Bronzezeitliches Ringdepot im Dresdener Stadtteil Wilschdorf entdeckt

Bei Wilschdorf, einem Stadtteil von Dresden, hat der vom Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) zertifizierte Sondengänger Ronald Meißner ein spätbronzezeitliches Ringdepot entdeckt, das in die Zeit zwischen 1300 und 1100 v. Chr. datiert. Der Fund umfasst sechs gerippte Ringe sowie ein Ringfragment mit einem Gesamtgewicht von 837,2 Gramm.

Drei bronzefarbene Ringe liegen nebeneinander in einer Erdvertiefung. Die Ringe sind teilweise mit Erde gefüllt und zeigen grünliche Patina. Links unten liegen zwei weiße, pfeilförmige Markierungen. Unterhalb der Ringe befindet sich eine Maßstabsleiste mit abwechselnd dunklen und hellen Segmenten. Der Hintergrund besteht aus brauner, aufgelockerter Erde.
Freilegung des Ringdepots© Landesamt für Archäologie Sachsen

Die genaue Datierung wird durch Form und Verzierung der Objekte ermöglicht. Zwei der Stücke sind tordierte Armringe, deren verdrehte Struktur und überlappende, verzierte Enden charakteristisch sind. Die übrigen vier Ringe lassen sich als schräg gerippte, offene Beinringe ansprechen.

Vergleichbare Schmuckformen sind aus weiten Teilen Mitteleuropas bekannt. Sie waren Bestandteil der Tracht und fungierten zugleich als sichtbare Zeichen von Wohlstand und sozialem Status.

Mehrere bronzene Armringe mit gedrehten und glatten Oberflächen liegen auf dunklem, einfarbigem Hintergrund. Die Ringe zeigen unterschiedliche Durchmesser und sind teilweise geöffnet oder leicht deformiert. Die Oberflächen weisen eine grünliche Patina auf, die für Bronze typisch ist.
Das Ringdepot besteht aus zwei Armringen (Vordergrund) und vier Beinringen. © Landesamt für Archäologie Sachsen

Depotfunde und ihre Deutung

Das Ensemble ist als typischer Depotfund der späten Bronzezeit zu interpretieren. Solche Funde wurden gezielt im Boden niedergelegt. Die Gründe für dieses Verhalten sind bis heute Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Ein bloßes Verbergen von Wertgegenständen in Krisenzeiten gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Vielmehr sprechen zahlreiche vergleichbare Funde in Mitteleuropa für ritualisierte Handlungen. Die wiederkehrenden Muster in Zusammensetzung und Niederlegung deuten darauf hin, dass es sich um bewusst platzierte Opfergaben gehandelt haben könnte, möglicherweise im Zusammenhang mit religiösen Vorstellungen oder bislang unbekannten Gottheiten.

Gesellschaftlicher Kontext der Bronzezeit

Die Bronzezeit war durch tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen geprägt. Mit dem Wissen über Metalllagerstätten, der Entwicklung von Metallverarbeitungstechniken und der Kontrolle über Handelswege entstanden neue Machtstrukturen und regionale Zentren. Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der materiellen Kultur wider, zu der der Fund von Wilschdorf einen weiteren Baustein liefert.

Vorbildliches Verhalten und wissenschaftliche Auswertung

Der Fund wurde unmittelbar nach seiner Entdeckung gemeldet. Der Sondengänger beließ die Objekte im Boden und informierte das Landesamt für Archäologie Sachsen. Daraufhin erfolgte eine fachgerechte Bergung durch ein Team von Wissenschaftlern und Grabungstechnikern.

Die Funde werden derzeit gereinigt, dokumentiert und restauriert. Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik betont: »Als Forschungseinrichtung wird sich das Landesamt für Archäologie Sachsen intensiv mit diesem Fund beschäftigen und ihn in Zusammenhang mit anderen Funden dieser interessanten Epoche stellen, um das Bild einer der wichtigsten Blütezeiten Sachsens weiter zu vervollständigen.«

Quelle: Landesamt für Archäologie Sachsen

 
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