Bei archäologischen Untersuchungen im Innenhof von Schloss Hohenaschau sind überraschend frühe Siedlungsspuren zutage getreten. Direkt auf dem Kalkfelsen über dem Priental entdeckten die Forschenden Keramik, die bis in die Bronzezeit (ab etwa 2300 v. Chr.) datiert.
Die Befunde legen nahe, dass die damaligen Bewohner gezielt in die natürliche Topografie eingriffen: Felsspalten wurden mit sandig-lehmigem Material verfüllt, um eine ebene Fläche zu schaffen. Auf diese Weise entstand ein Plateau, das als Siedlungsfläche diente und zugleich eine strategisch günstige Lage auf dem höchsten Punkt des Geländes bot.
Archäologische Begleitung von Bauarbeiten
Anlass der Grabungen war die geplante Erneuerung des Pflasters im Innenhof des sogenannten Preysingbaus. Die Untersuchungen, die seit November 2025 durchgeführt werden, erfolgten in Zusammenarbeit zwischen dem Staatlichen Bauamt Rosenheim, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) sowie der Grabungsfirma ReVe. Auftraggeberin war die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Eigentümerin des Schlosses.
Die Bedeutung der Ergebnisse unterstreicht Prof. Mathias Pfeil, Generalkonservator des BLfD: „Grabungsergebnisse wie diese sind ein Glücksfall: Sie zeigen, dass selbst an einem seit Jahrhunderten bekannten Ort noch ungeschriebene Geschichte im Boden bewahrt ist. Hohenaschau gewinnt mit den jüngsten Funden aus drei Zeitschichten eine neue historische Tiefe, die von der frühen Besiedlung in der Bronzezeit bis zur Schlossanlage der Neuzeit reicht“.
Neue Erkenntnisse zur mittelalterlichen Nutzung
Neben den bronzezeitlichen Funden konnten erstmals auch Hinweise auf eine Nutzung in spätkarolingisch-ottonischer Zeit (9. bis 11. Jahrhundert) nachgewiesen werden. Keramikscherben stammen aus dem Abbruch einer Ofenanlage, deren genaue Funktion bislang unklar bleibt.
Diese Entdeckungen sind besonders bedeutsam, da die Burg Hohenaschau in schriftlichen Quellen erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erscheint. Die archäologischen Befunde legen nun nahe, dass bereits zuvor eine befestigte Anlage auf dem rund 75 Meter hohen Felsen existierte. Die topografische Lage hätte hierfür ideale Voraussetzungen geboten.
Baustrukturen aus Mittelalter und Früher Neuzeit
Als dritte Zeitschicht dokumentierten die Archäologinnen und Archäologen bauliche Überreste aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Trotz vergleichsweise geringer Eingriffstiefe konnten Mauerstrukturen, Pflasterflächen und verschiedene Erdbefunde freigelegt werden.
Aus einer erhaltenen Mauerecke lässt sich ein rechteckiges Gebäude rekonstruieren. Bemalte Putzreste deuten darauf hin, dass einzelne Räume mit Fresken ausgestattet waren. Zudem wurde ein Architekturfragment geborgen, das vermutlich zu einem Arkadengang aus der Frühen Neuzeit gehörte.
Schloss Hohenaschau im historischen Kontext
Nach der Errichtung einer Höhenburg gegen Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich Hohenaschau über Jahrhunderte hinweg zu einem bedeutenden Herrschaftszentrum verschiedener Adelsfamilien. Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert sowie eine umfassende Neugestaltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten das Erscheinungsbild der Anlage.
Heute befindet sich das Schloss im Besitz der BImA und wird als Kulturstandort genutzt. Es beherbergt ein Museum, bietet Führungen an und dient zugleich als Ferienunterkunft für das Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung.
Quelle Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege