Es handelt sich um eine Pfahlwand aus dicht nebeneinander gesetzten, angespitzten Eichenbalken, die vor fast 2.000 Jahren den Hafenrand befestigten. Die Pfähle wurden sorgfältig quadratisch zugesägt und haben Querschnitte von etwa 25 mal 30 Zentimetern. Sie bilden eine geschlossene Wandkonstruktion.
Nach bisherigen Erkenntnissen diente dieser Bau als bauliche Vorbereitung für die rheinseitige Stadtmauer und schützte den Bauplatz vor Unterspülung. Überraschend ist der Fundort – weiter östlich als erwartet. Damit verschiebt sich das bisher angenommene Bild der römischen Ufersicherung deutlich.
© Arge KölnArchäologie / RGM Stadt Köln
Archäologische Untersuchungen im Kontext von Bau und Denkmalschutz
Da sich das Baugrundstück in einem Bereich befindet, der als Bodendenkmal eingestuft ist und sich über dem ehemaligen römischen Hafen befindet, begleitet das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln (RGM) das Projekt von Beginn an mit bauvorgreifenden Ausgrabungen. Diese Arbeiten erfolgen in Abstimmung mit der Stadt und auf Grundlage des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes.
Trotz intensiver Vorerkundung bleiben Überraschungen nicht aus. So wurde beispielsweise bereits im Jahr 2025 beim Abbruch des früheren Kaufhauses Kutz ein gut erhaltener Keller aus dem Hochmittelalter entdeckt. Seine Bruchsteinmauern traten erst zutage, als die moderne Überbauung entfernt war. Zudem fanden sich innerhalb des Areals inselartig erhaltene Erdpolster mit intakten archäologischen Schichten, darunter Latrinengruben und Brunnen, die vor ihrem Abtrag sorgfältig dokumentiert werden mussten.
Blick in die Tiefe – und nach vorn
Auch künftig könnten weitere Entdeckungen folgen. „Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenden Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr. Wie immer arbeiten wir eng verzahnt mit dem Römisch-Germanischen Museum, um die Freilegung und Dokumentation der Funde so schnell wie möglich voranzubringen,“ erläutert Prof. Jürgen M. Volm, externer Projektmanager.
Zwischen Geschichte und Gegenwart: Herausforderung für den Bauablauf
Die archäologischen Funde haben, ebenso wie weitere Herausforderungen im komplexen Baugrund – darunter Quecksilberfunde – zu Verzögerungen geführt. Inzwischen hat sich die Bauzeit um rund vier Monate verlängert. Die bauliche Fertigstellung ist nun für das vierte Quartal 2027 vorgesehen; die Eröffnung des Erweiterungsbaus soll nach Einrichtung und Inbetriebnahme im vierten Quartal 2028 erfolgen. Finanziell bleibt das Projekt im Rahmen.
Quelle: Stadt Köln