Archäologen finden mögliche Statue Ramses II. im östlichen Nildelta

Im Zuge archäologischer Arbeiten am Fundort Tell Faroun im Zentrum Al-Husayniya (Gouvernement Sharqia) hat eine ägyptische Mission des Obersten Rates für Altertümer eine monumentale Statue freigelegt. Erhalten ist der obere Teil der Skulptur, während Beine und Sockel fehlen. Aufgrund stilistischer Merkmale wird das Werk mit hoher Wahrscheinlichkeit König Ramses II. zugeschrieben.

Großer, stark verwitterter Torso einer steinernen Statue mit zwei anliegenden Figuren, die nebeneinander stehen. Die Oberflächen sind uneben und zeigen deutliche Erosionsspuren. Die Köpfe und Körperformen sind nur noch schemenhaft erkennbar. Der Fund liegt auf sandigem Boden, seitlich ist ein Maßstab mit schwarz-weißen Feldern zu sehen.
© Ministerium Für Tourismus und Altertümer Ägypten

Die Statue misst etwa 2,20 Meter und wiegt schätzungsweise fünf bis sechs Tonnen. Trotz ihres fragmentarischen Zustands sind charakteristische künstlerische und ikonografische Details erhalten geblieben, die eine Einordnung in den königlichen Kontext ermöglichen.

Hinweise auf eine ursprüngliche Statuengruppe

Die Analyse der erhaltenen Elemente deutet darauf hin, dass die Skulptur ursprünglich Teil einer Triade war. Vergleichbare Gruppen sind aus mehreren Fundorten im Gouvernement Sharqia bekannt. Solche Darstellungen hatten im religiösen Kontext eine zentrale Funktion und standen häufig in Tempelanlagen.

Dr. Hisham El-Leithy, Generalsekretär des Obersten Rates für Altertümer, bestätigte, dass diese Entdeckung einer der wichtigsten archäologischen Belege ist, der Aspekte der religiösen und königlichen Aktivitäten in der östlichen Delta-Region beleuchtet und dazu beiträgt, das Verständnis des Phänomens der Verbringung und Wiederverwendung königlicher Statuen während der Zeit des Neuen Reiches zu verbessern, insbesondere im Kontext der Verbindung regionaler Stätten mit wichtigen königlichen Zentren

Wiederverwendung im religiösen Kontext

Vorläufige Untersuchungen legen nahe, dass die Statue nicht ursprünglich am Fundort errichtet wurde. Professor Mohamed Abdel Badie erklärte, dass sie vermutlich aus der bedeutenden Residenzstadt Pir-Ramesses nach Tell Faroun – dem antiken Imet – verbracht wurde. Dort wurde sie offenbar in einem religiösen Komplex erneut aufgestellt.

Diese Praxis der Wiederverwendung verweist auf die anhaltende kultische Bedeutung älterer Monumente und zugleich auf die enge Verbindung zwischen politischen Machtzentren und regionalen Heiligtümern im Neuen Reich.

Unmittelbar nach ihrer Freilegung wurde die Statue aus dem Tempelbereich geborgen und in ein Museumsdepot im Gebiet von San El-Hagar überführt. Dort erfolgen derzeit konservatorische Maßnahmen nach modernen wissenschaftlichen Standards, um den Erhalt des stark beschädigten Objekts langfristig zu sichern.

Kontext früherer Entdeckungen

Der aktuelle Fund reiht sich in eine Serie bedeutender Entdeckungen in der Region ein. Bereits im vergangenen September wurde eine Steintafel mit einer neuen Version des sogenannten Kanopischen Dekrets aus dem Jahr 238 v. Chr. entdeckt. Dieses Dekret dokumentiert die religiöse Verehrung von Ptolemaios III. und seiner Familie und verdeutlicht die anhaltende Bedeutung des Ortes über verschiedene Epochen hinweg.

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