Das ausgedehnte Hafenstadt Hala Sultan Tekke (auch Dromolaxia-Vyzakia), am Ufer des Salzsees von Larnaka gelegen, erstreckte sich über mindestens 25 Hektar. Seine Gründung um 1650/1630 v. Chr. markiert den Übergang von der mittleren zur späten Bronzezeit. Fast fünf Jahrhunderte lang blühte die Siedlung, ehe sie um 1150 v. Chr. zerstört und aufgegeben wurde. In dieser Zeit entwickelte sich die Stadt zu einem zentralen Knotenpunkt des mediterranen Handelsnetzes – vor allem dank ihrer Kupferproduktion.
Die Ausgrabungen unter der Leitung von Professor Peter M. Fischer von der Universität Göteborg in Schweden wurden im Zeitraum Mai-Juni 2025 durchgeführt und konzentrierten sich auf den außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof (Bereich A). Sie folgten den Ergebnissen geophysikalischer und oberflächlicher Untersuchungen der Vorjahre. Unter der Erde kamen zahlreiche Strukturen zutage, die über Jahrtausende hinweg durch Erosion und landwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigt worden waren. Unter anderem wurden ein längst aufgegebener Brunnen sowie zwei Kammergräber aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. freigelegt.
Eine moderne Bohrung neben dem antiken Brunnen bestätigte einen hohen Salzgehalt des Grundwassers in etwa zehn Metern Tiefe – vermutlich der Grund, weshalb dieser in der Antike aufgegeben wurde. Die beiden Kammergräber, deren Decken bereits in der Antike eingestürzt waren, bargen gut erhaltene archäologische Kontexte. Der Einsturz hatte, wie Professor Fischer betont, „den Inhalt der Gräber wirkungsvoll versiegelt und so die Erforschung bronzezeitlicher Bestattungsrituale ermöglicht“.
Reichtum und Fernhandel im Spiegel der Funde
Die Kammergräber enthielten eine beeindruckende Vielfalt an Grabbeigaben: kunstvoll gefertigte lokale Keramik, Werkzeuge und Schmuckstücke. Von herausragender Bedeutung ist die große Zahl importierter Luxusgüter, die Zeugnis von weitreichenden Handelsverbindungen ablegt. Keramik gelangte aus dem ägäischen Raum – etwa aus Berbati, Tiryns, Kreta und von weiteren Inseln – nach Zypern. Elfenbeinobjekte und Alabastergefäße stammten aus Ägypten, während Lapislazuli aus Afghanistan, Karneol aus Indien und Bernstein aus dem Baltikum auf weit verzweigte Austauschsysteme verweisen, die Zypern mit den großen Zivilisationen der Bronzezeit verbanden.
Sogar Keramik von der Insel Sardinien wurde gefunden – ein Hinweis auf den Austausch zwischen der Mittelmeerinsel und Zypern, bei dem zyprisches Kupfer in Form sogenannter „Ochsenhautbarren“ exportiert wurde. Diese Funde unterstreichen, welche Schlüsselrolle Hala Sultan Tekke im internationalen Handel der damaligen Zeit spielte.
Kupfer als Grundlage des Wohlstands
Der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt beruhte auf der Kupferproduktion. Schlackenhalden, Schmelzöfen und Tiegel belegen eine intensive Verarbeitung vor Ort. Erz aus dem Troodos-Gebirge wurde in Hala Sultan Tekke verhüttet und über den geschützten Hafen exportiert. Zwischen dem 15. und 13. Jahrhundert v. Chr. machte dieser Industriezweig die Stadt zu einem Zentrum wirtschaftlicher und kultureller Aktivität.
Einblick in die Gesellschaft der Bronzezeit
Die Gräber liefern wertvolle Informationen zu Bestattungsritualen und sozialer Struktur. Stratigrafische Untersuchungen belegen, dass sie über viele Generationen hinweg genutzt wurden – ältere Überreste wurden dabei oft sorgfältig umgebettet, um Platz für neue Bestattungen zu schaffen. Diese Praxis spricht für ein starkes Bewusstsein für familiäre Kontinuität und verwandtschaftliche Bindungen.
Die lange Nutzung über mindestens ein Jahrhundert hinweg hat eine komplexe Schichtenfolge hinterlassen, besonders in der Anordnung der Grabbeigaben. Die Auswertung dieser Stratigrafie erlaubt eine präzisere Datierung der gesamten Stätte. DNA-Analysen der geborgenen menschlichen Überreste sollen künftig Aufschluss über Verwandtschaft, Gesundheit und Lebensweise geben. Erste Ergebnisse zeigen, dass Individuen aller Altersgruppen beigesetzt wurden – von Neugeborenen bis zu Erwachsenen, die selten älter als 40 Jahre wurden.
Bedeutung eines bronzezeitlichen Zentrums
Die Grabfunde bestätigen eindrucksvoll die herausragende Rolle von Hala Sultan Tekke als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der späten Bronzezeit. Der Reichtum an importierten Luxusgütern in den Gräbern lässt vermuten, dass hier Mitglieder der städtischen Elite ruhten, die aktiv am überregionalen Handel beteiligt waren. Die Vorliebe für bestimmte ausländische Objekte könnte zudem auf spezialisierte Handelskontakte oder gar auf das Vorhandensein kleiner Migrantengruppen innerhalb der Stadt hinweisen.
Die Abteilung für Altertümer des stellvertretenden Kulturministeriums von Zypern hat nun die Durchführung einer weiteren Ausgrabungsperiode in der spätbronzezeitlichen Hafenstadt angekündigt.
Quelle: Republik Zypern