anlage schwierig ist, wurde ein Live-Streaming-System entwickelt. Interessierte können die restaurierten Räume so in Echtzeit per Video erleben, ohne die empfindlichen Bereiche zu betreten.

Schmaler Gang mit antiken Wandmalereien und einem kaputten ionischen Säulenkapitell auf einem Sockel in einem historischen Gemäuer.
Haus der Greifen. Übersicht des Raumes mit Stucklünette© Simona Murrone

"Wir können mit großem Stolz die Öffnung der Casa dei Grifi für die Öffentlichkeit bekannt geben. Sie ist eine der am besten erhaltenen Stätten aus republikanischer Zeit auf dem Palatin und berühmt für ihre Malereien und Mosaike. Der PNRR war der Motor hinter einer umfassenden konservatorischen und strukturellen Maßnahme, die die Planung und Realisierung eines innovativen Live-Streaming-Systems ermöglichte. Dank modernster Technologien wird das Personal des Archäologischen Parks des Kolosseums das Publikum durch die restaurierten Räume führen und ein bislang unbekanntes Besuchererlebnis bieten“, so Alfonsina Russo, Leiterin der Abteilung für kulturelle Aufwertung und ehemalige Direktorin des Archäologischen Parks des Kolosseums.

Historischer Kontext und Entdeckung

Die Domus zählt zu den ältesten republikanischen Häusern auf dem Palatin. Sie wurde in den frühen 1900er Jahren von Giacomo Boni entdeckt. Sie ist bekannt für ihren herausragenden Bild- und Mosaikzyklus, der sich in einem exzellenten Erhaltungszustand befindet. Der Name Casa dei Grifi, „Haus der Greifen“, geht auf ein Dekorationsmotiv aus Stuck zurück: zwei symmetrisch angeordnete Greifenfiguren mit Vogelkopf und Löwenkörper auf rotem Putz, die innerhalb einer Lünette in einem der unterirdischen Räume dargestellt sind.

Relief einer geflügelten Kreatur mit Löwenkörper und vogelartigem Kopf an einer gewölbten Wand mit floralen Verzierungen.
Detail der Stucklünette mit einem Greif © Simona Murrone

Architektur und Erhaltungszustand

Die Casa dei Grifi ist terrassenartig in den Hang des Palatins gebaut und erstreckt sich über mehrere Ebenen. Die unteren, heute zugänglichen Räume waren ursprünglich Teil eines größeren Wohnkomplexes. Bereits in der frühen Kaiserzeit wurden große Teile des Hauses durch die Fundamente der Domus Flavia und der Domus Augustana überbaut, was jedoch zu seiner außergewöhnlich guten Konservierung führte. Das Haus blieb über Jahrhunderte überlagert und dadurch weitgehend vor Zerstörung geschützt.

Die untere, unterirdische Ebene umfasst acht Räume mit Wand- und Bodenverzierungen, die einen hohen künstlerischen Standard erkennen lassen. Die Kombination von Malerei, Stuck und Mosaik spiegelt die typischen Merkmale der spät-republikanischen Innenraumgestaltung wider.

Wandmalerei und Dekorationssysteme

Besondere Bedeutung kommt der illusionistischen Wandmalerei zu, die in der Casa dei Grifi zu den frühesten bekannten Beispielen dieser Gattung zählt.

Innenraum der restaurierten Casa dei Grifi am Palatin mit bemalten Wandfragmenten und einem Mosaikboden.
Überblick über den Raum mit Mosaikboden und zentralem Emblem mit perspektivischen Würfeln © Simona Murrone
Die Dekorationen ahmen architektonische Strukturen wie Pilaster, Säulen und orthostatische Marmortafeln nach. Diese gemalten „Architekturen“ schaffen eine räumliche Tiefenwirkung, die die reale Architektur optisch erweitert. Die Fußböden der Casa dei Grifi bestehen aus feinen weiß-schwarzen oder auch polychromen Mosaiken, teilweise mit orthogonalen Ornamentrahmen oder geometrischen Mittelfeldern.
Bodenmosaik mit einem quadratischen Muster aus dreidimensional wirkenden Würfeln, umgeben von einem roten Rahmen und einem Hintergrund aus kleinen, quadratischen Mosaiksteinen.
Detail des Bodenmosaiks aus dreidimensional wirkenden Würfeln © Simona Murrone
Das charakteristische Motiv aus perspektivisch angeordneten Würfeln wird durch die Kombination verschiedener Steinmaterialien erzielt: weißem Palombino, grünem mergeligen Kalkstein aus Latium und schwarzem Schiefer. 

Dank jüngster konservatorischer Maßnahmen ist das Haus heute wieder zugänglich. Moderne Aufzeichnungstechniken und ein Live-Übertragungssystem ermöglichen Einblicke in Räume, die aufgrund ihrer Lage nicht für alle Besucher begehbar sind. Gleichzeitig werden die empfindlichen Oberflächen vor Beschädigungen durch Kohlendioxid und hohe Luftfeuchtigkeit geschützt.

Ab dem 3. März finden wöchentlich dienstags Live-Stream-Führungen statt, jeweils eine auf Italienisch und eine auf Englisch. Weitere Führungen sind geplant. Die Gruppengröße ist auf zwölf Personen begrenzt. Eine Reservierung sowie ein zusätzliches Ticket (zusätzlich zum regulären Eintrittspreis für das Kolosseum und den Palatin) sind erforderlich.

Quelle: Parco archaeologico del colosseo

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