Unerwarteter Fund in Köln: Römerzeitliches Hafenufer unter dem neuen Wallraf-Richartz-Museum freigelegt

Bei den aktuellen Bauarbeiten für den Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation Corboud in Köln sind Archäologen auf ein bemerkenswertes Relikt aus der Römerzeit gestoßen: ein gut erhaltenes Uferschutzbauwerk des antiken Hafens.

Archäologische Ausgrabungsstätte mit mehreren Personen in Schutzkleidung und Helmen, die an einer tiefen, rechteckigen Grube arbeiten. Im Vordergrund sind dunkle, vertikal angeordnete Holzbalken sichtbar, die eine alte Uferbefestigung bilden. Eine Leiter lehnt an einem zentralen Rohr, das von oben in die Grube ragt. Werkzeuge, Eimer und Schläuche liegen verstreut auf dem feuchten Boden. Die Wände der Grube zeigen verschiedene Erdschichten.
© Arge KölnArchäologie / RGM Stadt Köln

Es handelt sich um eine Pfahlwand aus dicht nebeneinander gesetzten, angespitzten Eichenbalken, die vor fast 2.000 Jahren den Hafenrand befestigten. Die Pfähle wurden sorgfältig quadratisch zugesägt und haben Querschnitte von etwa 25 mal 30 Zentimetern. Sie bilden eine geschlossene Wandkonstruktion.

Nach bisherigen Erkenntnissen diente dieser Bau als bauliche Vorbereitung für die rheinseitige Stadtmauer und schützte den Bauplatz vor Unterspülung. Überraschend ist der Fundort – weiter östlich als erwartet. Damit verschiebt sich das bisher angenommene Bild der römischen Ufersicherung deutlich.

Mehrere Personen mit Schutzkleidung und blauen Helmen arbeiten an einer Ausgrabungsstätte. Im Hintergrund steht eine hohe, senkrechte Holzwand, die von Erde und Gestein umgeben ist. Die Arbeiter führen verschiedene Tätigkeiten aus, einige stehen auf der Holzkonstruktion, andere graben im Boden davor. Die Szene spielt in einer tiefen Baugrube mit sichtbaren Erdschichten.
© Arge KölnArchäologie / RGM Stadt Köln

Archäologische Untersuchungen im Kontext von Bau und Denkmalschutz

Da sich das Baugrundstück in einem Bereich befindet, der als Bodendenkmal eingestuft ist und sich über dem ehemaligen römischen Hafen befindet, begleitet das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln (RGM) das Projekt von Beginn an mit bauvorgreifenden Ausgrabungen. Diese Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit der Stadt und auf Grundlage des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes.

Trotz intensiver Vorerkundung bleiben Überraschungen nicht aus. So wurde beispielsweise bereits im Jahr 2025 beim Abbruch des früheren Kaufhauses Kutz ein gut erhaltener Keller aus dem Hochmittelalter entdeckt. Seine Bruchsteinmauern traten erst zutage, als die moderne Überbauung entfernt war. Zudem fanden sich innerhalb des Areals inselartig erhaltene Erdpolster mit intakten archäologischen Schichten, darunter Latrinengruben und Brunnen, die vor ihrem Abtrag sorgfältig dokumentiert werden mussten.

Blick in die Tiefe – und nach vorn

Auch künftig könnten weitere Entdeckungen folgen. „Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenden Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr. Wie immer arbeiten wir eng verzahnt mit dem Römisch-Germanischen Museum, um die Freilegung und Dokumentation der Funde so schnell wie möglich voranzubringen,“ erläutert Prof. Jürgen M. Volm, externer Projektmanager.

Zwischen Geschichte und Gegenwart: Herausforderung für den Bauablauf

Die archäologischen Funde haben, ebenso wie weitere Herausforderungen im komplexen Baugrund – darunter Quecksilberfunde – zu Verzögerungen geführt. Inzwischen hat sich die Bauzeit um rund vier Monate verlängert. Die bauliche Fertigstellung ist nun für das vierte Quartal 2027 vorgesehen; die Eröffnung des Erweiterungsbaus soll nach Einrichtung und Inbetriebnahme im vierten Quartal 2028 erfolgen. Finanziell bleibt das Projekt im Rahmen.

Quelle: Stadt Köln

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